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Der Israelit · 1936-07-09 · Heft 28 (9.7.1936) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 28 (9.7.1936)
Date
1936-07-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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9. Juli 1936 Ire x i s r a e 1 i t Nr. 28 Seite 9 Parias. .berabdrückt/^'i^Wär leben schon seit tausend Jahren in Polen und sind durch zahllose Fäden mit diesem Land verknüpft. Wir tragen alle Blutopfer für den polnischen Staat und alle Steuerlasten; wir empfinden uns als alteingesessene Bürger, die niemals auf die ihnen zustehenden bürgerlichen und nationa* len Rechte verzichten werden. Wir wissen, daß nicht das> gesamte polnische Volk die Gewalttaten deckt. Darum appellieren wir an alle Schichten der polnischen .Gesellschaft, die noch die alten polnischenTraditionen der Menschlichkeit pflegen, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß die menschlichen Beziehungen zwischen allen Bürgern Polens ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität wiederhergestellt werden." Litauen. Litauische Regierung will jüdische Vertretung im Sejm sichern. Kowno, 2, Juli. Der litauische Innenminister General Julius C a nlikas kündigt an, daß die litauische Regierung demnächst dem Sejm einen Gesetzentwurf vorlegen wird, durch den eine jüdische Vertretung im Parlament gesichert werden soll. Für die Zwischenzeit plant die Regierung, zwei jüdische Abgeordnete in den Sejm kooptieren zu lassen. Bei den letzten Wahlen haben bekanntlich die Juden kein Mandat errungen, obwohl die Regierung zwei jüdische Kandidaten auf ihre Liste gesetzt hatte. Auf den Wahlzetteln waren die Namen dieser beiden Kandidaten meistens durchgestrichen worden. Rumänien, Antisemitische Exzedenten vor dem rumänischen Kriegsgericht. Bukarest, 2. Juli. Das Kriegsgericht hat sich mit den antisemitischen Ausschreitungen beschäftigt, die in der vorigen Woche in Bukarest stattfanden, und hat entschieden, daß von den 57 Personen, die bei den Ausschreitungen verhaftet wurden, 24 in Haft bleiben sollen, Die Verhafteten gehören zum größten Teil antisemitischen Organisationen an und sehen ihrer Aburteilung durch das Kriegsgericht — in Bukarest herrscht Standrecht — entgegen.. . ... Es herrscht der Eindruck vor, daß die rumänische Regierung, die bisher der antisemitischen Propaganda mit wohlwollender Duldung gegenüberstand, sich nunmehr infolge des ungünstigen Widerhalls, den die jüngsten Ereignisse in offiziellen französischen Kreisen gefunden haben, sich jetzt entschlossen hat, weitere Ausschreitungen zu verhindern. Innenminister Inculetz hat seinen Urlaub unterbrochen und ist mach Bukarest zurückgekehrt, um persönlichdie Maßnahmen zur Sicherung von Ruhe und Ordnung zu überwachen. Tschechoslovakei. Der Einfluß der Unruhen auf die Palästinaeinwanderung. P r a g , 3. JuH. Das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Dr. Werner Senator, erklärte dem hiesigen ITA1 Vertreter, die Ereignisse in Palästina hätten in keinem Lande auf die Juden entmutigend gewirkt. Sowohl die Alijah der Chaluzim als auch die der Mittelständler und der sogenannten Kapitalisten gehen normal weiter. Selten werde ein Palästinazertifikat im Hinblick auf die Unruhen nicht ausgenutzt. Für die Zionisten bedeute jeder Angriff auf das Palästinawerk einen Ansporn zu weiterer Tätigkeit, aber auch die Nichtzionisten hätten sich in ihrer Palästinafreunds chaft und ihrer Bereitschaft zur Mitarbeit am Aufbau in keiner Weise ungünstig beeinflus* sen lassen. Die neutralen WMsehaftsifachmänner,, schloß Dr. Senator, erwarten, daß nach der Berunig'img des Landesder Wiederaufbau mit verstärkter Energie einsetzen wird. Ebenso ist vorauszusehen, daß die Palästinatätigkeit in den Ländern der Galuth einen neuen Auftrieb erfahren wird. Die Woche. Berlin. Der erst 11 Jahre alte