Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1936)
- Date
- 1936-07-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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9. Juk 1936 Der Israelit Nr. 28 Seite 11 Männern der Regierung, englischen Politikern und auch arabischen Führern darüber zu verhandeln. In einem Gespräch über dieses Thema mit dem Emir Abdullah in Transjordanien, bei dem er zu Besuche war, hat der Emir ihm eigenhändig eine Aeußerung zugunsten des Nationalheimes in das Tagebuch eingetragen, wogegen de Haan ihm als Zeichen der Freundschaft seinen kostbaren Füllfederhalter überließ. Diese Unterredung erweckte damals größtes Interesse. Als Rabbi Mosche B1 a u eich anschickte, zur ersten Kenessio Gedaulo nach Wien zu fahren, händigte de Haan Rabbi Blau die Erklärung ein, damit er sie der Weltexekutive der Aguda® Jisroel zur Kenntnis bringe. . Ob der Faisal-Weizmann-Vertrag und die im gleichen Sinne" gehaltene Erklärung des Emir Abdullah an de Haan heute die Lage beeinflussen könnten, wissen wir nicht. Auf alle Fälle widerlegen diese Dokumente die Behauptungen der Araberführer, daß nie und nimmer führenden Männern Arabiens in den Sinn gekommen wäre, mit den Juden über Palästina zu verhandeln. Man sieht daraus, daß gerade die berufensten Führer des Arabervolkes, Feisal und Abdullah, die Lage verstanden und wohl gesonnen waren, zusammen mit den Juden an dem Aufbau des Lande® zu arbeiten. Bürgermeister Dr. Kaldi ist zwar nicht in den Streik getreten, hat aber auch seine Hetztätigkeit nicht eingestellt. An den Geburtstagsfeierlichkeiten für König Eduard nahm da® Oberhaupt Jerusalems keinen Anteil. Eine abermalige telefonische Einladung erreichte ihn nicht, da er an diesem Tage nicht in der Magistratskanzlei erschien. Die Stadtverwaltung weigerte sich sogar zuerst, an dem Tage die britische Flagge zu hissen und tat es erst unter dem Zwänge eines höheren Befehls. Die Fahne wehte an unauffälliger Stelle (hinter dem Bau. Freilich muß die En5 gelsgeduld, die die Regierung gegenüber diesem ersten kommunalen Beamten in der Hauptstadt Palästinas . zeigt, ihn immer zu neuen Herausforderungen ermutigen. Auf Anregung des Bürgermeisters von Tel Awiw, Herrn Dizengoff, wurden alle jüdischen Abgeordneten in den Städteverwaltungen Palästinas in einem Verband zusammengeschlossen. Die Flüchtlinge und Opfer der Unruhen hatten bekanntlich bis jetzt die stärksten Annehmer in den Kreisen der A g u d a s Jisroel. Es ist aber unabweisbar notwendig, daß die Aktion auf breitere Basis gestellt wird, da die Not von Tag zu Tag wächst. Der jüngste Sabbat war zum Hilf s s ab b at zugunsten der Flüchtlinge ausgerufen, und Oberrabbiner Duschinski richtete einen heißen Appell an die jüdische Gesamtheit, mit vollen Händen zu spenden. Die Aktdon zeigte gute Erfolge. Aber es wird noch viel getan werden müssen, um dem Umfange der Not gerecht zu werden. Mn. G.-P. Die Lage in Erez Israel. Das vierzigste Todesopfer. — Der High Commissioner entgeht einem Attentat. — Siedlungen ohne Wasser. —Angriff auf Hulda. — Ein arabischer Jugendführer Opferseiner eigenen Bombe. — Feuergefecht in der Nähe des Rahelgrabe«. _ Die Arbeit der Gerichte. Jerusalem, 7. Juli. Mit dem am Sabbat erfolgten Hinscheiden des am 29. Juni bei einer Verteidigung von „Sichron Jakow" verwundeten jüdischen ^Wächters Schalom S m u I e s weiz im Hadassahkrankenhaus zu Haifa erhöht sich die Zahl der jüdischen Todesopfer seit Ausbruch der Unruhen a u f 4 0. Zu den Verletzten der letzten Tage gehören der 21jährige David Schmidt und die 24- und 25jährigen Brüder Jakob und Elijahu K u p p e r m a n n. Die drei jungen Männer sind bei der Jerusalemer Was serle i tun g beschäftigt und wurden am Sonntag morgen auf dem Wege zur Arbeit in der Nähe von Meah Schearim überfallen. Der Zustand .des einen