Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1936)
- Date
- 1936-07-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 31 Der Israelit 30. JuE 1936 Zwischenzeit viel ereignet und die Berichterstatter wterden nicht konstatieren können, daß die entscheidenden Stunden in Erez Israel ein schwaches Geschlecht innerhalb der Agudo gefunden hatten. Schwach wohl hinsichtlich der ihr zur Verfügung stehenden Menschen und Mittel, aber stark im Willen, Israels Land als Nationalheim der Thora aufzubauen. In manchen Aktionen, die die politische Not in Erez Jisroel geschaffen hat, waren die Männer unseres Vertriuens führend. Es ist manches geschehen, aber viel bleibt IlOCh ZU leisten übrig, Darüber werden Referate und Generaldebatte Klärung bringen. Aucb das K e r e n H a *j i s c h u w - D i r e k t o r i u m (Palästina-Zentrale) wird imstande sein, über konstanter Arbeit in und für Erez Israel zu berichten, die, unabhängig von der derzeitigen Lage, unabhängig von Gunst und Ungunst der politischen Lage im- Lande, Grundsteine für den Bau der Zukunft legt. Jugendarbeit, Beth Jaakow, Bnoth Agudas ( Jisroel! Wie Lichtpunkte aus trübem Grunde strahlen diese Worte aus dem Programme uns entgegen. Man wird hochbedeaitsatne und zu kunftverheißende Beschlüsse zu fassen haben Es wird, wie wir zuversichtlich hoffen, die Ein berufung der Kenessio Gedaulo in der mittlerweile völlig zur Rute ge kommenen heiligen Stadt zum be a b s i c h t igten Zeitpunkte be seh lös s e n werden. Marienbad ist Vorstufe von Jerusalem, ,und ist somit die Kenessio Me chino Trägerin der ältesten Hoffnungen der Golah, Möge sie dazu beitragen, daß bald die Stunde schlägt für die große, von uns allen ersehnte Kenessio, von G'tt selbst in Seinem Lande und der Stadt Seiner Wahl einberufen, wie es uns Jesajas in diesen Wochen in großer prophetischer Schau kündet In dieser Hoffnung begrüßen wir die Kenessio Mechino und wünschen ihren Arbeiten vollen Erfolg. Die Agudaexekutive wird die Königliche Untersuchungskommission nach Palästina begleiten. London, 29. Juli. Wie das J. P. B. berichtet, wird auf der K»e - nessio Mechino in' Marienbad der Vorschlag gemacht werden, daß Vertreter der europäischen Exekutive der Agudas Jisroel die Königliche Untersuchungskommission nach Erez Israel begleiten sollen, mit dem Zwecke, im Einvernehmen mit der Agudaexekutive in Jerusalem den Gang der Untersuchungen ZU verfolgen. Wie weiter J. P. B. mitteilt, werden in Marienbad außer den Mitgliedern des R a b b i n i - sehen Rates und des Zentralrates der Agudas Jisroel Delegierte aus 18 Ländern anwesend sein, unter ihnen Vertreter der Zeiirei Agudas Jisroel, der Poale Agudas Jisroel, der Bnoth Agudas Jisroel und der deutschen Chaluzimgruppen. Aus dem Programm weiß das Büro mitzutei len, daß Jacob Rosenbeim den Bericht der Exekutive erstatten wird. Dr. S.Ehrmann legt den Erez Israel-Bericht vor, Ueber die Lage in Erez Israel sprechen Rabbiner Mosche Blau und Dr. Isaac Breuer, Jerusalem. Harry A. Goodman referiert über die allgemeine politische Lage des Judenhums. Rabbiner Wolf S Jacobson, Kopenhagen, Direktor des Keren Hathora, wird über die Tätigkeit dieser Insti tution Bericht erstatten. Die tscheohoslovakische Regierung wird auf der Eröffnungssitzung vertreten sein. Tischa b'aw in Erez Israel, Jerusalem, 29. Juli. Der T i s c h a - b ' a w verging in