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Der Israelit · 1936-07-16 · Heft 29 (16.7.1936) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 29 (16.7.1936)
Date
1936-07-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 29 Der Israelit 16. Juli 1936 Die Lage in Palästina. Neue Todesopfer, — Hauranische und SyfiSche Terroristen. — Die Arbeit der Gerichte, — Es wird weiter gebaut, Jerusalem, 14. Juli. Der schwerste Fall unter 'den Ereignissen der letzten Tage trug sich am Sonntag, den 10. Juli, auf dem Wege von Haifa nach Tel Awiw zu. Dort fuhren zwei jüdische Autobusse unier polizeilicher Bewachung, denen mehrere mit Truppen besetzte Lastwagen angeschlossen waren. Etwa auf halbem Wege wurden sie von einer Araberbande überfallen. Durch die Schüsse verlor der erste Führer die Herr* Schaft über seinen Wagen, der den Abhang hinunterrollte und umstürzte. Ein jüdischer Arbeiter namens Hirsch B e r, der vor kurzem aus Rußland eingewandert war, war auf der Stelle tot. Ein aus Deustchland stammender Jude, Max Garmien, wurde schwer verletzt aus den Trümmern hervorgeholt. Leichter verletzt wurden zwei Soldaten und fünf jüdische Passagiere. Herbeigeeiltes Militär nahm den Kampf mit den Angreifern auf. Vier Araber wurden getötet und einer gefangen. Soeben wird auch von einem schweren Ueberfall bei M o z a berichtet. Wieder wurde ein junges jüdisches Leben ausgelöscht. Der 20jährige Elektro5 techniker Joseph K a t z , der mit seinen Kameraden auf dem Heimwege von der Arbeit im Steinbruch war, wurde durch Schüsse getötet. Seine Begleiter Joseph Pessach und Jakob Israelow wurden schwer verletzt. Andere drei jüdische Arbeiter kamen mit leichteren Verwundungen davon. Ihre Namen sind: Amiel Salkind, David Alchazim (Jemenite) und Schlomoh Frank. Noch am gleichen Abend um 10 Uhr wurde Joseph Katz in Jerusalem unter Polizeibewachung beigesetzt. Eine größere Beteiligung war verboten, ein Kamerad hielt eine kurze Trauerrede. Sechs Araber wurden im Zusammenhang mit diesem Feuerüberfall verhaftet. Am gleichen Sonntag, den 12. Juli, kam es auch in der Neustadt von Jerusalem am hellichten Tage zu einem Revolverattentat, wobei der jüdische Kaufmann Isaac Cohen angeschossen und ernstlich verwundet wurde. Wie fast immer, konnten die Angreifer unentdeckt entkommen. Zur .gleichen Zeit wurde der jüdische Bahnarbeiter Adam L i p k i n infolge eines unglücklichen Zufalles von einem englischen Soldaten erschossen. Damit zählt man bereits 45 jüdische Todesopfer seit Ausbruch der Unruhen. Ein Angriff auf „Newe Jaakow" am Samstag konnte mit Hilfe von Truppen abgewehrt wer* den. Durch einen unglücklichen Zufall bei einer Abwehraktion wurde bei Moza auch der jüdische Hilfspolizist Dow Deitler verwundet. Das offizielle Communique von Sonntag meldet weitere kleinere Ueberfälle und eine große Reihe von Sabotageakten. In einem arabischen Dorfe wurden 1300 Bäume ausgerodet, aus Rache, weil sich das Dorf am Streike nicht genügend beteiligte. Neun Araber wurden als Täter verhaftet. Von der hebräischen Zeitung „Haboker" wird ein neuer Zustrom von Arabern aus dem Haur an nach Palästina gemeldet. Auch aus Syrien strömen, nach Zeitungsberichten, bewaffnete arabische Banden nach Palästina und üben einen harten Druck auf die arabische Stadtbevölkerung aus. An der Moschee von Beisan beschlagnahmten die englischen Behörden einen Anschlag, in dem der arabischen Stadtbek völkerung ein gleiches Schicksal wie das der Juden angedroht wird für den Fall, daß sie die Streikbewegung nicht genügend unterstützen. Es wurde festgestellt, daß das Plakat von syrischen Arabern angebracht war. Bei einem bewaffneten Ueberfall bei Dsche8 min am Dienstag zählte man sieben tote Araber. Mindestens vier Tote nahmen die Araber auf der Flucht mit. Die Gerichte arbeiten weiter. Araber aus Nablus, bei denen Waffen gefunden wurden, wurden