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Der Israelit · 1936-07-30 · Heft 31 (30.7.1936) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 31 (30.7.1936)
Date
1936-07-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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iijj^^^i^^ Seite 12 Nr. 31 Der Israelit 30. Juli 1936 Mandschukuo. Judenfeindliche Ausschreitungen in Mandschukuo. C h a r b i n , 24. Juli. Jugendliche russische Weißgardisten haben in C h a r b i n judenfedndliche Ausschreitungen organisiert. Jüdische junge Leute wurden auf den Straßen unter dem Ruf „Schlagt die Juden, rettet Rußland ' überfallen und mißhandelt, jüdische Frauen wurden schwer beschimpft. Die jüdischen Einwohner Gurewitsch, Zitomirsky und Piaetunowitsch wurden verwundet, letzterer so schwer, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Im Zuge der sofort einge* leiteten Untersuchung wurden mehrere Weißgardisten verhaftet. Amerika. AnSiedlung amerikanischer Juden in Palästina und in Amerika. New York, 22. Juli. In New York wurde e|ne „Zentrale Gesellschaft amerikanischer Juden für "Kolonisation in Palästina" gegründet. Die Gesellschaft verfolgt den Zweck, ame rikanischen Juden die Absiedlung in Palästina durch Ermöglichung ratenweiser Bezahlung der Ansiedlungs kosten zu erleichtern. An der Gründungsversammlung nahmen Vertreter der Gesellschaften „Achusa" und „Cherut" teil, mit deren Hilfe sich bereits tausende amerikanische Juden in Palästina niedergelassen haben. Auch ein Vertreter der Pflanzungsgesellschaft Jachin nahm an der Gründungsversammlung teil. Mit der Palestine Economic Corporation werden Verhandlungen über einen Anschluß an die Ge= Seilschaft geführt. New York, 21. Juli. Im Rahmen einer staatlichen Wiederbesdedlungsaktion ist in Hightstown, New Jersey, die erste An= Siedlung jüdischer Industriearbeiter erfolgt. Der Beginn der Siedlungsarbeit war wiederholt hinausgeschoben worden. Nunmehr haben aber acht jüdische Familien ihre Heime in der Siedlung bezogen, die nach und nach 200 Familien aufnehmen soll. Die neuen Siedler kommen aus Brooklyn und der Bronx. Neben ihrer landwirtschaftlichen Arbeit werden die Siedler weiterhin Gelegenheit haben, ihre Kenntnisse in der Textilproduktion zu verwerten. In der Siedlung ist bereits eine Kleiderfabrik von der Regierung fertiggestellt worden, in der die Arbeit bald aufgenommen werden soll. Die Erzeugnisse dieser Fabrik werden unter einer besonderen Handelsmarke „Treped" auf den Markt gebracht werden. Nach ihrem vollständigen Ausbau wird die Siedlung eine Milchwirtschaft, eine Geflügelzucht, Genossenschaftsläden und ein Gemeinschaftszentrum besitzen. Jede Familie erhält ein Haus und ein Acre Boden. Juden aus Deutschland nach Kuba? — Eine amerikanische Aktion. Havanna, 19. Juli, Das Mitglied des amerikanischen Kongresses, Dr. William I. Sirovich, hat dem kubanischen Präsidenten G o m e z einen Plan zur Schaffung einer industriellen Siedlung in Kuba für Juden ausi Deutschland vorgelegt. Kongreßmann Sirovich, der sich mit dem Präsidenten längere Zeit über diesen Plan unterhielt, erklärte nach der Unterredung, der Präsident habe ungeheure« Interesse für diese Vorschläge gezeigt und werde sie demnächst dem Kabinett zur Beratung übergeben. Dr. Sirovich gab weiter bekannt, daß es sich bei dem Plan um die Unterbringung von 200.000 Juden aus Deutschland handle. Wenn ein Komitee führender Persönlichkeiten ausgearbeitete Pläne vorlegen werde, dürften diese bei der Regie* rung 'die ernsteste Beachtung finden. Der Abgeordnete entwarf ein packendes Bild von den vielfältigen Möglichkeiten, die sich jüdischen Auswanderern aus Deutschland in Kuba' durch den Aufbau von Industrien, die Sicherung' von Absatzmärkten und die Entwicklung einer kubanischen Han delsmarine bieten könnten. Er erklärte, -Präsident . ij- ' Roosevelt 'setze sich ebenfalls durchaus für dieses Projekt ein, hanter dem eine Keihe von Kongreßleuteil und Industriellen stünde, < Unfreundliche Aufnahme in der kubanischen PresSg Havanna', 24. Juli Der Plan, eine großzügige Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Kuba zu organisieren, hat bisher in der kubanischen Oeffentlichkeit kein