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Der Israelit · 1936-07-16 · Heft 29 (16.7.1936) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 29 (16.7.1936)
Date
1936-07-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 29 Der Israelit 16. Juli 1936 liehen Brüder, und sie werden ihre Bündnistreue in dieser Beziehung einhalten. Eine große Auswanderung aus Polen und Rumänien ist für die nächste Zeit vorauszusehen. Wohin? Mit der „vorläufigen Regelung" in Genf und der Identitätskarte für die aus Deutschland Ausgewanderten ist nur ein ganz kleiner Teil, und nicht einmal der schwierigste, des Problems gelöst. Ein erfreulicher " Anfang auf alle Fälle. Aber der Völkerbundkommissar für Auswanderung wird noch viel Arbeit leisten müssen, um die Regierungen zu einer milderen Behandlung der aus Ost- und Mitte 1— europa flüchtenden Auswanderer zu stimmen. Eine Tratterfeier für Bäume. Aus Providence (Rhode Island) meldet die ITA., daß dort, im Anschluß an die Jahreskonferenz der Zionisten Amerikas eine e r g r e ifende Trauerfeier für die bei den palästinensischen Unruhen vernichteten Bäume stattfand. Die Feier wurde mit der Zeichnung von Beiträgen für die Pflanzung von 20 000 neuen Bäumen beendet. An sich ein gutjüdischer Gedanke, Bäumen, zumal Bäumen auf dem heiligen G'ttesboden, ein Leben zuzusprechen, dessen Vernichtung uns Trauer und Tränen abringt. mi2>n y$ D*7Xn „Denn der Mensch gleicht einem Baume des Feldes" (M. 20, 19), so wird die g'ttliche Forderung, selbst im Kriegsfalle keine Axt .an den Fruchtbaum anzulegen, begründet. ,,Ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen ist der Gerechte" nach dem ersten Psalm und in der Bildersprache der Propheten. (Jeremias 17, 8.) Wie weit entfernt von der g'ttlichen Sphäre unseres alten Gesetzes müssen sich doch die Banden in Palästina, deren Gesetzgeber die ethischen Postulate der mosaischen Lehre zum guten Teile übernommen und seinen Gläubigen als bindend verkündet hat, bewegen, wenn sie es übers Herz bringen, Bäume und junge Pflanzungen und die blühende Frucht mit Axt und Brandfackel zu vernichten. Wo ist ihr Scheich oder Mufti, der gleich unserem Chassidimrabbi (Rabbi Nachman von Brazlaw) um die (Mitternacht aus dem Bette springt und die Hütte verläßt, weil er in der aus gefällten jungen Bäumen errichteten Hütte das Wehegeschrei gequälter Kinder hört? . . . Eine Legende? Aber Legenden leuchten in den Charakter eines Volkes hinein, und Arabien ist die Urheimat der Märchen und Legenden. Also haben sie in Amerika, wo Idealismus und Romantik stets einen realen Untersatz haben, einen Trauertag für die Bäume proklamiert. „Mitleid, Schmerz, für' wieviel Dollar?" Es ist dies gut amerikanische Weise< aus der schon manches schöne Hilfswerk erit-- standen ist. Und dennoch können wir uns mit diesem" ,,Trauertag für die Bäume" wenig befreunden, genau so wenig wie mit dem „hohen Feiertag der Bäume", den das moderne Palästina aus dem 15. Schwat gemacht hat. Ein stilles Freudengefühl ob des kommenden Winterendes, angedeutet durch ein tachnunloses Gebet, genügte den. Alten, um ihre tiefe Verbundenheit mit dem Boden noch in der Entwurzelung des Galuth . zu bekunden. Einen Kult, ein wahres Fest hatte man daraus nicht gemacht. Ein Glücksgefühl überkommt uns, die üppigen Pflanzungen und blühenden Felder in Palästina zu sehen, aber auch daraus macht der keinen Kult, der, gleich den Vätern, zum Himmel hinauf schaut, wo> „Er von heiliger Stätte aus Israel und den Boden segnet." Wir weinen mit den Menschen und dem Boden bei der Kunde von ver vandalischen Vernichtung jüdischen Gutes. Aber ein Trauertag für die Bäume würde sich doch gar zu sehr mit jenem Kulte begegnen, vor dem Jeremias im heutigen Haftoraabschnitt warnt: nnK 'IIX ftf^ D^aiS usw. „Sie sagen 'dem Baume: (Holze) Du bist mein Vater und dem. Steine: Du hast mich gezeugt, denn sie kehrten mir den Nacken und nicht das Antlitz zu, in der Zeit der Not