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Der Israelit · 1936-07-30 · Heft 31 (30.7.1936) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 31 (30.7.1936)
Date
1936-07-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 31 Der Israelit 30. Juli 1936 Geschichtliches aus der Zeit nach der Tempelzerstörung Von Benzion Rachelsohn in Frankfurt a. M. Bei einem Aufenthalt in einer „römischen Groß= Stadt" wurde einst (Gittin 58a), dem Rabbi Jehoschua ben Chananjah mitgeteilt: Ein Junge von besonderer Schönheit schmachte im Gefängnis. Rabbi Jeho schua b, Ch. begab sich daraufhin zur Gefängnisstätte und' zitierte laut vor der Gefängnistüre den jesajanischen Vers 42, 24, der die Frage enthält: „Wer gab Jakob dem Raube und Jißroel den Plünderern preis?" und der zugleich die Antwort darauf gibt „G'tt ist es! Demgegenüber wir uns versündigten, in dessen Wege sie nicht wandeln wollten und auf dessen Lehre sie nicht hörten". Von diesem Vers zitierte laut Rabbi Jehoschua b, Ch. nur die erste Hälfte, nämlich die Fraeg. Kaum aber hatte er die zu Ende gesprochen, als ihm schon vom Gefängnis aus die zweite Hälfte, die Antwort des Verses ent gegentönte, und zwar war es der Junge, der hinter Schloß und Riegel die Worte herausrief: „G'tt ist es usw." Erstaunt über die Gewandtheit des Jungen, rief Rabbi Jehoschua b. Ch. begeistert aus: „Ich bin überzeugt — dieser Junge ist Mauroh Haurooh (Rabbiner) in Israel! Ich schwöre," so fuhr er fort, „nicht eher von dannen zu gehen, bis ich ihn aus dem Gefängnis befreit habe und mag es kosten was es wolle" Und wirklich — Rabbi Jehoschua b. Ch. ging nicht von der Stelle, bis er den Jungen gegen einen sehr hohen Betrag aus dem Gefängnis befreit hatte. Es dauerte auch nicht lange, und der Junge ward, gemäß der Prognose des Rabbi Jehoschua b. Ch., Mauroh Haurooh und war später unter dem Namen Rabbi Jischmoel ben Elischo bekannt. So weit der geschichtliche Vorgang. Von den verschiedenen Schwierigkeiten in dieser - historischen Erzählung fällt zunächst die Form der ^Mitteilung an Rabbi Jehoschua b. Ch.. auf. Diese Mitteilung soll doch zweifellos, so fragt mit Recht I ein ' pns' 'a'y betitelter Kommentar, bezwecken, ■'Rabbi Jehoschua b. Ch. zu veranlassen, den Jungen : ftus-d^m Geiänignis zu befreien. Welcher Unterschied r.. ist; es demnach, ob der Junge schön ist oder nicht? Ist es bei der Mizwoh von Pidjaun Schwujim etwa von Bedeutung, ob der Gefangene einen Lockenkopf oder" schöne Augen hat? Wozu also die Hervorhebung des Schönheitsmomentes in der Mitteilung?; Der Grund dieser Formulierung scheint uns aber folgender zu sein. Im gleichen Traktat, eine Seite j vorher, nämlich, Gittin. 57b, wird von vierhundert gefangenen jüdischen Kindern berichtet, 'die, sobald "SIÖ ahnten, für welche Zwecke sie entführt werden "pbpb "OWE" (S; Raschi z. St,»)i «ich sämtlich •in die. Meeresfluten stürzten und dort ihren Tod fanden. >: Diese: Gefahr/bestand auch für den jungen .HäfÜinirim /römischen Gefängnis und noch in erhöht em Maße, weil er sehr schön war. In der Mitteilung wurde daher das Schönheitsmoment in den Vordergrund gbrückt; um Rabhi Jehoschua ben Charianjaauf diese; Gefahr aufmerksam zu machen und ihn zu veranlassen, mit seiher. Beffeiungsaktion so schnell als möglich' zu' beginnen.1 ' Das Schönheitsmoment / konnte aber noch folgen* des besagen wollen. In Nedarim 9b ist-'eine Unter- 'redung von' Schimaun Hazadik wiedergegeben; idie er mit einem Nosir . geführt hatte,, der