Kuppermann ist besorgniserregend. Nach einem Bericht des „New Chronicle" aus Jerusalem, sei der High Commissioner vor Wenigen Tagen nur durch ein Wunder einem Attentat entgangen. Es geschah, als sich Sir Wachaupe auf dem Heimwege vpm Besuche des Konzentrationslagers in der Nähe von Jaffa befand. Zwei Soldaten , auf einem Wachtturm beobachteten, wie drei Araber im Hinterhalte mit in Anschlag gebrachten Gewehren auf das Auto des High Commissioner zielten und gaben sofort ein Signal. Die Attentäter konnten sich -der Verfolgung entziehen. Zu den weiteren Zwischenfällen und Terrorakten der letzten Tage gehört ein Angriff auf (die Siedlung „Beer Jaakow", wo sich die jüdischen Siedler tap* fer zur Wehr setzten, bis Militär kam, ebenso mehrere Ueberfälle bei Afuleh und ein schwerer Angriff auf die jüdische Ackerbauschule auf dem Tabor. Bei einem Ueberfall auf einen Gemüsetransport bei Chederah erschossen 'die Angreifer fünf Pferde und verschonten die arabischen Kutscher. Mehrere Baracken von jüdischen Siedlungen brannten ab. Die Siedlung Kanal Rachel ist seit fünf Tagen ohne Wasser, weil die Röhren durch Terroristen beschädigt wurden. Der Kolonierat von Rischon le Zion hat in den arabischen Dörfern der Umgebung Flugblätter in arabischer Sprache verteilen lassen, in denen die Muchtars unter Berufung auf die fünfzig Jahre friedlichen Zusammenlebens zwischen den Kolonisten und ihren arabischen Nachbarn aufgefordert werden, auf die Einstellung des von den arabischen Jugendlichen geübten Terrors hinzuwirken. Zum ersten Male seit Beginn der Unruhen ist in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ein Ans griff gegen die durch ihre heldenmütige Verteidigung im Jahre 1929 bekannte Kolonie Hulda gerichtet worden. Der Angriff, der die ganze Nacht dauerte, wurde von den Kolonisten und jüdischer Hilfspolizei t mit Unterstützung einer später eingetroffenen englischen Maschinengewehrabteilung abgeschlagen. Von den arabischen Angreifern wurden mehrere verwundet. Arabisch© Terroristen versuchten auch, jüdische Orangenpflanzungen bei Rechowot zu vernichten. Der Angriff wurde durch jüdische Hilfspolizei abgewehrt. Bei T i b e r i a s wurde ein Jude namens K o t i n durch Steinwürfe erheblich verletzt. Schwerverletzt wurde Jakob Bacher, ein jüdischer Hilfspolizist, als er bei der tapferen Abwehr eines Angriffes auf Moza in eine Grube stürzte. Der Präsident des Verbandes mohammedanischer Studenten F a r i d i b n Scheich, der bei der Her* Stellung einer Bombe schwerverletzt wurde, ist seinen Verletzungen erlegen. ' Auch in der Nähe des Rah el grab es wurde eine Militärpatrouille schwer beschossen. Das Feuer wurde von den Soldaten erwidert und es entwickelte sich eine regelrechte Schlacht, bei der die Araber große Verluste erlitten haben sollen. Von der Arbeit der Gerichte ist zu berichten, daß in Jerusalem ein Araber wegen Brandstiftung zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Ein anderer arabischer Brandstifter, der bei Rananah jüdische Felder anzündete, erhielt vier Jahre Gefäng* nis. Neuerdings wurden zwei arabische Dörfer mit empfindlichen Geldstrafen belegt. Zwei Araber gestanden vor Gericht, an der Ermordung des jüdischen Wächters von Wourika teilgenommen zu haben. Der Jude Schlomoh Busani, der beschuldigt war, zu Beginn der Unruhen ein arabisches Haus in Jaffa angesteckt zu haben, wurde vom Tel Awiwer Gericht aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Einer von den beiden Funkern der englischen Luftstreitkräfte, die angeklagt waren, den jüdischen Wächter Mosche Misrachi in . einer Plantage zwischen Tel Awiw und Lydda getötet zu haben, ist zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der zweite Angeklagte wurde freigesprochen. Die bereits mitgeteilte Kollektiivstrafe von 2000 Pfund für Hebron wurde verhängt, weil