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Der Israelit · 1936-07-30 · Heft 31 (30.7.1936) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 31 (30.7.1936)
Date
1936-07-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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SSSS^SftS Eisensteins hebräische Encykiopädie. Zum Erscheinen der drittelt Ausgabe. Von Rabbiner Dr. Rosenwasser in Berlin. Unter dem Titel H'SIV ISIS; hat der unermüdliche, in seiner Energie und Schaffenskraft bewundernswerte Jehuda David Eisenstein in New York ums Jahr 1910 eine hebräische Encykiopädie zu schreiben begonnen. 1913 war die Encykiopädie, die auf 10 Bände berechnet war, abgeschlossen. Im (Frühjahr 1924 ist in Wien eine zweite ungekürzte Ausgabe dieses gewaltigen Werkes erschienen. Im Herbst 1935 brachte die Firma Shapiro Vallentine und Co. in London, die dritte gleichfalls ungekürzte Ausgabe des einzigartigen Werkes in hebräischer Sprache heraus. Den Vertrieb dieser dritten Ausgabe hat in Deutschland und in Polen die Berliner Verlagsfirma Rubin Maß (Steinberg u. Salles) übernommen. Der Berliner Verlag plant noch die Herausgabe zweier Ergänzungsbände, da die großangelegte hebräische Encykiopädie vom Eschkol, unter der Redaktion von Jacob Klatzkin, bisher über den ersten Buchstaben nicht herausgekommen ist. Das Werk wird in Polen, trotz seelischer und wirtschaftlicher Not, gut gekauft, was hierzulande nicht der Fall ist. Der Preis für die gesamten 10 Bände ist mit Absicht sehr riedrig gehalten (10 Bände RM. 48.—}, damit jeder Freund der hebräischen . Sprache und des jüdischen Wissens das Werk leicht erwerben kann. Ueber die Aufgaben und die Ziele, die J. D. Eisenstein bei der Schaffung dieser ersten und bis heute einzigen hebräischen Encykiopädie vorgeschwebt haben, äußert sich der Herausgeber im ersten Bande seines großen Werkes ausführlich. Im Gegensatz zu der Jewish Encyclopedia New Ygrk-London 1901—06, Herausgeber Dr. Kurt Singer, die sichs zur Aufgabe gemacht hatte, durch Sammlung eines ungeheuren Materials, der großen Welt zu zeigen, was die Juden auf allen Gebieten der Kultur und des menschlichen Wissens geleistet haben und die ein Bildermaterial zusammengebracht hat, das in der Welt wohl einzig dasteht — hat Eisenstein es unternommen, in seinem Werke weniger Allgemeines über Juden und Judentum zu geben, dafür aber Jüdisches nur von Juden und für Juden zu bieten versucht. In echt jüdischem Stolze hat er den Mut gehabt — er führt nicht umsonst den Namen htlin pK — alle fahnenflüchtigen Juden, mögen sie noch so Großes für die Allgemeinheit geleistet haben, aus seiner Encykiopädie auszuschließen. Nur wer wirklich Bleibendes für Juden und Judentum geschaffen, findet in dem einen Platz, auch wenn er blutmäßig nicht zu uns gehört. Buxtorf, Vater und Sohn, sowie Gesenius erhalten in der hebräischen Encykiopädie eine ausführliche Darstellung. Dagegen ein Mann, wie Hermann Cohen, dessen Namen wahrlich in der jüdischen Welt einen guten Klang bat, erhält in der hebräischen Encykiopädie keinen Platz. Eisenstein erklärt darüber in seiner Einleitung wörtlich: üJKp bv K'flioib'sa npm »tw« osn pn rrn jns jam tPiirr1? niD"w mb j'K mso bjjm Vas wrnn •rm,T^ (Man kann darüber auch anderer Ansicht sein. Red.). Leider macht E. in dieser Beziehung auch vor Tanaim. und Amoraim nicht Halt. Ich vermisse beispielsweise zwei Männer, die von ihrem großen Lehrer Rabbi Jochanan ben Sakkai besonders gelobt werden, nämlich Rabbi Jose Hakohen und Rabbi Schimon ben Nessanel (vgl. Aboth II, 8). In einer besonders angelegten Tanaim- und Amoraimliste sind beide genannten Männer untergebracht, eine besondere Behandlung haben sie nicht gefunden. Man darf daraus nicht etwa schließen, daß Eisenstein die Tanaim und Amoraim in ihrer Geistesgröße nicht zu schätzen wußte, das Gegenteil ist der Fall — er war es gerade und vielleicht der erste und einzige in einer Encykiopädie, der das Leben und die Aussprüche der Tanaim und Amoraim mit wohltuender Wärme ausführlich behandelt hat. Dieses warme Eintreten für die Männer unserer großen Tradition hat Eisenstein viele Gegner zugezogen. In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erlebte