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Der Israelit · 1936-07-30 · Heft 31 (30.7.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 31 (30.7.1936)
Date
1936-07-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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BSÜiaMB? SE^iSSp^?^^^^^*151^^^ j3^^rW?tf2p'V'S?-^ Frankfurt a. M. 30. Juli 1936 11. Aw 5696 Nummer 31 io Meehino zum Gruß! Aus der tiefen Trauer um Zion weckt uns der doppelte Trostruf des Propheten. Was besagt dieses zwiefache 1»ns? Was ist Trost? „Trösten kann man niemanden, man kann ihm nur Trostgründe geben, die er sich selbst zu Gemüte nehmen und damit eine Umstknmung seiner Stimmung bewirken muß/' (S. R. Hirsch zu M. I, 37, 35.) , Es kommt Jesajas mit seiner siebenfachen Trostverheißung. Kann ein Mensch, und wäre er auch ein Prophete und spräche mit Engelszungen, mit Worten wieder gutmachen, wo G'ttes strafende Hand das Strafgericht vollbracht hat? Wäre dann nicht die resignierte Gegenfrage Zions berechtigt: "7 "»«TS? p'S löSD"»: „Hat mich G'tt verlassen und der Herr meiner vergessen," daß er nicht selber kommt, um zu trösten und zu heilen, und statt dessen den Boten schickt? Wohl darin liegt der tiefere Sinn des doppelten Trostrufes: Der zweite ist nur Interpretation des ersten. Mit ian2 kommt der Prophet. Das Volk hört mit eisigem Schweigen, uniberührt, den Ruf. Da erklärt sich der Prophet deutlicher: WjpVx "lOiP ^ny lbn> Dieses „Tröste dich, mein Volk" kommt nicht aus meinem Munde, Euer G'tt spricht es. S e ine Hand, die geschlagen, schafft Trost und Heilung. Das wirkte! — — In wenigen Tagen kommen die legitimen Vertreter des thoratreuen jüdischen Volkes in der Stadt der böhmischen Heilquellen zusammen, um ruber die Fragen, die jetzt mit der Macht wilder, :sturmgepeitsohter Wogen auf uns einstürmen, zu beraten. Was die Konferenz von allen anderen Konferenzen und 'Kongressen unserer Tage auszeichnet, ist, , daß hier „Trost i ni; Namen 'Gi i t e s " ' gesprochen wird; Während bei jüdischen Versammlüngeh vielfach das Wort "des Propheten Ä mo s (6, 10) gilt: 0ff3 VXTÖ l6 "O Dil „stille, daß ja nicht der Name G'ttes erwähnt wird,*' während überall-, Beschlüsse und Resolutionen von dem Gedanken ausgehen,; als könnten ivir Menschen aus eigener Kraft heraus wieder aufbauen, was G'ttes strafende Hand zerstört hat, gilt es. für uns, Ohr und Sinn auf „die Stimme G'ttes aus dem Sturm" hinzulenken. Nicht der eigene Wille schafft den Weg, sondern der g'ttliche Wille, der sich in all den Schickungen., die das Judentum in den letzten Jahren allenthalben erfahren hat, kundtut. Es geht därumr.die Wege zu finden, auf die uns G'tt mit seinen Feuerzeichen zurückruft. Es gilt, bei aller realen Sachlichkeit und Lebensnähe »der zu fassenden Beschlüsse stets eingedenk zu bleiben, daß wir Menschen hoffnungslos in den Sand bauen, wenn wir nicht mit G'tt, unter Anrufung seiner Hilfe und seines Schutzes, bauen van ito «w rrn m:p n qk Es ist eine. K e n e s s i o Meehino nur, ^eine erweiterte Zentralratssitzung, eine vorbereitende Konferenz für eine andere und größere, die in der heiligen Stadt stattfinden soll. Allein, ist nicht alles menschliche Werk Vorbereitung nur, Einleitung, Instandsetzung, Grundsteinlegung, Saaten, unter Tränen gestreut, aufsaß später uns die reiche Ernte erblüht? Die Konferenz in Marienbad ist mit Auge und Herz nach. Jerusalem