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Der Israelit · 1936-07-23 · Heft 30 (23.7.1936) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 30 (23.7.1936)
Date
1936-07-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 30 Israeli t 23:'JuK 193fr zu wahren und Palästina mit Gerechtigkeit und Billigkeit gegenüber Juden und Nichtjuden zu verwalten". Der Board anerkennt es besonders, daß die Regierung die unbegründeten Forderungen nach Einstellung der jüdischen Einwanderung abgelehnt hat, eine Maßnahme, die, wann immer und für welchen kurzen Zeitraum immer sie getroffen werden sollte, nur als Kapitulation vor der Gewalt gedeutet werden könnte und darauf abzielen würde, die Ereignisse in einem für die jüdische Einwanderung ungünstigen Sinne zu beeinflussen. Der Board nimmt die Ankündigung zur Kenntnis, daß nach Wiederherstellung von Gesetz und Ordnung in Palästina eine Kgl. Kommission eingesetzt werden wird mit der Aufgabe, die Beschwerden von Juden und Arabern zu untersuchen; er hegt die Zuversicht, daß es, „ohne die grundlegenden Bestimmungen des Mandats in Frage zu stellen" möglich sein wird, im Rahmen des Mandats eine Lösung zu finden, die bei Wahrung der legitimen Interessen der Araber die allgemeine Entwicklung des Landes beschleunigen und die dauernde Einwanderung von Juden bis zur Grenze der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes erleichtern wird." Emir Abdullah und die Palästinaunruhen* London, 17. Juli. Von amtlicher Seite wind bestätigt, daß Emir Abdullah von Transjordanien während der Unruhen seinen Einfluß geltend gemacht hat, um die Araber Palästinas zur Zurückhaltung zu veranlassen. In diesem Zusammenhang wird der ITA. mitgeteilt, daß die Meldung ausländischer Blätter, zwischen der englischen und französischen Regierung fänden Verhandlungen über eine Vereinigung Transjordaniens mit Syrien statt, den Tatsachen in keiner Weise entspricht. Aus einem Aufruf der in Palästina wohnenden Juden aus Deutschland. Der Verband „Ole Germania" veröffentlicht eine Kundgebung, der wir folgendes entnehmen: „Ihr Juden in Deutschland sollt wissen, daß trotz der Angriffe auf unser Werk, deren Ernst wir nicht verkleinern wollen, die Arbeit des A u f b a u s ihren Fortgang nimmt wie je. Ihr sollt wissen, daß jeder Jude in Erez Israel unerschüttert und heute entschlossener denn je sein Leben und seine Existenz mit dem Werk und der Idee des Jüdischen Nationalheims verbunden fühlt und dafür einsteht. Der jüdische Jischuw hat keinen Anlaß zu dem Kampf gegeben, der heute das Land erschüttert. Dieser Kampf wird «ein Ende nehmen und das jüdische Aufbauwerk wird stehen und wachsen. Wir Juden werden fortfahren, das Antlitz des Landes neu zu prägen, durch den Segen der Arbeit — zum Nutzen beider Bevölkerungsteile. Nach anderen Ländern kommen Juden aus Duldung, nach Erez Israel kommen wir kraft eigenen Reohtes. In Erez Israel ist jeder neue Einwanderer eine Stärkung unserer Position. Jede schaffende Hand, jeder denkende Kopf mehr macht uns unangreifbarer. Auch hier ist Kampf, Erez Israel ist kein Asyl. Es ist ein Werk und eine Aufgabe: das Werk der Selbstbefreiung und die Aufgabe, die den Juden in historischer Stunde gesetzt wurde. Eine solche Aufgabe kann nicht ohne Gefahr bestanden werden. Was hier unter Opfern geschaffen wurde, der jüdische Jischuw <wird es halten. Wir stellen dem Terror die Disziplin, den Willen zu friedlicher Arbeit entgegen. Unser Blick ist nach vome gerichtet. Nur einmal wenden wir uns zurück, zu Euch, und rufen Euch zu: Laßt Euch nicht beirren! Es komme jeder, der sich mit dem Werk verbunden fühlt! Die Stunde der Bewährung ist es auch für Euch. Erez Israel ist Ziel und Hoffnung auch für Euch." Neue jüdische Opfer in Palästina. Jerusalem, 23. Juli. Die in den letzten Tagen vorgekommenen Angriffe von Arabern auf jüdische Kolonien haben ein weiteres jüdisches Todesopfer gefordert. Bei einem Angriff auf ,,Ewen Jehuda" ist der in Petach Tikwa geborene Ibrahim Donagi ge: tötet worden. Der Angriff wurde durch die Polizei des Ortes abgewiesen. In Jerusalem kam es am Dienstag Nachmittag zu einem heimtückischen Revolveranschlag auf den 6Öjährigen Mordechai Bauer. In der Nähe eines Waisenhauses trat ein arabischer Jugendlicher auf Bauer zu und fragte ihn; „Kama schaa?" (Wie spät ist es?). Als Bauer nach seiner Uhr sah, gab der arabische Jugendliche mehrere Schüsse auf ihn ab, die seine rechte Lunge durchbohrten. Bauer wurde in das Hadassahikrankenhaus eingeliefert. Sein Befinden ist ernst. Er ist