am 9. Juli zu je 7 Jahren Gefängnis verurteilt. Verhaftungen von Arabern, die Gewehre oder Bomben bei sich trugen, wurden überall vorgenommen. Drei Araber, die des Mordes an dem ersten jüdischen Opfer der Palästinaunruhen, Israel C h a s a n, beschuldigt waren, wurden aus Mangel an Beweisen freigespro* c h e n , nur einer von ihnen wurde wegen Besitzes eines Revolvers zu zwei Monaten .Gefängnis Verurteilt. Der bekannte arabische Führer, Sidky Daj a n i und Sata A b d O u , wurden unter sitarker Bewachung aus dem Konzentrationslager nacli Jerusalem gebracht, um sich vor Gericht wegen Widerstandes gegen die Polizei zu verantworten. Sie wurden zu je 50 Shilling Geldstrafe verurteilt. Ein Araber, der versucht hatte, in der Jerusalemer Vorstadt „Giwat Schaul" eine Bombe gegen jüdische Arbeiter zu schleudern, ist zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Bei all dem wird weiter gebaut und gearbeitet, Die Jüdische Agrarbank hat den Betrieb wieder aufgenommen und die ersten Darlehen gewährt, und zwar nur an diejenigen Kolonisten, die ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigen. Von einem ungenannten Spender in Europa erhielt das Hauptbüro des Nationalfonds 4000 Pfund zur Erneuerung von B aump f 1 a nzun g en, die während der Unruhen vernichtet wurden. In Tel Awiw wurden zur Behebung der Arbeitslosigkeit umfangreiche Straßenbau arbeiten in Angriff genommen, für die von den verschiedenen Banken ein Fond von 20.000 Pfund zur Verfügung gestellt wurden. Ueber die Versorgung der Flüchtlinge hatte der Vertreter der Jewish Agency, Mosche Schertok, eine längere Unterredung mit dem. High Commissioner, der sich am Ende bereit erklärte, eine aus Vertretern des Distriktskommissariaf®, der Tel Awiwer Irijah und des Waad leumi bestehende- Kommission mit der Beratung der Angelegenheit zu betreuen. Der Geburtenüberschuß von Tel Awiw. Tel Awiw, 12. Juli, Laut Mitteilungen der Stadtverwaltung von Tel Awiw wurden dort in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 1471 Kinder geboren. Die Zahl der Todesfälle in demselben Zeitraum betrug 414 einschließlich der 18 im April gefallenen Märtyrer. In demselben Zeitraum des vergangenen Jahres betrag die Zahl der Geburten 1305, die der Todesfälle 264. Der Geburs tenüberschuß ist somit ziemlich konstant geblieben. Wirtschaftliche Schädigung Syriens durch die Unruhen in Palästina. Damaskus, 6. Juli. In den Kreisen der arabischen Kaufleute und Bauern in Syrien herrscht starke Erbitterung darüber, daß infolge der andauernden Unruhen in Palästina die syrisch-palästinensischen Handelsbeziehung gen schwer beeinträchtigt wunden und der einträgliche Touristenverkehr aus Palästina gänzlich zum Stillstand gekommen ist. Arabische Kaufleute retteten den jüdischen Bankier David Toach aus den Händen nationalisti5 scher Exzedenten, die ihn schwer mißhandelten, weil er sich geweigert hatte, 50 Pfund zu dem palästinensischen Streikfonds beizutragen. Es kam zu einer Schlägerei zwischen den Kaufleuten und den Nationalisten. Hierbei wurde ein Araber erstochen, drei wt?rden verwundet. Afrika. Die Lage in Südafrika. , (Aus einem Privatbrief e.)i J o h a n n i s b u r g , 27. Juni. Mit rührender Bereitschaft steht man hier durch die Jewish. Guild den vielen hilflosen Menschen, die vielfach der englischen Sprache nicht einmal mächtig sind und in sehr vielen Fällen ohne jede Geldmittel ankommen, zur Seite. Für Pension wird in vielen Fällen so lange gesorgt, bis Arbeit gefunden ist. Englischer Unterricht wird kostenlos von , sehr fähigen Kräften erteilt und auch für Abwechslung durch Vorträge, Konzerte' usw, wird .gesorgt, um die unbeschäftigten Menschen vor . Langeweile zuj;schützen. Daß die (gesamte jüdische^.Bevölkerung hier Gutes tut, ist wohl beispiellos in der Geschichte der jüdischen Wanderung. In Worten ist das Lob, . dieser wirklich