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Der Israelit · 1936-07-30 · Heft 31 (30.7.1936) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 31 (30.7.1936)
Date
1936-07-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 31 Der Israelit 30; Juli 1936 Korrespondenzen. Deutsches Reich. Die ICA siedelt weitere Juden aus Deutschland an. Auch die ehemaligen Groß-Gaglower Siedler kommen auf Boden der ICA, Berlin, 21, Juli. Nachdem End© 1935 zwanzig jüdische Familien aus Deutschland durch 'die ICA in ihrer Kolonie in Argentinien Avigdor zur Ansiedlung gelangt sind, hat sich die ICA entschlossen, ein erweitertes Ansied5 lungsprogranun durchzuführen. Im Laufe eines Jahres werden etwa weitere 150 Familien, die durch den Beauftragten der ICA bereits ausgewählt sind, in den ICA=Kolonien zu landwirtschaftlicher Arbeit angesiedelt werden. Von diesen Familien, die in der Regel mindestens drei männliche und eine weibliche Arbeitskraft umfassen müssen, wird ein Familienmitglied nach einer vierwöchentlichen landwirtschaftlichen Vorschulung im Landwerk Neuendorf zur Ausbildung auf ein» Jahr der Familie nach Argentinien vorausfahren. Die Ausbildung erfolgt teilweise in landwirtschaftlichen Schulen, teilweise bei alten Sied; lerfamilien. Wenn sich das vorausfahrende Familienmitglied während dieser Ausbildungszeit bewährt, wird die Familie innerhalb eines Jahres angefordert •und in den ,ICA=KoIonien in Argentinien angesiedelt werden. De ICA hat außer dieser Erweiterung .ihres Kolonisationsprogramms in Argentinien nunmehr auch damit begonnen, jüdische Familien aus Deutschland in Brasilien auf einem Areal in der Nähe der Stadt Rezende, 190 km von Rio de Janeiro entfernt, anzusiedeln. Auf dem von der ICA erworbenen Gut werden den einzelnen Familien Siedlungsgrundstücke in einer Größe von etwa 20 ha in Pacht gegeben, die landwirtschaftlich intensiv und nach dem System der gemischten Wirtschaft bebaut werden sollen. Es ist vorgesehen, daß die Siedler in einer Zeit von etwa zwanzig Jahren Eigentümer des Siedlungsgrundstückes werden können. Für diese ICA=Siedlung sind in erster Linie die früheren Siedlerfamilien aus Groß- Gaglow vorgesehen, deren Zahl durch die Auswahl weiterer, von dem Beauftragten der Ica bereits' geprüfter Familien erhöht werden soll. Die ausgewählten Familien werden zusammen mit ihren Angehörigen und den ihnen beigegebenen Hilfen zur Ansiedlung gelangen. Auswanderung der Juden aus Deutschland. Berlin, 28. Juli. Zu der Untersuchung de« Wanderunj|s<auss Schusses der Reich»Vertretung der J u den in Deutschland, dessen Ergebnisse wir auf Seite 2 unserer jüngsten Nummer brachten, sind nachfolgende Einzelheiten hinzuzufügen: Für die Zeit vom 1. 2. 1933 bis 1. 4. 1936 ergibt sich nach der Richtung der Auswanderung in die verschiedenen Länder folgendes Gesamtbild: Europa-Wanderung: Die 1933 nach Westeuropa Ausgewanderten sind auf 36.000 zu schätzen, davon sind zurückgewandert 14.000, so daß insgesamt in westeuropäischen Ländern 22.000 verblieben sind, ... Diese 22.000 in Europa verbliebenen Aviswanderer verteilen sich auf: Belgien,- England, Frankreich, Holland, Mittel- und Südosteuropa, Schweiz, Oesterreich, Italien, Tschechoslovakei, Jugoslavien, Nordische Läiu der, Südwesteuropa, Spanien, Portugal, sonstige europäische Länder. Die Rückwanderung von Juden ausländischer Staatsangehörigkeit in ihre Heimatländer, besonders nach Osteuropa (Polen, Randstaaten, Balkan) betrug 18.000, Die Palästina Wanderung zählte 31.000, Neueste Wirtscbaltsnachricbten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Haifa. Der von nationalistischer Seite gegen' Palästina betriebene Liefarungsboy* kott, über den wir bereits berichtet haben, wird in den syrischen Städten fortgesetzt. In