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Der Israelit · 1936-07-16 · Heft 29 (16.7.1936) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 29 (16.7.1936)
Date
1936-07-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr, 29 Seite 5 solchen Zeiten notwendige Begeisterung von der sonst erforderlichen ganz erheblich und deutlich. Wir leben in einer Zeit, in der selbst die G'ttesherrlichkeit nicht in strahlender Himmelsfrische wie vor dem Zelte Abrahams, sondern im Dornbusche erscheint wie in den Tagen der ägyptischen Knechtschaft. Nicht der Thron ist heute das Sinnbild der höchsten aller Erscheinungen, sondern der saphirdunkle Ziegelstein, den unter diesem Throne noch die Jünglinge des Gesetzgebungstages sahen. Und so richtet sich auch an uns sterbliche Menschen heute 'die Forderung, das Feuer unserer G'ttesliebe weniger hinausglänzen als zur Kraft unsrer innersten Seele werden zu lassen, mit der wir die kleinen täglichen Pflichten und ihre Schwierigkeiten zu bewältigen suchen. I' Vor allem gilt dies von der G'tteslehre selber. Ueber sie ruft der Psalmist (119) aus: „Wie liebe ich deine Thora! Den ganzen Tag ist sie mein Gespräch. Wir sollen so von Thoragedanken erfüllt sein, daß selbst unser profanes Sprechen so, wie es unsere Weisen von der Unterhaltung des wahren Weisen erwarten, „des Erlernens wert" sei. Das ist durch nichts anderes als durch das Lernen selber erreichbar, wie es Jeschiba und Beshamidrasch uns vermitteln, nicht durch noch so geschickte Werbung und Organisation. Da, wo solche Außenarbeit der Thora freunde das innere Schaffen der Thorabeflissenen überwuchert, wird jenes Psalmwort in seinem grausam spottenden Nebensinne zur Wirklichkeit; Ueber das tagelange Sprechen von der Thora und von der Liebe zu ihr wird ihre Erforschung vernachlässigt. Die Thora benennt den Tag ihrer eigenen Erteilung nicht mit Namen und stattet ihn, im Gegensatze zu allen anderen Festen des jüdischen Jahres, mit keinerlei sinnbildlichen Geboten aus. Das lehrt nur zu deutlich: Erlösungserinnerungen kann man feiern; die Thora. aber kann man nur erforschen und befolgen, und zwar nur in täglicher zäher Erfüllung der skleinen Pflichten und in ihrer täglichen rein empfangenden und hinnehmenden geistigen Aneignung. Vom König David sagt ein Midrasch zum genannten 119. Psalm: „Ich übersann meine Wege und ließ meine Füße zu deinen Zeugnissen zurückkehren." D. h., so meint der Midrasch, selbst wenn ich willens war, meine Zeit in Theatern oder Zirkussen zu verbringen, führten mich meine Füße immer wieder zur Stätte der G'tteslehre zurück. Da aber ganz gewiß nicht der Midrasch uns den König David als einen Veranstalter oder auch nur Freund solcher Vergnügun- Mosche aber erwiderte ihnen: Wenn ihr ausziehen werdet vor G'tt zum Kriege. (V. 20.) rc^nn Ott nnnbnb 'n> Nicht Jisrael, an dessen Spitze sie sich stei« len, führt den Krieg. Einzig und allein von dem Wunsche beseelt den Namen G'ttes zu heiligen, mögen sie sich stets als Chaluizira im Dienste G'ttes begreifen. Mosche erachtet es daher nicht für überflüssig, immer wieder dieses 'ü *JS^ zu betonen. (V. 21, 22, 27, 29.) " Wird' dem Menschen für die Ausführung einer Handlung eine Belohnung zugesichert, so bedarf es für ihn ganz außergewöhnlicher Anstrengungen, diese Tat aus reinen Motiven, um ihrer seihst willen, auszuüben. Vor die Lösung einer solch schwierigen Aufgabe sehen sich die Söhne Gads und Reubens gestellt. Voraussetzung für' die Besitznahme von Gilead bildet ihr Kampf im Lande 'Kenaian; nichtsdestoweni* ger sollen sie, vor G'tt den Jarden überschreiten. Da sie sich unter diesen Umständen nicht zutrauen, ihre Pflicht 'n 'Mi" erfüllen zu können, treten sie an Mosche mit der Bitte heran, er möge ihnen sogleich das transjondanische Gebiet geben, selbst auf die Gefahr hin, daß sie ihr Versprechen nicht einlösen würden. TMS pK 'H owbn "UM MTW Wir ziehen gerüstet vor G'tt in das Land Kenaan, pn»^ ms>n I3r£ns mn* unsi und mit uns die Besitznahme unseres Erbes diesseits des Jardens> wenn wir bereits heute im Besitze des transjordanischen Gebietes sind. Mosche gewährt ihnen diese Bitte, und gibt ihnen sogleich das Reich Sichons Und das Reich Ogs. (V. 33.) (Vgl. Sipooio und Malbim.) THM» ua» »srti