Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1936)
- Date
- 1936-07-30
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr, 31 Der Israelit 30. Juli 1936 )(^C^>e=s^^C>^>(^Cf^>tSK^(>^> iprn if vr\ T?n 'in;yn *i}2 nVtf *a 'in ♦^j3 lös >>s aVn t : - I ■• /na? ^rnsrf? sym nsa? ♦ny-aVa nmtf ipT 'pT/ln >:nnn ^2 an na d*t rosn tk T T S _ T I " IDIK-mS TS TT Vv —: air aVn >n-sn nrwi T : ~ •" : niw ^rhiqV ♦Tl ^3 tfDSB X T V V nj-nntpi rm ^n nriü 05353 •nasn ^»sn T T — ~_ twas x ■ - « /'»w >aw 'in X!Y3 700 ^n »öln . Dr. Jakob Nacht im Jerusalemer „Hajessod' Hervorragende Leistungen jüdischer Mediziner. Krebstherapie jüdischer Aerzte aus Deutschland in Frankreich, in der Schweiz u. in Jugoslavien erprobt Die „Schweizerische Medizinische Wochenschrift" berichtet in drei Aufsätzen über die wunderbaren Erfolge einer neuen von jüdischen Gelehrten, die aus Deutschland ausgewandert sind, angegebenen Krebstherapie. Erprobt wurde die Therapie in den Krankenhäusern Bizetre und St, Louis in Paris, an der Ecole de Medecine in Rouen, an der Chi-' rurgischen Universitätsklinik in Genf und an der Poliklinik für Krebskranke in Belgrad. Im Laufe einer fünfmonatigen klinischen Erfahrung hat sich die Therapie außerordentlich bewährt. Methode und Therapie wurden von dem jetzt in Belgrad wirkenden früheren Direktor des Instituts für Krebsforschung an der Universität Berlin und langjährigem Generalsekretär des Deutschen Zentralkomitees zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheit, Arof. Ferdinand Blumenthal, ausgearbeitet. Sein Hauptmitarbeiter ist der gleichfalls aus Deutschland stammende E. Jacobs. Bei der größten Zahl der Behandelten handelte es sich um verzweifelte Fälle, die fast alle bereits operiert oder bestrahlt waren. Häufig war schon eine Generalisierung der Geschwulstbildung im ganzen Körper vorhanden. Trotzdem befinden sich viele dieser Patienten, bei denen an eine Heilungsmöglichkeit überhaupt nicht mehr geadcht wurde, heute auf dem Wege weitgehender Besserung; mehrere von ihnen sind dem normalen Leben wieder zurückgege1 ben. Die Behandlung besteht au® Injektionen unter gleichzeitiger Darreichung von Tabletten und gelegentlicher Anwendung von Salbe. Die Mittel enthalten spezifisch wirksame Stoffe, die aus dem Magen- Darmkanal und den großen Eingeweidedrüsen von Schlachttieren gewonnen wurden. Die Behandlun beruht auf einer neuen Krebstheorie, wonach die Krebsgeschwulst eine Art parasitäre Neubildung Tit, organisiert mit eigenen Nerven und Gefäßen. Die neuen Mittel gehen darauf hinaus, der Neubildung den Nährboden zu entziehen. Die Therapie wirkt auf dem sogenannten neurohormonalen Wege auf die Nerven und Gefäße der Geschwuslt ein. Seit Jahren arbeitet der Budapester jüdische Arzt Dr. Josef Wettenstein an einem Mittel gegen Tuberkulose, das er „Comain" nennt. Nunmehr ver öffentlichen bekannte Mediziner authentische Dar Stellungen dieses Heilverfahrens', das bereits vielen tausenden Tuberkulösen das Leben gerettet hat, viel fach auch in Fällen, die von hervorragenden Inter nisten als unheilbar bezeichnet worden waren. Vor einiger Zeit hat der italienische Regierungschef Mus solini Dr. Wettenstein nach Rom eingeladen und mit ihm über Produktion des „Comain" in Italien verhan delt. Im ungarischen Parlament wurden einige Male Interpellationen eingebracht, die die ungarische Re gierung auf die Tatsache aufmerksam machen sollte daß Dr, Wettenstein nur deshalb keine Klinik für seine wissenschaftlichen Zwecke bekommen kann und auch sonst sabotiert wird, weil er Jude ist. Zuletzt wurde Dr. Wettenstein von einem hervorragenden Wiener Internisten, einem Christen, nach Wien eingeladen, in dessen Klinik er die Behandlung von drei ßig schweren Tuberkulosefällen übernahm. Wie der Internist jetzt mitteilt, sind die in ganz kurzer Zeit erreichten Heilresultate verblüffend, Polnischer Staatsbeamter und Reserveoffizier will zum Judentum übertreten und sich an dem Abwehrkampf in Palästina beteiligen. Wie die Tageszeitung „Unser Expreß" meldet, hat sich der polnische Reserveoffizier und höhere Staatsbeamte, Alfred Milkebeil, an das Warschauer Rabbinat mit der Bitte um Unterweisung in der jüdischen Lehre zwecks Durchführung des von ihm seit langem geplanten Ue'bertritts zum Judentum gewandt. Der Bewerber wies Bestätigungen von Danziger Rabbinern vor, die die Durchführung der notwendigen Formalitäten — in Kongreßpolen ist ein Uebertritt zum Judentum nicht möglich — nach drei* monatiger Ausbildung in den jüdisch-religiösen Lehren und Gebräuchen zugesagt haben. Milkebeil hat eine landwirtschaftliche