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Der Israelit · 1936-07-02 · Heft 27 (2.7.1936) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 27 (2.7.1936)
Date
1936-07-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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2. Juli 1936 -D e r Israel -i V- Nr. 27 Seite 7 ■der Einfluß des Judentums in den einzelnen Teilen der Rechtswissenschaft beleuchtet werden soll, habe, so " erklärte er, besondere Bedeutung, da es sich hier unr einen Reinigungsprozeß auf wissenschaftlichem Gebiet handele, eine. Arbeit, an der sich die rechtswissenschaftlichen Hochschullehrer bewähren müßten.;In dem Monatsbericht der Reichsgruppe Hochschullehrer für den Monat Mai, der dm Mitteilungs* blatt des Nationalsozialistischen Rechts wahr erblinde s erscheint, weist schließlich Staatsrat Carl Schmitt auf die zurzeit von der Reichgruppe mit besonderem Nachdruck behandelte Frage des Judentums in der Rechtswissenschaft hin. Die Gaugruppenwalter werden an die Aufforderung erinnert, über bisherige Maßnahmen und Erfahrungen bei --der Ausschaltung des jüdischen Schrifttums in den Seminarien und Bibliotheken zu berichten und Vorschläge zu uriterbreiten, damit diese wichtige Frage dem Wissenschaftsministerium . mit dem Ziel möglichst einheitlicher Regelung vorgetragen werden könne. Staatsrat Schmitt teilt sodann einen Plan der Reichsgruppe mit, in der nächsten Zeit die Frage einer planmäßigen Beobachtung der Doktor-Dissertationen zu behandeln. Die Zersplitterung in Einzelproblemen im Stil der liberalen Rechtswissenschaft müsse beseitigt, die Arbeit des Nachwüchse® auf die wichtigsten Aufgaben gelenkt werden. Er selbst werde demnächst einige besonders1 dringliche- Aufgaben benennen. In erster Linie zähle dazu auch die Frage des Judentums in der Rechtswissenschaft. Staatsrat Schmitt richtet an die Mitglieder der Reichsgruppe die Bitte, bei der Stellung von Dissertationsthemen gerade dieses Gebiet untersuchen zu lassen und über das Ergebnis zu berichten. Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. Berlin, 29. Juni. Zur möglichst vollständigen Erfassung der jüdischen Binnen- und Auswanderung hat der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden die Einrichtung einer Meldestelle für Binnenürtd 'Auswanderung beschlossen; .der von den ihm angeschlossenen Gemeinden alle Wegzüge von. Gemeindemitgliedern (auch Kindern und Minderjährigen) . regelmäßig gemeldet werden sollen. Der Verband wird diese Meldungen den inländischen •Zuzugsgemeinden weitergeben, so daß im Gegensatz zu dem .bisherigen Zustand eine genaue Uebersicht'über die Binnenwanderung gewonnen und .v dar atis notwendige Folgerungen für die praktische.-Arbei^ der;Gemeinden und Organisationen gezogen werden können. Der Preußenverband hat sich mit den ihm nicht angeschlossenen außerpreußischen Verbänden zwecks Durchführung einer .entsprechenden Regelung in Verbindung gesetzt. : .: Zur Frage1' der Eheanfechtung. Berlin, 26. Juni. In, einem in; der „Juristischen Wochenschrift" veröffentlichten Urteil stejlt das Oberlandesigericht Köln fest, daß.nicht nur der Irrtum-'über 'die Rassenzugehörigkejt, sondern,\— bei Kenntnis' 'der Eigenschaft des anderen T?eils als Juden •— auch der Irrtum über die Bedeutung;^ der Rassezugehörigkeit in beivölkerungspoHtisch'er; Hinsicjits;Veine.n,' Eheanfechtungsigruud gemäß § 1333 BGB. bildet. Dem Kläger war bei der Eheschließung bekannt,j jdaß .die^ Beklagte von jüdischen Eltern abstammte. Dadurch allein aber, so sagt dasi Oberlaridesgericht, wird idie Möglichkeit de® Irrtums über die persönlichen Eigenschaften der jüdi= ■sehen Beklagten noch nicht ausgeschlossen. Der Kläger muß auch eine Vorstellung von diesen Eigen* •Schäften haben, er muß das Wteseii des Rassenunterschiedes genügend erfassen;, insbesondere uvpn dßr Möglichkeit einer Vererbung der Rasseeigentümlichkeiten eine Vorstellung haben. Der Kläger würde, wie im Einzelnen ausgeführt wird, bei 'Kenntnis' der Rassieeigentümlichkeiten der Beklagten, die Ehe nicht geschlossen haben. : Seine Auffassungstehe im Einklang mit der!oJbjektiven Würdigung, iL h. .mit den regelmäßigen Änschauungen . der Mehrheit .derrdeut-. sehen