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Der Israelit · 1936-07-09 · Heft 28 (9.7.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 28 (9.7.1936)
Date
1936-07-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 28 Derlsraelit 9. Juli 1936; men zur Ansiedlung jüdischer Frontsoldaten, insbe* sondere in Palästina, gehalten. Der Bürgermeister der Stadt Wien, Vizekanzler a. D. Richard Schmitz, empfing eine Abordnung des Kongresses der jüdischen Frontkämpfer, begrüßte säe auf das herzlichste und wünschte dem Kongreß gutes Gelingen. Beim Empfang der Delegierten in Baden hielt in Vertretung des abwesenden Bürgermeisters! Koll* mann Vizebürgermeister Dr. Hahn eine Ansprache, in der er u. a. sagte: „Während meiner mehrjährigen Frontdienstzeit in einem polnischen Regiment konnte ich mich überzeugen, daß die jüdischen Kameraden genau so wie die anderen dhre Pflicht gegenüber dem Vaterland restlos erfüllt haben. Wir leben heute in einer Zeit des gegenseitigen Mißtrauens, gerade heute ist der Frontsoldat in allen Ländern berufen, die Voraussetzung zur Einigung aller Völker zu schaffen." Eine Begrüßungsansprache hielt sodann der Präsident der Badener Kultus gemeinde, Dr. Rudolf Lackenbacher. Im Namen der Delegierten dankte der Führer der französischen Delegation, Vanikoff, für den Empfang. Die Delegierten legten am 'Badener Heldendenkmal ain Lorbeergewinde nieder, wobei der Führer der bulgarischen Delegation, Oberst Tadger, Gedenkworte für die im Weltkrieg Gefallenen sprach. An der Gedenkfeier auf dem Wiener Zentralfriedhof nahmen zwei Bataillone des Bundes der jü* dischen Frontkämpfer Oesterreichs mit ihren Fahnen, sämtliche Kongreßdelegierten mit den Fahnen der verschiedenen Länderorganisationen und eine zahlreiche Menschenmenge teil. Vor dem Mausoleum bezogen sechs mit der Goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnete jüdische Frontsoldaten Oesterreichs den Ehrendienst. Namens der ausländischen Delegat tion sprach der Amerikaner C r a d i t o r Worte des Gedenken«, worauf sich die Fahnen senkten. Mit einer Defilierung vor dem Mausoleum schloß die Trauerfeier. Am Mittwoch, den 1. Juli, veranstaltete der polnische Gesandte Gawronski für die in Wien weilenden Vertreter der jüdischen 'Kombattantenorganisation Polens einen Empfang im Gesandtschaftsge* bäude. Der Weltkongreß jüdischer Frontsoldaten geschlossen. W i e n, 3. Juli. Der Weltkongreß jüdischer Frontkämpfer ging am Freitag zu Ende. In einer Resolution wird maßgebender Einfluß des Frontsoldaten* tums in den jüdischen Körperschaften gefordert. Weiter heißt es in der Resolution: „Die Grundlage der Erziehung der Jugend bildet die jüdische Religion -und die Pflege des Palästinagedankens." Ein Austausch der jüdischen Jugend der verschiedenen Länder wird vom Frontkämpferbunde angestrebt. Ein Komitee des Weltkongresses mit dem Satze in Wien wurde gegründet, das sich mit allen Fragen der jüdischen Frontsoldaten befassen soll. Den Länderorganisationen 'wird die Errichtung von H e 1 d e n* denkmälern für jüdische Gefallene •empfohlen. In Palästina soll ein Denkmal für die gefallenen jüdischen Soldaten aller Länder errichtet werden. Eine andere Resolution bezieht sich auf die Verteidigung der jüdischen Rechte und der jüdischen Ehre überall da, wo sie angegriffen werden. Der interna* tionale jüdische Frontkämpferbund will auch an der jüdischen Auswanderung und Kolonisation unter besonderer Berücksichtigung der Interessen seiner Mitglieder mitarbeiten. In Palästina soll ein „ D o r f d e r 12 0 0 0", zur Erinnerung an die für Deutschland gefallenen 12 000 Juden, zur Ansiedlung jüdischer Frontkämpfer und deren »Nachkommen aus allen Ländern dienen. Schweiz. Zwischenstaatliche Regierungskonferenz für Auswandererschutz eröffnet. Genf, 