Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1936)
- Date
- 1936-07-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 29 Seite 9 aber falle 'die Beurteilung eines Weltkongresses der Religionen aus, fuhr der Chiefrabbi fort, wenn klargestellt wird, daß es die einzige Aufgabe eines solchen Kongresses ist, allgemeine Uebel, die über die Menschheit gekommen sind, zu bekämpfen und das gemeinsame Wohl der Menschheit zu fördern; unter den Anhängern der verschiedenen Bekenntnisse den Geist der Kameradschaft und Brüderlichkeit zu wecken, dessen die Völker der Ende heute so sehr bedürfen; und bei Wahrung ihrer Eigenart nach Rasse, Nationalität und Glauben sie in der Bemühung zusammenzuschließen, die Menschheit von den Vorurteilen der Vergangenheit freizumachen und rie gegen die Gefahr der Selbstvernichtung durch Brudermord in der Gegenwart zu stärken. Auf diesem Wege ganz besonders kann 'die Religion heute der schwergeprüften Menschheit einen unendlichen Dienst erweisen. Die palästinensische Arbeiterschalt gegen ein Zusammengehen mit den Kommunisten. London, 12. Juli. Auf dem Londoner Internationalen Gewerkschaftskongreß sprach sich der Delegierte der palästinensischen Arbeiterschaft, F e i n s t e i n, gegen j e d e s Zusammengehen mit den kommunistischen Gewerkschaften aus. Die palästinensischen Arbeiter, erklärte er, seien angesichts der kommunistischen Propaganda gegen die jüdische Arbeiterschaft und der offenen Unterstützung ihrer Feinde außerstande, an die Aufrichtigkeit der komuiunistischen Einigungswünsche zu glauben. Er werde gegen die Aufnahme von Verhandlungen mit den russischen Gewerkschaften und der Roten Internationale stimmen. Internationale Konferenz für jüdische Sozialarbeit. London, 9, Juli. Im Woburn-House in London wurde am 8. Juli die Konferenz für jüdische Sozialarbeit eröffnet, die sich mit den spezifischen jüdischen Verhältnissen in den einzelnen Ländern befassen wird. In der Eröffnungssitzung hielt eine Begrüßungsansprache u. a. auch der Chiefrabbi Dr. Hertz. Den Vorsitz führten I. M. K a r p f aus New York, der in seiner Eröffnungsrede erklärte, die Konferenz habe den Zweck, Mittel und Wege zur Erleichterung der Arbeit für die notleidende jüdische Bevölkerung zu finden. Politische Fragen seien aus der Diskussion ausgeschlossen. Monte Köre sagte in seiner Ansprache, er glaube, daß Sozialarbeit eine r e 1 i g i ö s e Basis und einen religiösen Gipfelpunkt haben müsse. N u.r auf dem Wege von Religion und Moral werde Sozialarbeit geleistet werden können. (An sich richtig, aber man weiß, was Claude Montefiore unter Religion versteht. A. d. Red.) De Avigdor G o 1 d s m i d sprach insbesondere über die soziale Aufbauarbeit der ICA, die in Argentinien bereits 30 000 Menschen betreue, unter ihnen auch Juden au® Deutschland. Dr. M. I. K a r p f sprach über Auswanderung, Aufbau und Nothilfe. Er meint, alle Länder, in die eine Auswanderung möglieh ist, sollten es als ihre Aufgabe betrachten, die von anderen Einwandenmgsläiidem gemachten Erfahrungen zu berücksichtigen und eine planmäßige Einwanderung vorzubereiten. Die Hauptquellen jüdischer Sozialarbeit seien erstens 'die jüdische Familie, die jene Kraft der Opferbereitschaft schaffe, die sich in allen Nöten bewährt und dann die Gemeinde; wobei er besonders die Arbeit der jüdischen Gemeinden in Amerika und England zu Gunsten der jüdischen Auswanderer aus Deutschland hervorhob. Die moralische Kraft der Juden zu zerstören, werde niemals gelingen. Was die Juden an planmäßiger konstruktiver Arbeit in. Deutschland selbst geleistet haben, sei bewundernswert. Herr Girmounski sprach über die Aufgaben der Berufs Umschichtung. Allzuteure und umfassende Maßnahmen bei der Umschulung sei bei der Not der Zeit zu vermeiden. Einer der wichtigsten Berufe sei immer noch die Landwirtschaft. Er