die 'junge bebräische j Schriftstellerei ihre Sturm- und Drangperiode. Die jungen Hebraisten, im übrigen ausgezeichnete Prosaschreiber und Dichter, gefielen sich besonders darin, ihre nähere Umgebung zu verspotten. Ein beliebtes Thema waren die Jeschiwohs. Anstatt zu zeigen, daß die Talmudjünger buchstäblich hungern und dabei doch glücklich sind, daß sie in die Welt des Talmuds eingeführt werden, werden die Jünger der Jeschiwohs als Batlanim geschildert, die ihre Zeit mit Tauschgeschäften verbringen. (Vgl. Perez Smolenskin, Bajschiwo bein Hoarbaim). Aus diesen Kreisen kamen die Gegner Eisensteins. In den Jahren 1911—1912 schrieb Tawjow in der nVQXil einige Artikel gegen die Encykiopädie. Eisenstein wehrt sich entschieden gegen die Angriffe und mit gutem Grunde weist er sie zurück. Die Gegner sagen, die hebräische Encykiopädie gewähre den Karäern einen viel zu großen Raum. Eisenstein erwidert, die Karäer haben bekanntlich Großes auf dem Gebiete der Bibelexegese, der Grammatik und der Lexikographie geleistet, zudem werden sie immer weniger. Es gibt »heute nur noch ein Häuflein dieser Sekte. Es ist Pflicht des Zeitchronisten, ihre bedeutenden Leistungen der Vergessenheit zu. entreißen, Ueber Tiberias [ in Palästina, sagen die Gegner, weiß Eisenstein nur zu melden, daß diese Stadt die besten Zizis Tin JTttWl bereite. Soll ich etwa, so erwidert Eisenstein, die dortige Oper und ihre Künstler erwähnen? — Was bietet die Encykiopädie dem gebildeten jüdischen Leser? In unseren Tagen ergeht so oft an den Talmudkundigen die Frage: wie erklären Sie diese oder jene Stelle im Talmud? Die Encykiopädie gibt die beste und erschöpfendste Auskunft über alle diese Dinge. Gleich der erste Band behandelt bei dem Artikel QTN die bekannte Talmudstelle DTK D'KTlj? DriK« Rabbi Israel Lipschütz in Danzig hat darüber in seiner Mischnaerklärung eine lange Abhandlung geschrieben. Eisenstein macht das viel kürzer und übersichtlicher und dabei völlig erschöpfend. Wer für die agadischen Erzählungen des Talmuds Interesse hat, der lese den Artikel Aschmadai. Wer etwas über Chiromantie in jüdischem Schrifttum lesen will, der lese den ausführlichen Artikel über T1 Kann der gebildete jüdische Leser die bebräische Encykiopädie auch ohne Zuhilfenahme eines hebräischen Wörterbuches benutzen? Eisenstein sagt: nna» KY.r; bi1? ^nnb öwd kw inan ]wW]iaao •^in"? p^aa-wanwn^ "pis ^na Das heißt die Sprache der Encykiopädie ist einfach und leicht und jeder, der hebräisch lesen kann, kann sie ohne Zuhilfenahme eines Wörterbuches leicht benutzen. — Zum Schluß seien noch der amna der etwa 60 der größten jüdischen Gelehrten der Welt dankbarst gedacht, die an dem Zustandekommen dieses gewaltigen Werkes ihren Anteil hatten. Bücherbesprechungen. Die Jüdische Geschichte. Ein Gang durch die Jahr* tausende. Von Emil Bernhard Cohn. B e r I i n. 19 3 6. Verlag Erwin Löwe. Wer dieses Büchlein von grade 100 Seiten Klein- Oktav in einem Zuge durchliest, wird einen ästhetischen Genuß von erlesener Art erleben. Der Verfasser hat es verstanden, in einer einfachen, ungekünstelten und doch lebenerfüllten, von innerer Wärme durchglühten Sprache die spannungsreichen vier Jahrtausende jüdischer Geschichte darzustellen und die Dinge dabei so zu gruppieren, zu sichten und zu formen, daß ein sinnvolles Ganze herauskommt. Aber schon die Notwendigkeit der Wahl, der Formung und Sichtung prägt einer derartigen Nach- SchÖpfung den Charakter -d&r Subjektivität auf, und so braucht man sich nicht zu wundern, wenn der üb erlief erungs treue, gläubige Jude an dem Buche kein vorbehaltloses Gefallen finden kann. Zwar spricht Cohn wiederholt vom g'ttlichen Gesetz der Thora, nennt Moses den „Boten G'ttes" und erzählt die Geschichte der Siriai=Offenbarung ohne allzu störende Eingriffe der superklugen Kritik in das überlieferte biblische Geschichtsbild — aber trotz alledem hat der ganzen Urgeschichte die Bibelkritik Pate gestanden. Es fehlt dem Verfasser entweder der Mut oder die Ungebrocehnheit der Emuno, um sich vor der Wissenschaft die Blöße -des Glaubens zu geben und

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