Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1936-07-23 · Heft 30 (23.7.1936) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 30 (23.7.1936)
Date
1936-07-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450909-2450938--82274-2540218
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

23. Juli 1936 Der Israelit Nr. 30 Seite 11 General Clifton=Brown fragte weiter, ob es nicht angesichts der allgemein bekannten Tatsache, daß die Operationen infolge des Mangels an berittenen Truppen erfolglos seien, möglich wäre, aus Indien oder sonstwoher Kavallerieabteilungen statt der Regimenter zu bekommen, die nach Palästina entsandt wurden. Der KolonieniniiiiLster antwortete, dies sei Sache des Oberbefehlsihabres der Truppen in Palästina. Dieser habe bestimmt, welche Truppen er benötigte, und sie vom Kriegsministerium angefordert. Ihm, dem Mis nister, stehe es nicht zu, eine Meinung zu äußern. Weitere Fragen des Generais blieben unbeantwortet. Jüdisches auf der Dritten Internationalen Konferenz für Sozialarbeit. London, 21. Juli. Auf der Dritten Internationalen Konferenz für Sozialarbeit referierte Mrs. Ed er , Palästina, über das jüdische Gemeinschaftsleben in Paläst in a. In einem Dokument wird die heilige Unantastbarkeit der Einzelpersönlichkeit und die Verantwortung der Allgemeinheit für das Wohl des Einzelinen neuerlich bekräfs tigt. Der Herzog v o n K e n t, als Schirmherr der Konferenz, sagte in einer Ansprache, daß soziale Ar* beit nicht vereinbart werden könne mit unterschiedlicher Behandlung von. Rasse und Religion. Eine Konferenz des Verbandes polnischer jüdischer Bürger in England- London, 21. Juli. Zusammen mit dem Polniisch-jüdisch-en Jugendverband hielt der Verband polnischer jüdischer Bürger in England eine Konferenz ab. Herr B e r g e r, der erste Vorsitzende, erläuterte in einem längeren Referat die Ziele und Aufgaben des Verbandes für 'die nächste Arbeitsperiode und schilderte dabei die schwere Notlage des großen jüdischen Kontingents in Polen. Es wurde beschlössen, von Seiten des Verbandes Hilfsmaßnahmen zu treffen. Die Konferenz, die aus vielen Ländern beschickt"' war, wählte ihr Präsidium. Zum Präsidenten wurde Herr Berger wiedergewählt. Viele Begrüßungsdepeschen liefen ein. Die Konferenz spricht den Wunsch aus, daß der Verband mit allen Organisationen, die für Polen tätig sind, in Fühlung trete. Herr Harry A. G o o d m a n , der in letzterer Zeit viel für die pol* nische Judenheit getan hat, wird zum Ehrenpräsidenten des Verbandes gewählt. Das englische Außenministerium zur Genfer zwischenstaatlichen Regierungskonf erenz. L o n d o n , 17. Juli. In der Unterhaussitzung vom 17. Juli fragte Commander Fletcher den Außenminister, ob er eine Erklärung über die Zwischenstaatliche Regierungskonferenz zur Regelung der Rechtslage aus Deutschland Ausgewanderter abgeben könne und ob die Regierung bereit sei, sich den in Genf getroffenen Vereinbarungen anzupassen. Der Unterstaatssekretär für auswärtige Angele5 genheiten, Viscount Cranborne, bestätigte in einer schriftlichen Antwort auf diese Anfrage, daß die von dem Oberkommissar für aus Deutschland Ausgewanderte einberufene Zwischenstaatliche Regieruttgskonferenz ein provisorisches Abkommen zur Festlegung des Rechtsstatus der aus Deutschland Ausgewanderten entworfen hat. Die englische Regierung sei auf dieser Konferenz vertreten gewesen; sie sei bereit, sich der getroffenen Vereinbarung unter gewissen weniger bedeutenden Vorbehalten, über die jetzt beraten werde, anzuschließen. Erster organisierter arabischer Protest gegen den Streik, London, 21. Juli. Die „Morningpost" meldet aus Jerusalem, daß der erste organisierte öffentliche