Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1936)
- Date
- 1936-07-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 28 _: mat, unter Verhältnissen, denen die zweitausendjährige Galtith durch keinerlei Erfahrung ent sprach, ohne Gefahr zu, laufen, daß der geschichtliche Kulturzusammenhang einfach abriß und ain Ende eine Menschengemeinschaft erwuchs, die vielleicht — Ievan tinisch war; aber ganz gewiß nicht jüdisch: dieses Problem stand wirklich nichjt im Mittelpunkt aller Sorgen. Von einer „Prosperity" des — Schulwesens, dem schließlich die ganze Zukunft des Nationalheims anvertraut war, konnte wohl kaum die Rede sein. Wir haben es nicht verdient, daß uns das Nationalheim ohne Leiden, ohtie Opfer zufalle. So ließ die Vorsehung, wie es" 'scheint, den neuen Jischuw bis zu einem Stadium heranreifen, in dem er zwar noch nicht entwickelt genug. ist, um außerhalb der Zone ernster Gefahr zu sein, aber immerhin bereits stark genug, um unter der Last der Leiden und der Opfer nicht zusammen zubrechen. Der neue Jischuw wird, sich behaupten und wird sich durchsetzen, wenn er, und mit ihm die Gola, aus der von der Vorsehung über uns verhängten Epoche der Leiden und der Op fer geistig und seelisch gestärkt und gesundet hervorgeht. Ein Volk, das seine Kultur verläßt und verrät, verdient kein Nationalheim; Es hat aber das jüdische Volk keine andere Kultur, als die Kultur der Thora. TJnter.den. Wirkungen der „Prosperity" hatte es fast den Anschein, als wollte das jüdische Volk in seinem (werdenden Nationalheim nicht nur die Galuthketten, sondern auch die als Ketten empfundene nationale Kultur, die Kultur der Thora, aJbstreifen. Der Sinn des tragischen Geschehens der Gegenwart und des tragischen Geschehens der kommenden Jahre ist die Rückführung des jüdischen Volkes auf heiligem Boden zu seiner geistig-seelischen Heimat. Leiden und Opfer sind nutzlos, wenn unser Volk sie nicht produktiv zu gestalten weiß. Noch ist in den Zeitungen des Landes von einein solchen Versuch kaum ein Hauch zu spüren. Das, wendet sich nur immer voll heißer Empörung gegen das Arabertum, das mahnt nur immer mit wachsender Ungeduld die Mandatarmacht an ihre verbriefte Pflicht, das rühmt nur immer in stolzem Selbstgefühl die Diszipliniertheit des jüdischen Volkes. Empörung, Ungeduld und Selbstgefühl, sie sind durchaus berechtigt. Vor allem die Diszipliniertheit des jüdischen Volkes, eine unmittelbare Auswirkung der vieltausendjährigen Disziplin der Thora, ist eine geschichtliche Erscheinung ohnegleichen. Aber ist das alles?. Haben'wir uns selber sonst nichts zu sagen? Das deutsche Volk fand in Zeiten tiefer Not seinen Fichte. Haben dem Volk der Propheten auf heiligem Boden Leiden und Opfer ihre Sprache geraubt? Noch ist die Erinnerung an die „Prosperity" von gestern zu lebendig. Noch ist die Erkenntnis nicht zum Durchbruch'gelangt, daß die. Zeiten der „Prosperity" dahin sind. Wir ■werden noch manches zu lernen haben. •— Inzwischen hat die Mandatarmacht erneut gesprochen. Wie nicht anders zu erwarten war, steht sie nach wie vor zum Mandat. Das jüdische Volk wird gut daran tun, ihr, Vertrauen entgegen zu bringen. Starke Worte,: hinter denen' eine reale Macht nicht steht, sind schädlich. Das jüdische Volk hat gegenüber der Mandatarmächt eine starke — Rechtsdisposition. Auf diese seine Rechtsdisposition mag das jüdische Volk immer wieder, hinweisen. Wie weit aber das Recht in weltgeschichtlichen Zusammenhängen zur Geltung kommen und zur Verwirklichung gelangen kann, hängt lediglich von dem Wirker dieser Zusammenhänge, hängt lediglich von G'tt ab. Noch hat das Recht in der Weltgeschichte keinen anderen Annehmer, als