in der Nähe der Stadt eine englische Patrouille angeschos« sen und zwei englische Soldaten leicht verwundet wurden. Das Organ der Mufti-Partei „El Liwaa" der „Feiestin", das Blatt Ragheb Bey Nashsahibis, und das Organ der. Istiklal=Partei „Difaa" sind für eine Woche verboten worden. Es erscheinen somit in Palästina zurzeit keine arabischen Tageszeitungen. Aus Machne Jisroel. (Aus einem Privatbrief.) Jerusalem, 3. Juli . . . Die Chaluzim von unserem Nachbar-Jisohuw „Machane Jisroel" werden von uns allen weä gen ihrer Tapferkeit und Ausdauer bewundert. Sie sind in Wirklichkeit die Vorposten des ganzen Westens von Emek Jesreel. Von drei Seiten von Arabern umgeben, leben sie in einem einsamen Hau®, 5 km von der nächsten jüdischen Siedlung entfernt. Letzte Dienstagnacht wurde, 1% km vom Hause entfernt, an einer Ecke ihres Feldes von den Arabern Feuer gelegt. Gleichzeitig setzte eine große Schießerei seitens der Araber ein. Einige Chawerim erwidern das Feuer, während andere von ihnen Säcke zum Löschen des Feuers herbeiholen. Es ist Mitternacht. Die Kugeln der Araber sausen über ihren Köpfen dahin. Inmitten größter Gefahr durchzieht ein Stolzgefühl die Seele der Chawerim. Sie kämpfen und arbeiten mit beispielloser Aufopferung. Mitten im Kugelregen löschen sie den Brand, der den Erfolg ihrer Arbeit des ganzen Jahres zu vernichten droht. Es. gelingt ihnen. Dank ihrer heldenhaf-. ten Ausdauer sind nur zwei Dunam Boden verbrannt. Und trotzdem ist die S&rge im Kibbuz „Machanei Jisroel" weiterbin sehr gr^ß. Ebenso verhält es sich in den anderen Kibbuzim,''die sich in ähnlicher Lage befinden. Es geht hier nicht nur um den m a t e r i e \- len Schaden, der durch Vernichten der Ernte entstehen würde, wofür sich die Chawerim ein ganzes Jahr lang im Schweiße ihres Angesichtes gequält und abgemüht haben, sondern um ein Vielfaches mehr, wenn man bedenkt, wie ihnen die eigene Scholle ans Herz gewachsen ist. ... m. Keine Gelder für die Flüchtlinge in Tel Awiw. Tel Awiw, 7. Juli. Der Distriktskommissar für den Süddistrikt, Major Crosbie, hat an die Stadtverwaltung von Tel Awiw ein Schreiben gerichtet, in dem er verbietet, daß städtische Gelder für die in Tel Awiw lebenden Flüchtlinge ausgegeben werden. Die Stadtverwaltung hat um eine Audienz beim High Commissioner gebeten und wird versuchen, die Aufhebung dieses Verbots zu erlangen. Die Lage in Palästina bis Mittwoch, den 8. Juli. Jerusalem, 8. Juli. Nach einigen Tagen der Ruhe, an die man schon manche Hoffnungen geknüpft hat, lebte gestern und heute der Terror wieder auf. Der Kampf scheint nach dem Norden, nach Galiläa, verlegt zu sein. So wurden gestern die alten Kolonien Rosch Pina und A j e 1 e d H a s c h a c h a r schwer angegriffen. Die Kolonisten wehrten sich tapfer und Militär kam zu Hilfe. Die Araber ließen einen Toten auf dem Piatee. Eine große, bisher nie gesehene Säuberungsaktion durch gewaltiges Truppenaufgebot wurde in den Bergen auf dem Wege von Jerusalem nach Nablus durchgeführt: Die Aktion dauert noch fort. Einen schweren Angriff hatte auch die Sehechunath Schapiro bei Tel Awiw zu erleiden, wobei Tel Awiw selbst eine Zeitlang infolge der Be= Schädigung der Hochspannungsleitung, in Finsternis gehüllt war. Kleine Ueberfälle werden von überall her gemeldet. Bei einem arabischen Landwirt, der in Verdacht stand, Gemüse nach Tel Awiw geliefert zu haben, wurden 20 Dunam Orangenpflanzungen ausgerodet. Mandschukuo. Weißgardistische Judenmörder in Mandschukuo zum Tode verurteilt. Charbin, 29. Juni. Wegen Mitschuld an der Ermordung des jüdischen Musikers Simon K a s p i , eines französischen Staats* angehörigen, der Ende 1933 von einer Bande russischer Weißgardisten entführt worden war, sind die ehemaligen Offizier« der alten russischen Armee Martinoff, Chand i«r und Z a i t s -e v -Sienitza