entwickelte dann einen größzügigen Plan, wie in den Die Woche. Berlin. Richard Beer-Hofmann, der berühmte Dichter von „Jakobs Traum"', feierte am 11. Juli seinen 70. Geburtstag. Im Verlage von Dr. Heinrich Glanz, Wien, erscheint aus diesem Anlaß ein Buch von Dr. Alfred Werner unter dem Titel „Beer= Hofmann, Sinn und Gestalt". — Zur internationalen Konferenz für Sozialarbeit in London erscheint ein Sonderheft der Berliner „Zeitschrift Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik". — Die jüdische Gemeinde in Nordstetten, der Geburtsstadt des Dichters Berthold Auerbach, in der er seinem Wunsche gemäß neben seinen Eltern seine letzte Ruhestätte gefunden hat, ist aufgelöst worden. Vor kurzem wurde in der Synagoge der letzte G'ttesdienst abgehalten. — Aus einem Artikel, den Dr. Johann von Leers im „Hakenkreuzbanner" in Mannheim veröffentlicht, geht hervor, daß eine Uebersetzung der beiden ersten Bücher des. Schulchan Aruch unter dem Titel „Blut und Gold im Judentum" erschienen ist. Hamburg. Der Verband der jüdischen Gemeinden Schleswig-Holstein und der Hansastädte errichtet vom 15. bis zum 17. August einen K i n - d e r f e r i e n k u r s in Wilhelmshöhe, an dem insbesondere Kinder aus Kleingemeinden teilnehmen. Karlsruhe. Der Ob er rat der Israeliten Badens hat angeordnet, daß im Religionsunterricht vom vierten Schuljahre an neben der aschkenasischen auch die sepbardische Aussprache gepflegt werden soll. Nürnberg. Der Präsident der Reichskammer der bildenden Künste hat, nach der „Frankfurter Zeitung", einem jüdischen Architekten in Nürnberg die Berufsausübung als Architekt untersagt, weil er nicht die Zuverlässig2 keit besitze, deutsche® Kulturgut zu erzeugen. Ulm. Das „Stuttgarter Neue Tagblatt" berichtet, daß die jüdischen Kinder in der Stadt Ulm aus der evangelischen Volks-, schule ausgeschieden und in der neu errichteten jüdischen Privatschule untergebracht worden sind. Dort werden 24 Kinder von jüdischen Lehrern unterrichtet. Danzig. Jüdische Händler polnischer Staatsangehörigkeit, die seinerzeit bei Ausschreitungen Schaden erlitten haben, erhielten vom Senat eine Entschädigung von 50 Prozent ihrer Forderung. Genf. Auf Grund einer bei seiner letzten Delegiertenversammlung abgehaltenen Beratung hat der Schweizerische Israelitische Gemeindebund die Einladung zur Beteiligung am Jüdischen Weltkongreß angenommen. Warschau. Die Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden, „TOZ", kann diesen Sommer 15 000 arme jüdische Kinder Polens in verschiedenen Abteilungen in Sommerkolonien unterbringen. — Im Monat Juni sind 1100 Juden aus Polen nach Palästina ausgewandert. — Am 14. Juli verläßt ein Trans* port von Palästinaauswanderern in der Stärke von 700 Mann Warschau. Schon seit langem wurde nicht mehr ein so großer Auswanderertransport abgefertigt. Er besteht aus Chaluzim und Auswanderern anderer Kategorien. Rom. Die jüdische Gemeinde L i v o r n o , beging in feierlicher Weise das dreißigjährige Amtsjubiläum ihres Oberrabbiners Prof. T o a f f. Rabbiner Toaff ist einer der Gründer des R ab bin er.- s e m i n a r s von Livorno. Ihm ist auch die Entstehung des jüdischen Mu« e u ms in Livorno zu verdanken, das zahlreiche seltene und kostbare Gegenstände aus der Geschichte dieser alten Judengemeinde enthält. — In der Hauptsynagoge von Rom fand ein feierlicher G'ttesdienst zu Ehren der bei den Palästinaunruheri gefallenen Juden statt. London. Am 7. Juli hat der hier weilende Patriarch der Rumänischen Kirche, Dr. Miron Christ ea, den Oberrabbiner des Britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz, den Mitvorsitzenden des Joint Foreign Committees, des Board of Deputies und der Anglo Jewlsh Association, Leonard G. Montefiore, und den Sekretär des Committee, A. G. Brotman, empfangen, die dem Patriarchen im Namen