Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1936)
- Date
- 1936-07-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 28 Der Israelit 9.- Juli 1936~ Gesetzen des Wohn- oder Aufenthaltsortes etwa vorgeschriebenen Formalitäten gewahrt werden. In den dem Abtkommen beitretenden) Staaten werden Refugie freien, ungehinderten Zutritt zu den Gerichten haben. Sie werden in dem Lande ihres Wohnsitzes oder gewöhnlichen Aufenthalts Anspruch auf Rechtshilfe besitzen und von der cautio judicatum solvi befreit sein. In einer Empfehlung hat die Konferenz es als außerordentlich wünschenswert bezeichnet, daß die in dem Abkommen vorgesehene Regelung sobald wie möglich in Kraft trete. Den Regierungen, die etwa die Zustimmung des Par laments für gewisse Teile des Abkommens be nötigen, wird deshalb empfohlen, trotzdem un verzüglich diejenigen Teile des Abkommens in Kraft zu setzen, für die eine einfache administrative Entscheidung genügt. (Bericht über die Beratungen der Konferenz siehe Seite 8.) Vor einer entscheidenden Wendung in der palästinensischen Situation? Jerusalem, 6. Juli. Das Oberste arabische Komitee ist am Freitag zu einer dringenden Sitzung zusammengetreten, in der über die Fortsetzung des Streikes beraten wunde. Die Spaltung in den Reihen des Obersten Komitees läßt sich kaum noch überbrücken. Während die N a s h a s h i b i- Partei mit ungebrochener Leidenschaft für die Fortsetzung des Streikes eintritt, wünschen die Mufti anhänger eine Beendigung der Arbeitsruhe. W i c h t i g e E n t s c h e i d u n g e n stehen, wenn nicht alle Zeichen trügen, bevor. Auch von arabischen Notabein in Syrien wie in Europa kamen Warnungen nach Palästina, da der Terror das arabische Ansehen in der Welt stark schädige. Als Symptom darf auch die Wiedereröffnung zahlreicher arabischer Geschäfte und Betriebe in Jaffa und Haifa dienen. Von angesehenen arabischen Kaufleuten ergingen Aufforderungen an früher in Jaffa ansässige Juden, in die Stadt zurückzukehren, da sie bereit seien, ihnen Wohnungen und Läden zu vermietein, sie zu bewachen und mit allen Mitteln zu schützen. Andere arabische Kaufleute haben sich an jüdische Firmen in Tel Awiw um Darlehen und Kredite gegen Hypotheken gewandt. In einer der großen Banken Jerusalems wurden, nach einem Bericht der ITA., Beratungen zwischen Mitgliedern des Obersten arabischen Komitees, arabischen Großkaufleuten und den Direktoren der Bank über Gewährung eines Moratoriums für die arabischen Kaufleute gepflogen. Anläßlich der schon für die nächsten Tage erwarteten Wiederaufnahme des gesamten Geschäftsverkehrs fürchtet man Geschäftszusammenbrüche infolge der Pro testierung von Wechseln arabischer Kaufleute, was mit dem Moratorium verhütet werden soll Auch auf dem platten Lande macht sich die Streikmüdigkeit deutlich geltend. Es sei len dort in den arabischen Feldern bereits 70 Prozent der Zuckermelonen- und 90 Prozent der Wassermelonenernte, die nicht auf den Markt gebracht werden konnte, verdorben sein. ■ Nach einer Meldung des D. N. B. hat der High Commlssioaer am Dienstag abend erneut eine Rundfunkansprache an die Bevölkerung Palästi nas gerichtet. Er kündigte die baldige Beendigung der Terrorakte durch Militär an und teilte mit, daß im Notfalle weitere Verstärkungen herangezogen werden würden. Der Kommissar warnte vor der offenbar verbreiteten Ansicht, daß ein Widerstand 'gegen die Militärmacht möglich sei. Die Aufrührer seien für die Not der armen Bevölkerung allein verantwortlich. Infolge Verminderung der Staatseinnahmen würden Steuerer h ö h u n g e n notwendig, was sich wiederum auf den Lebensstand der Bevölkerung ungünstig auswirken werde. Der Kommissar wies weiter auf die Unmöglichkeit ärztlicher Behandlung infolge der Unsicherheit auf den Landstraßen hin. Den Aerzten sei es nicht möglich, 'Kranke aufzusuchen. Dadurch werde vor allem die Ausbreitung der Augenkrankheiten gefördert, besonders bei den Kindern, von denen viele zu lebenslänglicher Blindheit verurteilt seien. Der Kommissar wiederholte schließlich den Londoner Regierungsbeschluß zur Entsendung eines Untersuchungsausschusses, sobald die Unruhen beendet seien. Arabische Kundgebungen, Am 23. Juni fand aus Anlaß der Anwesenheit der arabischen Delegation in London eine große Versammlung statt, in der der Führer der Delegation, Dschemal H u s s e i n i, als erster Redner sich darüber beklagte, daß Palästina nicht, gleich den anderen arabischen Ländern, eine eigene gesetzgeberisdhe Körperschaft habe. Er bestreitet, daß die jüdische Einwanderung den Arabern Vorteile gebracht hätte. Die blutigen Ereignisse bedauert er, hält sie aber als Begleiterscheinung des „unumgänglichen Streikes" für unvermeidlich. Einen Kampf gegen England führe das Arabertum nicht. Das Unterhausmitglied Anthony G r o ß 1 e y meinte, die