Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1936)
- Date
- 1936-07-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 30 Der Israelit "23/ Juli 1936 leum Übergossen und angezündet. Vorher war die Haustür verrammelt worden. Von den Tätern fehlt jede Spur. In einem Dorf bei Lomza wurde das Haus und Geschäft des einzigen jüdischen Einwohners Sa wel Flachsbart in Brand gesteckt. Der Redakteur der radikal-antisemitischen Zeitung „Warta", Leon Migula, wurde auf Befehl der Staatsanwaltschaft unter der Beschuldigung der Erpressung verhaftet. Er hat von einer bekannten öffentlichen Institution Geld unter der Drohung ge fordert, daß er sonst die Tatsache, daß die Institu tion einen jüdischen Rechtsberater hat, publizistisch auswerten werde. Antisemitische Ueberfälle in Lemberg. Lemberg, 16. Juli, Nationaldemokraten, unter ihnen zahlreiche Studenten, haben in der Janowski=Straße in Lemberg jüdische Passanten mit Eisenstangen und Messern überfallen. Die fünf Juden: Edmund Heller, Moses Hecht, Josef Seidel, Isaak Pan und Marian Zell wur den schwer verwundet. Sie mußten im Krankenhaus einer Operation unterzogen werden. In der Nähe von Lemberg wurde der Holzkohlenhändler Isaak K a n n e r überfallen. Er erlitt schwere Verletzungen am ganzen Körper. Ein Auge wurde ihm ausgeschlagen. Er wurde in besorgniserregendem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Rumänien. Bekenntnis der Regierungspartei Rumäniens zur konstitutionellen demokratischen Monarchie. Bukarest, 14, Juli. Die von ■ den rechtsradikalen rumänischen Parteien und Organisationen in der letzten Zeit unternommenen Verstöße haben die am Ruder befindliche Liberale Partei veranlaßt, einen außerordentlichen Parteikongreß einzuberufen, um die künftige Politik der Partei festzulegen. Auf dem Kongreß hielt Ministerpräsident Gheorghe Tatarescu eine Ansprache, in der er u. a. erklärte: „Unsere Partei muß in erster Linie ein mächtiger Damm gegen alle Strömungen von rechts oder links sein, die die Staatseinheit und die auf der gegenwärtigen sozialen Ordnung und der Achtung vor dem individuellen Eigentum aufgebaute konstitutionelle Monarchie in Rumänien gefährden. Wir wollen uns leiten lassen von dem Motto: Monarchie, Nationalismus, Demokratie und Solidarität." Die außenpolitischen Fragen behandelte der Parteipräsident Constantin Bratiana Sodann nahm der von 2000 Delegierten der Parteiexekutiven sämtlicher Distrikte Rumäniens beschickte Kongreß die Wähl der leitenden Körperschaften vor. Constantin Bratianu wurde zum Präsidenten, Ministerpräsident Tatarescu zum Generalsekretär der Partei wiedergewählt. In die ständige Parteidelegation wurden 200 führende Persönlichkeiten entsandt, unter ihnen auch drei Juden: der Präsident des Verbandes der jüdischen Gemeinden Altrumäniens und der Jüdi* sehen Gemeinde Bukarest, Senator Sigmund B i r - man, der Abgeordnete Friedrich Michelsohn und der Hauptschriftleiter Senator Dr. Esra B e r — Geiahren eines antisemitischen Regimes in Rumänien vorläufig beseitigt. ' '• Bukarest, 15. Juli. In einem brieflichen Uebereinkommen mit dem Außenminister Titulescu hat die rumänische Regie* rung Richtlinien auch für die Innenpolitik festgelegt, in denen sie sich u. a. verpflichtet, mit gleicher .