guten und mitfühlenden Menschen, von denen ja ein großer Teil das gleiche Schicksal einst .erlitten hat, gar nicht auszudrücken. Es darf und soll jedoch, für traditionelle Menschen, nicht ungesagt bleiben, daß die Wahrung der" fÄligiöfisgeSetzliehen Vorschriften inbezug auf wer mw und/imw -für■ aüf Arbeit und Verdienst angewiesene Menschen kaum, wenn nicht gar überhaupt, nicht zu erfüllen sind1, da hier nur ein ganz verschwindender Teil der Juden diese Vorschriften ma innehält. Es ist nichts Seltenes, daß Menschen aus ganz frommen Häusern nach langem vergeblichen Suchen, einfach durch die Not sich gezwungen glauben, von den Vorschriften der min abzulassen, wieviel Seelennot daraus entsteht, Wieviel Tränen das kostet, wer will das ermessen. Denn um eine einigermaßen bezahlte Arbeit zu finden, bedarf es schon jetzt äußerster Anstrengung vonseiten der Hilfsstelle, und' nur technische und handwerkliche Berufe können noch einige Menschen aufnehmen. Dagegen ist ein großer Ueberfluß an kaufmännischen Kräften und Büropersonal. Einige Aussieht besteht für solche Menschen, die selbständig ein kleines Geschäft in der Lebensmittel- oder Textilbranche usw. beginnen können, sofern sie einigermaßen wenigstens der englischen Sprache mächtig sind. Auch streng religiöse Metzger und Wurstler konnten immerhin im Laufe der Zeit auf Erfolg rechnen. Man muß und soll doch wissen, daß auf der Erde hier keine Goldbarren liegen, sondenr ganz tief unter der Erde! Das Leben ist sehr schwar, besonders wenn man ganz von vorne anfangen muß und billig Ast es auch in keiner Weise. Deshalb seien Voreilige 'gewarnt, ohne eigene Mittel oder nahe Verwandtschaft hierher zu kommen, lediglich in der Hoffnung, hier leicht vorwärts zu kommen. Dies muß in erhöhtem Maße für die religiösen Kreise gelten, die ihr Leben in gleicher Weise wie bisher weiter* führen wollen. Ueberdies sei aber auch noch auf die politischen Verhältnisse kurz hingewiesen. Schon seit einiger Zeit wird im Parlament auf die starke Einwanderung nicht allein der Juden hingewiesen und es besteht die Möglichkeit, daß die Einwanderungsbestimmungen, die ja zurzeit noch recht einfach sind, erheblich verschärft werden, ähnlioh wie das ja für Einwanderer aus Polen schon Geltung hat. Daß dabei auch antijüdi'sche Stimmungen mitsprechen, ist ohne Zweifel, wenn sich auch bislang die Regierung davon freigehalten hat. Die jüdische Frage' spiegelt sich in den vielen Einsendungen der Tageszeitungen deutlich wieder und demigemäß ist auch die Stirn* mung der hiesigen Juden eine gedrückte." Solange die enorme Prosperität hier im Lande anhält, kann man der Entwicklung wohl mit einiger Ruhe zusehen, zumal das Land dem guten englischen Einfluß untersteht. Man wind als Jude ans Deutschland hier auf Schritt und Tritt an die ernsten Ereignisse erinnert, als vom Osten her die jüdischen Massen durch Deutschland flüchteten, und die unabweisbare Frage tritt dabei an das Gewissen: haben damals die Juden in Deutschland ihre Pflicht voll und ganz verstanden? J. Amerika* Die Palästina-Legionäre Amerikas an das Colonial Office. . ♦ " New York, 1, Juli. In einer Massenversammlung ehemaliger ,a m e r ikanischer Angehöriger der jüdischen L e.gi o n in Palästan a wurde - beschlossen, in . einer Denkschrift dem englischen Kolonienministerium die Dienste der amerikanischen Palästinalegionäre für die Palästinaregierung anzubieten, damit „der Zerstörung von Leben und. Eigentum in Palästina ein für alle Mal ein Ende bereitet , und der Frieden wieder hergestellt werde; Den jüdischen Kolonisten Palästi-; nas wird die Anerkennung für ihre Selbstbeherrschung' ausgesprochen. '; , i_ Briefkasten, i Dr. A. in Br. Rezensionen von Büchecn können wir nur dann abdrucken,, wenn, uns vom, Verlage Rezensionsexemplare zugegangen sind.;; ' i

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