arabische Sache sei in Parlament und Presse falsch dargestellt worden. Selbst dann, wenn die Juden den Arabern wirtschaftliche Vorteile gebracht hätten, so stände'doch die nationale Ehre der Araber über allen wirtschaftlichen Rücksichten. Freilich müsse erst absolute Ordnung im Lande geschaffen werden, bevor den Arabern ihr Recht werde. Ein anderer Redner, Colonel S. F. Nefcombe, bestreitet sogar den historischen Anspruch der Juden auf Palästina. Wenn sich die Juden auf ihre Verdienste im Kriege berufen, so sei nicht zu vergessen, daß auch die Araber der britischen Sache gedient hätten. Er wünscht Einstellung der Einwanderung mindestens bis zur Durchführung der Kommissionsuntersuchung. Er wolle die Juden nicht tadeln, möchte aber den Zionisten raten, ihr Tempo zu verlangsamen. Auch der Araber Schibly D s c h a m a 1 wünscht eine sofortige Einstellung der jüdischen Einwanderung. Der frühere Sekretär der Palästinaregierung, M. Archer C u s t, entwickelt seinen Lieblingsplan der Kantonisierung Palästinas, von dem allein er eine 'definitive Befriedung des Landes erhofft. Nach weiteren Reden wurde eine Resolution angenommen, in der gefordert wird, daß die Untersuchungskommission sobald als möglich entsendet, die Einwanderung während der Untersuchungszeit eingestellt und das Versprechen der Selbstregierung Palästinas sofort verwirklicht werde. Die arabische, in Palästina erscheinende - Zeitung „Ad Difaa" veröffentlicht einen Aufruf, der an den König G h a z i des Irak und führende Politiker in Bagdad gerichtet ist. Der Aufruf schließt mit -der Feststellung, die panarabische Idee sei Wirklichkeit und keine Poesie, Die arabische Zeitung „Falastin" schreibt, England könne jedes Dorf militärisch besetzen, jedoch die Araber niemals zur Anerkennung der jüdischen Heimstätte zwingen. Palästina eine Kronkolonie? Der ,,Doar Hajom" will von einem Beschluß des britischen Kabinetts wissen, der am 15. September zusammentretenden Völkerbuhdskonimission eine Denkschrift über >' Palästina zu überreichen. Darin solle festgestellt, werden,; daß im Rahmen des Mandats ein Ausgleich der jüdischen mit den arabischen Forderungen nicht erreicht werden könne. England schlage daher vor, Palästina in eine^K r o n k o 1 o n i e, zu verwandeln. Englische Gesellschaften versichern gegen Aufruhr in Palästina/'.' Jerusalem, 1, Juli, Die in Palästina üblichen Versicherungsverträge gewähren im allgemeinen keinen Schutz gegen Tumultschäden, Eine Reihe von Versicherungsgesellschaften hat bisher auch eine Aufruhrversicher.ung abgelehnt, so daß wiederholt die Frage einer Staatshaftung'für Tumultschäden entsprechend dem englischen Recht diskutiert worden ist. Nunmehr teilt die Vertreterin der englischen Versicherungsgesellschaft „Prudential", die Agentur rMilford u. Co. mit, daß sie sowohl Unfallwie Sachschadenversicherungen unter ausdrücklicher Einbeziehung von Aufruhr¬ und Tumult-Schäden abschließt. Der 17« Tammus in Palästina. Jerusalem, 9. Juli. In Jerusalem und in Tel Awiw hatte das Fasten am 17. T a m u s noch seine eigene Note, die durch die gegenwärtige Lage gegeben war. Die jüdischen Geschäfte waren geschlossen und alle Synagogen mit Betern überfüllt. In der großen Synagoge zu Tel Awiw hielt Oberrabbiner Amiel eine Ansprache, die ein Appell an das Gewissen der Welt war. Leider machten an diesem Tage schwere Zwischenfälle das yy* uns sehr deutlich. Gegen Abend wurden die Jerusalemer Vorstädte Jefe Nof, Talpioth und Mekor Ghajim' beschossen, so daß Truppen zu Hilfe eilen mußten. In En Charod wurden die, Kolonisten, als sie gegen Abend von der Arbeit heimkehrten, fast eine Stunde laiig vom Gipfel des Berges G i 1 - b o a mit einem Kugelregen überschüttet. .Verluste sind bis jetzt nicht bekanntgeworden. Auch ein weiteres Todesopfer forderte der 17. Tamus. In der Nähe des Makkabisp ortplatz es in „Hatikwah" bei Tel Awiw wurde der aus Beirut stammende zwanzigjährige Elijahu S a i d erschossen. In Jerusalem zählte man an diesem Tage bei kleinen Angriffen und Explosionen acht leicht verwundete Juden, unter ihnen zwei jüdische Polizisten und 'ein Knabe. Die Verluste der Araber bei der großen Säuherungsaktion in den Bergen bei Nablus sollen sehr groß sein. (Weitere Berichte aus Palästina siehe S, 10.) Neugründungen in Palästina. J e r u s a Te m , 29. Juni, In den letzten Tagen sind in Palästina vierzehn neue Handelsgesellschaften, darunter mehrere ausländische, registriert wören. An, der Spitze der neuen Gesellschaften steht ein. Kreditinstitut mit einem Kapital von 50,000 Pfund, das Kredite an Unternehmungen von öffentlichem Charakter geben will,' Ferner wurde eine Bodenkaufgesellsßhaft mit .einem Kapital von 10.000 Pfund eingetragen. Diese" Neugründungen zeigen, daß das Wirtschaftsleben Palästinas sich ungeachtet der Unruhen weiter entwickelt.