Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1936)
- Date
- 1936-07-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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23, JuE 1936 I s r a ,e 1 i t Nr. 30 Seite 5 doch niöht nur. die Erreichung dieses Zieles verbürgen, von denen darüber hinaus auch erwartet werden kann, daß sie auf der Frankfurter Jeschiwa zu Bachurim im erwähnten Sinne heranreifen. 3. Für diese reifen Bachurim sind innerhalb der Jeschiwa alle organisatorischen Vorbedingungen zu schaffen, die ihnen ein ungestörtes, fleißiges Ulld erfolgreiches Tborastudiuim gewährleisten. _ 4. Diese Stipendien bedeuten eine Auszeichnung; sie tragen den Namen des Gründers der Jeschiwa s. Ä. — Sie werden den Bachurim, die die Frankfurter Jeschiwa bereits besuchen, durch Kuratoriumsbeschluß zuerkannt. Auswärtige Bachurim haben zunächst ein dahingehendes Gesuch an die Leitung der Jeschiwa zu richten. 5. Diese Bestimmungen treten mit Beginn des kommenden Wintersemesters in Kraft. Wir wünschen diesem für die Zukunft unseres Thoralebens so hochbedeutsamen Unternehmen der Frankfurter Jeschiwa vollen Erfolg. „Kein Konflikt" — aber eine Kluft. In Lohdon tagte vorige Woche wieder einmal der Weltverband für r e 1 i g i ö s -1 i b e - rales Judentum. Auf die Verhandlungen einzugehen, die sich in der Hauptsache um organisatorische Fragen drehten und sich auch um den Aus g l e i c h z w i s c h e' n F r e i h e i t und A u t o r i t ä t - im religiös-liberalen Judentum mühten, hätten wir keinen Grund, wenn »die Tagung diesmal nicht auch versucht hätte, die Grenze zwischen liberalem Judentum und O r t h o dax i e zu ziehen. Reverend G o r d on erklärte nämlich, es gäbe in Wirklichkeit keinen Konflikt zwi s chen dem für Autorität eintretenden talmudi s c h ein und ortho d o x e n und dem für Freiheit sich einsetzenden religiös-liberalen Judentum, denn das orthodoxe Judentum sei so wenig blind autoritär, wie das religiös-liberale Judentum den radikalen Bruch mit der Vergangenheit erstrebe. Nur der Methode nach unterschieden sich die liberalen Juden Yon den Rabbinern der Vergangenheit, nicht aber in den Grundsätzen. Was ist Freiheit und was ist Autorität? Dr. Dienemann, Offenbach, der selbstverständlich wieder der erste Wortführer in London war, meinte, Autorität könne sich in der Regel nur da geltend machen, wo eine bestimmte Stelle als Trägerin der Autorität mit Strafbefugnis anerkannt sei, die es aber seit Abschaffung des Synhedrion und der rabbinischen Gerichtsbarkeit nicht mehr gäbe. Der Glaube an G'tt könne als gesichert gelten in Dingen der Moral, im religiösen Leben müsse aber das G e - meinschaftsbewußtsein des Volkes an die Stelle des alten Glaubens treten. Freilich werde es eine große Anstrengung erfordern, Regeln für. das gegenwärtige jüdische Gemeinschaftsleben einzuführen und ihnen Autorität zu sichern. Damit sagte aber Dienemann, ganz genau, was die Orthodoxie von den Religiös-Liberalen unterscheidet. Uns in den glaubenstreuen Kreisen gilt die Autorität des Gesetzes wie am ersten Tage auch ohne Synhedrion oder Zentralstelle mit Strafbefugnis. „Das Gesetz von Mosche und Israel" hat sich lange Jahrhunderte ohne die Stütze der Behörde mit Polizeigewalt behauptet und behauptet sich noch in den jüdischen Zentren des Ostens wie in den numerisch kleineren thoratreuen Kreisen des Westens. Das Grab des alten Glaubens, und damit der Autorität wurde