Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1936)
- Date
- 1936-07-30
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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30. Juli 1936 Der Israelit Nr. 31 Seite 3 riggeblieben als Repräsentant und Verwalter der englischen Macht in Süd=Transjordanien. Ein selbstbewußter, ruhiger, nüchterner Mensch, auf vorgeschobenem Posten, dessen ganze Macht die eigene Persönlichkeit ist. Wie hier, so verwalten an tausend anderen Stellen dieser Erde in Ferne und Einsamkeit einzelne; Individualisten reinsten Wassers Ruf, Macht und Gut eines Weltreichs'. Bei den arabischen Behörden wächst das Gespräch schon hinaus in die Höhe politischer Dialektik. Man is-t „orientiert" in Ma'an. Und man spürt, daß vom Feuer, das in Palästina brennt, Funken über den Jcrdan gestoben sind. Und man, nimmt leidenschaftlich Anteil an dem, was sich in Palästina in diesen Tagen vollzieht. Und man erzählt, daß wohl der eine oder andere heimlich «ein alte® Gewehr über die Schulter genommen hat, sein schwarzes Nomadenzelt verlassen hat, und auf Schleichwegen hinübergewandert ist, ins „gelobte Land", um mitzuhelfen im Kampf gegen „Inglesi" und „Jehudi" — gegen Engländer und Juden. Aber an der Nachricht eines! französischen Nachrichtenbüros, daß Tausende von Transjordaniern bereit stehen, über den Jordan zu marschieren, bleibt nichts, wenn die Nachricht an Ort und Stelle durch das Sieb der Wirklichkeit geworfen wird. Je weiter man längs der Hedschasbahn nordwärts fährt, um so deutlicher spürbar wird die Erregung, die die palästinensischen Ereignisse hier ausgelöst haben, E® ist die Gegend, in der Lawrence die Araber zum Auf&taoad gegen die Türken führte. Alles Hoffen, alles Glauben und jedes Gebet gehört hier den Kämpfenden in Palästina und der großen arabischen Sache, für die man nun nicht mehr gekämpft hat, seitdem Lawrence aus diesem Land-3 verschwunden und man in Europa Frieden schloß. Und wenn es nach diesen Menschen ginge, die hier ihre kriegerischen Reiterspiele in akrobatischer Vollendung durchführen, um sich den langvermißten Kampf spielend vorzugaukeln, .dann vielleicht marschierten Tausende über den!Jordan zur Hilfe. Aber der Emir — der Emir in Amman will nicht, und der weiß, was das Beste ist. Zwei Tage später sitzt man diesem Mann, der weiß, was das Beste ist, Auge in Auge gegenüber. Schon wenige Stunden nach der Ankunft in Amman hat Emir Abdullah, mit Billigung Englands Herr von Transjordanien, den Besucher zur Audienz gebeten. Der Emir empfängt in seinem Arbeitsraum im kleinen RegieningSgebäude zu Amman, Hinter europäischem Schreibtisch thront in breitem Sessel der Emir, ganz in weiße Gewänder gekleidet, auf dem Kopf 'die weich fallende Kefieh mit den goldenen Schnüren gehalten. Ein Dolmetsch vermittelt das Gespräch vom Arabischen ins Englische oder umgekehrt. Der Emir verweist die Nachricht, daß. seine Untertanen zu Tausenden an der Grenze Palästinas stehen, um über den Jordan zu marschieren, noch einmal ins Bereich der Lüge. „Es wäre das Schlechteste, was wir tun könnten," meint er. „So können wir unsere Wünsche und Hoffnungen nicht zum Reifen bringen. Sicher, meine ganzen Sympathien gehören den Brüdern gleichen Blutes in Palästina, aber wir müssen mit der Wirklichkeit rechnen.. Alles, was ich auf diplomaiiU schem Wege tun kann, tue ich, und es wird nicht ohne Wirkung bleiben. Aber wir in Transjordanien brauchen den Kampf nicht aufzunehmen. Wir brauchen für die Entwicklung der Dinge nicht die Waffen zu heben. Für uns kämpft die Zeit. Sie läßt unsere Pläne reifen . . ." „Welche Pläne, Hoheit?" — wirft hier der Besucher ein, und es legt eich ein kurzes Besinnen in Öelbäume in Palästina das Hin und Her des Gesprächs. Dann sagt Emir Abdullah, der Sohn des früheren Königs Hussein von Hedschas und Onkel des Königs, der heute in