aber rufen sie: So komme doch und hilf uns! . . ." Ein Lichtpunkt in der nationalen Trauer, an die uns diese Tage bis zum 9. Aw gemahnen, ist, daß G'tt bei der großen Zerstörung „seinen Zorn über Holz und Steine — nicht über die Menschen -— ausgeschüttet hat." Die Menschen blieben da, um weiter zu weinen, zu hoffen und zu arbeiten, zweitausend Jahre lang. Die Menschen werden auch heute, indes die Bäume trauern, das Zerstörte wieder aufbauen, sobald das Maß der Heimsuchungen voll ist und das Wö!P ZU einem IQrU hinüberleitet. Nach innen! Von B. Cohen. Begeisterung ist ein Wert, an welchem heutzutage alles, insbesondere der Gehalt von Persönlichkeiten des jüdischen Lebens gemessen wird. Ohne Begeisterung, das ist nicht zu bezweifeln, kann auch gerade in sorgenvollen Zeiten für G'tteslehre und G'ttesgebote nichts geleistet werden. Nur unterscheidet sich die in Kritische Lage auch in Rumänien. Polen und Rumänien stehen zur Zeit neben Palästina im Mittelpunkte der jüdischen Sorgen. Wir haben in der jüngsten Nummer an dieser Stelle die jüdische Tragödie in Polen, in der, noch nicht als Schlußakt, aber wohl als dramatischer Höhepunkt das Radomer Urteil steht, geschildert. Eine gewisse Aehnlichkeit weisen die Dinge in Rumänien mit denen in Polen darin auf, daß da wie dort die Regierung gute Worte für die jüdischen Delegationen hat, scheinbar auch vielen guten Willen, aber nicht die Macht und die Energie, die mittleren und unteren Organe gegen das verhetzte Volk in vollem Maße einzusetzen. Wenn in Radom in Polen die Gerichte unter dem Druck der Straße ein Urteil fällten, das fast einzig in der Geschichte der Justiz steht, sind es in Rumänien die C u z i s t e n, die glänzend verstehen, die Straße zu beherrschen und alle bisherigen Regierungsmaßnahmen zum Schutze der Juden mittels der „verbotenen" nationalen Parteien illusorisch zu machen. Kleine Pogrome nach polnischem Muster, finden auch in Rumänien statt. Doch hatten bisweilen die Juden einigen Schutz hinter dem Damm, der diesem Treiben von der Regierung entgegengesetzt wurde. Nunmehr kann als sicher gelten, daß der Rechtsblock, in dem alle bis jetzt widerstreitenden nationalen Parteien vereinigt sind, — der einigende Punkt ist der Antisemitismus — das kommende Kabinett gänzlich beherrschen wird. Ein Führer dieses Rechtsblockes äußerte einem Vertreter der ITA. gegenüber, daß in diesem schon für die nächste Zeit zu erwartenden Falle die Exzesse aufhören und von der Formel des Numerus proportionalis .abgelöst werden. Wer das Wort und seine Bedeutung in Rumänien kennt, weiß, daß dieses so viel ist wie der völlige Ausschluß der Juden aus der Wirtschaft und den freien Berufen. Im besten Falle werden, prozentual gerechnet, von hundert Angestellten eines Unternehmens vier Juden sein dürfen. Die National-christliche Partei hat bereits die Führung übernommen und in der Stadt Orhei in Beßarabien allein 30 000 Bauern auf das antisemitische Programm1 vereidigt. Ob es gelingen wird, den spontanen Exzessen ein Ende zu machen, ist sehr fraglich, fraglos aber wird die jetzt zur Macht kommende Partei das Programm der Brotlosmachung der Juden in Rumänien bis zum letzten Punkte durchführen, denn in diesem Zeichen trafen sich ja die feind- In der Enge (Ü^^ÖH fÜ). Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg, Im Rhythmus des jüdischen Kalenderjahres ertönen nun wieder, während draußen der Himmel lacht und die Natur jubelt, die ernsten Klänge der drei Wochen, Wie viele mag es doch in Israels Reihen geben, die bis vor kurzem diese dumpfen Weisen des Golusledds nicht mehr zeitgemäß wähnten, als längst überholt es betrachteten, mit dem Klagedichter zu trauern: *t»w 'X3 •'bin mbsx p's »an „Die Wage nach Zion trauern, weil sie der Festbesucher entbehren" . . . Man wies mit stolzem Selbstbewußtsein auf das neue Leben und Sichregen im heiligen Lande hin, wie hier reiche Frucht den Fleiß und Eifer der Schaffenden lohnte und