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Der Israelit · 1936-07-16 · Heft 29 (16.7.1936) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 29 (16.7.1936)
Date
1936-07-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
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Seite 14 Nr. 29 Der Israelit 16.« Juli' 1936 „Die versammelten bayerischen Rabbiner und Lehrer fordern Gemeinde und Einzelne auf, mit allen Kräften dieses Hilfswerk der Agudas Jisroel — das Landkinderheim „Bes N'orim" — zu unterstützen." Das rhetorisch prachtvoll vorgetragene Referat wurde mit großem Beifall aufgenommen. Nach kurzer Diskussion, in der Herr Rabbiner Dr. Ephraim, Bad Kissingen, sehr interessante ergänzende Ausführungen über idie Lage der Juden auf dem Lande machte, sowie Herr Isi Goldberg er, Nürnberg, zu praktischer Arbeit im Sinn« »der Referate aufrief, nahm Herr Dr. S. Ehrmann, Frankfurt a. M., das Wort zu seinem Referat. In eindringlicher Weise stellte der Referent die Bedeutung der agudistischen Erez Jisroel-Arbeit in der Gegenwart dar, die durch die Ereignisse eine Stärkung erfahr«, denn jetzt sondere sich die Spreu vom Weizen. Die aus Konjunkturgründen für Ere* Jisroel etwas übrig hatten, mögen enttäuscht sein, mögen abwartend sagen, man müsse erst einmal sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Diese Leute haben in Wahrheit, auch wenn sie für Erez Jsiroel etwas leisten, (wenn sie Bodenspekulation treiben), auch wenn sie sich zur Einwanderung entschließen, bisher keine Liebe zu Erez Jisroel, sondern Liebe zu sich selbst bekundet. Das agudistische Ideal sei aber unabhängig über das persönliche individuelle Interesse hinaus Bau einer Gemeinohaft, die sich auch als Gemeinschaft dem G'tteswort unterstelle, in Erez Jisroel. Auch die jetzige Situation finde ihre Anas logie in den Ereignissen, die sich knapp vor der ersten Zerstörung Jerusalems abspelten und die im 32. Kapitel von Jeremijahu geschildert werden. Er wurde aufgefordert, als der Feind vor dem Tore der Stadt war und das Volk in Verzweiflung, Boden in Erez Jisroel zu kaufen. Nach weiterer Entwicklung dieser Gedanken ging Referent auf die drei großen Hauptgruppen agudistischer Tätigkeit in Erez Jisroel ein; 1. auf das Wirtschaftliche (Poale Agudas Jisroel, Kibbuzim, Bodenerwerb für Sammelzertifikate, Fürsorge für die durch die Ereignisse Geschä* digten) 2. Kulturelles (Schulwerk mit besonderer Betonung der Chorebschule, Kindergärten, Beth Jakobschulen, Kulturarbeit der Poalim) 3. Politik (Zertifikatsangelegenheiten mit spezieller Berücksichtigung der Samuelzertifikate, gemeinsame jüdische Einheitsfront gegenüber England, Arabern, Bezugnahme auf Aguda in dem Berichte der Mandatsimacht an den Vöh kerbundjl Das Referat schloß mit der Erwartung, daß ohne jede aufdringliche Propaganda die Aguda heute doppelt ihre Pflicht für den Keren Hajischuw leisten werde. In starkem Beifall wurde dem Redner Dank votiert. Der festlich erleuchtete Saal faßte kaum die Massen, die aus Nürnberg, Fürth und Umgebung zusammengeströmt waren, um an der abendlichen Kundgebung der Agudas Jisroel teilzunehmen. Die vorbildliche Organisation der ganzen Tagung erreichte ihren Höhepunkt in dieser Massenversammlung, die, bis in alle Einzelheiten vorbereitet, einen 'glänzenden Bes weis erbrachte für den Fortschritt unsrer Bewegung. £>ie vorzügliche Vorarbeit der beiden Vorstände der Ortsgruppen Nürnberg und Fürth, nicht zuletzt die mustergültige Bereitschaft der agudistischen Jugend, haben hier ein Meitserwerk vollbracht. Geleitet wurde die Versammlung von Herrn David Lehmann, einem Vorkämpfer der agudistischen Idee seit ihrem Entstehen. Er fand würdevolle Worte des Gedenkens für die auf heiligem Boden gefallenen Brüder, die die Versammlung