Protest von Arabern gegen den ihnen aufgezwungenen Streik in der Form eines Memorandums erhoben wurde, das Jaffaer Straßenhändler an den Chefsekretär der Palästinaregierung zur Weiterleitung an den High Commissioner gerichtet haben. In dem Memorandum verlangen die Händler Polizeischutz, um ihre Tätigkeit wieder aufnehmen zu können. Die Bekämpfung judenfeindlicher faschistischer Ausschreitungen in England. London, 17. Juli. In der Unterhaussitzung vom 16. Juli gab Innenminister Sir John Simon bekannt, daß die Regierung im Hinblick auf die wiederholten Ueberfälle von Faschisten auf Juden gesetzliche Maßnahmen zum Verbot der Uniformierung privater Verbände erwägt. Sir John gab diese Erklärung in Beantwortung einer Frage des Abgeordneten Vyvian Adams ab. Der Abgeordnete hatte gefragt, welche Maßnahmen man erwäge, um weitere antijüdische Kundgebungen von Mitgliedern der British Union of Fascists zu verhindern. Der Innenminister hatte zunächst darauf hingewiesen, daß er schon in der Debatte am letzten Freitag verschiedene Maßnahmen angedeutet habe und jetzt mit dem Polizeipräsidenten in dieser Sache in Verbindung stehe. Auf die weitere Frage des Abgeordneten, ob nicht ein Verbot politischer Uniformen diesem Unfug rasch ein Ende machen würde, bemerkte der Innenminister, dieser Vorschlag würde gesetzliche Maßnahmen bedingen, sei aber keineswegs außer Acht gelassen worden. Sir Oswald M o s 1 e y kündigt an, daß bei den im nächsten März stattfindenden Wahlen zum Lon=> doner Grafschaftsrat idie British Union of Fascists sich zum erstenmal am Wahlkampf beteiligen wird. Es würden faschistische Kandidaten in den Wahlkreis sen von Ostlondon aufgestellt wedren. Ostlondon, erklärte Mosdey, wird aufgefordert werden, zwischen uns und den Judenparteien zu wählen. Wir werden vom Volke verlangen, daß es mit dem Stimmzettel den Judenparteien den Abschied gebe. Verbreitung der Rituälmordbehauptung soll in England gerichtlich verfolgt werden. — Ankündigung im Unterhaus. London, 15. Juli. In 'der Sitzung des Unterhauses vom 15. Juli kündigte der Generalstaatsanwalt Sir Donald Somervell an, daß die englische Regierung die Einleitung eines Strafverfahrens gegen die Verfasser eines am 4. Juli in dem offiziellen Organ der Imperial Fascist League, dem „Fascist", erschienenen Artikel, in dem gegen die Juden die Ritualmordbeschuldigung erhaben wird, sowie gegen die für die Veröffentlichung dieses Artikels verantwortlichen Personen erwägt. Diese Erklärung wurde auf eine Anfrage des Abgeordneten Commander Locker-Lampson abgegeben. Palästina. Bas Abflauen der Streikunruhen in Palästina. Unruhen im Abklingen. — Neue Toten- und Verwundetenliste, — Haien in Tel Awiw. — Aufbau, — Jiskor für Bäume. — Das erste Todesurteil. — Abbruch in Jaffa. — Der zweite Allenby. Jerusalem, 21. Juli. Die Streikmüdigkeit nimmt zu und das Straßenbild in Jerusalem wie in den anderen Städten bekommt mit jedem Tage normalere Züge. Daß aber der Simson noch im Sterben Opfer fordert, wird dadurch bestätigt,- daß noch im Abklingen der Wirren sich einzelne Zwischenfälle begeben, die uns sehr tief und schmerzlich berühren. So haben wir seit dem letzten Berichte wieder eine große Liste von Toten und Verwundeten. Der am 9. Juli verwundete 40jährige bucharische Jude Jakob Israeloff, Vas ter von sieben Kindern, ist seinen Verletzutiigen erlegen. Am gleichen Tage verstarb der Plantagenarbeiter Menachem S t r e 1 i t z aus Kfar Saba, der vor einigen Tagen durch eine Explosion verwundet wurde. Strelitz stammte aus Riga. Ganz in der Nähe von Chedera wurde der aus Rumänien stammende Arbeiter Amschel Kimchi erschossen. Ein Jude aus Polen, namens Jizcbak Becher, der infolge