Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1936)
- Date
- 1936-07-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Sfl5358P^3äS?8^5g>S^^ Frankfurt a. M. 23. Juli 1936 4. Aw 5696 Nummer 30 Einwanderung zunächft gefichert, aber die Unterluchungskommillion wird entlendet ,t>yo -• Eine D je 1. e, g ä 4i o n der A g u d a s J i s - r oel, bestehend^üs dem Präsideriten urid dem politischen .Sekretä'r der Agudas Jisroel-Weltorganisatiorii: Jabob Rosenheim und Mr. H. A. Goo dman, wurde im Kolonienmiinisterium in längerer Audienz empfangen. Es wurden dabei sämtliche Fragen aufgeworfen und behandelt, die in einer Beziehung zu Erez Israel stehen. Wie die J. P. B. erfährt, versicherte der Unterstaatssekretär, Sir Perkinsoh, der Delegation, daß die jüdische Emigration nach Erei Israel wed er; eingestellt noch behindert werden wird. Der Staatssekretär zeigte warmes Interesse für die demnächst in Marienbad zusammentreffende K e n essio Mech in o und für die Einberufung der Kenessio Gedaulo in Jerusalem. Mit der erfolgten Aushändigung der letzten 2000 Zertifikate aus der jüngsten Schedule an die Jewish Agency fallen übrigens alle Kombinationen bezüglich einer sofortigen Einstellung der Einwanderung in sich zusammen. Die Zusammensetzung der Kg 1. Kommission ist soeben bekannt gegeben worden. Vorsitzender der Kommission wird der ehemalige Staatssekretär für Indien Viscount P o e 1 sein. Außerdem werden ihr Feldmarschall Sir William Birdwood, der im Kriege, kommandierender General auf Gallipoli und seinerzeit Oberkommandierender in Indien war, der bekannte Diplomat Sir Horace R u m - foold, früherer englischer Botschafter in, Berlin und Madrid, der auch Mitglied der Sachverständigenkommission des Völkerbundsrates für die "Neuregelung der Völkerbundshilfe für Auswanderer aus Deutschland war, und der Professor für Kolonialgeschichte an der Universität Oxford .Reginald Golupland angehören. , Es verlautet, daß die englische Regierung vorgeschlagen habe,. die Jewish Agency für Pälestine solle darauf verzichten, Zertifikate für die ini Oktober fällige neue Einwanderung« s c h e d u 1 e z u v e r 1 a n g e n, und zwar solle die Jewish Agency diese Geste als Zeichen der Verständigungsbereitschaft gegenüber den Arabern machen. In London "erwartet man, daß die Kgl. Kommission A nf an g S eptember nach Palästina, abgehen wird. . Allgemein herrscht die Ueberzeügung, daß bis dahin die Lage in. Palästina eine weitgehende; Entspännung erfahren haben wird. Agudädelegation beim englischen Kolonienministerium — Aushändigung der letzten Schedulezertiflkate — Ernennung der Kommissionsmitglieder. r-???r^ London, 20. Juli. j .' ' Eine Kundgebung des Board of Deputies. London, 20. Juli.' Der Board ofDeputies'of British Je ws hat in seiner Sitzung vom 19. Jüli folgende von dem Vorsitzenden der Palästina-Kommission des Board, Dr.. Israel Feldman, namens der ^Kommission Beantragte Entschließung zur Palästina-Politik der englischen Regierung angenommen: „Der Board of Deputies of British Jews begrüßt die :Von dem Minister für die Kolonien am 19. Juni abgegebene Erklärung, „daß die Regierung Sr. Majestät sich von- Gewalt und Gewälttätigkeit nicht beeinflussen Heß und nicht beeinflussen lassen wird" und daß sie entschlossen sei, die Autorität Englands als Mandatarmacht . (Fortsetzung siehe Seite 2.) Ans dem Inhalt: m Kundgebung der Union österreichischer