2. Juli. Unter dem Vorsitz des Vertreters Uruguays, G u a n i, wurde am 2. Juli in Genf die von dem . Völkerbundsoberkommissar für Auswandererfürsorge Generalmajor Sir Neill Malcolm einberufene zwi* schenstaatliche Regierungskonferenz für Auwandererschutz eröffnet. Auf der Konferenz soll ein provisorisches Abkommen über eine internationale Retfe* lung der Rechtsstellung Ausgewanderter ausgearbeitet und womöglich noch während der Tagung unterzeichnet werden. * G e n f, 3. Juli. An der zwischenstaatlichen Regierungskonferenz zur Regelung des Rechtsstatus der aus Deutschland Ausgewanderte» nehmen die Vertreter Belgiens, Englands, der Tsohechoslovakei, Dänemarks, Ecuadors, Frankreichs, Irlands, Lettlands, Norwegens, der, Niederlande, Polens, Rumäniens, Schwedens, der Schweiz und Uruguays teil. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika und Finnland sind durch Beobachter vertreten. Nach der Wahl des Vertreters von Uruguay, G u a n i, zum Vorsitzenden und des Vertreters von Belgien, d e B r o u c k e r e, zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde eine Legitimationskommission gewählt. Nach einem Communique der Informationsabtei* hing des Völkerbundes sollen sich die Vereinbarungen auf folgende Punkte erstrecken: 1. Definition der Auswandererkategorien, bei denen die Vereinbarungen Anwendung finden sollen. 2. Administrative Maßnahmen: a) Ausgabe von Identitäts- und Reiseausweisen — Gültigkeitsdauer dieser Ausweise — Berechtigung der Inhaber, in ein Land zu kommen und es zu verlassen — Visa, Erneuerung, Ausfertigungskosten für Ausweise und Visa; b) Ausweisung und ' Verweigerung der Zulas* SHUi'g (refoulement). 3. - Rechtsstatus: a) Bestimmung des für den Personalstatus der Ausgewanderten maßgeebnden Ger setze»; b) Gültigkeit von Papieren,- die von religio* sen Behörden ausgestellt sind; c) auf Grund1 der Staatsgesetze erworbene Rechte {Eberecht--Rechtsfähigkeit verheirateter Frauen); d) Ehetrennung; e) das Recht, als Kläger oder Beklagter vor den Gerichten zu erscheinen. . , Auf Wunsch des Vertreters Belgiens stellte der Vorsitzende Guani fest, daß die Konferenz ihre Beratungen auf die Ausgewanderten aus Deutschland einschränken solle. Dagegen verlas der Vertreter Norwegens im Namen seiner Regierung eine Erklärung, in der die Konferenz aufgefordert wird, die Angelegenheit womöglich unter dem Gesichtspunkt des Gesamtproblems der Flüchtlinge zu behandeln. Die Konferenz beschloß, nur einzelne Sitzungen öf« fentlich abzuhalten; doch sollen Vertreter der Privatorganisationen im Hinblick auf ihr Interesse an der Lösung der Frage eingeladen werden, den Beratungen beizuwohnen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurden die von dem Oberkommissar erstatteten Vorschläge für eine provisorische Regelung des Rechtsstatus aus Deutsch* land Ausgewanderter von der Konferenz zur Grundlage der Diskussion genommen. Dann begann die all- gemeine Aussprache. Komanic.ki (Polen) gab der Bereitschaft seines Landes Ausdruck, die Versuche zur Lösung die* ses Problems in jeder Weise zu fördern. Er übte an Einzelheiten der Vorschläge und insbesondere an der in ihnen enthaltenen Definition des Begriffs „Refugie", die ihm unvollständig schien, Kritik. Der rumänische Vertreter, Minister Antoniade, stimmte den Vorschlägen grundsätzlich zu, machte jedoch bezüglich ihres Inhalts gewisse Vorbehalte. Er erklärte, seine Regierung habe bereits zahlreiche Auswanderer auf ihrem Gebiet aufgenommen und könne einer Erhö=- hung ihrer Zahl unter keinen Umständen' zustimmen. Im Anschluß daran trat die Konferenz in die Beratung der einzelnen Punkte der Vorschläge ein. Bei Beratung des Punktes 2: Ausgabe und Erneuerung von Zertifikaten — Ausweisung und Verweigerung der Zulassung (refoulement) erhöhen die