der Ereignisse in geistige Umnachtung verfiel, hat in Newe Scheanan Selbstmord begangen. Tn Rischon le Zion wurde der 29jährige Plantagenverwalter Schabtai Eppstein tot aufgefunden. Ob Opfer eines Unfalles oder eine« Mordanschlages konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden. Ebenfalls seinen Verletzungen erlegen ist der 32jährige Mosche Misrachi, der vor fünf Wochen von einer englischen Granate verwundet wurde. Einer der Engländer wurde, wie schon berichtet, zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, der andere freigesprochen. Ernstlich verwundet wurde Joel Reis, ein Chauffeur, der am 15. Juli als Fahrer einer Polizeipatrouille angegriffen wurde. Reis kam vor sieben Jahren aus Amerika nach Palästina. Der High Commissioner besuchte die Anlegestelle an Tel Awiw und nahm den Bericht der Kommission entgegen, die rührig an der Arbeit ist, die provisorische Landungsstelle zu einem richtigen Hafen auszubauen. In Haifa sind 150 jüdische Hilfs* Polizisten in den Dienst eingestellt und vereidigt worden. Viele infolge der Unruhen unterbrochene öffentliche Straßenarbeiten w,;„'jden wieder aufgenommen. In N a h a r a j i m wurde mit der Errichtung neuer großer Bauten und Arbeiterwohnungen begonnen. Die Ereignisse finden ihren Niederschlag auch in der Kunst. So wird angekündigt, daß im Amphitheater von Tel Awiw demnächst ein Weihespiel unter dem Titel: „Jiskor für die Bäume" aufgeführt werden soll. An der Aufführung beteiligen sich 300 Jugendliche aus allen Jugendverbänden des Landes (siehe unseren Artikel „Ein Trauertag für die Bäume" in der Wochenrunidschau der jüngsten Nrramer). Das erste Todesurteil wurde im Zusammenhang mit den Unruhen gefällt, und zwar trifft es einen englischen Soldaten, der Waffen und Munition an Araber verkauft hat und vom Feldgericht zum Tode verurteilt wurde. Ob der High Commissioner das Todesurteil bestätigt, steht noch aus. Die Stärke der englischen Truppen in Palästina beträgt nunmehr 15 000 Mann. Dazu kommt noch die Polizei und die seit dem Beginn der Unruhen ausgehobene Hilfspolizei. Mit dem Bataillon des elften Hüsarenregiments, das aus Aegypten nach Palästina verlegt wurde, ist auch Hauptmann Lord Allenby, ein Neffe des verstorbenen Feldmarschalls, der im Weltkrieg Palästina eroberte, in das Land gekommen. Die Abbruchs arbeiten in Haifa gehen ungestört weiter vor sich. Weitere 150 Hausbesitzer erhielten den Befehl, ihre Häuser zu räumen, da sie aus Sicherheitsgründen niedergerissen werden. Auf Anordnung der Oberrabbinate fanden am Samstag, den 18. Juli, in allen Synagogen Danks gebet« für die glückliche Errettung König Eduards bei dem gegen ihn geplanten Attentat statt. Ein Schritt der Exekutive der Agudas Jisroel- Weltorganisation für die religiösen Rechte in Palästina. Jerusalem, 21. Juli. In einem Memorandum der Exekutive der Agudas Jisroel-Weltorganisation an das Kolonieamt wird schärfster Protest des religiösen Judentums gegen die Tatsache ausgedrückt, daß Juden als Angestellte und Beamte der Post Verwaltung in Palästina nur unter Preisgabe der Sabbatruhe aufgenommen wurden. Diese Maßnahme, so heißt es im Memorandum, stehe im strikten Widerspruch zum Mandat und ist ein Hindernis für den Aufbau Erez Israels auf religiösen Grundlagen. In einer Antwort de® Kolonienministeriums an die Exekutive der Agudas Jisroel wird versprochen, daß die Regierung die Angelegenheit gründlich untersuchen wird. Propaganda für Awodah Iwrith. Die ersten Produkte des Chofez Chajim-Kibbuz auf dem Markte. Petach Tikwah, 17. Juli. Die von der Agudas Jisroel gemeinsam mit den ,,Poel Hämisrächi" unternommene Propaganda

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.