G'tt. Unsäglich kompliziert ist die Frage der Beziehung des jüdischen Volkes zum arabischen Volk. Ein Rezept hierfür ist offenbar bis jetzt nicht gefunden. Die von der Mandatarmacht ins Auge gefaßte Entsendung einer Königlichen Kommission ist offensichtlich ein Ausdruck der Verlegenheit. In zahllosen: Artikeln ist diese Der Israelit Frage behandelt worden, wobei meist Sympathie und Antipathie keine geringe Rolle spielten. Es hat an Ratschlägen nicht gefehlt, daß sich die beiden Kölker, ■die nun einmal auf-'engem'Rahmen' züs-ämmenwohnen, verständigen möchten. Vom Standpunkt der Wirtschaft mag in der- Tat Vieles für eine solche Verständigung sprechen. Der Streik ist ohne Zweifel für die Araber kein; gutes Geschäft. Vielleicht haben wir selber uns bisher allzu stark auf die Kraft der wirtschaftlichen Argumente verlassen. Jedenfalls steht es fest, daß gegenwärtig die Araber von solchen; Argumenten nichts wissen wollen. Sie stellen alles darauf ab, ob das künftige Palästina ein arabischer Staat sein soll oder nicht. Innerhalb eines arabischen Staates wären sie vielleicht, einstweilen, bereit, den Juden als arabischen Staatsuntertanen einen gewissen Raum zu \gewähren und von ihnen die Segnungen der Wdrt-! schaft in Empfang zu nehmen. , Die Frage, also gestellt, verträgt in der; Tat nur. ein Ja oder Nein. Für Verständigung ist hier kein Platz. Die Frage, also gestellt, kann nur aus-* zwei ^Quellen ihre Antwort finden: es entscheidet ent-; weder die Mac h t oder das R.e c h t. ■ Das jüdische Volk, gestützt auf die durch, das -Wirken der Thora niemals unterbrochene Kontinuität seiner nationalen Beziehung.,, zum .Helft; <=>.' »ligen Lande, eine Kontinuität, die freilich durch eine empörerische Außerkraftsetzung der Thora plötzlich abbrechen würde, gestützt ferner auf ■ ■• .. ■ ■ : . ■ . v . . 9.,Juli 1936 das geltende Völkerrecht, das einen Zweifel an der Rechtsgültigkeit 4er Mandatsbestimmungeh wie des Mandats überhaupt nicht aufkommen läßt, gestützt schließlich auf die Weihe: seines Unglücks inmitten der. Völker, das in der Gegenwart einen Höhepunkt * erreicht hat,- brauchte die Entscheidung des Rechts nicht zu scheuen. Ob aber, das Recht entscheiden wird oder die Macht, ist wiederum eine Frage der „weltgeschichtlichen Entwicklung. Zwischen dem , jüdischen Volk und dem arabischen Volk "steht-der G'tt der Geschichte. Hier in Jerus.eholajim hat Jeschajahu in'prophetischer Schau von überwältigender Größe die ganze Problematik der Weltgeschichte Jahrtausende voraus erfaßt und verkündet. Hier in Jeruscholajim hat er, den weltgeschichtlichen Charakter der kommenden Erlösung des kleinen Juderivblks geweissagt und zugleich der Thora weltgeschichtiiche Geltung indiziert. Daß die Erlösung im Zeichen der ,,Prosperity" stehen werde: weder er noch all die Großen unseres Volkes, die vor ihm und die nach ihm., waren, wußten solches zu melden. Die „Prosperity" ist vorbei. Wir haben es nicht verdient, daß uns das Nationalheim' ohne Leiden, ohne Opfer zufalle. Möchten Leiden und Opfer uns allen ein Weckruf sein, daß wir wenigstens mit ihnen und dui-ch sie des Natiönalheims würdig werden. Dann mag .der G'tt der Geschichte sprechen. Hf- Korrespondenzen. f ' Deutsches Reich. '\ Heim für jüdische Körperbehinderte. Berlin, 1. Juli/;|: Die Selbstbilfegruppe jüdischer Körperbehinderter <;|h Deutschland und die Selbst&ilfegemeinschaft; .jüdischer Körperbeschädigter erlassen, einen, Aufruf zur Schaffung eines Heimes für jüdische. K ö;r »• "p e r, b e h i n d e 11 e , in dem es u-, a. heißt: Eswurde schon immer als ein außerordentlicher Mangel enip- ■fundeh, daß es keine jüdische Institution in Deutschland gibt, die