auf fallend, ,schön war. Schimaun Hazadik früg. den; Nosir,. was ihn eigentlich veranlaßt habe, seine; herrlichen, ~ lockigen Haare dürch das Nsirusgelübde 'preiszugeben (beim Nosir ist eis) bekanntlich Votschrifty! nach Ablauf, der Nsiruszeit sämtliche Kopfhaare mit einem Rasiermesser zu entfernen)?Der osir erwiderte: Er war Hirte bei seinem Vater und als er,/eines. Tages beim Wasserschöpfen seihen 'wunderschönen,-vom Brunnenwasser widerspiegelnden Lockenkopf bewundert«, da verspürte er in sich einen ( Solchen . Stolz und .Dünkel, /daß er,; um seine jüdische Zukunft, nicht;zu gefährden, sich kurzer Hand entschlössen habe, seinen herrlichen Löcken durch ein Nsirusgelübde ein Ende zu bereiten; Als Schimaun Hazadik dies hörte, küßte er dem Nosir auf das Haupt ur4 sagte;, ,,r^edn Kind! Solch© Nsirim wie du möge .es. noch viele in Israel geben." — Man sieht also, wie verführerisch die Schönheit ist und wie gefährlich sie namentlich für den jüdischen Menschen werden kann. - Würde also der gefangene Junge mit seinen ^wunderbaren Augen, seinem klären Teint und entzückenden Lockenkopf" nach seiner Entlassung vom Gefängnis iri der „römisehen Großstadt" sich selbst überlassen weiter verbleiben, so-kann seihe /Schönheit für; ihn wiederum zum Verhängnis werden, so . kann er durch; sie um so schneller den Lockungen und'Versuchungen der Groß* stadt unterliegen und geistig wie moralisch zu Gründe gehen.. . " J •' ' '•• - ■ 7 \ Durch die Heryorheburig/desi_'"S;chonlieitsMöinentes /wollte also die Mitteilung womöglich r dem Rabbi Je- :. hoschua1 be^ G^^ mach; ^er^efr^ungydesf Jungen für däe; Erziehung und Ausbildung des&elban sorgen möge. Rabbi Jehoschua ben Chananjah war ja auch dahiit- ÄvCTständen. ■ Allein, um sich nicht in die Gefahr zu begeben, einen pin TM^n (unwürdigen Schüler) in der Thora zu unterrichten, was.It. Chulin 133a strengstens verboten ist/ wollte er zuerst den Jungen — gerade weil er so schön war — kennenlernen. Er begab sich deshalb zur Gefängnisstätte und zitierte dort laut vor der GefängnAstüre den eingangs erwähnten jesajanischen Vers: „Wer gab Jakob dem Raube usw.". Bei diesem Vers kam es ihm weniger auf den Wortlaut an wie auf den Inhalt, der, kurz gefaßt, in der Frage ausklingt: Wer hat über Israel die Leiden verhängt und wer hat sie verschuldet?, eine Frage, bei deren Beantwortung sich die scharfen Gegensätze zwischen Glauben und Unglauben zeigen. Aus der eventuellen Stellungnahme des Jungen zu dieser heiklen Frage, hoffte daher Rabbi Jehoschua ben Chananjah, auf die Gesinnung desselben schließen zu können. Und — er täuschte sich nicht. Prompt antwortet der Junge aus dem Gefängnis: „G'tt ist es usw.". Wie Schimaun Hazadik seinerzeit vom Nosir, so war auch Rabbi Jehoschua ben Chananjah durch die Antwort des Jungen so gerührt und innerlich so erfreut, daß er schwor, für jeden geförderten Betrag ihn auszulösen. Aber, einen Gefangenen gegen jeden Betrag auslösen, wo keine Lebensgefahr vorhanden ist, darf man religionsgesetzlich nur, wenn derselbe ein Talmid Chochom ist (S. Gittin 45a und Jore Dea 252, 4). Er, Rabbi Jehoschua ben Chananjah, erklärte daher vorher den Jungen zum Mauroh Haurooh und zwar heißt es in seiner Erklärung nicht, wie stilistisch richtig wäre, „Ich bin sicher, dieser Junge wird später einmal Mauroh Haurooh sein", sondern: „dieser Junge ist — schon jetzt — Mauroh Haurooh". Da mit wollte «r offenbar zum Ausdruck bringen, daß dem Jungen schon jetzt der Charakter eines