Juden Seite 2 Schächtverbot im banzig.......Seite 2 Aufruf der „Ole Germania" in Palästina Seite 2 Allein bei der Heiligen Mauer . . Seite 3 Ein Stipendienfond an der Frankfurter . Jeschiwa. Zum zehnten Jahrzeitstag von Rabb. Dr. Salomon Breuer . . Seite 4 Dr. Schmuel Deutschländer, zum ersten Jahrzeitstag ..........Seite 6 Auswanderung aus Bayern .....Seite 8 Gerichtsentscheidungen im Familienrechte ' Seite 8 Versprechungen und Ausschreitungen in Polen Seite 9 Beruhigung in Rumänien ......Seite 10 Berichte aus England .......Seite 10 Palästinaberichte .......Seite 8 u. 11 Golus, Galutli u. Golah. Worte und Gedanken zum 9. Aw 5696. Von diesen drei Bezeichnungen für;, die jüdische Situation In der Fremde' dürfte. die letztere die älteste sein. Die Propheten) sprachen von der Golah, in die Nebukadnezar die Bewohner Jerusalems verabnnt hat. J e r e m i a s wendet sich an „die Alten der Golah" (Kap. 29, 1). Jccheskel befindet sich „mitten in der Golahin und zu der er spricht. (Kap. 1,1.) Er kam „in die Golah nach Tel A w i w " (Jech. 3. 15). Mordechai kam nach Schusehan mit „der Golah des Jechanja, Königs von Jehuda." Esra spricht von den Heimkehrenden aus der Golah in Babylonien. Die Völker, so Moab, werden glücklich gepriesen, die die GoTah nicht kannten (Jerem. 48, 11); Allein auch Golus oder, in der altneuen Sprechweise, ,, G a 1 u t h kennen die., biblischen Urkunden zur Genüge. Jesajas spricht von dem „ G a 1 u t h .in Kusch" (Kap. 20, 4) und Jeremias verheißt wiederholt Erlösung aus dem G a 1 u t h in Bäbylönien (Kap. ,24, 5 u. v. m.). Auch vom Galuth in Z o r f a t und 'S f o r a d (worunter wir heute Frankreich und Spanien verstehen) ist die Rede (Qbadja V, 20), und Jesajas (Kap. 45, 13) kündet den1' Tag, da .ritotn .'jn'frai 1T>S7 n»*». NW' „Er meine Stadt wieder erbaut und die Golus-; vertriebenen heiihschickt." " ' Wir wollen uns hier'nicht in philologische! oder etymologische Abhandlungen ergehen und auch keine.1 wlissenschaftlichen Untersuchungen darüber anstellen, weiche von den drei Bezeichnungen die treffendste und unserer Lage entsprechendste ist. Es kommt uns in der Nachdenklichkeit, zu der uns der 9. Aw stimmt,- nur darauf an, festzustellen, welche Begriffe diese drei Worte im Sprachgebrauch des Volkes abgrenzen, welche verschiedene Vorstellungen und Empfindungen heute das eine und das andere Wort in uns auslöst. Die Golah ist die Diaspora, sie setzt eine geschlossene, kompakte Masse in der Fremde oder in einer zweiten Heimat voraus, die, ohne eine Irredenta zu sein, ihre Verbundenheit mit der Urheimat nicht verleugnen mag und sie auf jegliche Art und Weise bekundet. Sie sitzt in Tiefen der Seele, die alte Heimat, und es entsteht über Meer und Land ein Fluidum, das alle Gesetze von Zeit und Raum überwindet. Das erlebten auch-andere Völker. Das Besondere bei uns ist aber, daß Zion als Ziel nicht aus der Verbundenheit etwa mit Menschen gleicher Geschichte und gleicher Art erwuchs. Das Ziel der Sehnsucht war und blieb auch, und erst recht, der völlig verödete Heimatboden. „Palästina war immer noch das Zentrum der Diaspora, wenn auch der Tempel zerstört war und kaum ein Jude dort wohnte; es war kein „geistiges Zentrum"; es war auch nicht ausschließlich das Land einer einmaligen historischen Offenbarung und infolgedessen heilige Stätte sühnender Kraft, wie es die Christen und (Fortsetzung siehe Seife 3.)