Fritz Oppen heim er aus Bad Ems hat ein dreizehnjähriges Mädchen unter eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens gerettet. .Das Mädchen zog den Jungen in ihrer Todesangst mehrmals unter das Was* serj er ließ sie jedoch nicht los, bis sie an die Nähe des Ufers von ihm gezogen wor- ' den war. — Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat, wie die ITA. erfährt, ein neues Dezernat für Palästina und Wanderung eingerichtet. Die Lei* tung des Dezernats hat das Mitglied des Gemeindevorstandes, RA. Dr. Alfred Klee, übernommen. Stettin. Am 1. Juli bestand die Synagogengemeinde Stettin 120 Jahre. Die Gemeinide zählte Ende des Jahres 1935 2153 Seelen, gegenüber 2322 Ende des Jahres 1934. Hamburg. Das Schöffenschnellgericht verurteilte nach einer Meldung des „Hamburger Fremdenblattes" einen jungen Mann, der eine Frau, von der er annahm, sie sei Halbjüdin, um 500 Mark zu erpressien versucht hatte, zu einem Jahr und 6 Monaten Gefängnis sowie 3 Jahren Ehrverlust. Die Frau, die rein arisch ist, hatte den Mann angezeigt. Warschau. In der Stadt Wiazin in der Nähe von Wilna ist ein großes Schadenfeuer ausgebrochen, durch das zahlreiche jüdische Familien obdachlos geworden sind. — Bei der letzten Sitzung des Professoren- und Dozentenkol-1* legiums des Warschauer J u d a i s t i sehen Instituts ist der Dozent für Talmud und rabbinische Literatur, Dr. Abraham Weiß, zum Rektor für das Studienjahr 1936/37 gewählt worden. Paris. Im Alter von 85 Jahren ist in Paris der bekannte russisch-jüdische Philanthrop Moses Ginzbourg gestorben. Er gehörte einer berühmten Familie des russischen Judentums an und war als der „Ginzbourg von Port Arthur" bekannt. Saloniki. König Georg II. von Griechenland, der nach einer Reise durch Mazedonien in S a 1 o n i k i eingetroffen ist, nahm am letzten Freitag an einem Fe&tg'ttesdienstt in der Salonikier Hauptsynagoge „Bet Schaul" teil. Bei der Synagoge hatte sich eine zehntausendköpfige jüdische Menge eingefunden, um dem König zu huldigen. Schüler aller jüdischen Schulen bildeten ein Ehrenspa* lier. Jerusalem. Prof. A. H. Fraenkel von der Hebräischen Universität Jerusalem hat sich zur Teilnahme an dem Internationalen Mathematik er* Kongreß, der in Oslo stattfinden soll, nach Europa begeben. Tel Awiw. Im Rahmen der Levante-Messe ist auch ein Wettbewerb für künstlerische Buchgestaltung durchgeführt worden. Die Jury dieses Wettbewerbes hat nunmehr eine goldene Medaille für das am schönsten gebundene und gedruckte hebräische Buch Verliehen. Der Preis wurde dem ersten Band der Schriften Jabotänskys zuerkannt. Buenos Aires, Im Alter von 74 Jahren starb in Mozesvill© Noah K'atzo witsch, einer der Führer der jüdischen Kolonisation in Argentinien und Gründer der Kolonie M o z e si v i 11 e, die man das „argen* tinische Jerusalem" nennt. Katzowitsch begab sich 1894 an der Spitze einer Kolonistengruppe nach Argentinien und tat sich dort in der Organisierung der jüdischen Kolonisation auf dem Boden der Baron Hirsch-Stiftung (jetzt von der Ica verwaltet) sehr hervor. New York. Auf Drängen Präsident Roosevelts und seiner Freunde hat sich Colonel Herbert H. Lehman entschlossen,, seine Kandidatur für das Amt des Staatsgouverneurs von New York zum dritten.Male anzumelden, da allgemein die Ueberzeugung herrscht, daß der Erfolg der Demokratischen Partei von dieser Kan5 didatur abhängt, — Durch die diesjährige Campagne des Joint Distribution Committee sind bisher 2.139.998 Dollar, fast dreimal so viel wie in dem gleichen Zeitraum des vorangegangenen Jahres aufgebracht worden. Insgesamt sollen dreieinhalb Millionen Dollar gesammelt werden. Für Hilfe an Juden in Deutschland, den Zufluchtsländern, Polen und sonstigen osteuropäischen Ländern sind in diesem Jahre 700.000 Dollar ausgegeben worden, — Der Vorsitzende der Exekutive de® Joint Distribution Commitee, Paul