-Schärfe gegen alle Bestrebungen von rechts oder links, die auf eine Aenderung der gegenwärtigen verfassungsmäßigen Zustände abzielen, vorzugehen und eine Wiederholung der Straßenunruhen der letzten Zeit zu verhindern. Titulescu hat nicht nur mit der Regierung und dem Führer der libearlen Regierungs* partei, Constantin Bratianu, sondern auch mit dem Vorsitzenden der -großen demokratischen Oppositionspartei der Nationalzaranisten, Ion Mihalache, verhandelt und eine Annäherung zwischen diesen beiden. „regierungsfähigen" Parteien herbeizuführen sich bemüht. Wenn, wie zu erwarten ist, die Regierung nunmehr gegen die verfassungswidrigen Bestrebungen der judenfeindlichen Gruppen so einschreiten wird, wie dies von allem Anfang an ihre Pflicht gewesen wäre, so dürtfe die Gefahr eines judenfeindlichen Regimes Die Woche. Düsseldorf. In der Sitzung der Repräsentanten der Gemeinde Düsseldorf ist beschlossen worden, dem Verkauf der Synagoge in Ratingen zuzustimmen. In der Synagoge wird seit Jahren kein G'ttesdienst mehr abgehalten. Budapest, Einer in Budapest eingetroffenen telegraphischen Mitteilung zufolge sind in der Stadt Satu Mare (Transsylvanien, Rumänien) sämtliche vier Synagogen während der Nacht geplündert worden. Die Spendenbüchsen wurden erbrochen, die Gebetbücher zerrissen und seidene sowie Samtvorhänge entwendet. Von den Tätern fehlt jede Spur. Prag. Im Jahre 1935 sind in Prag 187 Personen aus dem Judentum ausgetreten, und zwar je 80 Männer und Frauen sowie 27 Jugendliche. Von den Ausgetretenen wurden 140 konfessionslos, 29 römisch-katholisch, 10 evangelisch und 8 Angehörige der tschechoslovakischen Kirche. Ins Judentum eingetreten sind 1935 insgesamt 50 Personen, und zwar 18 Männer, 25 Frauen und 7 Jugendliche. Warschau. In Pinsk brach ein Brand aus, dem zwölf Wohnhäuser und das Jüdische Altersheim zum Opfer fielen. Fünfunddreißig jüdische Familien und fünfundzwanzig Altersheiminsassen blieben obdachlos. Fünf Greise des Altersheims kamen in den Flammen um. —Am 15. Juli ist mit dem Dampfer „Polonia" ein Transport von 6 0 0 Olim nach Palästina abgegangen. Von ihnen stammen 450 aus Polen, 80 aus Deutschland und 70 aus Lettland. Bukarest. König Carol II. hat 22 rumänische Juden mit dem Ferdinandsorden ausgezeichnet und fünf jüdischen Aerzten in Anerkennung „außerordentlicher patriotischer Verdienste" Auszeichnungen für Leistungen auf dem Gebiet der öffentlichen Gesundheitspflege verliehen. 160 jüdische Kriegsinvaliden haben eine Vereinigung gebildet, die gemeinsam mit ehemaligen rumänischen Kriegsteilnehmern die antisemitische Propaganda bekämpfen will. Paris. Chaim W e i z m a n n hatte in Paris eine Unterredung mit dem M i n i s t e r p r ä s i - d e n t e n L e o n Blum. Saloniki. Die Jüdische Gemeinde Saloniki hat beschlossen, zur Erinnerung an die Teilnahme König Georgs II. an einem G'ttesdienst in der Salonikier Hauptsynagoge Bet Schaul eine Gedenktafel in der Synagoge anbringen , zu lassen. — Der Verkehr aus Mitteleuropa nach Palästina geht seit einigen Monaten in steigendem Maße über Saloniki, das Endpunkt einer täglich funktionierenden Luftverkehrslinie der Gesellschaft „Lot" aus Mittel* und Osteuropa ist. Die gries chische Schiffahrtslinie „Embiricos Line" läßt jetzt ihre zwischen Antwerpen und dem Nahen Osten verkehrenden Dampfer auch in Tel Awiw anlegen. — Eine Salonikier Zeitung meldet, daß eine große Zahl jüdischer, aus Deutschland gekommener Professoren, die von der türkischen Regierung angestellt worden sind, beabsichtigt, angesichts gewisser Schwierigkeiten ihre Ver- . träge mit der Regierung nicht zu erneuern und nach England, oder nach Amerika zu gehen. Eine Bestätigung dieser Meldung aus der Türkei liegt noch nicht vor. Melbourne. Sir Isaac Isaacs, der vor kurzem nach Erreichung der Altersgrenze, von seinem Posten zurückgetretene GeneraL gouverneur von Australien, wurde zum Repräsentanten Australiens im Ausschuß zur Ausarbeitung der Pläne für die Krönungsfeier König Eduards VIII. ernannt. in Rumänien vorläufig beseitigt sein. Auch aus inneren Gründen ist der Vormarsch der Rechjsradikav len zum Stillstand gekommen, da die vor/ kurzem eingeleiteten Einigungs Verhandlungen zwischen,; den