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Der Israelit · 1936-07-16 · Heft 29 (16.7.1936) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 29 (16.7.1936)
Date
1936-07-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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16. Juli 1936 ..ü, D e. r. I s r a e I i t Nr. 29 Seite 13 ..Nicht' so hastig, mein Bruder. Gewiß er zählst Du herrliche Dinge, aber Du bist doch trotz/ allem eben nur der Anfang," begann Schmauth seine Rede. „Du bist der Anfang, die Einleitung. Die Hauptsache aber bin ich. - Du hörst auf mit dein Tod der Söhne Jaakobs. Ich aber berichte vom Volke Israel, von ihrer Knechtschaft in Aegypten und vom grausamen Pharao. Wenn Du meine Blätter aufschlägst so kannst Du erfahren, wie G'tt sein einziges Volk aus Aegypten rettete, .wie Mose geboren und errettet wurde, wie er als Prinz am Hofe lebte, wie er <zu seinen Brüdern hinausging, wie G'tt ihn am Dornbusch erschien, wie er die zehn Plagen über Aegypten sandte und Israel in der Sedernacht herausführte. Ich berichte Euch das Wunder am Sohilfmeer und das herrliche' Sie geslied des Volkes. Doch all dieses ist fast 'unwichtig gegenüber dem Einen, das ich Euch überliefere; Der G'ttesoffenbarung am Sinai, dem Zehnwort, das G'tt selbst seinem Volke und der ganzen Menschheit verkündet. Was wäre die Menschheit ohne die zehn Gebote? Das überlegt Euch und dann gebt es zu: Schmauth ist das wichtigste und schönste der fünf Bücher!" ,,W;er will denn die Wichtigkeit des Zehnwortes bezweifeln?", begann Wajikro. „Aber nicht nur das Zehnwort, sondern das ganze Ge setz ist am Sinai gegeben worden und darum heilig. Und diese Heiligkeit präge ich den Menschen ein. Ich bin das dritte von fünf Büchern. Ich stehe in der Mitte; ich bin also der Mittelpunkt der ganzen Thora. Ich bin die Thauras Kauhanim, die Priesterthora. Die Priester aber sind die heiligsten im Volke. Und in meiner Mitte steht die Sidrah Kedauschim, mit dem Befehl: „Heilig sollt Ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, Euer G'tt." Darum bin ich das wichtigste Buch der ganzen Thora." „Ich will Euch jetzt nicht erzählen von .Körach und seiner Rotte und der Erde, die ihren Mund. öffnete, um die Frevler zu verschlingen, Nicht von Bileam und der redenden Eselin, nicht von dem Fluch Bileams, der sich in wuWersamen Segen wandelte .—'• „^ie; schön sind deine Zelte; Jaakob, Deine Wohnungen Jisrael". —- Wenn Ihr wollt,, könnt' Ihr dieses und noch vieles andere iii meinen Blättern nachlesen. Jetzt will ich Euch nur auf zwei Dinge aufmerksam machen: Ihr kennt doch den Priestersegen — G'tt segne Dich.'und behüte Dich, fG.'tt lasse Dir sein ^nöesicht leuchten und sei Dir gnädig, G'tt wende Dir sein Antlitz zu und gebe Dir Frieden -- und die Gebete beim Ausheben und Einheben der Thora — Waihi-binssaua und uwenuchau jauma^'_7, Warum kennt Ihr diese herrlichen Gebete? Weil ich sie Euch kundtue! Darum gebührt mir der. Sieg!" , „Denke Dir einmal, Klein-David, alle vier Bühcer der Thora wären verloren gegangen. Wenn Du dann die Vorschriften G'ttes kennen lernen willst,, was, würdest Du dann tun? Du nimmst einfach mich, zur Hand,i;das fünfte Buch, denn ich bin die Mischneh .