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Der Israelit · 1936-07-16 · Heft 29 (16.7.1936) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 29 (16.7.1936)
Date
1936-07-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^f^^^^^^y^rv- <?S *~-~> fi y -VW^ * Cs^ Frankfurt a- M. 16. Juli 1936 26. Tammus 5696 Nummer 29 Die bange Frage, die uns jetzt alle 'bewegt, heißt: Besteht eine Gefahr für die jüdische Einwanderung in Palästina, d. h. wird sich die Par lästinaregierung entschließen, nach oder schon vor Entsendung der Untersuchungskommission den arabischen Wünschen auf vorläufige Unterbindung der jüdischen, Einwanderung entgegenzukommen oder nicht? Zu den im „Londoner Brief" der jüngsten Nummer registrierten Pressestimmen kommt noch eine Meldung des „Daily Herald" vom 10. Juli, wonach bereits in den nächsten Tagen die jüdische Einwanderung bis zum Abschluß der Arbeiten der königlichen Untersuchungskommission e i n g e stellt werden soll. „Manchester Guardian" warnt eindringlich vor jedem noch so kleinen Zugeständnis an die Gewalt, als welches eine Beschränkung der Einwanderung in diesm Momente angesehen werden müßte. Es. genüge nicht, sagt das Blatt, daß die Regierung Gerüchte in Abrede stellt, sie müsse größere Sicherung dafür geben, daß man an&splche Maßnahmen im Augenblicke gar nicht dejfflffijl^ „Jewish Chronicle" befürchtet von einer 'Kem>rientierung der englischen Palästinapolitik «ine Schädigung des englischen Prestige. Wichtiger < als arabische Sympathien sei die Gewißheit, daß ein englisches Wort heilig sei un d eingeihalten werd e. Man vergesse nicht, daß die Araber nicht gegen Juden, sondern gegen England kämpfen und von E n g - laud verlangen, daß es seine Position räume. Inzwischen wird der ITA. unter dem 16. Juli von zuverlässiger Seite mitgeteilt, daß in der Frage der jüdischen Einwanderung nach Palästina eine leichte Wendung zum B ess et e n eingetreten ist. Nach ihren Informatiomen ist es jetzt als unwahrscheinlich anzusehen, daß die Einwanderung nach Palästina vollständig eingestellt werden wird. Man erwartet vielmehr, daß , die Einwanderung auf Grund der laufenden Einwanderungsquote u n gestört "W e i t e r g e h e n wird, dagegen rechnet man damit, daß der High Commissioner im Oktober, wenn ihm die Vorschläge für die neue Schedule unterbreitet werden, mit der Festsetzung der Arbeitereinwanderungsquote bis zum Abschluß der Arbeiten der kgl. Untersuchungsikommission warten wird. In amtlichen englischen Kreisen sind die Meinungen, wie die ITA. erfährt, geteilt. Hier herrscht die Befürchtung, daß das politische Prestige Englands in nicht mehr gut zu machen- -der Weise geschädigt werden würde, wenn der Eindruckt entstände, daß England vor den Einschüchterimgsversuchen der Araber zurückweicht und seine wiederholt erklärte Absicht fallen läßt, vor Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung in; Palästina die kgl. Kommission nicht dahin zu entsenden. Man sieht ein, daß eine auch nur vorübergehende Einstellung der Einwanderung die unerwünschte Wirkung haben Würde, daß die Araber zur Entfesselung einer neuen Streik- und Guerillakampagne ermutigt werden würden, um auf England einen Zwang bezüglich weiterer arabischer Forderungen auszuüben. Allerdings ist man der Ansicht, daß mit der Einstellung der Einwanderung keine neue Maßnahme getroffen werden würde, da die jüdische Einwanderung; schon früher zweimal ein-; gestellt worden ist. Man darf aber erwarten, daß das englische Kabinett zu seinem Worte stehen wird. m, Ji ■ •«.»; Aus dem Inhalt: Internationale Konferenz für jüdische Sozialarbeit in London . . . Seite 2 u. 9 Einwanderung in Australien.....Seite 2 Unenglisches in England ......Seite 3 Kritische Lage in Rumänien.....Seite 4 Eine Trauerfeier für Bäume ..... Seite 4 Nach innen. Von B. Cohen.....Seite 4 Palästinaunruhen und Palästinawirtschait Seite 5 Palästinanachrichten ......Seite 7 u. 10 Mohammedaner und Juden in Algerien Seite 8 Neue Unterhausdebatte über Palästina Seite 9 Die Lage in Südafrika .......Seite 10 Die „vier Fragen Etwas spät kommt uns ein Heftchen in die Hände, das die letztjährige H a g g a d a h von En Charod darstellt, und Programm wie Text der dortigen Sederfeier enthält. Ob das „ein Seder bei Brot und Bier" nach neurussischem Brauch war, wissen wir nicht, denn der Menuzettel fehlt dn dieser Agende. Aber es fehlt noch viel mehr. Es fehlt so ziemlich alles, woran wir und unsere Kinder in der „Nacht der Nächte" so voll heißer Liebe und Sehnsucht hängen. Ersetzt werden die alten und ältesten Gebete durch Aufsätze von Bialik und Achad Haam. Die Geschichte des Auszuges aus Mizrajim weicht der Geschichte des Einzuges in En Ch ar o d. - „Kaddeseh" an der Spitze des Progr.amm.es in unserer Alten Haggada wird vom- Schnittergesang abgelöst, denn der Seder von En Charod beginnt mit dem Omer, nicht dem „Omerzählen", sondern dem Schneidendes Omer. Die ersten Garben werden in feierlichem Zuge bei Fackellicht, Sang und Klang und Tanz eingeholt, und der Seder beginnt, mit Tin» 'ien „vier Fragen". Die Chomez- und Mazzoh-Frage ist dri En Charod scheinbar gelöst. Denn das Mahnischtanah von En Charod hat folgende vier Fragen: „1. Warum haßt man die Juden , in der Welt? 2. Wann wird Israel in seine Heimat zurückkehren? 3.,;Wann wird unser (Land wieder ein blühender Garten sein? 4. Wann wird Liebe und Brüderlichkeit in der Welt herrschen?" Auf diese vier Fragen Antwort zu geben, braucht man nicht bis zum nächsten Pessach zu warten. Die Fragen sind alle' Tage des Jahres aktuell. In Erez Jisroel und speziell in .En Charod aktueller denn sonst irgendwo und irgendwann. Wir zählen das Omer, in En Charod wurde Omer geschnitten, aber das Omer zählen der Goläh — das Zählen jüdischer Tränen — blieb, auch dort nicht aus, stellte sich mit der Pünktlichkeit des jüdischen Schicksals ein und gemahnte die guten Leute daran, daß ihre Haggadah doch noch keine „Haggada der Freiheit", noch keime „Haggada von Erez Israel" ist, wo das Zählen hinter den Erntejubel zurücktreten könnte. Doch zu -den „vier Fragen". „Warumtiaßtmandie Judeni« der Welt?" Eine alte Frage, so alt wie das Judenvolk alt ist, und damit ist der antike Wert 'dieses Hasses genugsam belegt. Ein Klassiker der Haskalah, Perez Smolenski,, schrieb vor 60 Jahren ein Buch unter dem Titel oVlS; Ö»V D^IS? und zeigte damit die gähnende Kluft zwischen der Berliner Assimilation und der östlichen Aufklärungsbewegung — bei allen äußeren Berührungspunkten in den Grundfragen der kulturellen Anschauung deutlich auf. Die Berliner glaubten, den Haß wie das Eis in der neuen (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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