Talmid Chochom beizumessen ist und, daß man ihn daraufhin gegen jeden Betrag befreien dürfe. . Die Erklärung zum Mauroh Haurooh in der Gegenwart beruht indessen zweifellos auf der festen Ueberzeugung, daß später einmal der Junge diese Würde tatsächlich besitzen werde. Daß man eine Würde sozusagen vordatieren kann, braucht weiter nicht zu verwundern. Dafür haben wir einen analogen Fall in unserer Geschichte. Der Prophet Samuel war vom vier* zigsten bis zum fünfzigsten Lebensjahr, also insgesamt nur zehn Jahre Richter in Israel (S. Bamidbor Rabboh 3, 8). Trotzdem datiert der Vers, in Anbetracht seines ungeheuren Wirkens während dieser kurzen Zeit, den Beginn «einer richterlichen Tätigkeit vom Tage seiner Geburt an und schreibt (1, 3, 16) „Und Samuel richtete Jißroel alle Tage seines Lebens". Wenn eine Würde rückdatiert werden kann, so kann sie auch vordatiert werden, zumal wo hier die Vordatierung eine Rettung bedeutet. (Schluß folgt.) Worte von und um Rabbi Chajim Woloschiner- Zu Rabbi Chajim, der als Jünger des WÜlnaer Gaon auf Geheiß des Meisters .die Weltjeschiwa in Woloschin gegründet hatte, kam einmal in später Nachtstunde ein Kaufmann. Er war spät .in die Stadt gekommen und da ihm nur aus dem Studierzimmer des Rabbi <ein Licht entgegenblinkte, kehrte er bei ihm ein. „Rabbi," sprach er, „ich habe keine ruhige Minute bei Tag und bei Nacht auf dieser Welt. Immer Arbeit, Sorgen und Lasten. Werde;!ch wenigstens etwas von der künftig e n Welt haben?" „Wieviele Stunden im Tage verwenden Sie für diese Welt?", fragte der Rabbi, „Zehn, zwölf, noch mehr, oft den ganzen Tag bis in 'die tiefe Nacht hinein." i--... „Und für die künftige Welt, das heißt, wie viel Zeit haben Sie für G'tt übrig, für Beten und Lernen?" Vielleicht eine Stunde im Tage." ,>NunoFbedenken ::Sie doch, Freund," sagte der Rabbi, „zwölf• Stunden ..täglich und mehr für diese Welt und Sie haben von ihr so gut wie nichts. Wieviel kann man schon Mr die künftige Welt sich erringen, wenn man ihr höchstens eine Stunde im Tage widmet?"; Rabbi Chajim sagte einmal in launiger Rede, da er bei einer Sammelaktion für Thorazwecke mit dem Erfolg nicht recht zufrieden war: - . > »/ Es -heißt -bei der Volkszählung in der Schrift:; "51 t]J3 OM TT» «Vi UM*-v.fr -! ^Dieses sollen -sie .geben usw., ■ auf;daß -.- kein' Unheil im Volke ausbricht;" Wie sollte denn.; das Geben Unheil .nach;sioh ziehen? : .v ..; Die Sache - verhält sichaber /folgendermaßen: Mosche und 'Ahron,'. die größten, Führer fdes: Volkes,, kamen/.und forderten 'das Volk^ auf,, zu "ihnen zu kommen. •Welches GedrängeJ wate da entstanden, wer hätte' es «ichJ nehmen lassen/1 vor -'diesen1 'großen Führern' > zä :epscbeke~n?w Es hätte?, leicht) reinerrP^flifc ausbrechen, ründ esin'iUAglückv entsiehe^j können. Was •tut] Mpsche/? JEr,-sagte: rÜMv Bitte, :meine" Herren, geben! Unci die 'Meisten 'blieben d'aheiin. *Wo es um das umi geht, da gibt es kein Gedränge und kein Unheil ... Rabbi Chajiin sagte einmal von einem, der gewohnt war, in Uebertreibungen zu reden und Dinge zu erzählen, die er nie erlebt hatte, .gutmütig: Es gibt Leute mit eisernem Gedächtnis, die sich der Dinge erinnern, welche sie . vor Jahrzehnten erlebt haben. Andere haben sogar die Dinge, die sich vor fünfzig Jahren abgespielt haben, frisch, in Erinnerung. Hier ist aber ein Phänomen, er erinnert sich der Dinge, die er überhaupt nie erlebt hat. Rabbi Chajim bekam einmal einen Brief von Rabbi Jizchok Schirwinter, einem bekannten