Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1936)
- Date
- 1936-07-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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siS3Sr5#Ha*5S« ffl&fäSßsim Seite iÖ Nr. 28 D I Ii t 9. Juli 1936 streng geschlossen -haben und es soll möglich sein, auf Grund von Umständen, die beweisen, daß der Ladeninhaber in Wirklichkeit kein orthodoxer Jude ist, die Vergünstigung zurückzuziehen. Die jüdische öffentliche Meinung beschäftigt sich weiter stark mit der zunehmenden; Aktivität der Faschisten im Osten und Norden Londons, sowie auch in einzelnen Provinzstädten. In einer Sitzung des Stepney Borough Council gelangten scharfe Resolutionen zur Annahme, .die der Polizei Schwäche, ja sogar ungebührliche Begünstigung der Faschisten vorwerfen. Diesem Vorwurf ist Sir John Simon im Unterhaus zwar entschieden entgegengetreten, aber angesichts der immer wiederkehrenden Behauptungen nach dieser Richtung wird sich die Regierung wohl einer schärferen Untersuchung über die Berechtigung des Vorwurfs nicht entziehen können. Die heutige „Times" enthält erneut einen aus* führlichen Leitartikel über die Lage in Palästina. Bemerkenswert ist darin, daß zum ersten Male, wenn auch in verhüllter Form, der Palästina- Verwaltung von dem angesehenen Blatte Vorwürfe wegen einer gewissen Lässigkeit in der Erfüllung ihrer Verpflichtungen nicht bei der Unterdrückung der Unruhen, wohl aber in der Zeit vorher gemacht werden. Man habe es vor allen Dingen unterlassen, rechtzeitig eine komplette* Entwaffnung der arabischen Bevölkerung durchzuführen und es sei auch auf (die Symptome für die arabischen 'Unruhen und für die Vorbereitung eines Aufstands, .die bereits im November vorigen Jahres hervortraten, nicht mit .dem genügenden Ernste geachtet worden. Ganz abgesehen von der Frage, inwieweit idiese Vorwürfe sach lieh berechtigt sind, darf man in dem ersten Beginn einer kritischeren Haltung gegenüber der palästinen sdschen Beamtenschaft einen Fortschritt erblicken. Bisher ist die Administration Sir Arthur Wauchopes, an dessen persönlichem guten Willen gewiß nicht zu zweifeln ist, von der führenden englischen Presse vorbehaltlos gedeckt worden. Ist diese Wendung zur Selbstkritik zu begrüßen, so darf man andererseits nicht übersehen, daß An dem gleichen Artikel die „Times" erneut der Ansicht Aus druck verleiht, die Einwanderung von 60.000 Juden nach Palästina in einem und demselben Jahre sei eine allzu starke Belastungsprobe für die Nerven d erAraber. Wenn man auch begreifen könne, daß die Juden unter dem Drucke der Lage in Deutschland und in Polen zur Steigerung der Einwanderung nach Palästina gezwungen seien, so dürften die leitenden jüdischen Instanzen doch nicht unterlassen, diesem Drange entgegenzutreten und ein maßvolleres Tempo der Palästina=Immigration durchzusetzen. Eine noch deutlichere Sprache führt das einflußreiche Sonntagsblatt, der „ O b s e r v e r ", das einen beträchtlichen Teil der englischen öffentlichen Meinung hinter sich hat. Der „Observer" schreibt: „Der Konflikt und die Gefahr haben zwei Ursachen: Einmal die Zweideutigkeit des Mandates und zweitens die ungeheuer gesteigerte Einwanderung während der letzten Jahre. Zweideutig ist das Mandat, weil es uns verpflichtet, die Juden in Palästina zu etablieren, ohne die 'bürgerlichen und religiösen Rechte der Araber zu beeinträchtigen. Was dieses „Nichtbeein» trächtigen" bedeutet, wird aber nirgends klar definiert. Dies ist das furchtbare Problem, dem sich im Augenblick Großbritan* n i e n und die Judemheit in gleicher Weise 'gegenübersehen. Diesem Problem können wir nicht entrinnen. Wir sind verpflichtet, ein jüdisch-nationales Heim innerhalb Palästinas aufzurichten; wir sind ab er nicht verpflichtet, ganz Palästina zu einem im wesentlichen jüdischen Staat zu machen. Was meinen wir also? ... Wenn die Einwanderung der Zionisten im bisherigen Maßstab weitergeht, wobei ihre finanziellen und tech* nischen Hilfsmittel die bloße Ziffer verstärken, so würde in wenigen Jahren die jüdische Bevölkerung die dominierende Hälfte