-Tauroh, die Wiederholung der Lehre. Bei mir findest Du die zehn Gebote und viele andere wichtige Vorschriften, Ich erzähle auch von Moses Tod und verkünde, daß Mose der größte aller Propheten gewesen ist. Ich fasse die ganze Thora kurz zusammen. Darum mußt Du mir die, Palme, zuerkennen!" , David hörte sich alle fünf Brüder aufmerksam an. Dann sprach er nach kurzem Nachdenken: „Ich glaube, es ist schwer, einem von Euch den Preis zu geben. Ihr alle seid gleichwertig, Ihr. alle! seid herrlich schön. Ich könnte den Gedan- . ken gar nicht fassen, einen von Euch fünf vermissen zu sollen. Keiner kann den andern er-= setzen. Ihr fünf gehört zusammen, Ihr. bildet eine; Einheit. Wißt Ihr,, wenn wir in der Synagoge irgend eines von Euch fünf Brüder-Büchern zu Ende gelesen haben; dann rufen wir: u.Ghäsak, Chasak we ■ iüthähasefe".; Sei stärke sei stark! Wh? alle wollen uns stärkmachen!'■ und beginnen am selben Schabbosnachmittag mit dem nächsten Buch. Am Simchas Tauro beginnen: wir so-' gar sofort nach1 der Beendigung des fünften Buches von vorn mit der Th'ora, also mit Bereschith, um wieder einen neuen Anfang zu machen. Ihr seid fünf Söhne eines Vaters, Ihr gehört zusammen. Darum schreiben wir Euch alle in eine Rolle. Ihr Brüder, wir, wollen weiter gute Freunde .bleiben, ich will Tag für/Tag in Euch lesen, aus Euch lernen, und wenn ich einst groß bin und viel gelernt habe, dann fragt mich noch einmal: Vielleicht kann ich dann Eure Frage entscheiden." ... Klein-David hörte plötzlich ein Getöse, als ob viele Hundert Menschen sich erregt von ihren Plätzen erhoben. Schlaftrunken öffnete er die Augen und sah sich erstaunt um. Er saß in der Synagoge, Die Gemeinde -war aufgestanden und rief etwas. Da glitt ein glückliches, verstehendes Lächeln über sein Gesicht. Er sprang auf und rief zusammen mit der Gemeinde aus vollem Herzen „Chasak, Chasak wenithehasek, sei stark, sei stark, wir wollen stark sein!" Rätsel. 1. Triolenrätsel. Rattenhest, Ehrenmann, Oechslein, Rettich, Dirigent, Spargel, Sieb, Tenor, Achtzig, Bauholz, Lende, Hadassa, Ahasver, Säule, Remter, Hund, Hebron, Aramäisch, Venezuela, Erle, Turnen. — Aus jedem dieser Wörter sind _ drei ne b ene inand erst eh en de Buchstaben zu entnehmen (aus den, Wörtern Hebron und Turnen vier). Aneinandergereiht ergeben sie einen für die jüdischen Frauen, namentlich in Palästina/ höchst aktuellen Rat Hein* rieh Heines in dem Gedicht „Jebuda Ben Halevy" (eh, sch, ä 1 Buchstabe)!, 2. Zwei Feldherren. Aus den Wörtern: Majoran, Sumatra, Haavara, Ellenbogen, Siebenschläfer, Libyen — sind je zwei aufeinanderfolgende Buchstaben herauszuholen; diese nennen, aneinandergereiht, die Namen zweier Feldherren, die genau auf den gleichen Wegen nach Palästina zogen und es eroberten. 3. Reimrätsel. Reiter, Leiter, Weiche, Hobel, Kinder,. Regen, Wollfe, Tasche, Decke, Maus. — Für jedes Wort ist ein Reimwort zu suchen (z. B. für Weiche — Eiche), Die Anfangsbuchstäben der neuen Wörter nennen ein Land in. Kleinasien. i 4. G i 11 e r r ä t s e 1. \\ l-l l-l l-l II I H II H II I Setze senkrecht neun zweisilbige Wörter folgender Bedeutung ein: 1. Name aus dem Buch Ruth; 2. Königreich im biblischen Arabien; 3. Kolonie in Nordostpalästina; 4. Prophet; 5. Perserkönig; 6. Aufrührer gegen Moses; 7, biblischer Ort bei Hermon; 8. Feldherr Davids; 9. König von Israel. — Die Anfangsbuchstaben der .oberen und die Endbuchstaben der unteren Silben wechs selweise" (nach den Punkten) gelesen, nennen eine Frauengestalt aus dem zweiten Buch Samuel. 