erst im September aus Polen nach Palästina eingewandert. (Weitere Berichte siehe auf Seite 11.) Schächtverbot in Danzig. D a n z i g , 19. Juli. Im Danziger Gesetzblatt ist ein vom Senat erlassenes neues Gesetz erschienen, durch das für das Gesamt gebiet der Freien Stadt Danzig derB. etäubungszwang beim Schlachten von Vieh und ein Verbot des rituellen Schächtens eingeführt wird. Die Auswanderung der Juden aus Deutschland. Der Wanderungsausschuß der Reichsvertretung der Juden in Deutschland hat eine Untersuchung der bisher verfügbaren Materialien über die Statistik der Auswanderung von Juden in Deutschland gemeinsam mit dem Hilfsverein der Juden in Deutschland und dem Palästina-Amt durchgeführt. Diese Untersuchung soll dem Zweck dienen, für die Erörterung der Wanderungsfragen und der Wanderungsplanung eine einheitliche zahlenmäßige Grundlage festzustellen und damit etwaige Unklarheiten oder Differenzen in bisher erfolgten privaten Publikationen zu beseitigen. Das Ergebnis dieser Untersuchung stellt eine bei dem Fehlen völlig ausreichender exakter Unterlagen unter Berücksichtigung aller für die Wanderungsbewegung maßgebenden Faktoren vorgenommene Schätzung dar. Zugrunde gelegt wurden hierbei für 'die Palästina-Wanderung die statistischen Veröffentlichungen der Jewish Agency, für die Wanderung nach den übrigen Ländern die Zahl derjenigen Auswanderer, deren Wanderung mit Mitteln jüdischer Organisationen durchgeführt wurde. Dabei mußten die Zahlen' derjenigen Auswanderer, die ohne Unterstützung, der jüdischen Organisationen und daherauch ohne Registrierung ausgewandert sind, durch Schätzung ermittelt werden. Das,Verhältnis der freien zur unterstützten Auswanderung wies in den letzten Jahren starke Schwankungen auf. Es kann angenommen werden, daß die freie Auswanderung mindestens ebenso groß wie die un-' terstützte Auswanderung gewesen ist, ja zeitweilig sogar das doppelte der unterstützten Auswanderung erreicht hatte. Nach Auswanderung von etwa 1OO.O0O Juden beträgt zur Zeit die Zahl der jüdischen Bevölkerung in -Deutschland 409.000. Auch Nichtarier Pflichtmitglieder der Organisationen der gewerblichen Wirtschaft. Berlin, 21. Juli. Die „Deutsche Kurzpost" meldet in ihrer Nummer 29: ,,Der Austritt aus Organisationen der gewerblichen Wirtschaft ist nach einer Mitteilung des Reichswirtschaftsministeriums nicht zulässig. Die Mitgliedschaft in den Organisationen der gewerblichen Wirtschaft und die Zugehörigkeit zu den Fachgruppen ist eine Pflichtmitgliedschaft. Wollte man Außenseiter zulassen, so würden sie Konkurrenten derjenigen werden, die dem Wohle der Gesamtheit durch ihre Mitgliedschaft dienen wollen. Auch für nichtarische Betriebe besteht diese Pflichtmitgliedschaft." Arbeitslosenunterstützung während der Berufsumschichtung. B e r 1 i n , 15. Juli. Das Arbeitsamt Leipzig hat die Weiterzahlung von Krisenunterstützung an einen Arbeitslosen beschlossen, der sich zwecks Auswanderung nach Palästina in der Umschichtung befindet. In den Gründen des Beschlusses wird der Standpunkt vertreten, daß der Antragsteller weiterhin als arbeitslos anzusehen ist, da er trotz seiner Umschulung als Klempner zur Auswanderung nach Palästina dem Arbeitseinsatz zur Verfügung steht und den Ausbildungslehrgang jederzeit abbrechen kann. Weiterhin wird auf den Erlaß des Reichs- und Preußischen Arbeitsministers vom 18. Februar 1935 hingewiesen, wonach die Bestrebungen der Juden, sich für einen praktischen Beruf mit dem Ziele der Auswanderung nach Palästina umzuschulen, unterstützt und gefördert werden sollen, um die Auswanderung zu erleichtern. Auch das Württembergische Oberversicherungsamt, Spruchkammer Stuttgart, hat durch Beschluß einem ■jüdischen Umschichtler für die Zeit, in der er der Meldepflicht nachgekommen ist, Arbeitslosenunterstützung zuerkannt. Eine Erklärung der „Union österreichischer Juden"* Wien, 19. Juli.. Das Exekutiv-Komitee der „Union österreichischer Juden" hat eine Entschließung gefaßt, in der darauf hingewiesen wird, daß anläßlich der Normalisierung der Beziehungen zwischen den Regierungen des Bundesstaates Oesterreich und des Deutschen Reiches Herr Bundeskanzler Dr. S c h u s c hn ig g in seiner Radio-Ansprache festgestellt hat, daß auch fernerhin die Mai -Verfassung 1934 die Grundlage Oesterreichs bleibt, also die geltende Verfassung, in der. die Gleichheit alleil Bundesbürger vor dem Gesetz (Art. 16) und die volle Glaubens- und Gewissensfreiheit (Art. 27); verbürgt wird.

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