ein Heim unterhält, in das KörperfeTehinderte, die im Vollbesitze ihrer geistigen Kräfte "Jind; aufgenommen werden. Gerade in dieser Zeit' der Auswanderung macht sich' dieses Fehlen besonders bemerkbar; denn Körperbehinderte werden in der Mehrzahl der Fälle nicht zur Auswanderung kommen, während deren Angehörige es als eine große Entlastung empfinden würden, wenn in irgend einer Form für die Behinderten gesorgt wärej.; Daher will t<|ie Selbsthilfeigruppe jüdischer Körperbehinderter;i|h Deutschland (SHGJK) unter der Förderung der ^eich|h yertretung der Juden in Deutschland, A£t. Zenträlwo.hlfahrtsstelle, die Initiative ergreifen und für jje|te Schaffung eines Heimes eintreten, > das eine möglicy*si produktive Wohngemeinschaft darstellen soll, ' fjjj?;y Die Initiatoren bitten alle Interessenten oder deijeii Angehörige, . an die Selbsthilfegruppe jüdischer Kör* perbehindertre in Deutschland, Berlin NW 87,. Tile- Wardenbergstr. 10, folgende Fragen. für alle Teile unverbindlich zu beantworten: . ■ : . " 1. Wer hat den Wunsch zur Aufnahme in ein schaffendes Heim? . :U. .; V:-,; 2. Welche "Mittel stehen monatlich zur Verj .- fügung?, ' . " .,' . . * - If^ 3. Welcher;' jA'rt: ist die ^9^erbelünde3rtin|^? (Möglichst j genaue' lieschreibung, insl^esQndei^ der Entstehung.) •4. Wann geboren? P Äv Die hebräischen Kurse der Reichsvertretung der Juden in Deutschland. Berlin, 1. Juli. Die Schulabteilung der Reichsvertretung hat einen; Lehrgang zur Ausbildung von hebräi sehen Lehrern für den Erwachsenenunter r i c h t veranstaltet. Am 29. und 30 Juni fand die Schlußprüfung des Kurses statt, an dem 30 Damen und Herren teilnahmen, 22 von ihnen unterzogen sich der Prüfung und bestanden sie. Am Schluß* der Prüfung wiesen Stüdienrat Dr. L e s c h und Dr. Kaleko auf die bedeutungsvolle Aufgabe des Leh=* rers des Hebräischen hin und gaben der Hoffnung Ausdruck, daß derabgeschlossene Lehrgang dem Bemühen um Wiederbelebung der.hebräischen Sprache einen starken Auftrieb, gegeben haben möge. . Ein Abkommen preußischer Gemeinden über den. Steuerausgleich bei Fortzügen. Berlin, 2. Juli. Bei dem Fortzug eines Gemeindemitgliedes in eine andere Gemeinde entsteht häufig die Schwierigkeit, daß die Gemeinde des alten Wohnsitzes satzungsgemäß ihre Kultussteuer noch für eine Zeit weiter erhebt, während der. Fortziehende in der Gemeinde seines neuen Wohnsitzes bereits für .die gleiche Zeit stuerpflichtig ist. Aus dieser Erwägung heraus, hat der Große Rat des Preußischen Landesverbandes einstimmig beschlossen, allen ihm angeschlosisenen Ge= .meinden.; eine ,!U e h e r g a n;gs.r eg el um g für1" die- Erhebung der Kultussteuern beim Fortzug eines GemeindemitgMedes in eine andere Gemeinde -zu empfehlen und ihnen den .Abschluß eine® entsprechenden, Abkommens nahe zu legen. Das Abkommen hat folgenden Wortlaut: " , - : 1. Der- Fortzugsgemeinde.kommen nach Maßgabe der Ziffern 2 und 3 -grundsätzlich bis zum Ende' des laufenden Rechnungsjahres die . Steuerleistungen der innerhalb des Rechnungsjahres verzogenen Gemeinde^ mitglieder zu. .Erfolgt der Fortzug innerhalb des letzten Etats- Vierteljahres,- so, fließen die Steuern der Fortzugsgemeinde noch während, des Quartalsi des folgenden Etatsjahres zu. ■ — 2. Während der Uebergangsfrist sind; die Steuern^ soweit .sie nicht bereits im voraus entrichtet' sind',- durch die Zuzugsgemeinde, der bereits das-Steuer« recht: zusteht, .zui .erheben, und zwar kuf Grund und; in Gemäßheit ihres. Steuerbeschlusse®, 'Die' ZuzugsgeiS meinde, führt die;;Steuern '■■ andie FortzUgsgeih'einde" in der. Höhe des' .von dieser getroffenen Stetrerbe*!' Schlusses ab. Sie kann also einen.vT.edr der'Steuernd