rechtsradikalen Gruppen den erstrebten Erfolg; nicht gebracht haben. Der Ehrenpräsident der National- Christlichen Partei, Prof. Alexander C. Guza, hat in einem Interview, das er anläßlich der Jahresfeier der Fusion zwischen Cuzisten und der nationalen Agrarpartei Octavian Gogas dem Vertreter de® „Curentul" in Jassy gewährte, selbst erklärt, daß mit einer Rechtsregierung vor Einigung der Christlich-Nationalen Partei mit Vaida-Voevod nicht zu rechnen sei. Frankreich. Frankreich wird judenfeindliche Unruhen in Marokko nicht zulassen. Paris, 15. Juli., Die Jüdische Gemeinde von Marokko hat im Hinblick auf die seit dem Ausbruch der- Unruhen in Palästina wachsende judenfeindliche Stimmung in Marokko, ihren Generalsekretär Elie Nataf, Redakteur der Wochenschrift „L'Union Marocain", nach Paris entsandt, um mit der Regierung Beratungen über die Lage abzuhalten. Herr Nataf hatte eine Reihe von Besprechungen mit dem Staatssekretär und früheren Generalgouverneur von Algerien, Maurice Violette, und einer Reihe anderer führender Regierungsbeamter. Es1 wurde ihm versichert, daß die Regierung Versuche, in Marokko judenfeindliche Unruhen hervorzurufen, nicht zulassen werde. England. Die Kgl. Untersuchungskommission für Palästina, London, 15. Juli. Wie die ITA. erfährt, werden der fünfgliedrigen kgl. Untersuchungskommissiion für " Palästina Mitglieder des Unterhauses1 nicht angehören. Die Zusammenstellung der Kommission wurde überhaupt nicht nach politischen Gesichtspunkten vorgenommen. Vielmehr handelt es sich bei den Mitgliedern der Kommission um Persönlichkeiten, die politisch nach keiner Richtung hin festgelegt und in der Politik nicht irgendwie bedeutsam hervorgetreten sind. Die Namen der Kommissdonsmitglieder werden voraussichtlich beim Schluß der gegenwärtigen Session des Parlaments bekanntgegeben werden. " Der ITA. wird ferner mitgeteilt, daß die Kommission für ihre Untersuchungen und Erhebungen sehr weitgehende Vollmachten erhalten wird. Wenn auch die letzte Entscheidung der Regierung vorbehalten bleibt, so erwartet man doch allgemein, daß diese den Vorschlägen der Kommission stärker Rechnung tragen wird, als denjenigen früherer Kommissionen. Man ist jetzt der Ansicht, daß die Gefahr einer unmittelbar bevorstehenden Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Palästina vorüber ist. Unruhe verursacht dagegen noch das Problem einer etwaigen Entsendung der Kommission vor endgültiger Befriedung des Landes. Man weiß, daß die Regierung auch weiterhin von Kreisen, die diese Lösung anstreben, unter starken Druck gesetzt wird. Keine Verhandlungen mit den Arabern. London, 15. Juli. Der Empfang der arabischen Delegation beim Kolonienminister Ormsby-Gore am 14. Juli erfolgte auf Ansuchen der Delegation. Von maßgebender Stelle wird der ITA. mitgeteilt, daß es sich bei dieser Zusammenkunft nicht um Verhandlungen oder formelle Besprechungen' gehandelt hat. Da die arabische Delegation nicht offiziellen Charakter trägt, wird auch ihr© Begegnung imt dem Kolonienminister als inoffiziell angesehen. ' ... Die militärischen Operationen in Palästina? im Unterhause.! London, 15. Juli. In der Unterhaussitzung vom 15. Juli fragte General Clifton-Brown den Kolonienminister, ob er mit Rücksicht darauf, daß die, Operationen in Palästina möglicherweise durch den; Mangel an berittenen Truppen' behindert sind, für die Heranführung einiger ■Kavallerieregimenter aus Aegypten Sorge tragen wolle, damit die Behörden''der Lage schneller Herr werden können. ' Kolonienminister Ormsby^Göre' antwortete, : die Wichtigkeit der Beweglichkeitwerdedurchaus gewürdigt.: Wie er bereits am 8. Juli erklärt habe, sei vor kurzem ein motorisiertes Kavallerieregiment nach Palästina geschickt'worden. ..