Schule absolviert und beabsichtigt, mit einem jüdischen Mädchen nach Palästina auszuwandern. Er bat, die Vorbereitungen zu seinem Uebertritt zu beschleunigen, da er an dem jüdischen Abwehrkampf in Palästina teilnehmen wolle. Nachdem die Warschauer Rabbiner vergeblich versucht hatten, ihn von seinem Vorhaben abzubringen, forderten sie ihn auf, nach einem Monat wiederzu5 kommen. >1?S § if» Auswanderer--- Von Heinrich Einstädter. Brausend und stampfend eilt der Schnellzug dahin. Seine Abteile sind angefüllt mit Menschen der verschiedensten Art, und ihre Reiseziele sind so vielerlei wie die Beweggründe, die sie treiben. Schon beim flüchtigen Durchstreifen der verbindenden Gänge erkennt man diese Tatsache. Hier sehen wir Reisende in fröhlicher Unterhaltung, dort genießen welche entzückt den Anblick der vorbeifliegenden Landschaft, andere sind still und ernst in Gedanken versunken, und nicht wenig sind jene, die sich die Zeit am liebsten durch den Genuß der Leckerspeisen und Getränke vertreiben, die sie sich als Reisezehrung mitgenommen haben. In unsrem Abteil befindet sich eine Familie, die aus Mann und Frau im-mittleren Alter und zwei Knaben von sechs und vier Jahren besteht. Es sind stille Leute. Die wenigen Worte, die wir von ihnen hören, sind halblaute Fragen der Kinder und Antworten und Anweisungen der Eltern. Erst nach Stunden werden wir bekannter mit ihnen. Es sind Auswanderer. Auf ihren Gesichtern prägen sich die Gefühle aus, die sie beseelen: Hoffnung und Sorge. Trübe Erfahrungen haben sie machen müssen, und die große Last, die das Abbrechen der vielfachen Beziehungen und die Vorbereitung zur Auswanderung mit sich brachte, ist deutlich in ihren Zügen zu erkennen. Ein Glück, daß den Kindern die meisten dieser Vorkommnisse noch nicht in voller Bedeutung bewußt worden sind. Sie freuen sichüber die Abwechslung, und besonders die Reise macht ihnen Spaß. Mit leuchtenden Augen blicken sie aus dem Fenster. So viel Fremdartiges fliegt an ihnen vorüber. Die Wohlerzogenheit hindert sie zwar daran, ihre Freude, ihr Erstaunen, ihr Entzücken laut zu äußern. Aber in unterdrückten Ausrufen und Bewegungen zeigen sich immer wieder ihre freudigen Empfindungen. Mich interessiert jede Frage, die die klugon Knaben an ihre Eltern stellen. Ich erkenne daran, wie gerade sie denken und wie gut sie erzogen sind. Sie gehören nicht zu denen, die glauben, schon alles zu wissen, und ihre Beobachtungen richten sich hauptsächlich auf Dinge und Vorgänge, die ihrem kindlichen Anschauungskreise entsprechen, und die sie auch in kindlicher Weise auszudeuten bestrebt sind. Kein vorwitziges Wort dringt an mein Ohr. Dadurch werden die Knaben auch keinem lästig. Nach und nach werden die Kinder auch mit mir bekannter, so daß sie auf meine Fragen ahne Scheu antworten. Auch sie haben "besondere Gepäckstücke dabei, und es scheint mir, daß sie das, was ihnen am liebsten ist und was sie auch unterwegs nicht entbehren möchten, in ihre Taschen gesteckt haben. Aus der Brusttasche ragt dem kleinen Ludwig ein dünnes Buch hervor. „Was hast du denn da mit genommen?" frage ich ihn, auf das Büchlein deutend. „Meine hebräische Fibel," antwortete er strahlend. „Du lernst also schon hebräisch lesen! Das ist aber frühzeitig," Erstaunt blicke' ich den Vater an. Der lächelt und meint: „Seine Kenntnisse sind noch nicht sehr groß, und sein Eifer ist mäßig. Aber wenn ein Gewitter losbricht, da kommt er zu mir mit der Fibel in der Hand. Da verlangt er dringend zu lernen, damit — der Blitz nicht einschlägt." Ich muß darüber herzlich lachen und suche den Kleinen, der verlegen worden ist, zu beruhigen. Dann wende ich mich zu dem Sechsjährigen: „Hast du auch ein Buch bei dir, Sami?" Sogleich zieht er einen kleinen Bamidbarband des Chumisch hervor. Ich rufe erstaunt: „Wie? Du lernst schon Chumisch? Und warum gerade das vierte „Sefer"? „Ich lerne immer die laufende Sidra," entgegnet ruhig der Knabe, und als ich einige Fragen stelle, merke ich bald, daß er wirklich schon übersetzen kann und den Inhalt gut verstanden hat. Mit ganz anderen Augen schaue ich jetzt die Leute an. Ohne Lehrer hat der Vater seine Kinder unterrichtet, und wo es ihm an Erziehungserfahrung fehlte, trat seine Liebe zur Thora und zu seinen Kindern helfend ein. Indessen übernahm die Mutter, der es nie an Arbeit fehlte, den praktischen Teil der Unterweisung. So ziehen diese Menschen in ihre neue Hei| mat: verbunden mit den früheren Geschlechtern durch Religion und Lehre, tief wurzelnd in der Vergangenheit durch Sitte und Gesetz. Möge der Allgütige ihnen eine glückliche Zukunft senden!