schmerzlicher, stiller Trauer, wie sie. die 'heutige Generation in Palästina noch nicht erlebt hat. Zum ersten Male seit Menschengedenken blieb am Vorabend wie am Tage des 9. Aw der Strom der Juden nach der Heiligen Mauer aus. Dafür waren sämtliche Synagogen und Bethäuser überfüllt wie noch nie. Die Polizeistunde war in Jerusalem für die Stunden des Abendgebetes aufgehoben. In tiefster Andacht und Trauer saßen die Betenden weinend — um altes und neues Leid — zu Boden, und wie neues Hoffen stieg das vn-wn auf. Um einem Präzedenzfall entgegenzukommen, gab der Distriktskommissar von Jerusalem, Campbell, auf Veranlassung jüdischer Institutionen eine Erklärung ab, daß das Recht der Juden auf den Platz vor der K1 a g e m a u e r als Stätte der Gebete, besonders auch der Trauergebete am 9. Aw, durch den Verzicht in diesem Jahre für die Zukunft unberührt bleibt. Mit dem 9. Aw fiel auch der hundertste Streiktag zusammen, den die Araber besonders feierlich begehen wollten. Die arabische Presse nahm an diesem Tage Anlaß, die bisherigen Ereignisse der Streikbewegung hervorzuheben und zu versichern, daß der Streik auch noch einen 200. und 300. Tag erleiben werde, wenn nicht inzwischen die arabischen 'Forderungen erfüllt werden. In den Moscheen wurde der hundertste Tag des Streikes durch feierliche G'ttesdienste mit Ansprachen begangen. Auch in den Kirchen der christlichen Araber wurde des Streikjubiläiums gedacht. Im Allgemeinen verlief der 9. Aw relativ ruhig. Nur bei Nablus kam es zu einem Zusammenstoß mit Militär, wobei ein Araber erschossen wurde, Zu kleineren Schießereien kam es auch in den äußeren Teilen von Jerusalem und bei Moza. Ein Beweis, daß die arabischen Führer die, Massen längst nicht mehr in der Hand haben, denn für diesen „Jubiläumstag" war von den ersteren so etwas wie eine „Waffenruhe" proklamiert worden, die eben von den einmal losgelassenen Elementen nicht respektiert wurde. Ormsby Gore über die Aufgaben der Untersuchungskommission in Palästina, London, 29, Juli, Der Kolonialminister Ormsby -Gore gab heute im Parlament .die Zusammensetzung der Königlichen Kommission für Palästina und die Aufträge bekannt, die die Kommission erhalten wird. Ihr Vorsitzender wird Earl Peel, ihr stellvertretender Vorsitzender Sir H o r a c e Rumbold sein. Die Kommission erhält den Auftrag, die tieferen Ursachen des Aufstandes in Palästina festzustellen, zu untersuchen, in welcher Weise das Mandat in Palästina mit Bezug auf die Verpflichtungen der Mandatarmacht gegenüber den Arabern und den Juden erfüllt wird, zu erforschen, ob bei richtiger Deutung der Bestimmungen des Mandates die Araber oder die Juden irgendwelchen legitimen Grund zur Beschwerde haben, und ob die Kommission der Meinung ist, daß irgendwelche solcher Beschwerden so begründet sind, daß Empfehlungen für ihre Beseitigung und für die Verhinderung neuer Beschwerden dieser Art wünschenswert sind. Ormsby-Gore fügte hinzu, daß es nicht möglich sei, mitzuteilen, an welchem Zeitpunkt die Kommission nach Palästina abreisen werde, denn sie werde ihre Arbeiten nicht beginnen, bevor dort d i e 0 r dn un g w i e d e r hergestellt worden sei. Oberstes arabisches Komitee sucht einenWegzurBeendigung des Streiks Jerusalem, 26. Juli. Der allgemeinen Streikmüdigkeit Rechnung tragend, sucht das O b e r s t e Arabische Komi t e e nach einem Weg für den Abbruch des