geschaufelt mit dem neuen Synhedrion, mit den neuen Konsistorien und religiösen Oberbehörden. Wo der-Glaube an den G'tt des Gesetzes für das -Handeln .des Einzelnen geschwunden ist, kann es auch keine-Autorität der Gemeinschaft geben. Denn — Dienemann ahnt es ja zum. Schluß selber — wer soll die neuen Bindemittel schaffen und wer ihnen die Autorität verleihen, daß sie verpflichtend für den Einzelnen bleiben? Wo Religion eine individuelle Angelegenheit, also eine Privatsache ist, ist als Folge die Auflösung der G«m ei nsohaf t unvermeidlich. Ein jüdisches Gemeinschaftsleben muß seine Grundpfeiler tiefer im Boden verwurzelt haben, es muß sich auf einem ewigen G'ttesgesetz aufbauen und nicht auf neuen Regeln von Menschen für Menschen, aus einem angeblichen Gebot des Tages geschaffen. Wir halten es mit Maimoni des und „glauben mit vollkommenem Glauben, daß diese Thora nicht ausgewechselt werden kann und keine andere Thora kommen wird vom Schöpfer, gelobt sei Sein Name." Und darin zeigt sich nicht der Konflikt, nein, die gä hn end e Kluft zwischen der Orthodoxie und dem liberalen Judentum der Dienemann'schen Prägung. Das „kommunistische Tel Awiw", An der Peripherie von Tel Awiw wurden einige Kommunisten verhaftet. Flugs ihieß es der uns wenig freundlich gesinnten in Presse der Welt: „Das kommunistische Tel Awiw". „Ein kommunistisches Nest im Zentrum von Tel Awiw ausgehoben", „Die rote Judenstadt in Palästina" und ähnlich. Statt jeder Erwiderung und Auseinandersetzung mit solchen irreführenden Kombinationen möchten wir die Zeitungen ersuchen, an die Seite jener Notiz von den Verhaftungen in Tel Awiw auch folgenden Bericht aus London zu setzen: „Auf dem Londoner Internationalen Gewerkschaftskongreß sprach sich der Delegierte der palästinensischen Arbeiterschaft, F e i n s t e i n , gegen j edes Z usammengehenmit den kommunistischen Gewerkschaften aus. Die palästinensischen Arbeiter, erklärte er, seien angesichts der kommunistischen Propaganda gegen die jüdische Arbeiterschaft und der offenen Unterstützung ihrer Feinde außerstande, an die . Aufrichtigkeit der kommunistischen Einigungswünsche zu glauben. Er werde gegen die Aufnahme von Verhandlungen mit den russischen Gewerkschaften und der Roten Internationale stimmen." 1. / - %( : . . : - Es ist möglich* S(?j*ar sehr wahrscheinlich, daß unter den 190000 Juden in Tel Awiw,. einer bunten Masse, die sich aus allen Schichten und: Anschauungen zusammensetzt, auch ein paar Kommunisten ihr Unwesen treiben »und, wie überall in den Großstädten Europas zum Aerger der Städte und Länder, die sie sich zum-Operationsgebiet gemacht haben, unterminierend wirken, Die Tatsache -aber, daß selbst die His ta- . d r u t h 1 e u t e — sie sind bekanntermaßen nicht unsere Freunde-^— die eine radikale Gewerkschaftspolitik . verfolgen,. dergestalt .die Kommunisten von sich abschütteln, , besagt doch gar -zu deutlich, wie iabwegig es sei, von einem „kommunistischen Tel Awiw" zu sprechen. Die kleine Schar der Kommunisten in Palästina hatte in Zeiten der bittersten Not iür ihre Stammesgenosr seh nichts Besseres zu tun, als gegen die jüdischen Arbeitgeber zu hetzen und die ganze arabische Revolte als ,,eine Auflehnung des armen arabischen Arbeitsvolkes gegen seine Aussauger" dahinzustellen. Gallacher, als Einziger im englischen Unterhause, hält diesen Leuten die Stange-, Diese pathologischen Störenfriede werden selbst vom radikalsten 'Flügel