Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1936)
- Date
- 1936-07-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 29 Der Israelit 16."- Juli 1936 Die englischen Verluste bei den Palästinaunruhen* London, 14. Juli. In der Unterhaussitzung vom 14. Juli fragte der Abgeordnete Gallacher den Kriegsminister, ob er die in diesem Jahr englischen und englischen Kolonialtruppen zugefügten Verluste bekannt geben, und ob er der Presse eine vollständige Verlustliste übergeben wolle. Der Minister antwortete, die Zahl der Verluste in diesem Jahre betrage 33; sie seien durchweg in Palästina zu verzeichnen gewesen. Der Veröffentlichung einer vollständigen Verlustliste in der Presse sei überflüssig, da die in den Communiques der Palästinaregierung veröf fentlichten Verluste den nächsten Angehörigen sofort mitgeteilt werden. Auf eine weitere Frage des Abgeordneten, ob der Minister mitteilen könne, wieviele englische .Soldaten, Juden und Araber geopfert werden, um die englische Herrschaft in Palästina aufrechs zu erhalten, wurde keine Antwort erteilt. Palästina hebt Sanktionen gegen Italien auf. Jerusalem, 15. Juli. Die Palästinaregierung hat am 15. Juli die anläßlich des italienisch-ab essinischen Konflikts gegen Italien beschlossenen Sanktionen aufgehoben. Die Unruhen und die Juden in Syrien- Damaskus, 7. Juli. Die Juden in Damaskus sind infolge der in der Stadt wegen der Vorgänge in Palästina herrschenden gereizten Stimmung dauernd der Gefahr von Angriffen und Ueberfällen, insbesondere in den Cafehäusern, ausgesetzt. Es ist bezeichnend, daß alle Juden jetzt den Fez tragen und es vermeiden, nach Einbruch der Dunkelheit auszugehen. Aus A 1 e p p o wird gemeldet, daß die dortige jüdische Gemeinde ein Telegramm an die französische Regierung gerichtet hat, in dem sie die Forderungen der syrischen Araber unterstützt. Gründung der ersten jüdischen Gemeinden in Abessinien. Rom, 10. Juli. Der Rat des Verbandes der jüdischen Gern ein den Italiens hat beschlossen, den Rechtsanwalt Carlo Alberto V i - terbo nach Abessinien zu entsenden, um dort die ersten jüdischen Gemeinden, und zwar zunächst in Addis A b e b a und in' D i r e Dana, zu organisieren. Jüdische Sozialarbeit* London, 14. Juli. Die abschließenden Sitzungen der Internationalen Konferenz für jüdis ch e Sozialarbeit brachten Referate von Dr. Israel Feldman-London, Dr. Karpf-New York und Rabbiner Dr. Jakob Horowitz, Frankfurt a. M. Sie forderten intensive Mitarbeit an den Aufgaben der Konferenz. ' Das letzte Referat hielt Frau Sdddy Wronsky, Jerusalem über das Thema „Soziale Arbeit und Gemeinschaft in Palästina". Sie entwarf ein Bild von dem Aufbau der Sozialarbeit in Palästina, wobei sie besonders betonte, daß alle Lebensformen in Palästina von der Idee der Gemeinschaft bestimmt sind. So sei die Gemeinschaft auch Trägerin der sozialen Arbeit geworden und die Anpassung der einwandernden Juden an ihre neuen Lebensbedingungen vollziehe sich ebenfalls in Gern eins chaftsf ormen. Es folgten weitere /Berichte. Es wurde beschlossen, in vier Jahren anläßlich der Vierten Internationalen Konferenz für soziale Arbeit abermals eine Zusammenkunft jüdischer Sozialarbeiter einzuberufen und dafür Sorge zu tragen, daß zum Ausbau jüdischer Sozialarbeit auch in der Zwischenzeit ein ständiger Kontakt zwischen den jüdischen Sozialarbeitern aller Länder aufrecht erhalten werde. Mit diesem Beschluß, so führte der Präsident der Konferenz, Dr. K a r p f , aus, sei das Ergebnis der Besprechungen am besten gekennzeichnet. Das Zusammentreffen -habe den Sozialarbeitern neue Impulse für ihre weitere Arbeit gegeben. Für jeden einzelnen sei es wichtig, in dem täglichen Kampf mit den Nöten seines besonderen Kreises den Blick für das Ganze nicht zu verlieren. (Siehe Bericht auf Seite 9.) Juden im Handel. Frankfurt a. M., 14. Juli. Nach einem Bericht der „Frankfurter Zeitung" führte Reichsleiter Maurer in Stuttgart zur Frage des Einkaufes in jüdischen Geschäften in einer Unterredung u. a. folgendes aus: „In allen größeren Versammlungen der Partei, bei Arbeitstagungen, in Zellen und Sprechabenden und bei den Appellen der Politischen Leiter und der Gliederungen in Stuttgart wurden jedesmal mit eindringlichster Deutlichkeit die Volksgenossen