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Der Israelit · 1936-07-30 · Heft 31 (30.7.1936) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 31 (30.7.1936)
Date
1936-07-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 31 Der 1( s r a e4 i t 30/ Juli 1936 es kommt so ein Gemisch von eigenen Hypothesen und biblischer Tradition heraus, das letzten Endes weder die eine, noch die andere Seite foefriedigen wird. Aehnlich geht es dann mit der talmudischen Zeit, der Geschichte der mündlichen Lehre und später mit der Stellungnahme zur Kabbala und zur innerjüdischen Entwicklung von Spinoza bis zum Beginn der Emanzipation. Heinrich Gr ätz und Simon D u b n o w scheinen hier für Cohn die unbestreitbaren . Autoritäten zusein; Izchok Halevys epochemachende Forschungen sind nicht vorhanden und von der denn doch heute selbst in freigesinnten Kreisen sich anbahnenden tieferen Würdigung des Wahrheitswer tes der kabbalistischen Literatur und damit auch des sechszehnten bis achtzehnten Jahrhunderts! ist leider nicht zu spüren. Die Darstellung schließt na turgemäß mit Theodor Herzl, der Balfour-Erklärung und dem Aufbau des neuen Palästina, und hier lesen wir die mit manchem Früheren aussöhnenden Sätze „Eine Erlösung des Volkes, dieses Volkes mit dieser Geschichte, auf Kosten G'ttes gibt es nicht. Das Judentum verweltlichen hieße die Geschichte Mqui dieren und ein lebenskräftiges Volk liquidiert nicht seine Geschichte. Noch gibt es Treue genug in der jüdischen Welt, sie vertraut dem Walten G'ttes in der Geschichte und der klaren Luft Altneulands, die nach einem alten Worte „weise macht". Das Buch ist auf alle Fälle ein glänzender Wurf dm Angesichte des in Deutschland heute hochgestei gerten Interesses vieler tausender aus dem Indiffe rentimus erwachter Juden und Jüdinnen an der jü dischen Geschichte. Es ist schmerzlich, daß ihm die eindeutig thoratreue Literatur nichts Gleichwertiges an die Seite zu stellen hat. Bei den Heimkehrern wird es jedenfalls segensreich und befruchtend wirken. Im Zeichen der Wiedergeburt. Von Abraham S c h 1 esinger. Berlin. 1935. Verlag K e d e m 217 S. Es ist schon oft darüber Klage geführt worden, daß die jüdische Publizistik, soweit sie ideologische Auseinandersetzungen zum Gegenstand hat, in letzter Zeit ziemlich unfruchtbar gelblieben ist. Sofern überhaupt ideologische Betrachtungen angestellt werden, geschieht es meist in der Weise, daß jede Gruppe ihre Position mit den altbekannten, schon tausendmal gehörten Argumenten zu verteidigen sucht, ohne neue Gesichtspunkte in die Diskussion hineinzubrin gen. Die ideologischen Fronten sind erstarrt, der Kampf wird mit schablonenhaften Formeln geführt, die der veränderten Geisteslage nicht mehr entsprechen: eine wirklich fruchtbare Aussprache, eine Weiterbildung des überkommenen Gedanken* guts ist selten anzutreffen. Bei einem solchen Zustand der Dinge ist ein Buch wie das von Abraham Schlesinger als wohltuende Ausnahme zu begrüßen. Es macht wirklich den Versuch, sich von den üblichen Gemeinplätzen zu befreien und zu einer selbständigen, objektiven Betrachtungsweise vorzustoßen, ohne dabei im gering5 sten seinen festen weltanschaulichen Standort aufzugeben. Mit gewissenhafter Gründlichkeit werden viele landläufige Vorstellungen und Schlagworte untersucht und ihrer bisher widerspruchslos hingenommenen Geltung entkleidet; die manchmal etwas pedantisch anmutende Verfahrensweise des Verfassers ist auf jeden Fall dem Ernst des Gegenstandes angemessener als die oft leichtfertige Art mancher moderner Publizisten, ihre geistreichen aber unfundierten Einfälle als letztes Wort des Judentums auszugeben. Das Buch stellt eine Sammlung verschiedener, zeitlich zum Teil