stehend anhörte. Sodann gab er Herrn Rabbiner Dr. J. Merz b ach, Darmstadt, das Wort zu seinem Referat über „Die Gegenwartsprobleme im Lichte der Tauroh". Die Tauroh hat jeder Gegenwart etwas zu sagen; sie begnügt sich nicht damit, das menschliche Lehn mit Ge- oder Verboten zu regeln, sondern stellt an den Menschen die Forderung, die Geschichte unter ihrem Gesichtspunkt zu betrachten. Die Gänge G'ttes in der Geschichte waren nie offenbarer als heute. Decken wir daran, daß die Liberalen der vergangenen Tage sprachen: Sammlung der Zerstreuten in einem jüdischen Land sei eine Utopie. In unsrer alten Heimat, im Lande der Urgeschichte der Menschheit, geht Gewaltiges vor. Spuren des Moschiach? Die Ewigkeit des jüdischen Volkes ist ein historisches Faktum, das von G'ttes Dasein und der Wahrheit des Thorawortes kündet. Gleich Davids Harfe ertönt g'ttliches Instrument; hören wir es im Sturmwind der Mitternachtsstunde. S o ruft Agudas Jisroel. — Die außerordentlich feinsinnigen Ausführungen ernteten reichen Beifall. Herr Dr, E h r m a n n , Frankfurt a. M., sprach übei* „Agudas Jisroel in der Weltkrise", Es sei ein Irrtum, zu glauben, sagte Redner, daß nur. das jüdische Volk in einer Krise lebe. Redner geht im Einzelnen auf 'die Fülle der allgemeinen menschlichen und staatlichen Probleme ein, welche heute akut sind, versucht nachzuweisen, daß die Eigenart des jüdischen Volksbegriffs die Unterstellung des Gesamtheitslebens und das g'ttliche Gesetz wie Aguda es als Ziel hat, auch einstens richtunggebend sein werde für die Gesamtmenschheit. Welche Hem=- mutigen dem agudistischen Ideale durch die. individuelle und die sogenannte nationale Assimilation in* nerhalb der Judenheit entgegenstehen, wurde eingehend beleuchtet. Als nächstliegendste Aufgabe der Aguda wurde .die Forderung aufgestellt, weit über ihren Kreis hinaus in der ganzen Judenheit zunächst Deutschlands Verständnis dafür zu erwecken, daß nur eine Kenntnis des Judentums und seiner Quellenschriften überhaupt das Recht verleiht, in jüdischen Dingen mitzusprechen. Gewiß ist diese Kenntnis dafür Voraussetzung, daß der Einzelne sich selber über seine Einstellung zum objektiven Inhalt des Judentums klar werde. Jede Entscheidung darüber ohne genaue Kenntnis des jüdischen Lehrinhaltes sei un=j verantwortlicher Dilettantismus. Man möge den Mut haben, die sogenannten Richtungen, die im Laufe der letzten hundert Jahre innerhalb der 'deutschen Judenheit entstanden sind, als zeitgebotene Irrwege zu erkennen und sie zu überwinden. Der wahre Agudist könne durch die ungeheure geschichtliche Aufgabe, an der er mitzuarbeiten berufen sei, sich persönlich über das individuelle Schicksal herausheben und es in eine Berufung umwandeln. Die Aguda in ihrer Gesamtheit stehe heute vor der schwersten aber auch schönsten Aufgabe, dem jüdischen Volke die ihm zum Teil verlorengegangene Seele wieder zurückzugewinnen. Das Referat wurde beifällig aufgenommen. Die Agudoh-Arbeit im Bezirk Kassel. Herr Lehrer S. Plaut, Neukirchen, bereiste die Gemeinden Neustadt, Kirchhain, Bad' Wildungen, Bad Hersfeld und schuf zahlreiche neue Ortsgruppen. Die Vorträge des Herrn Plaut waren sehr gut besucht, und die Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. In seinem letzten Vortrag in Bad Hersfeld führte Herr Plaut u. a. folgendes aus: Obwohl wir seit Jahrtausenden nicht mehr das Land besitzen, hat es nie aufgehört, unser Land zu sein. Unsre Gebote gipfeln in Zijaun, die Sehnsucht nach den heiligen Stätten Jeruscholajims sprechen wir jeden Tag aus. Die jetzt beginnenden Trauerwochen lassen uns gerade in den jetzigen Tagen, wo Erez Jisroel heimgesucht wird, fühlen, daß wir nicht allzusehr auf unsre Kraft und unseren starken Arm bauen dürfen, sondern daß die Tauroh der