der englischen Judenheit ihre Aufwartuag machten. Jerusalem. Im Alter von 70 Jahren ist Rabbi Zwi Elijahu I n s e l b u c h , ehem. Vizeprä* sident des Misrachi-Verbandes Amerikas, und einer .der Führer des amerikanischen Rabbinerverbandes gestorben. Einwanderungsländern mit Darlehen usw. die Berufsumschichtung durchzuführen sei. Es schlössen sich an das Referat Beratungen einzelner Fachgruppen an. Neue Unterhausdebatte über Palästina. London, 13. Juli. Auch am 8. Juli beschäftigte sich das Unterhaus mit dem ewigen Thema „Palästina". Der Kolonienminister hatte wieder einen großen Fragebogen zu beantworten, obwohl, wie er sagte, seit seiner ersten Erklärung am" 19. Juni keine wesentliche Aenderung der Lage eingetreten sei. Polizei und Regierungstruppen hätten infolge der Zerrissenheit der Natur des Landes, die Angriffe aus dem Hinterhalt begünstigen, schwer zu ringen. Munition und Sprengstoffe werden dauernd beschlagnahmt und Kollektiv* strafen bis zu 5000 Pfund Städten und Dörfern auferlegt. Die Besetzung wurde wesentlich verstärkt. Es treffe auch zu, daß der Moslemitlsche Oberrat erklärt habe, den Streik zu unterstützen, aber Gewaltakte nicht zu billigen. Auf die Abbrucharbeiten in Jaffa, auf /die der Abgeordnete Gallacher wieder hinwies, einzugehen, lehnte der Minister ab, ebenso auf die Frage der ausländischen Propaganda. Ueber die Rolle des Großmufti erklärte der Minister, daß dieser, der das Amt des Präsidenten des Obersten Moslemitischen Rates bekleidet, 1922 von dem Moslemitischen Komitee gewählt wurde, welches selber aus Wahlen .mohammedanischer Wahlmänner hervorgegangen sei. Eine Vergütung aus öffentlichen Mitteln erhalte er nur für rein juridischen Funktionen. Da die Ausgaben der mohammedanischen religiösen Gerichte größer seien als ihr Einkommen, so werde das Defizit aus öffentlichen Mitteln gedeckt. Das Defizit betrug 1933 12 610 Pfund, heute nur noch 9520 Pfund, und man hoffe, daß dieses Defizit noch weiter heruntergedrückt wird. Auf die Frage eines Abgeordneten bezüglich der Angst der Mohammedaner, ihre Heiligenstätten könnten durch das jüdische Nationalheim gefährdet werden, wies der Minister auf die Bestimmung in der Balfourdeklaration hin, wonach nichts getan werden dürfe, was die bürgerlichen und religiösen Rechte in Pa= Iästina bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften beeinträchtigen könnte. Die Mandatarmacht trägt die Gesamtverantwortung für die heiligen Stätten und religiösen Gebäude in Palästina einschließlich der Wahrung bestehender Rechte und der Sicherung freien Zutrittes zu den heiligen Plätzen. Gebäude von archäologischem Interesse und antike Merkmale des Landes werden auch bei den Abbruchsarbeiten bewahrt bleiben. Dänemark. Die Juden der nordischen Länder und der Weltkongreß. Kopenhagen, 6, Juli, Wie der Kopenhagener ITA'Vertreter aus sicherer Quelle erfährt, haben die jüdischen Gemeinden Schwedens beschlossen, keine Delegierten zu dem bevorstehenden Genfer Weltkongreß zu entsenden. Dagegen beabsichtigt die Kopenhagener jüdische Gemeinde, sich auf dem Kongreß durch einen Beobachter vertreten zu lassen. Griechenland, Judentum und Griechentum. Saloniki, 3. Juli. Der Bürgermeister von Saloniki, Nicolaos M a - n o s, hat als Antwort auf einen Glückwunsch, den er anläßlich der Levante=Messe an die Stadt Tel Awiw gerichtet hatte, vom Tel Awiwer Bürgermeister Meir Dizengoff ein herzliches Schreiben erhalten, in dem darauf hingewiesen wird, daß Griechentum und Judentum die beiden ältesten Kulturen der Welt sind. Tel Awiw sei stolz darauf, die Sympathie Griechenlands zu genießen. Dizengoff richtet einen Gruß an Saloniki und seinen Bürgermeister auch im Namen der aus Saloniki stammenden Bürger von Tel Awiw und hebt die Leistungen der Einwanderer aus Saloniki im neuen Hafen von Tel Awiw rühmend hervor.