der .ganzen palästinensischen Bevölkerung darstellen. Das weitere Stadium wäre dann, wie die Araber behaupten, dasjenige der zionistischen Vorherrschaft. Lange aber bevor es zum Beginn dieser Vorherrschaft kommen könnte, wür* den erneute Ausbrüche des moslemischen Widerstandes geradezu vernichtend werden. Die Araber fragen von ihrem Standpunkte aus, den nichts wird ändern können, wie die Garantie ihrer bürgerlichen und re ligiösen Rechte unter dem Mandate versöhnt werden kann mit ihrer Verdrängung aus der Kontrolle desjenigen, was sie ebenso als ihr heiliges Land betrachten, wie überall sonst in der Welt irgend eine andere RasiSe den Boden ihrer Heimat als ihren ©igenen ansieht." Der Zionismus hat prächtige Dinge getan und kann noch mehr leisten. A b e r jeder V e r such, sein Wachstum ins Un e n d 1 i c\h e durch Waffen und Blutvergießen zu f ö rdem, würde in einer Katastrophe en d e n. Die Rate der jüdischen Einwanderung — die mehr aus Polen kommt als, wie gewöhnlich vermutet wird, aus Deutschland — sollte durch irgend eine begrenzende Regel reguliert werden. Wir glauben, daß dies sich als unvermeidlich herausstellen wird Später mag man auch eine geographische Abgren zung des Bezirks für die. jüdische Ansiedlung für die endliche Sicherheit des Zionismus selber als. ratsam erachten." Hält man zu diesen Stimmen unparteiischer und judenfreundücher Blatter die noch ganz anders lau tenden Aeußerungen der Beaverbroke-Presse, s o n/uß man leider mit der W a h r® c h ei n - 1 i c h k e i t rechnen,- daß schon die aller nächste Zeit, sobald hur die Araber d e n, S t re i k einstellen und die Gewalt taten aufhören, Konzessionen der englisch e n R e gi e r u hg an die arabischen Forderungen wegen Begrenzung der Einwanderung erfolgen werden. Sicher lieh darf nichts unversucht bleiben, um die englische Regierung in ihrem Widerstande gegen den arabischen Terror zu stärken, aber es wäre auf der anderen Seite unklug, den Ernst der Situation zu verkennen. Aus dem Irak gelangen beunruhigende Nachrichten über ein starkes Anwachsen der anti-jüdisehen Bewegung hierher. Die Vorgänge in Palästina sind an und für sich natürlich geeignet, die arabische Bevölkerung des Irak zur Nachahmung anzureizen und die gleichgültige Haltung der Regierung gegenüber der Verteilung aufreizender Flugblätter und Zeitungen und hetzerischen Kinodarbietungen trägt dazu bei, der Bewegung noch mehr Raum zu verschaffen. Die jüdische Bevölkerung des Irak lebt 'in starker Un ruhe. i Auf der nächste Woche hier tagenden „ I n t e r ■ nationalen Konferenz für j ü d1 i ® c h - s o ■ z i a 1 e W o h 1 f a h r t s a r b e i t " wird die Agudas Jisroel=Weltorganisation durch die Herren H. A Goodman, Dr. S. Birnbaum und Frau Dr, Judith Grünfeld-Rosenbaum vertreten sein. eröffnet werden, der der gesamten" Bevölkerung zü*! gute komme. Weitere Unterhausanfrageh über die Lage in Palästina, L o n d o n, 1. Juli. In der Unterhaussitzung vom 1. Juli wurden mehrere Anfragen über Palästina beantwortet. Am stark5 sten interessierte die geplante Entsendung einer kgl. Untersuchungskommission nach Palästina, wobei bei dem im englischen Parlament üblichen Frage- und Antwortspiel die einander diametral entgegöngesetzten Ansichten über Aufschiebung d« Kommissionsuntersuchung und sofortige Entsendung der Kommission unmittelbar aufeinanderstießen. Auf weitere Anfragen gab der Kolonienminister bekannt, daß wegen Verletzung der Bestimmung des Ausnahmezustandes 331 Araber und 265 Juden verurteilt wurden. Er, der Minister, habe keinen Grund zur Annahme, daß bei Vornahme der Kollektivstra- '| fen gegen arabische Dörfer Vernichtung von Eigentum vorgekommen sei. Er könne auch nicht annehmen, daß ein Grund zur Klage über die Lebensbe* dingungen in den Konzentrationslagern bestehe. Die Internierten werden gut verpflegt und erfreuen sich großer Bewegungsfreiheit. Die Abbrucha r b ei - ten in Jaffa wurden vom High Cömmissioher als notwendig und im Interesse {der öffentlichen Sicherheit angeordnet und für diej Unterbringung der evakuierten Familien sei gut gesorgt. Eine