5. D i e. Zeitung. .Sanders, Ben Jehuda, Koch, Kant, Asch, Levin, Rielschowski, Lasker, Zunz, Newton, Fontane, —1 Nenne die Vornamen der genannten Personen; deren Anfangsbuchstaben, aneinandergereiht, ergeben den Namen einer der ältesten jüdischen Zeitungen. Personalien. Zerline Hof mann n»y. ■ ' Berlin, 10, Juli. 'Welch eine reiche Welt von beglückenden Erinnerungen wird an dieser Bahre wach!' Da tritt R. Jona Rosenbaum "7"St vor unsere Augen, der Vor fast " hundert Jahren da« Erbeseines unvergeßlichen Vaters R. Mendel Rösenbaum ^"ST gemeinsam mit seinem Bruder, R. Elia Raphael S"xr übernahm und dem kleinen Zell im Schatten des unvergeßlichen Würzburger Raw h»"»! einen großen Ruf weit über alle Lande erwarb. Da sehen wir einen jungen Bachur aus Verbo — den späteren Führer und Meister Prof. Dr. Hofmann ^"ST — der in Zell dem Thorastudium oblag und um seines Lehrersi Tochter freite. Da sehen: wir die gütige, treue Verklärte an ' der Seite ihres Gatten, wie sie in anspruchsloser Mütterlichkeit .die Schüler desselben betreute, waltend im thoräerfüllten Hau®, ausstrahlend in selbstloser Zufriedenheit eine Welt von Güte und Hingabe, Schwester, helfende Schwester, aller Armen und Sorgenden, Hüterin; der edelsten Traditionen des Elternhauses, neue, köstliche. Traditionen schaffend im eigenen Hause. Tochter > eines . Thorafürsten, Gattin eines unermüdlich forschenden Thoragelehrten , von Weltruf, Kröne und Mutter eines Hauses, in dem die Sprossen in Geist und Tat zur Thora emporgelei5 tet wurdenV so_ waltete und wirkte Zerline Hofmann. Dankend und träumend stehen wir an ihrem Grabe. Ihr Andenken ist und bleibt ein Segen. P, K. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Die Nürnberger Bezirkstagung vom 28. Juni 1936. Die Tagung begann morgens 10 Uhr in den schönen Räumen der Essenweinstraße mit einer internen Aibeitssitzung, die von, den Mitgliedern der Nürnberg=Fürther Ortsgruppen sowie den auswärtigen Vertretern reich besucht war, — Herr Dr. H a 11 e m a n n eröffnete die Sitzung und gab nach kurzen Begrüßungsworten das Wort dem Mitglied des Vorortsvorstands, Herrn Dozenten J. Ehrentreu, zu seinem Referat über „Die Aufgaben unsrer Organisation". Die L. O. der A. J, wird durch die Ereignisse der Gegenwart vor große, neue Aufgaben gestellt. Sie bedarf dazu einer-inneren Umstellung, des Strebens aus einem Verband einzelner Intellektueller zur Volksbewegung zu werden, die Alle zu erfassen gewillt ist; die das religiöse Element in den Mittelpunkt der Volksgemeinschaft stellt. Klar und deutlich muß es zum Ausdruck kommen, daß wir im Grunde keine andern als religiöse Ziele verfolgen, daß der politische Charakter der Organisation aufgezwungen wurde, ihr nicht wesensbedingt ist. Eine große Aufgabe hat Agudas Jisroel in der Gegenwart: für Tauroh und Jiroh zu werben, mit modernsten Methoden den Kampf für G'ttes Lehre zu führen, ein Ringen um die jüdischen Seelen mit Worten und Taten. Die soziale Tatbereitschaft schafft der A. J. den