entsprechen des Echo gefunden. Die kubanischen Zeitungen neh men in zum Teil recht unfreundlichen Kommentaren zu dem Ansiedlungsplan Stellung. Der Abgeordnete Sirovich erklärt aber, daß der kubanische Staatspräsident Gomez ebenso wie der Präsident der Vereinigten Staaten, Franklin D. Roosevelt und viele amerikanische Kongreßmitglieder und Industrielle dem Plan starkes Interesse entgegenbrächten. Es wurde auch bereits ein Vorbereitungskomitee gebildet, an dessen Spitze sich der bekannte Filmindustrielle Louis B. Mayer gestellt hat, Aus der Agudas Jisroel-Bewegung* Die Kenessio Mechino. Eine der wichtigsten Aufgaben der Kenessio Mechino in Marienbad wird die Festlegung des genauen Zeitpunktes der für das Jahr 5697 na c h J erusalem einberufenen dritten KenfiSSio Gedaulo sein. Jeder hat die Pflicht, durch Teilnähme an der Sela-Aktion sich an den Vorbereitungsarbeiten für die Kenessio Gedaulo zu beteiligen! Von Kattowitz bis Marienbad. Kurz vor Redaktionsschluß geht unsi von Joseph H e i d i n g s f e 1 d e r , dem verdienten Sekretär der Jeschiwah zuMontreux, ein Artikel' unter obiger Ueberschrift zu, in dem es, nach Anführung der Geschichte, des Programms und der bisherigen Leistung der Agudas Jisroel heißt: Für den 16„ 17. und 18, Aw ist nun in Marienbad eine Kenessio Mechinoh einberufen worden. Ein Bericht der Exekutive, des Keren Hathora und. des Keren Hajischuw, wie auch Referate über Jugendarbeit und Benaus Agudas Jisroel, auch sonstige Beschlüsse und Ergänzungswahlen stehen zur Tagesordnung. Seit den Gründungstagen von Kattowitz stand man nicht mehr vor solch schweren Problemen wie jetzt in Marienbad. Zur gleichen Zeit tagt in Genf der „Weltkongreß" zu dem bereits Delegierte von 32 Ländern ihre Teilnahme zugesagt haben. Auch die Ziönisten stehen nicht müßig und haben für den 25. August in der Züricher Tonhalle (dem gleichen Saal, in dem die Jewish Ageney im Jahre 1929 gegründet wurde1] eine große Sitzung ihres Aktionskomitees einberufen. Die Zeit ist bitter ernst. „Im lau achschow emosai"! Agudas Jisroel hat sich gegen jede Beteiligung an dem Weltkongreß -ausgesprochen u.. a. mit der Be.- gründung, weil ein Weltkongreß des jüdischen Vol-, kes positiv das Gepräge der Thora und. der Emunah tragen muß und „wenn er von den Existenzbedingun1 gen des jüdischen Volkes1 schweigt, so ist dies' schön ein Verrat an der historischen Einzigartigkeit des jüdischen Volkes." Für Marienbad entsteht jedoch die große Auf-, gäbe, ständig und systematisch die Schicksalsgestältung der jüdischen Massen, insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiete im Auge zu behalten und alle Kräfte und Erfahrungen in den Dienst der Existenzfrage des jüdischen Volkes zu stellen! Neben diesen wirtschaftlichen Fragen muß man sich bei der Kenessio Mechinoh auch über das russische Problem unterhalten, da die große Schulreform der Sowjetunion zu berechtigten Hoffnungen Anlaß gibt. Herr Rabbiner E. Botschko in Montreux hat anläßlich der Meerengenkonferenz in Montreux bei der Ueberreichung eines Memorandums dem sowjet* russischen Volkskommissar Litwino w die' Sorgen und Hoffnungen des jüdischen Volkes deutlich aüsgesprochen. Erez Jisroel dürfte wohl auch nicht den kleine sten Platz bei den Debatten einnehmen und darf man sich freuen, daß die agudistische Politik im heiligen Lande .bei Herrn Dr. Isaac' Breuer in guten Händen "ruht. In schwerster Zeit, ruft Herr DrJIsaac Breuer für eine thoratreue'-Einheitsfront auf, „deren hohes Ziel in der Rettung von Knesseth, Israel, in der Rettung: des Nationalheimes bestünde. Eines steht fest: In heißer Treue und Verehrung steht ein-gro- 'ßer Teil der jüdischen Jugend hinter ihren ^Lehräfel und Meistern. Die Augen der orthodoxen Juden richten sich nach Marienbad. , Möge die Leitung der. Agudo die Tagung zum Erfolge führen! '; Kundgebung der Agudas Jisroel in Mannheim,': \! In Mannheim dominieren Zionismus und Misrachi;; Und . doch war der große Saal der Lamey-Loge einschließlich der Galerien vollbesetzt. Hunderte," Jung und Alt; waren gekommen, um zu hören, was Agudas Jisroel ihnen zu sagen habe. Auch die Umgebung war außerordentlich stark vertreten. Das Mannheimex Publikum in seiner Mehrzahl