Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1936)
- Date
- 1936-07-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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30. Juli 1936 D e r Israeli t Nr. 31 Seite 11 Bomben gegen Kinder. Tel Awiw, 24. Juli. Gegen die 7J e m e n it ens c hu 1 e in der Brennerstraße in Tel Awiw wurde von Arabern eine B o m b e geworfen, als sich gerade etwa 100 Kinder in der Schule befanden. Glücklicherweise verfehlte die Bombe ihr eigentliches Ziel. Immerhin wurden fünf Kinder im Alter von 9—12 Jahren verletzt, eines schwer. Ein Jude, der den Täter verfolgen wollte, wurcte von Arabern schwer mißhandelt und mußte zusammen mit den verwundeten Kindern .ins Hadassah-Krankenhaus verbracht wenden. Fast zur gleichen Zeit fielen in Jaffa zwei Bomben, eine gegen das Regierungsgebäude. Das Regieruhgscommunjque meidet, daß „in einer Talmud=:Thora=Schule in Tel Awiw sieben Kinder leicht verletzt wurden und die Attentäter nicht zu finden, seien." Das Z ent r a 1 - Ko mi t e e des Jüdischen Lehr verband es hat an das Kolonienministerium ein Telegramm gerichtet, in dem es seiner Empörung über den unmenschlichen Bombenanschlag gegen unschuldige Kinder Ausdruck gibt. Auch Bürgermeister Di z en g o f f erließ eine Kundgebung,' dn der er die aufgeklärte öffentliche Meinung der ganzen Welt gegen diese unmenschliche Tat aufruft. Protesttelegramme werden auch von verschie* denen anderen Seiten an den Kolonienminister gerichtet. Der High Commissioner, Sir Artur Wauchope, drückte dn Beantwortung mehrerer Protesttelegramme sein Bedauern über den Anschlag aus, dem glücklicherweise kein Menschenleben zuni Opfer gefallen «ei. Er spricht die Hoffnung aus, daß der Kommandant der Palästinapolizei alle denkbaren Maßnahmen treffen wird, um die Wiederholung solcher Vorfälle zu verhindern. Unser großer Verbündeter. Jerusalem, 15. Juli. Die letzten Monate sind überreich an Enttäuschungen gewesen. Jedoch ein erfreuliches, ja erhebendes Resultat gab es, und dieses Resultat brachte das Volk, das am schwersten die Enttäuschungen erlebt häi. Das jüdische Volk in Erez Israel, heute ein Modell des gesamten jüdischen Volkes, hat vor der ganzen Welt bewiesen, daß es trotz seiner tiefgehenden Verschiedenheiten sich in seiner Mehrheit von den Prinzipien der Ethik leiten läßt, daß es doch auserlesen ist, unter' den Völkern als moralische Kraft* quelle zu wirken. Erez Israels Judenheit hat sich in diesen schweren Wochen wunderbar gehalten. Wie hat sie sich auf all die Herausforderungen zu zügeln gewußt! Wieviel Heldenmut und Opfermut hat sie gezeigt! Erzählt von den Chauffeuren, Familienvätern, die täglich die Verbindung im Lande aufrechterhalten, trotzdem feige Meuchelmörder auf sie lauern! Erzählt von den Wächtern, die einsam die Früchte jüdischen Schweißes und Blutes hüten und wissen, welche Geiahren ihnen drohen! Erzählt noch von vielen anderen! ■Aber auch mit welchem Mut und Vertrauen wird ■weitergearbeitet, wird fortgesetzt an dem Weiterbau das Werk geleistet! Keine Frage mach den vielfachen Gefahren, die von den Feinden, drohen. Denn die Situation ist wahrlich schwierig. Die Regierung wie auch die künftige Königliche Kommissdon dürften in ihren Leitmotiven doch irgendwelche diplomatischen Forderuhgen berücksichtigen. Der jüdische Jischuw vertraut seinem Recht und seinem —- wie er sich vorgenommen hat — unbeugsamen Willen. In der nach Tausenden von Jahren zahlenden Vergangenheit des jüdischen Volkes herrscht nicht zum ersten Male einesolche kritische Situation. Greift hur nach dem Buch der Richter und seht, "wie oft das jüdische Geschick Feinden anheimfiel, ljund",f^ einzigen ver» n: i'felicjienv rBu^'^g^o^n-,; j^^^JG&tahC brachte! j---J>rs.„J..iju...^L'i t|i;n t -.:. .< i '"/rnt7''*. ii..'rtn?)n!{; <vt> oDooh5ih^te!ä^-(|i^^ Aeauj.er^ngen ^iler j&ößeaj^dsiderkleinen Efihr%r.