in Vers 33 bedeutet: und ein em Teil des Stammes Menasches. Von den in Bemidbar 26, 28—32 genannten acht Familien Menasches. erhielten Gilead und Machir das transjordanische Gegen hinstellen will, so soll uns hier vielleicht nur die Lehre gegeben werden: Oft kommt selbst dem Getreuen, wie David, die Anwandlung, auf eine Werbeweise, die den öffentlichen Schaustellungen an Aufwand gleichkommt, der Thora neue Freunde gewinnen zu wollen; die ernste Zeit aber, die eigne bessere Einsicht und das eigne gesunde Innere des Thoraforschers, seine „Füße" selber führen ihn schließlich immer wieder zum einzig wirklich probaten Mittel der Thoraförderung zurück, das Thora- Erforschung im Stillen heißt. Diese rein sachliche, nur auf sachliche Weise werbende Thora ist aber keineswegs eine Sache der grauen Theorie. Sie geht Hand in Hand mit einer stündlichen Gewissenhaftigkeit in der dem Thorakundigen anvertrauten Leitung der religionsgesetzlichen Angelegenheiten öffentlichen Interesses. Auch über diese einzelnen Satzungen ist im gleichen Psalme gesagt, daß sie der Liebe und des innersten Interesses bedürfen: Siehe, daß ich deine Satzungen geliebt habe und schenke mir Leben nach deiner Gnade! Die Begeisterung, die man wohl vielfach für ein nur sogenannten großen Dingen des Pflichtenlebens zuwendbares Kleinod der Seele hält, hat der Thoragelehrte an solche Dinge des Alltages zu wenden, die sein Wissen und seine Gewisserihaftigkeit vor immer neue Aufgaben stellen. Und während seine Brüder in profanen Berufen mühselig die Bausteine zum Leben der Familie Israels tragen, ehrt ihn jener dunkle, doch durchdringende Saphirglanz vom Bausteine des G'ttesthrones, den sein Forschen und dessen Verwirklichung aus der Gemeinschaft G'ttes herausmeißelt und dem Schöpfer zu Füßen legt. II. Raum für Liebe und Begeisterung ist aber zu allen Zeiten auch auf dem Gebiete des zweiten Fundamentes der G'tteslehre: der Welt des Gebetes und seiner Stätte. Von ihr hat ja König David nur zu deulich gesagt: O, G'tt! Ich liebe die Stätte deines Hauses und den Ort des Wohnens deiner Herrlichkeit. Gerade in dieser Liebe sieht der Midrasch Tehillim zu Ps. 116 die unergründlich tiefe und unzerstörbare Hinneigung der Seele zu G'tt, wie sie das Hohelied schildert. Ich liebe es, sagt der 116. Psalm, wenn G'tt meine Stimme, mein Flehen hört; und dieses Flehen zu hören, ist, wie der Midrasch meint, G'ttes höchstes Sehnen. Wir leben nicht in einem Zeitalter, in dem sich leichtfertige Menschen aus der Verherrlichung des Tempels eine Sühne für ihren außerhalb des Tempels g'ttfremden Lebenswandel suchen. Im Gegenteil herrscht in unseren Tagen bis in die traditionstreuesten Kreise hinein biet, die übrigen sechs Söhne ließen sich in Erez Kenaan nieder. Siehe Jehoscbua 17, 1—6. (Ramban.) Im Zusammenhang mit diesem Abschnitt sei die Erklärung S. R. Hirschs zu Deborim 33, 20—21 angeführt: n>ttm-> kti tpip ejK sriir epüi pw K'aJo na a»m» im *wk na^i •liBO ppiro np^n uv *a iV „Und von Gad sprach er: Gesegnet, der Gad Raum gewährte! Wie ein Löwe ruht er nun da und hat be* reits Arm und Scheitel bewältigt. Ein Erstes hat er sich ersehen; denn dort liegt auch der Anteil des Gesetzgebers, des Verborgenbleibenden." Zur Erläus terung dieser Verse bemerkt Hirsch: *U S'fnn *|H3 Es spricht sich hierin das Moses wohltuende Gefühl aus, daß durch die Gestattung der Niederlassung Gads im transjordanischen Lande Moses doch die Gunst zuteil wurde, in Umgebung seines Volkes zu ruhen. Ohne diese Verstattung hätte das Moses herbe Verhängnis ihn sein Grab in der Einsamkeit der Wüste oder in der Mitte fremder Bevölkerung finden lassen. Daher u a'ma "pia gesegnet G'tt, der Gad die von ihm gewünschte geräumige Niederlassung gewährte." S. Speier. Kleines Feuilleton. Rabbi Schlomo Ganzfried V'ST. Am 26. Tammus werden 50 Jahre vergangen sein, seit Rabbi Schlomo die Augen für immer schloß.. R. Schlomo wurde 1804 in Ungvar geboren. Als er acht Jahre alt war, starb sein Vater. Der Rab» biner. von Ungvar nahm den kleinen Schlomo in sein Haus, erzog ihn und unterrichtete ihn in Thora und das andere Extrem vor: Man glaubt durch die Nöte der Zeit sich vom Gemeindeg'ttesdienste und die Gemeinde von der würdigen Ausgestaltung