Gaon seiner Zeit, der ruhmvolle Titel für den Adressaten enthielt. Rabbi Chajim las; „Der große Gaon". Stimmt! „Der Zadidäk". Ist wahr! „Fürst der Thora". Auch das stimmt! „Oberhaupt der Golah . Auch das ist wahr! „Führer des. Volke®"; Stimmt ganz gewiß! „Zierde seines Geschlechtes". Nicht zu bestreiten! „Rabbi Chajim". Aha, das ist falsch, hier müßte es nicht Rabbi Chajim, sondern Rabbi Jizchok Schirwinter heißen. Zusammen mit Rabbi Meridele L u b awitscher weilte einmal Rabbi Chajim .am Jomkippur in Petersburg. Sie mußten, "da damals noch nicht viele Juden in Petersburg wohnten, in der Klaus der „Nikolawer" (so nannte man die jüdischen Soldaten, die unter unaussprechlichen Leiden fünfundzwanzig Jahre Militärdienst unter Nikolai I, taten und vielfach zur Taufe gezwungen wurden), beten. Als sich der Tag senkte, sagte Rabbi Mendele: „Nun Rabbi Chajim werdet Ihr Neiiloh vorbeten". „Nein," wehrte Rabbi Chajim ab. „Hier sind Soldaten, zwar keine Gelehrte, aber wahre Märtyrer für den heiligen Namen, und G'tt wird ihr Gebet genehmer sein, als "das aller Rabbis der Welt." ' So blieb es auch, und es stellte sich nun ein einfacher Soldat ans Vorbeterpult, um das Abschlußgebet' des Jomkippur vorzutragen. Er fing unter heißen Tränen an: „Herr der Welt, Vater de® Erbarmens! Unser Bitten und Flehen bezieht sich gemeiniglich auf Kinder, Leben und Nahrung. Wir aber sind Soldaten des Zaren Nikolai und möchten nicht um Leben bitten, denn der Tod wäre uns oft gewiß lieber. Was sollen wir um Kinder beten, da uns Heirat und Famiiiengründung verboten ist. Um Nahrung haben wir uns nicht zu sorgen, weil wir doch vom Zaren Nikolai wie alle anderen Soldaten die Menage bekommen. Also haben wir nur um eines zu bitten, nämlich: „J i s g a dal w e j i s k a d d a s c h Seime ralio : . ." Und eine in Tränen aufgelöste Soldatengemeinde betete im Chore mit. Und zwei große Rabbis fielen in 'die Gebete der Soldaten ein. Palästina hat die höchste Geburtenziffer der Welt. Wie aus den Veröffentlichungen der Statistischen Abteilung der Palästinaregierung hervorgeht, gehört Palästina zu den Ländern, die die höchste prozentuale Geburtenziffer aufweisen. In den ersten drei Monaten .dieses Jahres wurden in Palästina 16.327 Kinder geboren, .um 1219 mehr als in demselben Zeiträum des vergangenen Jahres. Auf 1000 Menschen in Palästina entfallen 52,1 Geburten. Die höchste Geburtenziffer, 63,2, haben die Mohammedaner, di« niedrigste, 31,9, .die Juden. Im abgelaufenen Jahr hatte Palästina unter allen Ländern, -die eine Geburtenstatistik frühen, die höchste Geburtenziffer. Es Eegen noch nicht sämtliche Vergleichstziffern für dieses Jahr vor, doch 'ist es möglich, .daß Palästina auch in die* sem Jahr seinen Rekord halten wird. Die Zahl der Todesfälle in den ersten drei Monaten betrug 5247, um 95 weniger als in demselben Zeitraum des vergangenen Jahres. Bei den Mohammedanern entfielen auf 1000 Einwohner 21,5 Todesfälle, bei d«n Juden 7,9. Wochenkalender. Vom 1. — 8. August 1936 / Vom 13. — 20. Ab 5696 Samstag Sonntag Montag Dienstag;* Mitiwö£h/r bVririersta^ *f*M'?4 Sanista'g''- Aisg. ..'»i? , , .. . 1 ' Y'V " n -o ■ ian> na», pmnn 2 1 14 ro oeb ..f^^f-iVi 3 15 ■'■"W" " iv9 n»an' r4 r ,38;, 1'6 ': jt3 3g;s=;i. k'A--.i-j«;. 5 /Ii .2 17;''* na0--' tg "ajafj. : iri';;; z.lsi -6 ff 18 i %^no •c-^^ldh xt^fkjri 7 \ $ V- V'^.v.^i; - ilm 'fl^r^ 8 1>. 20 -i^^c » -i. r<' j T ~- ■3-mH ^ri'^jii on-fibf.

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