populären Namen unter den jüdischen Massen. So haben wir den Anfang gemacht in der Fürsorge um die Kinder des Landes, die religiöse Beratung in Auswandererfragen ist im Aufbau begriffen,, es harren noch viele Aufgaben der Lösung, so. die geistige Versorgung des Landes*, Schafs fung einer Literatur, die den Fernestehenden über Judentum und G'tteslehre in u n s e r m Sinne aufklärt. Aber wir können sagen: wir haben nicht um« sonst gearbeitet. Ueberall sind n e u e Ortsgruppen im Entstehen begriffen. Jede Tagung bringt uns neue Menschen,, die uns dankbar sind, daß wir sie aus der Isoliertheit heben. Die Zeit ist reif! Seien wir stark genug, die Ernte zu vollziehen. Die sich an den Vortrag anschließende Diskussion beschäftigte sich vor allem mit der Frage Agudoh — Misrachi. Von Seiten des Landesvorstandes wurde den Interpellanten erwidert, daß eine organisatorische Fusion unmöglich sei, solange Misrachi in der zionistischen Organisation stehe. — Sodann. nahm Herr Gottfried N e u b u r g e r, Leiter des Kenessio Gedäulo-Büros in Frankfurt a. M., das Wort, um die Gründzüge der K. G.-Propaganda darzulegen, und seihe Erfahrungen mit der von ihm geleiteten Aktion . mitzuteilen. Es wurde sodann einstimmig folgende^ Resolution angenommen: - ii . „Die auf der Bezirkstagung -ole/ .Agudas Jisroel in Nürnberg Versammelten begrüßen aufs wärmste die Einberufung der Kenessio .Gedaulo für das Jahr 5697 nach D'VsnT' — Die Versammelten ersuchen die Führung der Organisation, die Kenessio Gedaulo auf alle Fälle, soweit 'es m. G. H. irgendwie möglich ist, im Jahre 5697 stattfinden zu lassen." Es -wurde beschlossen, einen Bezirksverband für Bayern zu gründen, dem die Betreuung der Landgemeinden obliegen soll. . Die Arbeitssitzung hinterließ bei allen Anwesen* den stärksten Eindruck und gah;(neue Impulse für die Arbeit in den Gruppen. Der Nachmittag war unter Vorsitz des Herrn Alfred Klugmann, Nürnberg, mit öffentlichen Referaten ausgefüllt. Er begann mit einer Ansprache. des Nürnberger Raws, Herrn Rabb. Dr. A. K1 e i n, der die Versammlung mit Thoraworten aus der Sidroh begrüßte. Sodann hielt Herr Rabbiner Simon Schwab, Ichenhausen, sein Referat über „Das Landiudentum". Das Landjudentum ist, einer verlöschenden Kerze gleich, in stetigem Absterben begriffen. Schlimmer als dieser leibliche Tod ist der geistige Verfall, der schon seit Jahrzehnten fortschreitet. Welche Tragik, dies vom bayerischen Laaid/udentum sagen ..zu müssen, das in der Vergangenheit treuester Träger der Tradition gewesen war. Ein ephtes und wahres Thorajudentum lebte noch, als in den Städten die Reform schon grassierte. Wie kam es: Bittul Tauroh — das Aufhören des Taurohlerhens war der Anfang. Die S'forim wurden auf den Dachboden der Synagoge .gebracht, Lernen zum Monopol des Lehrers proklamiert. S o ist die Aufgabe der A. J. auf dem Lande geartet: Die Menschen dem geistigen Inhalt; der Tauroh näher zu bringen, die Jugend in die Jeschiwaus zu schikken, in die Städte mit jüdischem K e h i U o h 1 e b e n, daß sie die Schönheit des jüdischen Lebens schaut. Eine solche Aufgabe erfüllt das. Landkinderheim „Bea N'orim" in Frankfurt a. M. Redner verlas eine Re* Solution:

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