Volksgenossen. Die Voraussetzungen des § 1333 , BGB. liegen somit 'bei dem. Kläger vor. Neuesie Wirlschaltsnachrichten aus Erez Jisroel. {Nach Palnews.) $ J e r u s a 1 e m. Die Bilanz sdes- Bankhaus ses Jacob Japhet u. Co. für das. am 31. Dezember 1935 endigende zweite Geschäftsjahr schließt mit einer Bilanzsumme von LP 310.406 (gegenüber LP 283.863 im Vorjahr) ab. Auf der Passivseite der Bilanz erscheinen Eigenkapital und Reserve mit LP 33.000, feste Depositen mit LP 65.903 (LP 12.826), andere Depositen, Kontokorrent und Gewinnüberschuß mit LP 176.287 (229.559), Einzugs=- Sicherheitswechsel u. a. mit LP 35.216 (8778), auf der Aktivseite: Kasse und , Devisen, Bankguthaben auf Abruf und feste Termine mit insgesamt LP 167.919 (211.819), Investitionen in Wertpapieren LP 15.907 (14.232), Wechsel LP 8053 (1078), Debitoren LP 83.221 (47.956), Einzugs-, Sicherheits-'. Wechsel u. a, LP 35.216 (8778). Gegenüber 'dem Vorjahr haben sich also die festen" Depositeneinlagen um LP 53-076 erhöht, die übrigen Depositen- und Kontokorrenteinlagen entsprechend reduziert, auf der Ak- ' tivseite sind die Debitoren, Wechsel um rd. LP 42.000 erhöht. Kasse und Bankguthaben ungefähr entsprechend vermindert. Die Liquidität ist eine ungewöhnlich . hohe, Kasse , und Bankguthaben übersteigen sämtliche übrigen Anlagen beträchtlich. Das Bank? haus Jacob Japhet u. Co. sieht seine Auf-' I; gaben weniger in Investitionen als in Vermögensverwaltungen, Emissionen, in Effekten-, Golds, und Pevisenhandel. Das Ge~ . schäft. hat stark internationalen Charakter. Die Dividende für das Geschäftsjahr 1935 ist (von 4\/z Proz. im Vorjahr) auf 5 Proz. erhöht. ,Den Haag. Im ersten Quartal 1936 beträgt die Ausfuhr Hollands; nach Palästina 433.000 Fl (gegenüber 364.000 Fl im ersten Quartal 1935 und 528.000 Fl im ersten Quartal 1934), während die Einfuhr aUs Palästina im, ersten Quartal ds Js. mit 905.000 Fl mehr als V/2 fach so groß ist wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres (592.000 Fl) und mehr als vierfach so groß wie im ersten Quartal 1934 (225.000 Fl). Den größten Teil der Einfuhr bildeten Orangen (9252 To im Werte von 751.000 Fl). Es folgen Grapefrucht (mit 443 To im Werte von 38.000 Fl) und eingemachte Früchte (mit 113 To im Werte von 14.000 Fl.) Bei der Ausfuhr Hollands, nach Palästina spielen Milchkühe und Milchprodukte die wichtigste Rolle. Von Bedeutung ist ferner der Export von nicht isolierten Drähten und Kabeln in Höhe von 44.000 Fl. Der Exportüber* schuß Hollands nach Palästina von 303.000" Fl. im ersten Quartal 1934 hat sich also in einen Exportüberschuß Palästinas nach Holland verwandelt, der im ersten Quartal 1935 228.000 Fl. erreichte und im ersten. Quartal 1936 um mehr als das Doppelte auf 472.000 anstieg. Bagdad. In einem kürz- 'lich veröffentlichten Bericht des Händelssekretärs der britischen Gesandtschaft in Bagdad wird mitgeteilt, daß der Automobiltransport „eine wichtige Rolle im Verkehrswesen des Landes und .besonders beim Verkehr über die Grenzen spielt. Gegenwärtig kann überhaupt nur die iranische Grenze an einem Punkte mit der. Eisenbahn erreicht werden. Die Automobilüberlandroute, die Bagdad mit Syrien und Palästina verbindet, ist für den Irak von erstrangiger Bedeus turig. Sie ermöglicht eine schnelle Verkehrsverbindung für Passagiere und leichte Frachten zwischen dem Irak und den Mit2 telmeerhäfen zu Raten,, die erheblich unter denjenigen | 'der Lüftverkehrs'gesellschaft'en liegen. Der Güterverkehr über die syrische Wüste belief sich im Wirtschaftsjahr 1934- 4935 auf annähernd 20.000 Tonneri. Der Haifa-Bagdad-Dienst,, der in Konkurrenz zu der älteren Und etwas kürzeren Beirut- Bagdad-Linie entwickelt wurde, beförderte im Jahre 1934-35 mehr als 6000 Tonnen Güter. Er wird nicht, nur für den irakischen Import, sondern auch für den Lebensmittelexport nach Palästina benutzt; es werden 'Fische, Eier und Geflügel exportiert. Durch die Einrichtung eines Kühlautoverkehr® würden diese Transporte beträchtlich erweitert werden können. Te,l Awiw., Nach Mitteilung der „Haavaräh" wurden im April durch sie insgesamt RM 1.719.623 nach Palästina transferiert. Die gesamte Transfer2 summe bis Ende April 1936 stellt sich