Gradmesser für den Aufbau des Landes werden muß. Die heranwachsende Jugend soll zu Erez Jisroel-Menschen erzogen werden, denn sie sind die Bausteine fürs jüdische Land . . . Das Feuer hat das Land ergriffen. Wie können wir es zum Ersticken bringen? Nicht nur durch den Abwehrkampf nach draußen, sondern auch dadurch, indem wir in unseren Reihen um den jüdischen Menschen kämpfen, das echte jüdische Feuer in den jüdischen Herzen wieder zum Entflammen bringen. Um diese Wahrheit kämpft Agudas Jisroel, und für jeden jüdischen Menschen, in dessen Herzen noch ein Fünkchen Jüdischkeit vorhanden ist, erwächst heute mehr denn je die Pflicht, die Wahrheit zu fördern. Darum reihe er sich in die Bewegung der Agudas Jisroel, Bekennen wir uns Alle zu „ein e m Bund'', dann dürfen wir hoffen, daß auch der Frieden in 'diesem Land gesichert ist, und unsere jetzigen Trauer- und Fasttage werden wir als Freudentage begehen können. Vortrag in Darmstadt. In der hiesigen Aguda sprach kürzlich Herr Rabb. Dr. M i c h a 1 s k i, Karlsruhe. Vergleichend mit der Anschauung und Handlungsweise von Kaleb und Josua bei der Erkundung des Landes, verstand es der Referent vorzüglich, Wesen und Aufgabe der A. J. ZU kennzeichnen. Im Anschluß daran entwickelte er Sinn, und Bedeutung des neu <m die Welt ausgerufenen "ioim mm - Programmes. Zur Illustration und Klarstellung beider Gebiete bekam man herrliche Hiw und 1010- Worte zu hören, so daß 'die Zuhörer am Schluß des Referates den befriedigenden Eindruck hatten, nicht nur eine formvollendete Rede gehört zu haben, sondern in gewissem Sinne einen wirkungsvollen "»öl»-Vortrag erlebt zu haben. Oeffentliche Kundgebung der Agudas Jisroel in Mannheim, am Sonntag, den 19. Juli, Am Sonntag, den, 19, Juli, 20.15 Uhr, findet eine Kundgebung der Agudais Jisroel in der Lamey- Loge, C 4, 14 statt. Einleitend wird Herr Rabbiner Dr. Pineh&s K o h n, Ansbach, sprechen. Sodann wird Herr Dozent Ehrentreu über „Unsre Organisation" und Herr Fredi Lustig über „Die Aufgaben unsrer Jugend sprechen. Aus der Bewegung der Bnos Agudas Jisroel Antwerpen. Vom 28. Juni bis zum 6. Juli veranstaltete die Bnos A g u d a s Jisroel Antwerpen eine intensive Aguda=Woche. Das Ziel war, die Mitglieder mehr für die Erfüllung unserer Aufgaben zu gewinnen, sie zum aktiven Arbeiten für die' Agudas Jisroel anzufeuern. Das Programm war abwechslungsreich und konnte den jungen Agudi&tinnen viel Neues bieten. Am Sonntag fand im Agtidaheim die Eröffnung statt. Ein Vortrag von Frl. Frieda W a c h s st o c k , der Präsidentin der Bnos Aguda® Jisroel Antwerpen, ermutigte die Zuhörer und. ermähnte sie, sowohl: in der Gesellschaft alsauch im .Geschäftsleben ganz bewußte Agudisten zu sein. Die Hauptsache wäre, nicht äußere Organisation, sondern das. „An--sich-arbeiten" jedes Einzelnen. Die außerordentlich eindringlichen Worte Frl. Wachsstocks ergriffen jeden Einzelnen und gaben ihm. Mut und Hoffnung zur, Weit er arbeit. Montag Abend fand ein Tipp von Frau F. R 6 t lisch i Id. statt über „das Gebet",. wöbei die Einleihing von Eli Münks;,Welt der Gebete" vorgelesen und besprochen wurde. Zu gleicher Zeit gab im Nebenraume Frl. F, Wachsstock einen msc bei dem u. a. auch aus den Gesammelten Schriften von Hirsch vorgelesen wunde, — Dienstag lernte Frau Wachsstock mit den löJährigen das mnJ-Kapitel in Jeschajo, — Mittwoch sprach Frau L. Ringer über apy r-p3 im Kreise der Jüngeren. — Donnerstag abend hielt Herr Dr. C. C o h n einen Vortrag über den „Sinn des Judentums". Der Redner, der das Publikum während der ganzen Zeit in Spannung hielt/ erklärte in sehr interessanter Weise, wie die 'min und das jüdische Volk naturgemäß zusammengehören. Sowie die Seele sich bei der Geburt mit dem mensch* liehen Körper verbindet, so hat sich die min