Beirut, Tripoli, Saida und anderen Städ-' ten werden Waren, die für Palästina bestimmt sind, zerstört. Die syrische Presse nimmt weiter gegen diesen Boykott Stellung und verweist auf den Nutzen, den Syrien aus dem Handelsverkehr mit Palästina zieht und die Gefährdung des Fremdenverkehrs im Libanon. Die palästinensischen Kaufleute haben auf den syrischen Lieferungsboykott hin den Einkauf Jandwirtschafts lieber Produkte in die Türkei verlegt. Mehrere türkische Dampfer sind mit Eiern, Früchten und Gemüse nach Haifa und Tel Awiw abgegangen. Jerusalem. Zu unserer Mitteilung in der letzten Ausgabe über den palästinensischen Kaliexport teilt uns die Palestine Potash Ltd. mit, daß die angegebene Exportmenge zutreffend ist, der laut Handelsstatistik angegebene Exportwert aber auf einer veralteten Berechnungsgrundlage beruht und nicht dem tatsächlichen Exportwert entspricht. Jerusalem. . Die Orangenpflanzungen jüdischer1 seits haben im Jahre 1935 einen starken Rückgang erfahren, da sich die Rentabilität ,in der vorletzten Saison 1934/35 ungünstiger gestaltete und eine Ueberproduktion befürchtet wird. Nach Schätzungen des Depärtment öf Agricülture and Forest^ Wurden von Juden im Jahre 1935 10.000 Dunam angepflanzt, von Arabern dagegen 20.000 Dunam — insgesamt also 30.000 Dunam. Die gesamte Orangenfläche hat sich damit von 265.000 Dunam per Ende 1934 auf 295.000 Dunam per Ende 1935 erhöht, davon befinden sich 160.000 Dunam in jüdischen Händen. Gaza. Die Produktionskapazität der Palestine Sulphur Quarries> Ltd. ist jetzt soweit entwickelt, daß sie 93—96 prozentigen Schwefel herstellt. Die Anlagen können bei der Verarbeitung 20prozentiger Schwefelerze eine Tonne Schwefel per Stunde herstellen. Im Jahre 1935 wurden 5167 Tonnen Schwefel gewonnen. Die Gesellschaft, hat um eine weitere Abbaukonzession nachgesucht, sie verfügt bisher über zwei Abbaukonzessionen. Jerusalem. Wie der Erntebericht für Juni mitteilt, ist die Winterernte im Süddistrikt beendet, die Drescharbeit ist im Gange. Die Sommerernte entwickelt sich sehr günstig. Während die Sesamernte im Ramiebezirk gute Aussichten bietet, ist die Durraernte nicht vielversprechend. Im Norddistrikt ist die Hülsenfruchternte abgeschlossen, die Getreideernte macht gute Fortschritte. Die Ernteerträge werden kaum geringer als im letzten Jahre sein, obwohl einige Bezirke unter ungünstigem Wetter gelitten haben. Mais, Durra und Sesam entwickeln sich entgegen den Erwartungen günstig, besonders die Mais- und Durraernte ist vielversprechend. Die Kartoffelernte hat im Nord= . distrikt sehr gute Resultate ergeben. Die Tabakumpflanzung ist beendet, die Ernte entwickelt sich günstig: Im Jerusalemdistrikt zeigt die Sommer- und Hülsenfruchternte ein befriedigendes Wachstum, nur bei Hebron ist das nicht der Fall, Die Aussichten der Gemüseernte sind im ganzen Lande Überraschend gute. Infolge der abnormen Verhältnisse findet jedoch kaum eine Erntebewegung statt. Gurken und Kürbisse ergeben große Erträge, die Tomatenernte ents. wickelt sich gut. Im Süddistrikt zögern die Landwirte in manchen pebieten mit der Kartoffelernte infolge der Transport- und Absatzschwierigkeiten. J e r u s a 1 e m. Wie der Erntebericht der Regierung mitteilt, hat ein deutscher Farmer in Haifa einen Kartoffelernteertrag von 3% Tonnen per Dunam erzielt. Die durchschnittlichen Kartoffelerträge sind sehr günstig und bewegen sich 1—1% Tonnen per Dunam. Man erwartet infolge der günstigen Ergebnisse, die auf englische Saatkartoffeln zurückzuführen sind („Up to date"), eine stärkere Nachfrage nach diesen. Die landwirtschaftliche Station in Jericho erzielte in diesem Jahre mit der Weizensorte „Rymer" den höchsten Ertrag von 314 kg per Dunam. Jerusalem. Das Office of Statistics' veröffentlicht