auf die nationalsozialistische Pflicht aufmerksam gemacht, in keinem jüdischen Geschäft einzukaufen. In unseren Schulungsabenden wurde immer wieder die Judenfrage nach der weltanschaulichen und politischen Seite hin aufgerollt und besprochen." Das „Schwarze Korps" teilt mit, daß demnächst auch in Hamburg mit der restlosen Beseitigung aller jüdischen L o 11 e r i e- Einnehmer zu rechnen ist. Der Präsident der Preußischen - Süddeutschen Klassenlotterie ermächtigt die Zeitung zu der Erklärung, daß ihre sämtlichen Kollekteure den Ariernachweis erbracht haben, bis auf drei" in Oberschlesien, die unter das internationale Schutzabkommen fallen. Rassenfragen. F r a n k f u r t a, M.( 12. Juli. Im Rahmen des Gautages Hessen-Nassau der NSDAP sprach, nach einem Bericht des „Nationalsozialistischen Gaudienstes"; Dr. Johann von Leers über die Judenfrag e. Er führte dabei u. a. aus: „Die rassische Gesetzgebung wurde bei uns durch die kirchliche Angleichung abgebogen. Das Volk zog aber die Trennungslinie und erst der Liberalismus hat den rechtlichen Unterschied beseitigt. Wir bekämpfen nicht nur das Eindringen jüdischen Blutes* sondern auch den jüdischen Geist. Zwei Prinzipien stehen hier gegeneinander, und der. Kämpf wird enden mit dem Sieg des Lichtes über die Finsternis." / Der Leiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP, Dr. Gr oo s, sprach über die Zusammenhänge von Blut und Boden, wobei er die rassische Verschiedenheit als einen Teil der Ordnung des Schöpfers bezeichnete. Der Leiter der Kommission für ■Wirtschaftspolitik der NSDAP, Bernhard Köhler, sprach über Wirtschaftsaussichten. Nach dem im „Reichsanzeiger" veröffentlichten Bericht über diesen Vorträg führte er u. a. aus: ,,Die deutsche Volkswirtschaft ist heute keine jüdische Wirtschaft mehr, sondern eine deutsche. Sie wird nicht mehr zum Besten der Juden, sondern des deutschen Volkes, und nicht nach , jüdischeir Grundsätzen, sondern nach deutscher sittlicher Auffassung aus deutschem Denken getrieben.'* Wie die „Bayerische Zeitung" meldet, wird das Amt für Erzieher, Gau München Oberbayern, vom 20. bis 25. Juli eine rassenk u n d 1 i c h e Schulung im Rahmen der Universität München durchführen. Es sollen 22 Vorträge stattfinden. Es wird mit einer iBeteiligung bis zu 300O Personen gerechnet. Das Museum für soziale Hygiene in Nürnberg veranstaltet eine ständige Sonder schau „Vererbung, Rasse, Volk". In der Abteilung, die die Rassenf rage behandelt, wird u. a. die Gefahr der Rässenvermischung gezeigt. Ein Wandbild stellt die Wanderungen des jüdischen Volkes im Laufe der Jahrtausende und sein Vordringen nach Deutschland und Europa dar. Weitgehende Erleichterung der Einwanderung nach Australien» Melbourne, T3; Jul i . Für die Einwanderung nach Australien sind neue 'Bestimmungen getroffen worden, durch die die bisherigen Einwaniderungsbeschränkungen wesentlich gemildert werden.;£s werden verschiedene Einwanderungsbedingungen für drei Kategorien von Einwanderern festgesetzt. Die erste Kategorie umfaßt diejenigen Einwanderer, deren nahe Agnehörige in Australien ansässig sind. Von solchen Einwanderern wird kein Vorzeigegeld verlangt. Der zweiten Gruppe gehören solche Personen an, die in Australien zwar keine Angehörigen, aber Freunde v besitzen, die imstande sind, Garantie dafür zu leisten, daß der Einwanderer der Öeffentlichkeit nicht zur Last fallen wird. Von Einwanderern . dieser Kategorie wird ein Vorzeigegeld von 50 Pfund gefordert. Zu der dritten Gruppe werden solche Einwanderer gerechnet, die weder-Angehörige, noch einen Garanten; in Australien haben, aber ein Barvermögen von mindestens 200 Pfund mitbringen. Sämtliche Einwanderer, gleichgültig welcher Kategorie 1 sie angehören, müssen außerdem gewisse durch das wirtschaftliche Interesse des Landes diktierte Bedingungen erfüllen und im Besitz einer vom australischen Innenministerium ausgestellten Einwanderungserlaubnis sein. Guter Leumund und volle Gesundheit sind in jedem' Fall Voraussetzung der Einwanderung. - Vom Hilf sv er ein der Juden in Deutschla nd wird uns zu dieser Mel-; dung auf Anfrage mitgeteilt, daß . er ähnlich lau- |; tende Informationen - über die. Aend.erung der Bestimmungen für die, Einwanderung nach Australien besitzt.