Zwischenfrage G a 11 a ch e rs, ob durch 'die Vernichtung der arabischen Bevölkerung der Kommission der Weg erleichtert werden solle, wies der Minister mit Entrüstung zurück. Es solle nur ein Zugang zum Hafen Palästina« Jerusalemer' Brief, Reminiszenzen aus der türkischen Zeit, — Ein Dokument Emir Abdullahs im Nachlasse von de Haan. — Der Jerusalemer Bürgermeister „arbeitet" weiter, — Die Hilfsaktion für die Flüchtlinge., Jerusalem, 3. Juli/ Zehn Wochen der'Unruhen liegen hinter "uns. Kein Tag in diesen zehn Wochen,, an dem sich nicht etwas ereignete, an dem nicht Schüsse durch die Luft hallten, der nicht Tote und Verwundete oder Vernichtung jüdischer Felder gefordert hätte. Und was wird die Zukunft bringen? Wir wissen es nicht. ~ Keiner hätte den Arabern, und auch sie selbst haben sich vielleicht nicht die Kraft zugetraut, einen solchen Streik von Wochen und Monaten durchzuführen, im Grunde streiken auch die Beamten, obwohl ein „Beamtenstreik" nicht proklamiert ist, denn die passive Resistenz in 'den Aemtern, wo Araber sitzen, läßt sich nicht übersehen.; Das Rätsel: „Was tut die Regierung?" ist nicht gelöst. Auch der Einsatz des. Militärs hat nicht viel genützt, und es würde den Soldaten noch weit schlechter ergehen, kämen ihnen nicht 'die. Militärflugzeuge zu Hilfe. Es ist 'unverständlich, wie 2400 geschulte Soldaten mit einer. Terroristenbande, die aus Burschen von 16. bis 20 Jahren besteht, nicht fertig werden konnten. Immer, neue Regimenter märschieren ein, und immer neue Ueberfälle ereignen sich trotzdem. Wer die Araber kennt, versteht auch das. Der einfache Fellache aus dem Volke läßt sich durch Theorien nicht einschüchtern. Ob so oder so viele Regimenter im Lande sind, .dies© Ankündigim* gen lassen ihn ganz kalt. Er schrickt nur vör Taten zurück, wenn es ihm ans Leben geht — Und an diesen energischen Taten fehlt es eben. In der türkischen Zeit gab es ja auch Gärungen genug unter den Arabern,- aber die türkische Regierung kannte •die Araber und arbeitete nicht mit Flugblättern und Ankündigungen, sondern mit Flinte und Galgin, zeigte die starke Hand, und so kam die Gärung nicht zum' Ausbruch. ■<■.-,. i,., . j - -»i .■ Einen drastischen Beleg däfür bietet der „Doar Hajom" mit einer Unterredung, die sein Vertreter mit einem arabischen Muchtära hatte. Auf die Frage, ob und wann die Araber endlich Ruhe geben wollen, antwortete er: „Schwer zu sagen. Aber ich will Dir etwas aus der Zeit von Kemal Pascha erzählen. Dieser General war als .der Tyrann bekannt. Einmal fand man zwischen Gaza und Berseba die Leiche eines ermordeten türkischen Offiziers; Die Spur führte nach einem nahen Dorfe. Sofort wurden sämtliche Bewohner des -Dorfes in der Moschee versammelt. Zwanzig der Notabein wurden arretiert und den anderen wurde eröffnet, daß, wenn innerhalb von 24 Stunden der Mörder nicht ausgeliefert wird, auf dem Markte zwanzig Galgen errichtet werden. Schon nach zwei Stunden waren die Mörder da. Hätte Großbritannien," so schloß der Muchtara, „einen solchen Kemal Pascha, es gäbe keine Unruhen, keine Ueberfälle und keine Morde . . Ueberflüssig zu sägen, daß keiner die Wiederkehr der türkischen Methoden herbeiwünscht, aber die im Doar Hajom" veröffentlichte Aussage des Arabers ist doch sehr 'bezeichnend. Die Ueberbringung einiger Rä;- delsführer nach dem Konzentrationslager weist ein wehig nach dieser Richtung, leider kömmt es etwas zu spät, da diese Führer bereits ganze Arbeit geleistet haben und mehr oder weniger entbehrlich sind. Vielleicht werden die Kollektivstrafen ihre Wirkung tun. In irgend einer Weise muß den arabischen „ Hordan beigebracht werden,;daß j üdiech es B l u t keine Freibeute ist. ' :; ' .•') Im Zusammenhang mit dem Vertrag Feisal-Weizmann wird nun auch, ein wichtiges Dokument aus de^i Nachlaß von Prof.. d e Haan bekannt.: Einzelheiten werden nicht yerlaUtbart; im Ganzen handelt es'siq'h um folgendes: * .; : I Prof. de Haan beschäftigte sich bekanntlich Tag und Nacht mit der Lösung de® NationalheimprobleiaS und versäumte keine Gelegenheit, mit führenden WMwnwin>iiMw.iAitji