->ld0^sjödfc^eji. '^dM^ - suWiOtiiAji esn;. «mx^srfsäirrit iu>w4id>i^fc- M >;4uatipnen.,an dae Außenwelt^wendenr-^ ^rti-der/Name •---- r" . t. ii j i i a;2 <J-15 .) i s> ./i mo'-» D'T'V gi rtrj jn { - seines großes .Bundesgenossen durch die J^rj^L^ejidp f Mndurch. der. damit er helfe, nur die Rückkehr zu Seinen Lehren edlen, reinen Menschentums, zu seiner Thora, fordert, nie erwähnt. Möge G'tt trotzdem Seine Hilfe .gewähren, möge Er sie um des Verdienstes der Väter willen geben, aber auch deshalb, weil Sein Volk trotz Abwendens von Ihm in seinem Denken und Tun es nicht verleugnen ■ kann, Sein Volk zu sein. An jeden Juden, besonders in Erez Israel, tritt aber die große Mahnung heran, zu gedenken des Namens Volk Israel, Volk der um das G'ttliche in ihrer Seele Ringenden. Schwere Verantwortung liegt auf jedem Israel-Nachkommen, Leben und Tod ... Saly Geis. Ein Brief Oberrabbiner Duschinskis an den High Commissioner in Sachen des Sabbat im Postverkehr. Jerusalem, 19. Juli. Aus einem von der P. C. veröffentlichten Briefe des Ob errabbiners D u s c h i n s k i , Jerusalem> an den High Commissioner entnehmen wir folgendes: „Exzellenz, ich beehre mich, mich an Eure Exzellenz mit meinem folgenden Gesuche zu wenden: Ich habe zu meinem Schmerze gehört, daß die Leitung der Post die Absicht hat, das Postamt in Tel Awiw an den Sabbattagen zu öffnen. Ich erlaube mir demgegenüber 'die dringliche Bitte auszu* sprechen, daß dieser Gedanke in der Praxis nicht verwirklicht werden möge, sondern daß die Post in Tel Awiw an den Sab'battagen in allen ihren Abtei5 lungen geschlossen bleibt. 1. In Artikel 23 des Mandates werden die heiligen Tage des jüdischen Volkes, darunter der Schabbos, als heilige Ruhetage für die Mitglieder der. jüdischen Gemeinschaft anerkannt. Tel, Awiw ist eine jüdische Stadt und der Sabbat ist daher für Tel Awiw der gesetzliche Ruhetag. Trotz der Wahrung der Freiheit der einzelnen Einwohner in ihrem privaten Leben sind alle Gemeinschaftsinstitutionen von Tel Awiw verpflichtet, mit dem Sabbat als dem gesetzlichen Ruhetag zu rechnen, und es steht in keiner Uebereinstimmung mit diesem Prinzipe, wenn die Postämter am Sabbat in der Stadt Tel Awiw eröffnet werden würden. 2. Der High Commissioner hat immer dazu ge* neigt, anzuerkennen, daß die jüdische Religion der wichtigste Bestandteil der nationalen Kultur des jüdischen Volkes ist. Erst in jüngster Zeit hat der High Commissioner in dem Berichte an die Mandatskommission für da© Jahr 1935 zum Ausdruck gebracht, daßdie Regierung von Erez Jisroel in allen ihren Anordnungen darauf achtet, nichts zu tun, was veranlassen könnte oder gar verewigen könnte eine Sabbatentweihung durch Juden, und in einem Schreiben Eurer Exzellenz an die Zentrale der Agudas Jisroel hier ist das feste Versprechen gegeben, daß sowie bisher auch weiter der High Commissioner «ich bestreben wird, nichts zu unternehmen, was die reli* giösen Gefühle irgend eines Teiles der Bevölkerung des Landes verletzen könnte. Die Oeffnung des Post* büros in Tel Awiw, der jüdischen Stadt, an den Sabbattagen wird somit in vollendetem Widerspruch stehen zu diesem Standpunkt, den wir überaus hochschätzen. Es ist kein Zweifel, daß die Eröffnung der Post in Tel Awiw am Sabbat veranlassen wird, daß manche Juden die Heiligkeit des Sabbat entweihen, welche jede wochentägliche Arbeit verbietet, daß sie sich der Dienste der Post bedienen werden und als^ dann auch ihre anderen Geschäfte erledigen, indem sie mit der Möglichkeit rechnen, die ihnen dazu gegeben ist, ihre Geschäftsbriefe am Sabbättage abzuschicken. 3. Die Tatsache, daß die Regierung die Postämter am Sabbattag in einer jüdischen Stadt öffnet, ist ge=; eignet, auch unter den jüdischen Massen den Ein* druck zu erwecken, daß die Regierung die jüdische Religion nicht ehrt,;daß sie ihr gleichgültig gegenübersteht und leeinen Wert darauf legt, daß da® jü- .;«^b^}j!|^^a^G$m zugleich, •auch ein Heim für die Kultur des jüdischen Volkes sei. Diese Tatsache kann j!aü6hi-;4erff.Juge;nd,i jdie,., no,ch- ■, jy^er 0Erziehung., bedarf, ' ^cB^v^öl^^nbldäbfi^d'BSe rJugend] wird qnicht,, zü f^W^^^^^wä^^'^H^^^.^r^1 Pöst^udd; ^anderen. "!