Baerwald, gibt bekannt, daß in einer soeben abgehaltenen Sitzung der Exekutive beschlossen wurde, den bisherigen Generalsekretär des Joint, Joseph C. Hyman, in Anerkennung seiner hervor1 ragenden Leistungen zum - Exekutive» Direktor zu ernennen. Frankreich. Internationale HICEM-Konferenz für Auswanderungsfragen eröffnet, Paris, 29. Juni. In Paris ward© an Anwesenheit von sechzig Delegierten aus den Vereinigten Staaten* Südamerika, Australien, Südafrika und anderen Ein= und Durchwanderungsländern, die von der HIAS-ICA Emigration Association (HIGEM) einberufene internationale Konferenz für Auswanderungsfragen eröffnet. Das Völkerbundsoberkommissariat für Auswandererfürsorge war durch Lord Dtincannon, das Joint Distribution Committee durch Dir. Bernhard Kahn und David Schweitzer vertreten. Auch alle anderen großen Organisationen schickten ihre Delegierte. Max Gottschalk, Brüssel, hielt die Eröffnungsansprache über die Arbeit der Hiasi-Ica-Emigration Association im Lauf der letzten zehn Jahre. Begrüßungsansprachen hielten u. a. auch Vertreter des französischen A ußenmi niste riu m s und Lord Duncannon für das Auswandereroberkommissariat. Sodann hielt der Vizepräsident der Alliance Israelite Universelle, Prof. William Oualid, einen Vortrag über „Die gegen* wärtige Lage der internationalen Wanderung". Paris, 3. Juli. In der Schlußsitzung der Auswanderungskonferenz sprach der Vizepräsident der Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society o f America, Samuel A. T e I s e y , der HICEM den Dank für ihre Leistungen im Dienste der Judenheit aus. Die Konferenz faßte eine Reihe' von Resolutionen, die von der Tatsache ausgehen, daß 538.000 jüdische Auswanderer in den letzten zehn Jahren Europa verlassen haben. In den Resolutionen wird die HICEM zu ihrer bisherigen Arbeit beglückwünscht und aufgefordert, weiterhin neue Auswanderungsmöglichkeiten zu erforschen. Dagegen wird vor von unverantwortlicher Seite unternommenen Versuchen auf dem Gebiet der Erschließung neuer Einwanderungsländer gewarnt. Weitere Resolutionen beziehen sich auf die Weiterleitung jüdischer Ausgewanderter und auf Frauen- und Mädchenschutz. (ITA.) England. Londoner Brief, Sonntagsruhe-Bill und kein Ende. — Der Faschismus und die Polizei. — Vor einer Wendung der englischen Palästina-Politik? — Antijüdische Bewegung im Irak. — Konferenz für Jüdische Sozial-Arbeit. London, 3. Juli. Die Sonntagsruhe-Bill bildete gestern in zweiter Lesung erneut Gegenstand von Beratungen im englischen Oberhaus. Lord M a r 1 e y beantragte, die für die jüdischen Läden freigegebenen Verkaufsstunden am Sonntag statt bis 2 Uhr, bis 5 Uhr nachmittags: zu erweitem. Er sagte, es sei eine unbillige Härte für die orthodoxen Juden, die ihre Läden am Freitag bei Sonnenuntergang schließen müssen, wenn sie am Sonntag nur bis 2 Uhr offen halten dürfen. Lord Mount-Tempie schloß sich dem Antrage, wie er sich ausdrückte, „herzlich und fast leidenschaftlich" an. Es wäre ein Unrecht, den jüdischen Kaufmann für seinen religiösen Glauben zu bestrafen. Auch Lord Swaythling trat in einer längeren Rede für den Antrag ein. Trotzdem wurde das Marley'sche Amandement mit 38 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Die Gegner betonten, daß durch ein nach ihrer Ansicht allzu weitgehendes Entgegenkommen die antisemitischen Gefühle im Londoner Eastend eine unwillkommene Steigerung erfahren würden; auch sei es unwahrscheinlich, daß das Amendement die Zustimmung de« Unterhauses finden werde. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung gelangte ein Antrag desi Earl of Munster zur Annahme, der schärfere Bestimmungen zur Kontrolle der von der Sonntagsvergünstigung Gebrauch machenden jüdischen Ladeninhaber vorsieht. Die Polizei solle eine Liste der Geschäfteführen, die tatsächlich am Schabbos

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