Streiks, ohne bisher zu einem festen Ent^- schlüß gekommen zu sein. Ueber die letzte Sitzung des Komitees wird in Erfahrung gebracht« daß von den Anhängern des Großmufti beantragt wurde, eine Erklärung zu veröffentlichen, in der die Beendigung des Streiks mitgeteilt und der arabischen Nation der Dank für die Entschlossenheit ausgesprochen wird, mit der sie vor der Welt und vor England den festen Willen dargetan habe, gegen die zionistische Politik der Regierung zu kämpfen. Die Partei N a s h a s h i- bis andererseits beantragte, das Oberste Arabische Komitee solle sich anläßlich des thundertsten Streiktages auflösen. Eine Einigung kam auf der Sitzung nicht zustande. Unterredung mit Litwinow über die Religionsfreiheit in Rußland. Der Leiter der Jesohiwo ,,Ez-Ghajim" in Montreux, Rabbi Elijahu B o t s c h k o , wurde am 20. Juli von dem russischen Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Minister Litwinow, in Audienz empfangen. Der Rektor der Talmudhochschule in Montreux lenkte die Aufmerksamkeit des russischen Außenministers auf die religiösen Verfolgungen, namentlich das Vergehen gegen die Rabbiner und die jüdischen Schulen, und überreichte" gleichzeitig Herrn Litwinow ein Memorandum mit der Bitte, das schwere Los der dortigen Rabbiner zu erleichtern. ,,Der Juden höchste" Aufgabe," so heißt es u. a. in dem Memorandum, „ist, das Staatsinteresse mit allen Kräften zu fördern und für das Wohl des Staates zu beten. Niemals hat einer der russischen Rabbiner staatsfeindliche Tendenzen gefördert oder die Interessen des Staates geschädigt. Nach veröffentlichten 'Berichten sollen in Rußland die Rabbiner mit hohen Steuern (von 500 bis 1000 Rubel) belastet werden, obschon sie gar kein Einkommen haben und im Nichteinibringungsfalle mit Zwangsarbeit bestraft werden. Es wäre wichtig, wenn von Ihrer Exzellenz diesbezüglich eine Klarstellung gegeben werden könnte. Ich gestatte mir, Ihre Aufmerksamkeit auf die Besorgnis der gesamten Judenheit wegen der religiösen Verfolgungen in, Rußland zu lenken. Die gesamte Judenheit bittet Sie, den um ihr Judentum und um ihre Thora ringenden Menschen, in Rußland freie" Ausübung ihrer religiösen Obliegenheiten zu gewähren. Im Namen der religiösen Judenheit gestatte ich mir, die Bitte an Sie zu richten, die Ausreise der russischen Rabbiner, die sich in verschiedenen Ländern, vor allem in Palästina, Amierika und England niederlassen wollen, zu gestatten. Dies; wird vornehmlich dadurch ermöglicht, daß man ihnen freie Pässe aushändigt und keine hohen Steuern auferlegt, damit die Ausreise nicht praktisch unmöglich gemacht wird. Nachdem Rußland mit allen freien Ländern der Welt friedliche-.- und . freundschaftliche Beziehungen anknüpft,, würde eine solche Geste nicht mir von den Juden mit Enthusiasmus aufgenommen werden, sondern würde bei der gesamten gesitteten Menschheit einen tiefen Eindruck erwecken und das Vertrauen zu Ihrem Lande in ungeheurem Maße-, stärken." Minister Litwinow erwiderte in sehr freundlicher Weise, daß es in Rußland h e u t e ^eine religiösen Ve r fo 1 gun g en gäbe. Im Uebrigen fühle er sich nicht kompetent, über | die innere Politik ausführlich zu sprechen und sedaure, keine präzisen Antworten erteilen zu I können. Er versprach jedoch, eine zufriedenstelende Antwort über obige sowie verschiedeneandere an ihn gerichtete Fragen von Moskau aus; zu geben.