gerichtet und damit Ausdruck unserer seit zweitausend Jahren um Zion und Jerusalem kreisenden Trauer und Hoffnung. Aus der vorläufigen Tagesordnung ersehen wir, daß die Exekutive über die Gesamttätigkeit der Agudas Jisroel seit der letzten Zentralratssitzung berichten wird. Es hat sich in dieser (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Um die Untersuchungskommission j . Seite 2 Tischo b'Aw in Palästina.....,'. . Seite 2 Unterredung mit Litwinow . . ./. . . Seite 2 Neue religiös-liberale „Richtlinien" . . Seite 3 Erez Jisroel-Brieie Von Dr. Isaac Breuer Seite 4 Minderheit. Von A. Mannheimer . . Seite 4 AnSiedlung von Juden aus Deutschland Seite 6 Die Lage im Polen ........Seite 6 Briefe aus England.........Seite 7 Erez Jisroel-Bericfite . . . . 7, 8, 11 u. 12 Beilagen: Aus Welt und Leben Literarische Warte. Lernt Von Bezirksrabbiher Saul Münk in Burgpreppach. Der Schmerz der Trauerwochen gipfelnd im Tisch'oibeaw und die tröstende Beruhigung des Schäbbos Nachmu lassen uns grübeln über die Geschichte urisferes Volkes, über Schuld und Schicksal, die es^betroffen. Wir spüren, wie weit dasdeutsche Judentum sich seit dem Zeitälter der Emanzipation vom. Urquell des Judentums entfernt.. Wir : Empfinden gleichsam körperlich das Absterben, das diesen Zweig des Judentums ergriffen. Liebevoll .betrachten wir einzelne Schößlinge, die' am trocknenden Ast unter Aufbietung aller Kräfte zu .grünen versuchen, und zaghatf schauen wir zum Himmel mit der Frage auf den Lippen: „Werden die letzten Reserven jüdischer Lebenskraft reichen, die Fieberkrämpfe des Sterbens zu überwinden, aus morschem Holz grünende Zweige zu' entwickeln? " Wie besorgte Gärtner hiühen sich beherzte Männer, um die Pflege der schwerkranken Pflanze, leisten bedeutungsvolle Hilfe oder erteilen Ratschläge. Beginnend mit. den ehrfurchtgebietenden großartigen Renaissanceleistungen Samson Rafael Hirschs y^T bis in die heutige Zeit hinei.n Viel wurde geleistet. Die Rückkehr zur Tauroh wurde in weiten Kreisen unserer Jugend zur Selbstverständlichkeit" gemacht;; i die; Jeschiwoh beten! ward ihnen zur normalen Ausbildungsstätte. Dürfen wir hoffen, aus der jeschiwphmäßig erzogenen Jugend eine neue Geheration taurohgemäß denkender und fühlender Menschen erwachsen zu sehen, so können wir auch eine kleine Erwartung hegen, daß der jetzigen Generation, ein Abglanz jener wirklich jüdischen Denkweise zu eigen wird. Bringt jene Jugend sittliche Erneuerung durch Mussar-Schulung mit, so darf man annehmen, daß auch die ältere Generation sich mehr widmen wird der Mussartat und der Uebung von Gemilus Ghessed. Eines aber scheint uns noch wichtig und bisher nicht genügend betont. Das jüdische Gemüt soll wieder mehr geweckt werden. Hierzu bedarf es nicht des ferner liegenden Weges der Kabbala, der von einer Seite empfohlen ward. Hierzu gibt es einen viel näher liegenden Weg, das ist der Weg des Gebetes. Das deutsche Judentum hat in seinem größten Teil das echte, innige, warme Beten, den G'ttesdienst des Herzens, verlernt. Wir wollen jenen kein Unrecht tun, die es verstehen, in stiller lautloser Versenkung im Gebet ihr Sinnen und Denken auf G'tt zu konzentrieren; wir wollen auch dahingestellt lassen, ob nicht in manchen Zweigen des jüdischen Volkes das stille, (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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