der Histadruth abgelehnt und scharf bekämpft. Also spreche man nicht; wenn einmal der Arm des Rechtes die destruktiven Elemente erfaßt hat, von einem „kommunistischen Tel Awiw". Worte entgeigendröhnen, mit denen er dem „Volk von Amora", den „Reichen Sedoms" Tempelbesuch und Opfer, Sabbat und Gebet als wertlos, als Lüge vor die Füße wirft, weil er die Lüge nicht zu ertragen vermag, mit der ein G'tt fremdes, entheiligtes Leben sich das Recht verwirkt habe, vor Gttes Ans Besicht zu treten — „Verworfene", „Mörder" sind sie ihm, die die Ehe mit G'tt gebrochen, an deren Händen das Blut sozialer Härte und Selbstsucht klebt! Und mit welch heroischer Selbstverleugnung hat ein Jirmejahu das Wort der Zurechtweisung unablässig, unermüdlich (gesprochen! G'ttesmänner, die die Schmähung der Verblendeten nicht fürchteten, im Kerker ihr mutiges Tun büßten,' dafür aber ihrem Volke den Weg der Erlösung bahnten. — Zur Zeit des ersten Heiligtums, meinen die Weisen mit Recht, Wurden die Sünden enthüllt, darum konnte auch das Galutkende enthüllt werdien. Die diesem Weisheitswort zu Grunde liegende Wahrheit hat sich aber schon in der Friihzeit der jüdischen Geschichte bewährt. „Wer Menschen zurechtweiset, um sie G'tt zurückzuführen, findet schließlich mehr Gunst als der mit glatter Zunge seinem Volke; Schmeichelnde/' Die Weisen mußten dabei an Mosche und Bileam denken, die in ihrem Verhalten zum jüdischen Volke sich so kraß unterschieden. Unser Mosche, hat seinem Volke keine einzige Lobrede, dafür aber recht, recht viele nnam "»•ni Worte, der Zurechtweisung gewidmet, und O'inn h^X Worte der Zurechtweisungen waren es, mit denen' er von seinem Volke Abschied nahm..Dieses Vermacht» ■nie des unsterblichen Führers gereichte aber seinem Volke .zu einer Quelle unendlichen Segens: aus seiner Wahrheit haben noch zu, allen Zeiten die Schwankenden ihre Festigkeit gewonnen und die Verirrten zu ihrer von G'tt gewollten Bestimmung sich zurückgefunden. Kleines Feuilleton. Zum 9. Aw- Wir kennen das Schwere, Den Kampf und das Leid; Wir denken an Heere — Belagerungszeit. Vor toten Gebeinen Erschauert dift Braut. Wir hören da® Weinen, Den klagenden Laut. Kein Brot bringt der Morgen, Kein Licht, das versöhnt. Wir wissen von Sorgen, Im Jammer gestöhnt. In Flammen die . Stätte! — — Die Wundle noch klafft. Wir fühlen die Kette — Gebrochen die Kraft. Sie fochten und starben Ihr Heldengeschick. — Wir bluten an Narben Und blicken zurück. Käthe Kaufmann. Reubeni von Max Brod dramatisiert.;,Reubeni, Fürst der Juden", der Roman von Max Brod, dramatisiert von Gerhard Walter-Rosenbaum, ist durch die Vermittlung des Verlages Max Pfeffer, Wien in Basel, Bratislava (Preßburg), Wien und War» schau zur Aufführung im kommenden Herbst angenommen Worden, In der letztgenannten Stadt wird das Stück in polnischer und jiddischer Sprache gegeben wenden. Die Uraufführung des Schauspiels fand bekanntlich im Januar ds. Js. durch den Jüdischen Kulturbund Rhein-Ruhr in Köln statt. Der Bearbeiter des Romans, Gerhard Walter-Rosenbaum war vom Leiter des Kölner Kulturbundes, Dr. Heinrich Levin» ger, im Einverständnis mit Mar Brod mit der Dramatisierung beauftragt worden. Wochenkalender. Vom 25; Juli bis 1. August 1936 / Vom 6. — 13. Ab 5696 »m» t|n 25 T"S Samstag 6 p Jim rav o'Tn Sonntag 26 7 n> Montag Dienstag Juli 27 28 3M 8 9 v> 3 a«a mvn Mittwoch 29 10 KS Donnerstag 30 11 33 Freitag 31 12 A3 Samstag Aug. 1 13 13 inninar \mtm