weit zurückliegender Aufsätze des Verfassers dar, die alle im letzten Grunde um das Problem der Sinngebung des Judentums, und seiner inneren Wiedergeburt kreisen. Durch alle Essays, denen im übrigen nicht durchweg Gleichwertigkeit zugesprochen werden kann, zieht sich wie ein roter Faden das Bestreben des Verfassers, den von ihm vertretenen jüdischen Nationalismus zu vergeistigen und ihn dem religiösen Prinzip dienend unterzuordnen. In vornehmer, sympathischer Weise setzt sich Schlesinger mit bedeutenden Gestalten der zionistisehen Renaissancebewegung, mit Achad Haam, Bialik, Klatzkin, sowie mit den durch sie aufgeworfenen Hauptproblemen auseinander und tritt, ohne seinen zionistischen Standpunkt zu verleugnen, mit großer Kraft und Wärme für das religiöse Judentum ein. Sein Buch bringt keine umstürzenden Erkenntnisse, aber es wirkt in mancher Hinsicht klärend und gibt eine Reihe von gelungenen neuartigen Formulierungen, denen man nur restlos zustimmen„.kähn. Es ist ein vorbildlicher Beitrag zu einer-''sich ehrlich bemühenden, von hoher Wart e- und zugleich mit starker innerer Anteilnahme geführten Diskussion um die großen Dinge des Judentums. M. Landau. Ueber die Archetypen des kollektiven Unbewußten. Sonderdruck EranoÄ-Jahrbueh 1934, S. 179 bis 229. Von C. G. Jung. Zürich. 1935. R h e i n V e r 1 a g. Noch gibt es leider nicht viele denkende Juden, die dem Weisen von Küßnacht zu lauschen wissen. Vielleicht ebnet ihnen dieser an einen größeren Kreis gerichtete Vortrag die Wege dazu. Die vorgezeichneten und angeborenen Bilder des allen Menschen l innewohnenden Unbewußten werden hier einmal fesselnd und ansprechend an ein paar Beispielen geschildert. Hier herrscht völliges und inniges: Verständnis für die seelische Haltung der dogmatischen Gebundenheit, und 'hier wird jedes Werturteil über Menschenstämme und irgendwelche angeblich nur zu ihnen passende Gestaltungsart im Religiösen abgelehnt; niemand hat idie Römer gezwungen, asiatische Kulte als Massenartikel zu importieren. Hätte den Germanen da® sogenannte artfremde Christentum wirklich zutiefst nicht gepaßt, so hätten sie es leicht wieder abstoßen können . . . (190)". Hinwendung zu fremden Kulten geschieht nach J. rielfach ibei allen Völkern au© Lust am Dunklen und Ueberwältigen^ den des fremden Kultes, wenn der heimische in sei« nen Sinnbildern zu wenig, oder aber zu sehr verstanden und damit seelisch entleert ist; eine auf die jüdische Lehre und ihre Leugner und Apostaten selten anwendbare Perspektive. Hieraus resultiert in der Gegenwart die Hinwendung zu den Geistesschätzen des fernen Ostens. Diese kann sinnvoll sein, wenn. sie nicht auf innerer Leere fußt. Auch dem B u b e r' sehen Kreise könnten wir die hier von J. jener östlichen Neigung entgegengerufenen Worte als Mahnung vorhalten: „Man wirtschaftet sich nicht zuerst zum Bettler herunter, um nachher als indischer Theaterkönig zu posieren . . . Weit besser schiene es mir, sich entschlossen zur geistlichen Armut der Symbollosigkeit zu bekennen, als sich ein Besitztum vorzutäuschen, dessen legitime Erben wir auf keinen Fall sind . . ." Das sind Worte eines Mannes, der selber ein Leben der Erforschung östlicher Symbole gewidmet hat und sich dabei frei von jeder, „frei steigenden" Mystik weiß, d. h. zu seiner Religion steht. Diese Worte weisen uns vielleicht zurück zu jener Sinnbildlehre Rabbiner Hirsch®, die auf dem Faktum der Offenbarung in allen Einzelheiten basiert und daher nur dem innerlich vom Gesetze erfüllten Befolger desselben ihren ganzen Reichtum enthüllt. Was in den Literaturen aller Völker unter dem Bilde der Anima, des Wassers (zu Beiden vgl. die ersten Sätze der Bibel}, des Schattens und des Weisen innerlich verstanden wurde, das ist hier in stupider Belesenheit und trotzdem zugänglicher Diktion zusammengestellt und in seiner inneren Gesetzmäßigkeit aufgezeigt. Wen Probleme seelischen Symbolschaffens interessieren, — und das sollte man von jedem Bekenner des Gesetzes und der Propheten erwarten, — den kann vorliegende Schrift nur nachdrücklichst zum Studium der Jung'schen und sonstigen heutigen Symbolpsychologie aneifern. B. C. Geschichte der Juden und Deutschland. Von Ismar Elbogen. Berlin. 