auf RM ,33.748.092. Im Monat April wurden in Deutschland Einzahlungen auf. „Sonderkonto A" in Höhe von RM 1.752.009 genehmigt. Die Gesamtsumme der Einzahlungen stellte sich am 21. April 1936 auf RM 33.627.868. Hildesheimer-Gedächtnisfeier des Berliner Rabbiner-Seminars. Berlin, 26. Juni. Am Jahrzeitstage des Gründers des Berliner Rabbiner-Seminars, Esriel Hildesheimer s. A., am 24. Juni, wurde die alljährliche Gedächtnisfeier des Rabbiner-Seminars abgehalten, mit der die Entlassung der Absolventen, Rabbiner Dr. Josef B o m b a c h und Rabbiner Josef Dünner, Königsberg, verbun» den war. In einer von persönlichen Erinnerungen getragenen Gedenkrede schilderte Rabbiner Dr. Esra Münk das Leben Esriel Hildesheimers und sprach dann über die Stellung des jüdischen Volkes innerhalb der von G'tt gesetzten Ordnung im Reiche der Natur und des Geistes. Nach dem von Oberkantor Apfel vorgetragenen "v»K sprach der Rektor des Seminars, Dr. Weinberg, zu den Entlassenen über die Aufgaben des Rabbiners in unserer Zeit. Diese Aufgabe erschöpfe sich nicht in der Arbeit der sozialen Fürsorge und des Seelsorgers. Im Judentum gebe es auch nicht den Begriff des Mittlers, da jeder Jude unmittelbar vor G'tt stehe. Vielmehr müsse der Rabbiner mit letztem persönlichen Einsatz menschliches und religiöses Vorbild sein, damit' seine Gemeinde in ihm das lebendige Betspiel von Messirat nefesch erlebe. In den Seelen der leidgeprüften Men» sehen müsse er neuen Stolz erwecken, die Kraft zur Freude, die Simcha zur Mizwa in ihnen stärken. Die innere Sicherheit zur Erfüllung seiner Aufgabe als Erzieher und Führer finde er nur, wenn die großen Gestalten der jüdischen Vergangenheit ihm Vorbild bedeuten. Indiesem Sinne richtete Dr. Weinberg Worte der Ermahnung und der Ermutigung an die beiden Absolventen. Rabbiner Dr. Bombach zeichnete deutsch beginnend und in klassischem Hebräisch fortfahrend, in. Anlehnung an die erlebnisreiche Beziehung von Mose zu Israel, die ewigen Aufgaben jüdisehen Führertums. Er dankte den Dozenten und gelobte für sich und den mit ihm entlassenen Freund, stets im Geiste des Rabbiner=Seminars für das überlieferte Judentum wirken zu wollen. Hachscharah für Siedler des Mittelstandes. B e r Ii n , 23. Juni. Der ITA. wird mitgeteilt: . Das erste Zentrum der; vom Palästina=Amt Berlin organisierten Mittelstandshachscharah auf Gut V a - lentinenhoi bei Oranienburg wird in nächster Zeit in Betrieb genommen werden. Die Mittelstandshachscharah macht es sich zur Aufgabe, allen denjenigen, die mit eigenen Mitteln (1000 Pfund und mehr} in Palästina landwirtschaftlich siedeln wollen, eine« gründliche und systematische Ausbildung zu ermöglichen. Gleichzeitig i wird angestrebt, die Teilnehmer der Mittelstandshachscharah zu einer Gruppe zusammenzuschließen, deren Ansiedlüng in Palästina im Rahmen der Ansiedlungsarbeit der deutschen Ab* teilung der Jewish Agency durchgeführt w;erden soll. In Valentinenhof stehen zunächst 20 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Der Preis für Unterbringung, Verpflegung inkl. Wäsche und Unfallversicherung sowie Ausbildung und theoretischen Unterricht beträgt pro ^Person Mk. 85.— monatlich. Die Ausbildungsfächer sind: Gemüsebau,'1 'Obstzucht, Milchwirtschaft, Milchverwertung, Obstverwertüng, Hauswirtschaft, einfache handwerkliche Schulung. Außerdem findet regelmäßiger Unterricht in Hebräisch, jüdischer Geschichte und Palästinakunde statt. Anfragen und Anmeldungen sind zu richten an das Palästina=Amt Berlin, Abteilung Organisation. Die Verkleinerung der jüdischen Bevölkerung in Altona. Hamburg, 22. Juni. Das „Hamburger Fremdenblatt" teilt mit, daß über die Abwanderung von Juden und Judenmischlingen aus Altona gegenwärtig nur wenige Angaben vorliegen. Da9 Amt für Wirtschaft und Statistik werde aber in Kürze Klarheit schaffen. Einwandfreies Zahlenmaterial sei dagegen über diejenigen Juden vorhanden, die, der Israelitischen Religionsgemeinschaft angehören. Am 16. Juni 1925 (Volkszählung) gehörten 2650. Personen der jüdischen Religionsgemeinschaft an, bei ider Volkszählung am 16. Juni 1933 2006 Personen und am 10. Oktober 1935 1667 Personen. Na*

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