ist an die liberalen Gedanekngänge gewöhnt, zum anderen Teil der zionisti-, sehen Ideologie verfallen, es wird noch einer langen jahrelangen zähen Arbeit bedürfen, um auch .das Gedankengut,' das vom Sinai her Weine Tradition empfängt, in Mannheim heimisch zu mächen. Die Jugend arbeitet, und das Alter folgt mit dem .ihm gemäßen Tempo. Eine Ortsgruppe ist im Entstehen, auch in ihr wird die Jugend ein gewichtiges Wort haben. Sq können wir mit Stolz die Veranstaltung .des . letzten Sonntags als einen Erfolg für uns buchen. Der Beifall am Schluß der Versammlung bewies, daß Agudas Jisroel® Ruf gehört und verstanden wurde. Herr D. Jos. Le v i leitete die Versammlung \md gab nach. kurzen einleitenden Sätzen Herrn Rabb. Dr. P. K o h n dasi Wort, den er als alten Mannheimer von vor 45 Jahren begrüßte. Daran anknüpfend gab Herr Rabb. Dr. Kohn seiner Freude Ausdruck', die Fortsetzung seiner Tätigkeit in Mannheim heute erleben zu dürfen. : Darauf folgte das Referat des Herrn Ftedi L-u S r t i g über „'die Aufgaben der Jugend", In ernsten eindringlichen Worten wies Referent auf die Hohlheit der Anschauungen hin, die man heute der Jugend als Judentum und Judentumskunde vorsetze, die. sie in keiner Weise befriedige, Rabbiner, und Lehrer müßten heute in klarer Form der Jugend .die Wege weisen, die Jugend besitze die Kraft zur absoluten, Dis* ziplin, es fehlte ihr die Führung. Die große Aufgabe, die ihr heute gesetzt, sei,: ist die b.isher nicht gekannte Verbindung von geistiger Einstellung und körperlicher Arbeit. Im Mittelpunkte ihrer geistigen Arbeit ist ehe die Jeschiwa, die weit mehr sein will, als Stätte des';Studierens in den jüdischen Wissenschaften, die den jungen Menschen vielmehr das wahre gelebte, von Tannaim und Amoraim vorgelebte Judentum vor Augen führen will und ihn erfassen läßt die Tiefe und Größe der Taurohwelt. „Die Aufgaben der Organisation" stellte sodann Herr Dozent H. Ehrentre.u dar, der es in ein» dringlichen Worten als das Gebot der Stunde erklärte, die Werbetätigkeit für G'tt und Seine Thora in Stadt und Land zu entfalten. Die Orthodoxie komme spät. Viel hat sie in der Vergangenheit versäumt. Auch die orthodoxe Welt ist aufgerüttelt. Sie braucht nicht umzulernen; wie die Anderen, sie muß aber anders arbeiten als bisher, sie darf sich nicht darauf beschränken, die Erfüllung der rmn für sich sicherstellen, sie muß mehr tun zur Rettung der abgefallenen Brüder. Ihnen zu helfen in der Frage der Auswanderung, ihnen beizustehen in ihrer Isoliertheit auf dem Lande, sind die Aufgaben, die der Agudas Jisroel in Deutschland gestellt sind. Die, freudige Stimmung, ja Begeisterung der zu den Bezirkstagung Herbeigeeilten zeige, wie groß die Sehnsucht dieser Menschen nach jüdischen, echtjüdischen Lebensformen ist. , Vermischtes. Berlin, 26. Juli. Eine deutsche Filkngesellschaft hatte Ende Februar 1933 mit einem 'ausländischen Theater'verlag" einen Mänuskriptvertrag geschlossen, der ein Werk des jüdischen Regisseurs Erich Löwenberg, genannt Erik Charell, betraf. Mit Charell kam gleichzeitig ein Regievertrag zustande.' Nach der Zahlung der' ersten Rate' der vereinbarten Pauschalvergütung trat die Filmgesellschaft von beiden Vers trägen zurück und klagte auf Rückerstattung der Teilzahlung. Sie wies darauf hin, daß durch den vöi* igen Umschwung in Denkart und Geschmack1 des deutschen Volkes ein Film, an dem ein Nichtarier mitwirke, innerhalb Deutschlands nicht mehr vorgeführt werden könne. ESi sei ausdrücklich vereinbart , worden, daß dann, wenn Charell durch Krankheit, Tod oder ähnlichen Grund zur Durchführung seiner Regietätigkeit nicht imstande sein sollte, die Filmge- ■ Seilschaft zum Rücktritt berechtigt und der Verlag . zur Rückzahlung bereits empfangener Beträge verpflichtet sei. Die Rassezugehörigkeit Charells bilde einen in seiner Person liegenden Rücktrittsgrund '!m -:. $ihhe der erwähnten Veerinbarung. Ebensowie dasii Kammergerichthat das Reichsgericht durch Urteil, j: vom 27. Juni 1936 den Standpunkt der, Filmgesell-; i schaft gebilligt. . Die Entscheidung des Kammerge- ' rieht® wird vom Reichsgericht als zutreffend; anerkannt. ' ■-•'<■- -■■u >

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