hundertfältige Hoffnung hervorsproß aus den Fluren von Erez Israel, — man wollte den Traum unseres Volkes bereits der Erfüllung entgegenreifen sehen —, als Oase im Wüsten* leben unseres Volkes leuchtete, winkte verheißungs* voll Palästina! Ach, daß dieser neue Sturm erst kommen mußte, um die Binde von den Augen ihnen allen zu nehmen, daß sie zur Erkenntnis und Selbstbesinnung kommen, daß man noch nicht das Land besitzt als unveräußerliches Erbgut, solange es uns nicht ist. "x nVni das uns vom Herrn der Welten verliehene Erbe". Werden nun endlich die so klaren Zeichen der Zeit recht gedeutet und beherzigt werden? . . . Die zweiundeinhalb Stämme, die reich an Herden das durch Weideland ausgezeichnete eroberte Land als dauerndes Besitztum diesseits des Jordans erstreben, versprechen: "issvb tunsn ns njpöb rmi JKX ri*m „Schafhürden wollen wir bauen für unser Vieh hier und Städte für unsere Kinder — nmpJD bm DiirarrDK *\w b&~w> m 'js^> mem fm umtn wir aber wollen hurtig ausziehen vor Israel® Söhnen, bis daß wir sie zu ihrem Ort gebracht haben." Unsere Weisen bemängeln die hier sich kundgebende allzugroße Besitzesldebe dieser Stämme, die sie sogar ihren Herdenstand höher noch bewerten läßt als ihre Kinder. Hätten sie nicht überhaupt mit Rücksicht auf die Zukunft ihrer Söhne und Töchter ihre materiellen Güter hintenansetzen müssen? Das deutet ihnen Mosche an, indem er ihnen die Weisung gibt: B3»2xV rrmi ddbüV an? tnb isa „Baut euch Städte für eure Kinder — die zuerst und vor allem und dann — Hürden für eure Herde." Und nicht dies allein gibt ihnen -Mosche zu bedenken. Hatten die Rubeniten und ihre Gefährten versprochen, gerüstet dem Volke voranzuziehen, so schärft ihnen der Lehrer ein: nnnbnb 'i ">s*ib is^nn dk „daß ihr ja vor und für G'tt in den Kampf ziehet, — "131 "i ">isb p-pn m pbn bs ndb ias?i und von euch jeder, der gerüstet ist, den Jordan vor G'tt hin überschreiten wird bis Er seine Feinde vor sich her vertrieben hat." Was die Fordernden gar nicht in den Kreis ihrer Beirechnungen stellen, das wird ihnen nun durch ihres Lehrers Rede zu Bewußtsein gebracht. Sie sprechen darum auch: wv Tiay nix» »ans 'itfKa „Deine Knechte werden tun, wie mein Herr gebietet." . . . -m nwsa rmnbnb "t ">&b Ras rbn bs i-nj?' -pasn „Und deine Diener werden ein jeder als zum Heere Gerüstete vor G'tt zum Kriege gehen, wie mein Herr spricht." Dieser auf die erste Besitznahme des heiligen Landes sich beziehende Bericht bleibt ewige Weisung. Wir haben Erez verloren, als es unserm Volke aufhörte, Erez Jisroel und der Saatboden für die heilige Lehre und deren Verwirklichung zu sein. Und Erez Jisroel wird nur dann erst unser dauerndes Besitztum wieder werden, unser wahres echtes National; heim, wenn wir es zum Throne der Schechino erheben. Diese Erkenntnis soll uns nun a'ixnn ]'a aufgehen, dann dürfen wir uns> aus der Trauer wieder erheben und hoffnungsvoll in die Zukunft schauen, bis nicht nur die Not unserer Tage von den g'ttgesegneten Gefilden des heiligen Landes weicht, sondern auch der Tag der ewigen Erlösung anbricht und allenthalben Friede und Menschlieben auf Erden thronen. Bemerkungen zur Sidra. Kap. 32, Vers 32. yrvb "ayn i3n5»m mm wki israa ps 'n ">isb D'xiim law wnj „Wir ziehen gerüstet vor G'tt in das Land Kenaanr und mit uns die Besitznahme unseres Erbes diesseits des Jardens." Die Worte urrtxu ntriR nrim „und m i t uns die Besitznahme unseres Erbes" bedürfen der Erläuterung. Mosche hatte den Söhnen Gads und Reubens ver-;; sprochen, ihnen nach der Eroberung von Erez Kenaan <y das transjordanische Gebiet zu überlassen. (V. 20—22} In Vers 33 jedoch wird uns beirichtet, daß,, Mosche ' ihnen das Reich Sichöns und das Reich Ogs s o gleich, bevor sie in den Krieg zogen, gab. Die Söhne Gads und Reubens, hatten sich bereit erklärt, gerüstet vor den Söhnen Jisraels auszuziehen- ^Hi»"3a ->i*:b ö'ffn pna wriain (V. 17).

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