Vertreter der Schweiz, Frankreichs, Belgiens, Englands, Hollands und Norwegens Einwände gegen die Ausgabe von Identitätspapieren an die Ausgewanderten; sie machten teils Vorbehalte, teils schlugen sie: verschiedene Amendements vor. Die Konferenz einigte sich schließlich auf folgenden Wortlaut: „Die Signatar* Staaten werden den aus Deutsichland Ausgewanderten, die ermächtigt sind, auf ihrem Gebiet zu wohnen, ein Identitätszeuginiis oder ein anderes Dokument, das den gleichen Zweck erfüllt, ausstellen." * Polen. Judenfeindliche Ausschreitungen in Plohsk. Warschau, 1. Juli. Das Zentralorgan der Nationaldemokraten „Dzien- ■njk Narodowy" meldet, daß -es än Plonisk infolge ^provozierenden Verhaltens der Juden" zu judenfeind* liehen Ausschreitungen gekommen sei. Bereits seit dem 24. Juni seien Unruhen zu verzeichnen. In der Nacht seien die Fenster jüdischer Häuser zertrümmert worden. Das Schnellgericht verurteilte' einen polnischen. Studenten zu sechs Tagen, drei andere •Polen zu einem Tag und zwei Juden zu drei Tagen Gefängnis, Das Blatt veröffentlicht auch ein Manifest der Nationaldemokraten von Plonsk an die Be* völkerung, in dem diese aufgefordert wird, den Kampf gegen die Juden zu führen. In den späten Abendstunden verbreitete sich das Gerücht, daß es in Plonsk zu neuen, sehr schweren Exzessen gekommen sei. Eine Nachprüfung .dieses Gerüchtes war noch nicht möglich. Juden, die um Schutz baten, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. . War® c h au, 30. Juni. Vor etwa einem Jahr kamen im Städtchen R z e - lichow, Kreis Siedlec, heftige antijüdische Ausschreitungen vor. Von der Synagoge, wo einer der Ermordeten, Weisleder, UlgS darauf betrauert wurde, begab sich die versammelte Menge zum Po3 Iizeikommandanten und ersuchte ihn um Schutz von Leben und Eigentum der jüdischen Bevölkerung. Während die Juden vor dem Polizeifaaus warteten, wurden mehrere von ihnen von Huligans blutig geschlagen. Der Starosta weigerte sich, die Juden zu empfangen, und ließ acht von ihnen, nämlich Baruch Wyszbaum, Avigdor Jomtow, Jankel Garfinkel, Mosche Grinhaus, Gedalja Ekerman, Mosche Chainisz, Litman Celman und Eliah Bornstein, verhaften. Vor einigen Tagen fand vor dem Siedlec e r Kreisgericht der Prozeß gegen die antisemitischen Huligans statt. Alle wurden freigesprochen. Dagegen wurden alle acht Juden zu je 6 Monaten Ge f ä n g n i s verurteilt. Aus mehreren polnischen Orten treffen Meldungen über antijüdische Exzesse ein. In Pietrikow wurden jüdische Spaziergänger im Stadtgarten durch Huligans niedergeschlagen; erheblich verletzt wurden der Lehrer am jüdischen Gymnasium lag. Mosche Tenenbaum, Jakubowicz und Sochaczewski. Die Warschauer Jüdische Gemeinde zum Abwehrkampf der polnischen Judenheit. i Warschau, 2. Juli. Die Repräsentanz der Warschauer jüdischen Gemeinde, der größten Judenigemeinde Europas, hat ihre Stellungnahme zu dem großen Abwehrkampf des-pol* nischen Judentums in einer Resolution präzisiert, die in einer außerordentlichen Sitzung der Gemeindevertretung gefaßt wurde. In ihr heißt es-u. a.: „Die Leitung der Warschauer Jüdischen Gemeinde vereinigt sich als Vertretung der .gesamten jüdischen Bevölkerung der Residenz mit der polnischen Judenheit in dem Protest gegen die Flut wilden Juden* hasses, die sich über Polen ergießt. Das polnische Judentum steht unter dem brutalen Terror von Huliganbanden, die eine barbarische Hetze gegen die schutzlose jüdische Bevölkerung entfacht haben. Daj rtum erheben wir scharfen, schmerzlichen Protest .ge* gen das himmelschreiende Unrecht, das uns' angetan wird. Gleichzeitig erklären wir, daß Terror und Gewalttat nicht imstande sein werden, uns einzuschüchtern. Wir werden es nicht dulden, daß man uns zu

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