Daten über die Bevölkerungsbewegung im ersten Quartal 1936, nach denen sich die Zahl der Geburten auf 16.327 (davon 2878 Juden), die Zahl der Sterbefälle auf 5247 (davon 710 Juden) stellt, Der Geburtenüberschuß im ersten Quartal 1936 beträgt also 11,080 Personen (davon 2168 Juden)'. Uebersee-Wanderung (Vereinigte Staaten von Nordamerika, Brasilien, Argentinien, Chile, übrige süd- und zentralamerikanische Länder; Südafrika) betrug 22.000, so daß die Gesamtzahl der Ausgewanderten 93.000 ergibt. Die Zahl der Glaubensguden in Deutschland betrug nach der Volkszählung vom 16. 6. 1933 499.682. Die Zahl der Glaubensjuden in Deutschland am 1. 4. 1936 kann unter Berücksichtigung der gesamten Au&= Wanderung seit dem 1. 2. 1933, die also teilweise schon vor dem Stichtag der Volkszählung erfolgt ist und der natürlichen Bevölkerangs Verminderung durch Sterbeüberschuß auf 409.000 geschätzt werden. . Holland. Studienkreis „Techillah", Man schreibt uns: Ame t e r d a m , 28, Juli. Am 29. aljr 5696 (21. Mai 1936) haben sich in Amsterdam eine Anzahl gesetzestreuer Juden geeinigt zum S t u d d e n k r e i © „Techillah" (Thora chaja la'am hechaj Lebendige Lehre dem lebendigen Volke). , Die Gründer rufen .diejenigen auf, welche — die Notwendigkeit der Treue dem jüdischen Gesetz gegenüber anerkennend — mit ihnen diese Not empfinden, zur Einsendung ihrer Adresse an einen der Unterzeichneten: S. Pinkhof, Vorsitzender, Bies* boschstraat 20=11 Amsterdam-Z.; M. J. Premsela, Sekretär, N, Heerengracht 45, Amsterdam*G. Polen. Die Lage in, Polen. Auswirkungen des Schächtverbotes. _ Ueberfälle. — Ein polnischer Hirtenbrief, von dem die Presse nichts weiß. Warschau, 28. Juli. Da infolge des Inkrafttretens des gesetzlichen Betäubungszwanges für Schlacht weh in wenigen Monaten tausende -Familien jüdischer Arbeiter und Handwerker des Fleischergewerbes, brotlos werden dürften, hat die im März von dem Lodzer Kongreß jüdischer Fleischer eingesetzte Umschi'chtungs» kommission im Einvernehmen mit dem Rat der jüdischen Gewerkschaften einen großzügigen Plan zur Ansiedlung ehemaliger Fleischer in Palästina aus» gearbeitet. In Lodz überfielen Nationaldemokraten den 70jährigen Schlomo W e i n e r t und verletzten ihn durch Schläge mit Eisenstäben auf den Kopf so •schwer, daß er eine schwere Gehirnerschütterung davontrug. Es besteht keine Hoffnung, daß er am Leben bleiben wird. Ein weiterer Ueberfall wurde in Lodz auf den jüdischen Passanten Abraham Braszek unternommen. Man schlug ihn bis zur Bewußtlosigkeit und raubte ihn dann aus. Wie aus Rom telegraphiert wird, meldete das Organ des Vatikan „Osservatore Romano", daß in den polnischen Kirchen ein Hirtenbrief des Kardinals Hlond, Erzbischofs von Gnesen und Posen und Primas von Polen, verlesen wurde, in dem es U. a. heißt: „Es ist notwendig, in jedem Juden den Menschen und den Nächsten zu erkennen." Es ist merkwürdig, daß bis jetzt die polnische Presse, auch das Warschauer Organ des polnischen Episkopats, dasvon jeher antisemitisch orientiert ist, nichts über den Hirtenbrief berichtet. Bombenanschlag gegen eine jüdische Ferienkolonie. Warschau, 20. Juli. In di© von der Gesellschaft Toz für Gesundheitsschutz der Juden (polnische Zweigorganisation der Ose) erhaltene Sömmerferienkolonie für jüdische Kin? der in dem Wilnaer Vorort Paspilszkd ist von Unbekannten eine Bombe geworfen worden. Die Bombe explodierte, doch wurde glücklicherweise' niemand verletzt. Man vermutet, daß das Attentat von Ange» hörigen einer antisemitischen Jugendorganisation verübt wurde. In der .großen jüdischen Lungenheilstätte „Briut" in Otwock bei Warschau ist der Hauptpavillon durch Feuer vernichtet worden. Der Brand wurde durchx

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