ihres G'ttesdienstes frei sprechen zu können, sowohl im heiligen als in manchem anderen Lande. Dabei übersieht man ganz, daß dies das Gegenteil von dem ist, was gerade eine ernste, nach innen lebende, stille Jüdischkeit von uns erwartet. Denn unwillkürlich drängt uns, drängt jeden mit innerstem Herzen an der G'tteslehre hangenden Menschen ein solcher iMangel an demjenigen Aufwände, den die Stätte der G'ttesverehrung fordern könnte, drängt uns jede Leere des g'ttesdienstlichen Lebens dahin, wo die Welt ihren Aufwand treibt. Man darf leider in manchen, nicht nur in thorafremden Kreisen von allen anderen und von den nebensächlichsten Erscheinungen des Gemeinde- und Vereinslebens eher als vom Hause der G'ttesverehrung es bekennen, daß man ihr mit Begeisterung anhange. Wir aber müssen wieder den Mut finden, alle jene Nebenbestrebungen richtig einzuschätzen und unsere ganze, nicht laute, wohl aber lebendigste innere Liebe und Begeisterung dem Hause und der Weise des Betens unserer Väter zu widmen wagen. Im „Haise der Gemeinde" soll die ganze Gemeinde und vor allem ihr die Thora erforschender Kern sich täglich heimisch und viel heimischer als in all jenen Bünden und Vereinigungen fühlen, welche doch bei aller Notwendigkeit und Treue, nur Erzeugnisse heutigsten Bedarfes sind. Und wer als „Sohn der Thora" auch Verantwortung für das Verhalten Anderer fühlt, die auch im tätigen Leben stehen, der gebe diesen das Vorbild des HeldentumGS des Alltages, des täglichen Teilnehmens an dem Zusammenklänge der himmlischen und irdischen Heiligung G'ttes. Es ist nicht zu leugnen, daß selbst dort, wo Kultur der Umwelt und Jüdischkeit in guter Harmonie miteinander leben, es oft nicht gelungen ist, gerade die treuesten und rührigsten Gemeindemitglieder für den täglichen G'ttesdienst zu gewinnen, die eben zur Stunde des Minchagebetes oder in müheerfüllten Nächten bis kurz Vorm Schachrithgebete den Pflichten des Erwerbes obliegen müssen. Sollte es berechtigt sein, zu fordern, daß diese Getreuen ihr Erwerbsleben oder ihre in diesem aufgeriebene Lebenskraft einer Beeinträchtigung durch gewaltsam durchgesetzte Teilnahme am Gemeindegebete aussetzen? Gesetzlich wird man eine solche Forderung nicht begründen können. Wenn man aber sieht, wieviel Kraft und Zeit den Bünden und Vereinigungen zugewendet wird, die der Augenblick gebar, dann erinnert man sich unwillkürlich an die weiteren Talmud. Erwachsen, betrieb er zunächst ein Geschäft, setzte jedoch sein Thorastudium fort. 1834 gab er sein erstes Werk ison nop mit den Vorschriften für das Thorasohreiben heraus. R. Mosche Sofer schrieb Anmerkungen zu diesem Buch und verordnete, daß man keinem "«sie die r-ßap gebe, bevor er seine Belesenheit in diesem Werke nachgewiesen bat. 1838 erschienen «ein© Erklärungen ZU den Gebeten, die auch unter dem iNamen Vrn res gedruckt wurden. 1843 ernannte ihn die Gemeinde Bresewitz zu ihrem Rabbiner. Dort verfaßte er seine Werke nnto »aa* das 1846 erschien, und rur mm über die Vorschriften für das Schächten, das 1849 erschienen ist. Im Jahre 1850 kehrte er nach Ungvar zurück und wurde dort zum Vorsitzenden des fp: ernannt. Dieses Amt •bekleidete er bis zu seinem Tod. 1861 gab R. Schlomo sein Buch nVaan DnV zum zweiten Mal heraus. Sein berühmtestes Buch in? ]vbv iisp erschien im Jahre 1864. Dieses Buch, nach der Ordnung des VV, bietet, jedoch nicht alle die im V"*> enthaltenen Vorschriften, sondern nur die im tagtäglichen Leben wichtigen Pflichten. Es enthält beherzigenswerte Morallehren. Noch zu Verfassers Lebzeiten erlebte das Werk 12 Auflagen. Von neueren Ausgaben wären besonders zwei zu erwähnen. Erstens die von Rabbiner Feldmann (Leipzig 1924) her3 ausgegebene, mit interessanten Anmerkungen versehen. Zweitens der jetzt im Verlag von A. J. H o f - mann (Ffm. 1936) punktierte und mit Uebersetzung erschienene „Kizzur". Auch verschiedene andere Rabbinen haben dieses Werk kommentiert und mit Zusätzen versehen. Im Jahre 1866 erschien des Verfassers Buch n*nj? jtnas. Als der Kampf gegen die Orthodoxie begann, gab R. Schlomo eine gegen die Reform gerichtete, in deutscher und hebräischer Sprache verfaßte Schrift '"fa "idd heraus. Sein letz*

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