^^^ä^^ei^ä^aiü<m^a inYel Äwiw9u^d4mn£ichte der Tatsache ,daß die Post funktioniert, wird unsere Jugend ganz in Uebereinstimmung mit einer leider weit verbreiteten Anschauung zu der Ansicht kommen, daß die grundlegenden Gesetze der Thora nicht auf Sympathie bei der Regierung und bei der Gemeinschaft zu rechnen haben, nicht einmal in einer jüdischen Stadt wie Tel Awiw, daß man dieses ganze Thoragesetz als etwas Abgestorbenes und Veraltetes betrachtet. 4. In vergangenen Jahren bis heute hat das.Postamt in Tel Awiw am Sabbat seine Tätigkeit voll* kommen eingestellt, und es ist nicht einzusehen, warum sich diese Lage jetzt ändern soll. Wenn es ein* zelne Einwohner von Tel Awiw gibt, welche wollen, daß das Postamt am Sabbat geöffnet werde, so müßte man solche Wünsche schon auf Grund der Tatsache zurückweisen, daß die Religion im Mandat anerkannt ist, abgesehen davon, daß der größte Teil der Juden in Tel Awiw in der Eröffnung der Post am Sabbat eine schwere Kränkung erblickt, und in ihren religiösen Gefühlen dadurch aufs tiefste verletzt wird. Die kommerzielle Entwicklung hat bisher niclit darunter gelitten, daß die Post am Sabbat geschlossen war, und sie wird auch künftig sich fortsetzen, wenn die Postämter weiter am Sabbat geschlossen bleiben. 5. Die traurigen Ereignisse der letzten Wochen im heiligen Lande, die so schwere Erlebnisse über die jüdische Bevölkerung brachten, haben bei einem großen Teile der jüdischen Einwohner Erez Jisroels Gedanken der religiösen Rückkehr wachgerufen. Es ist kein Zweifel, daß die Hand der Vorsehung waltet in der traurigen Möglichkeit, daß unschuldiges jüdisches Blut vergossen wird, daß die Frucht unsäglicher Mühe und Arbeit in Feuer aufgeht, daß die; Wogen des Hasses unserer arabischen Mitbürger das heilige Land überfluten. Deshalb regt sich im Lande eine religiöse Bewegung, die sich aufbaut auf dem Streben, den G'tteszorn abzuwenden und dadurch Friede und Ruhe im Lande wiederherzustellen, diejenigen Erscheinungen im öffentlichen Leben, die die Grundlagen der Religion zu erschüttern geeignet waren, bekämpfen und beseitigen möchte durch die Stärkung des religiösen Gefühls und die gewissenhafte Erfüllung der religiösen Pflichten. Es wird im -ganzen Lande Er* staunen und eine gewaltige Erregung hervorrufen, nicht minder aber auch in den Ländern der jüdischen Diaspora, wenn gerade in einem solchen Augenblick die Leitung der Post in Tel Awiw den Beschluß faßt, im Gegensatz zu der vieljährigen Uebung, die Post* ätmer am Sabbat zu öffnen, und so im Mittelpunkt einer rein jüdischen Siedlung eine öffentliche Tribüne der Sabbatentweihung zu schaffen. Der Sabbat ist, das muß hier ausgesprochen werden, der Grundstein des Judentums und die jüdischen Weisen haben uns den Ausspruch geliefert: „Brandkatastrophen entstehen dort, wo man den Sabbat entweiht." Somit beehre ich mich, E. E. zu bitten, Anweisung zu geben, daß in diesen schweren Stunden auf den Gedanken verzichtet wird, daß die Regierung sich mit der Gesamtheit des jüdischen Volkes eine in dem Bestreben, den Willen G'ttes, des Herrn der ganzen Erde, zu ehren, der seinem Volke am Sinai geboten hat: Hüte den Sabbattag, ihn zu heiligend' - i:: Der Ausbau der palästinensischen Handelsschiffahrt. Haifa, 22. Juli. Die Hamburger Reederin Lucie Borchardt ist vor kurzem in Haifa eingetroffen, um dort die Interessen der von ihr gegründeten jüdischen Schiffahrtsgesellschaft „Atid" wahrzunehmen, an deren Spitze ihr Söhn als Direktor steht. Frau Borchardt hat in Haifa Besprechungen mit dem Schatzmeister der Exekutive der Jewish Agency, Elieser Kaplan, über Maßnahmen zur weiteren Entwicklung der jüdischen Schiffahrt abgehalten. Die Gesellschaft „Atid" versieht gegenwärtig mit vier Schiffen dsn •Dienst zwischen Palästina und den übrigen Ländern des Nahen Ostens, Der Nationalfond hat Applanierungsarbelten im Gebiet der Haifa-Bay und den Bau neuer Chausseen auf "diesem /Gebiet in Angriff .genommen. Bei diesen " Arbeiten werdenL fünfzig ÄtBeitef' beschäftigt. 1 o!..<■)■,' on:;-.,;•••.;>•; n^.:-; \ .. .- '