Bagdad residiert. „Die Pläne der Zukunft, die Pläne und Hoffnungen, die uns während des Krieges zum Aufstand gegen die Türken führten, und um die i wir betrogen wurden während der Friedensverhandlungen, die Pläne, die auf ein einiges, großes Arabien zielen." „Eines Großarabiens oder einer Konföderation arabischer Staaten" — unterbricht der Besucher den Emir aufs neue. Wieder stockt die Rede des Emirs, und seine Blicke schweifen über die öden, ausgebrannten Felsen jenseits des Flusses. Ob er an Ibn Saud denkt, an seinen Neffen in Bagdad, an seinen eigenen Sohn, einen jugendlichen Heißsporn, der gegen des Vaters Willen gemeinsame Sache mit den Aufständischen in Palästina machen wollte? Nach einer Weile besinnt sich der Emir wieder auf seinen Besucher und sein träumender Blick kehrt zurück zur Wirklichkeit. Er plaudert von seiner Forderung, mit Syrien vereinigt zu werden, die durch die englische Regierung in Paris vorgetragen wurde, ohne daß bis jetzt eine Entscheidung darüber gefallen wäre. Nur so, meinte damals der Emir, seien Unruhen in Transjordanien fernzuhalten ... Er sagt ein paar besonders herzliche Worte über das neue Deutschland, und entläßt dann den Besucher mit einem herzlichen Händedruck und einem Brief an seinen königlichen Neffen in Bagdad, der dort Tor und Tür ö'ffnen wird . . . Wenige Stunden später rollt das Auto westwärts auf die palästinensische Grenze zu. Im Osten versinkt Amman, Transjordaniens Hauptstadt, über der die Silbervögel der englischen Luftwaffe ihre warnenden Kreise ziehen ... Säen im QTtoncfHcfif. Von Sch. Schalom. Das nachstehende Stück ist dem „Galiläischen Tagebuch" des hebräischen Dichters Sch. Schalom entnommen, der vor allem als Lyriker und Dramati* ker dem palästinensischen Publikum bekannt ist. Es behandelt die Arbeit in einer .galiläischen Siedlung, während Ueberfälle durch Beduinen drohen. Sachte, sachte, Mond, auf deinem Weg! Wir säen in deinem Licht, säen die Felder Galiläas. — Von allen Seiten sind die Feinde gegen uns aufgestanden. Sie haben uns umzingelt mit ihren brüllenden Gelüsten — deshalb sind wir ausgezogen, in den Nächten zu säen. Nur säen wollen wir und unsere Seele sehnt sich nach Korn. . Sachte, sachte, Mond, auf deinem Weg! Zerrissen und zerklüftet sind die Felder Galiläa®. Teuer und heilig ist uns der Same, den wir auswerfen. Und wir bedürfen deines Lichtes. Deines Lichtes, Mond, bedürfen wir. Gib doch Licht unserem Weg, aber so, daß uns jene nicht zu sehen vermögen. Lasse doch keimen die Saat und nicht mögen sie jäten die Bösen. Lasse wachsen unsre Ernte, die Gärtnerei mit Blumenbeeten wir saeten des Nachts, denn verraten, verraten hat uns die Sonne und die Tage geben unser Werk der Vernichtung preis. Sachte, sachte, Mond, auf deinem Weg! Erschrick doch nicht vor unsren phantastischen Schatten. Jüdische Menschen sind wir, die ihre Felder in den Nächten bestellen. Wir haben weder Stimme, noch Laut. Unwirklich sind die Hufe unserer Pferde und verhalten rollen die Räder unserer Wagen. Still, still gehen wir und die Berge ringsum verstehen uns nicht; versteh doch du unser Werk und gib uns nicht dem Verderben preis1. Schütze uns vor tückischer Kugel und dem Dolch, gezückt aus dem Hinterhalt. Schütze uns vor dem Hornsignal des Krieges, vor dem Blute, das über den .Ackerfurchen vergossen wird. Das arabische Dorf L i f t h a vor Jerusalem Schütze die Saat, die wir saeten, schütze sie vor Dürre und Raub. Unsre' Söhne sollen essen. und satt werden, erheben sollen sie sich und unsrer zum Guten gedenken. Denn ihretwillen säen wir in den Nächten und ihnen gilt unser eiliger Schritt in den Nächten. Jüdische Menschen sind wir, die ihre Felder in den Nächten bestellen. Sachte, sachte, Mond, auf deinem Weg! (Autorisierte Uebersetzung aus dem Hebräischen von Schalom Ben Chorin, Jerusalem.) Lord Melchett-Garten bei Tiberias