1 9 3 5. Diese Geschichte, soll hier nach den Quellen erzählt werden, nicht in ihren Einzelheiten, sondern in ihrer Dynamik, in ihren tätigen Kräften, in ihren wirkenden Leidensehaften —. niemand zu Liebe, niemand zu Leide, jedermann zu Nutz und Frommen! So charakterisiert Elbogen sein Werk, / Also, er will objektiv sein. Das ist .natürlich nicht möglich, — und Elbogen istauch durchaus nicht objektiv. Je näher er der Gegenwart kommt, desto mehr zeigen sich seine Sympathien für das sogenannte „liberale" Judentum und ein Nichtgerechtwerden den thoratreuen Kreisen gegenüber. Dynamik, Bewegung kann zum wertvollsten Faktor der Geschichtsschreibung werden, wenn sie nicht, nur Teilstrecken, .sondern jeden Teü in Sinn, Richtung und Ziel des' ganzen Weges hinzustellen weiß. Z. B. .das Martyrium der Juden im Mittelalter — furchtbar im Erleiden und der höchsten Bewunderung würdig in der Hinnahme — oder im Gegensatz hierzu die Kraft= und Würdelosigkeit der neuzeitlichen Geschlechter als Juden oder 'das Verhältnis der Völker zu den Juden, — all dies nur aus Zeit und Milieu zu deuten, kann doch 'die Geschichte nicht zum Lehrmeister machen! Der Geschichtsschreiber Elbogen ist kein Führer, — kann es bei seinem jüdischen Standpunkt auch nicht sein; der Leser -seine® Werkes empfängt nicht ein Gefühl klärender, beruhigender Befreiung. Das Geschichtswerk, welches das jüdische Volk zu seiner Erziehung nötig hat, existiert noch nicht. Ich habe jüngst in Dr. Nathan Birnbaumsi Zeitschrift „Der Ruf" über diese Forderung u. a. geschrieben: „Diese Geschichte kann nur von mehreren erstklassigen Gelehrten ihresi Fache» geschrieben werden, 'die ehrliche ouid begeistert« Thorajuden sin-et Seite für Seite muß der Atem G'ttes fühlbar sein, G'ttesv der uns am Sinai die Thora gab ... In jeder Periode eines " jeden Landes ihres Aufenthaltes gilt es zu zeigen, wie die Juden den Zeitgeist auf sich wirken ließen, und warum es um ihrer Erhaltung willen schließlich zu einer Katastrophe kam. Der Sinn der jüdischen Geschichte ist durch G'ttes Wort gegeben ..." Geis. nT^ÜTTn^ *TttO Druckerei David Rothenberg. Breslau. Unter obigem Titel hat der genannte Breslauer Buchdrucker ein handliches Büchlein herausgegeben, das Gebete und Segenssprüche für verschiedene Gelegenheiten enthält. Es umfaßt sowohl das Mincha- und Maariwgebet für Sabbat und Werktage, WVlp ni3^> sowie 'die Liturgie für eine "Dl pn pns »n^'n n'ia. Es würde zu weit führen, alle anderen Gebetstücke, die das Jahr hindurch vorkommen können, und von dem Herausgeber aufgenommen worden sind, hier aufzählen zu wollen. Das Büchlein ist wegen seiner schönen Ausstattung (Einband in abwaschbarem Kunstleder, holzfreies Papier) auch für Geschenkzwecke geeignet und verdient weiteste Verbreitung, die ihm angesichts des geringen Preises von Mk. 1.— sehr zu wünschen ist. A. Ende August ersclaelnl In unserem Verlage r Zweif er Band; Die Kielt der Gebete nr^snn nbis Kommentar zu den Sabbat- und Tefttags-ßebeten. Uorbefteltungen durdi alle befferen Buchhandlungen oder direkt durch VERLAG DES ISRAELIT i. HERMON 6MBH., FRANKFURT AM MAIN :-: SCHUTZEHSTRtSSE12 PoStSCriecK- Konto Nr. 19802

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