mit dem jüdischen Volkskörper bei min ]nn vereinigt. Wenn nun die mm, so führte der Redner aus, die Seele dm Leben des jüdischen Volkes ist, so müssen wir uns in ihren msn bewegen, und je stärker diese Bewegung in den mxn der mm, desto gesünder da® jüdische Volk. — r~av früh wurde um 6.30 Uhr im Agudaheim gemeinsam gebetet und dann ein Spaziergang in den Nachtigallenpark unternommen. Nachmittags hatten die Mädels das Vergnügen, einen *nJW von Frau Burak zu bekommen. Die ungeheure Festigkeit in ihren Ansichten und ihr von Jüdischkeit ganz durchdrungenes Wesen hat bei den jungen Menschen einen ungeheuren Eindruck hinterlassen. Abends fand eine rrvrfyv rrnro für 'die ganz kleinen Gruppen statt, denen der Sinn der Aguda erklärt wurde, und einige Geschichten aus Talmud und Agadah erzählt wurden. Der Sonntag blieb für einen Aus* flug in -die nah© Umgebung frei und Montag fand der feierliche Abend statt. Möge diese Woche ein Ansporn für ihre weitere Agudaarbeit sein. Vermischtes, Frankfurt a.M., 6. Juli. Das Landgericht Dresden hatte das Kind aus einer geschiedenen Mischehe bei einem Streit der Eltern über die Regelung des Erziehungss und Sorgerechts der jüdischen Mutter zugesprochen und zur Begarüniduiig «angeführt, das Kind gehöre rasisemäßig in die Kreise seiner jüdischen Mutter. Diese Entscheidung ist laut „Frankfurter Zeitung" vom Oberlandsegericht Dresden aufgehoben worden. In den Gründen dieses 'Beschlusses wird gesagt, die gesetzliche Behandlung der Mischlinge gehe von der Erkenntnis aus; daß diese weder den Deutschen noch den Juden wesensgleich, seien, Sie verfolge das Ziel, das in das deutsche Volk eingedrungene jüdische Blut möglichst schnell und immer weiter aufzuteilen, so daß in absehbarer Zeit praktisch die entstandene Mischrässe verschwinde. Die Mischlingewürden deshalb auf einer Reihe von Lebensgebieten ungleich den Deutschen und auf einer Reihe anderer gleich den Deutschen behandelt, Darmstadt, 14. Juli. Ein Herr Eugen Groß, wohnhaft -in Gräfenhausen, vertreibt Fleisch und Geflügel mit der Angabe, es sei koscher. Wie uns mitgeteilt wird, sind Fleisch und Geflügel absolut t r e f o h und ist größte Vorsicht am Platze. Köln, 10. Juli, Nach einem Bericht -des „Wests deutschen Beobachter" wurde vor der Großen Straf» kammer in Aachen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit gegen einen jüdischen Metzgermeister aus Dür ren verhandelt/ der sich nach der Anklage einer vollendeten und einer versuchten Rassenschande schuldig gemacht haben sollte. Weiterhin waren zwei Dürener Straßenhändler und eine Gemüsehändlerin wegen Erpressung an dem. Juden angeklagt. Der Jude erhielt wegen Ras senschande fünf Monate Gefängnis. Die beiden Straßenhändler wurden wegen Erpressung zu zehn bezw. zwölf Monaten Gefängnis, die Gemüsehändlerin zu achtzehn Monaten'Gefängnis verurteilt und ihr außerdem wegen der Ehrlosigkeit der Gesinnung die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. London, 6. Juli. Augenblicklich findet hier eine Ausstellung von Kunstwerken der 'bekannten hollänidischen Künstlerin Lea Halpern aus Amsterdam statt. Diese würde am 25. Juli mit einem „at Home" von Mrs«. Corbett-Ashby eröffnet Unter den Anwesenden befand sich der holländische Gesandte, Fhr. Mr. R. de M a r e e ® van S w ind er e n , der holr ländische Konsul, General Ih. H. de Meesler und viele andere Persönlichkeiten. Auch Sir Herbert Samuel stattete/ der Ausstellung einen Besuch ab und. kaufte ein Stück an; | Kopenhagen, 12. Juli. Dengestrigen S£habobs hatte die Gemeinschaft der Machsike Hadaß in Kopenhagen ganz dem Andenken . ihres ersten Rabbiners> Dr. Michael Scholaum Win ekler U?"'ST gewidmet, der an diesem Tage vor vier Jahren plötz-

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