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Der Israelit · 1936-07-02 · Heft 27 (2.7.1936) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 27 (2.7.1936)
Date
1936-07-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Oer Israelit 2; Juli 1936 Weltgeschichte ausmachen. Ohne Zweifel hat das jüdische .Palästina das Wirtsühaftsinteresse der Welt in hohem Maße erregt. Die Ausstellung 'bewies auch in überraschendem Maße die industrielle Entwickiunig des werdenden Nationalheims. Von Möbeln bis zu Kassens Chränkejl Sah man jüdisch© Erzeugnisse von vorzüglichem Gesohmacik und ■ einwandfreier Technik. Auch die landwirtschaftlichen! Erzeugnisse zeigten bemerkenswerte Fortschritte. (Man würde vermutlich noch viel weiter halten, käme eine zielbewußte Wirtschaftspolitik der Regierung in stärkerem Maße . dem jüdischen Fleiß und dem jüdischen Unternehmungsgeist zur Hilfe. Lange verweilte ich im Pavillon der Histadl'Uth Haowdiim. Ihre ganze Geschichte konnte man wie in einem eindrucksvollen Anschauungsunterricht lernen. Trotziger Wille, 'hingebungsvoller Opfermut, eiserner Fleiß, geschickte Führung, ausgezeichnetes Organisationstalent, rücksichtsloseste Selbstbehauptungsenergie halben hier ein Wirtschaftswerk hingestellt, das beute das Nationalbeim beherrscht. Auch ein Erzieh/ungswerk. Das ist das Erziehungswerk, das den größeren Teil der Jugend zu Heiden macht. Lange verweilte ich dort." Die ganze Gola hätte ich gerne dorthin gerufen, damit auch sie sehe, damit auch sie lerne.-- In einem kleinen Winkel der Ausstellung sah ich auch — Talessim. Das war alles, was daran erinnerte, daß es schließlich das Volk der Thora ist, das hier sich und der Welt so eine Art von üechenschaft gibt. Ich ging in der Ausstellung umiher, in der jüdischen Ausstellung, mitten im Gewoge der Menschen, jüdischer Menschen —: und mir war alles so unendlich nahe, und mir war alles so unendlich fern. Ein Trupp Kinder kreuzte meinen Weg. Alle trugen sie Käppchen. Es war eine fromme Schule, die ihre Zöglinge mit den Lehrern in die Ausstellung sandte. Die helle Freude lag auf den hübschen Gesichtern. Sie sahen sich „unsere Ausstellung" an, sie sogen die „Normalität des Volksdaseins" mit allen Poren ein, die Bodenständigkeit, die Diesseitsbejahung, die Wirtschaftlichkeit: G'tt stehe euch bei; ihr Kinder, daß ihr über all dem die — Thora nicht vergesset . . . Tiefes Weh überfiel mich, indes, schon aus der Ferne, das Jauchzen der Kinder immer wieder an mein Ohr drang. Wie ist das alles so gekommen? Woher der furchtbare Abgrund, der dieses jüdische Palästina der Arbeit, der Wirtschaft, des Aufbaus vom Heiligen Lande, von Thora und Propheten, von zweitausend Jahren Galuth, von den Vätern Kleines Feuilleton. „Die heilige Schrift". Auf Veranlassung der Jüdischen Gemeinde Berlin gibt bekanntlich Harry Torczyner unter Mitarbeit von anderen Männern, die teilweise zu den geistigen Führern des Liberalen Judentums gehören, die Heilige Schrift heraus (Verlag J. Kauffmann, Frankfurt a. M.) .Der eben erschienene dritte Teil um» faßt N e b i i m A c h a r o n i in, oder, wie sie die Autoren nennen, „die G'ttbegeösiterten". Wie die früheren, ist auch dieser Band vom Verlage mit Liebe und Sorgfalt ausgestattet worden .Er umfaßt nahezu 500 Seiten und kostet gebunden Mk. 4.50. Ue'ber die Uebersetzung ist zu sagen, daß sie, ungeachtet .der Tatsache, daß der Autor selbst, wie einige «einer Mitarbeiter der bi'belkriiaschen Methode nicht abgeneigt sind, sich möglichst genau an den Urtext anlehnt und eigene Sprach- und Begrdffbil* düngen, wie etwa die Buber'schen Uebersetzungen, vermeidet. Jeschajahu wie die anderen sprechen .zu uns in einem einfachen Deutsch, zumeist auch in rhythmisch gegliederter Gedichtform. Manche Wendung hätten u. ,E. die „G'ttbegeisterten" sicher vermieden, sprächen sie selbst und nicht ihre Uebersetzer in deutscher Zunge zu uns*. Vom Standpunkt der Tradition wind man auch die wörtliche Uebersetzung des ersten Kapitels von J e c h esk e 1 nicht angenehm empfinden. Ob man lV»Vsv vielleicht nur der Lautverwandtschaft wegen, mit „heulen" -übersetzen soll, kann, wie manches andere, Sache des vor hundert Jahren trennt? Erweist sich das ganze Erziehungswerk des iharten und bitteren Galuth als völlig verfehlt, so daß schon bei der ersten Berührung mit der alten Heimat, bei der ersten Berührung mit dem heiligen Boden und seinem heiligen Ertrag und seiner neiligen Wirtschaft, dem ersten schwachen Anzeichen etwaiger Restauration — düster droht dadrüben Jaffa! — das unter unsäglichen Leiden um den jüdischen Volksikörper gewobene Kleid der Thora wie Zunder abfällt? Verträgt das Land nur Männer des Beth Hamidrasch, und ikann nur G'ttes Gnade in diesem Lande Thora und Leben vermählen? Ist jene erschütternde Resignation berechtigt, die neulich einen offenbar pflichttreuen Lehrer in einer angesehenen Monatsschrift zu dem Bekenntnis zwang, er hege die Hoffnung nicht mehr, in dieser „Uebergangszeit" seine Schüler zu unbedingten Thorajuden erziehen zu können, und sei zufrieden, wenn es ihm gelinge, ihnen die Thora irgendwie nahe zu bringen, auf daß, in glücklicheren Tagen, sie oder ihre Nachkommen den Weg /zur Thora wenigstens zu — finden vermöchten? Uebergangszeit? „Zeit der Richter?" Nach — zweitausend Jahren — Galuth? -- Wie das alles so gekommen ist? Nicht Erez Jisroel kann die Antwort darauf geben, sondern — die Gola! Nicht erst in Erez Jisroel hat sich der Abgrund aufgerissen, der das jüdische Volk zerreißt, sondern längst vorher schon in der Gola. Warum es leugnen? Wissen wir nicht alle, daß bei einem nicht unbeträchtlichen Teil des jüdischen Volkes der Gola in der Tat die Erziehungsarbeit des Galuth sich nicht bewährt, ein nicht unbeträchtlicher Teil des jüdischen Volkes ider Gola bei der ersten Berührung mit der Wirtschaft und der Kultur der Umwelt die Fahne der Thora fluchtartig verlassen hat und immer noch verläßt? Wohin ging und geht die Flucht? Immer nur in die Assimilation. Erst in die liberale und dann in die zionistische Assimilation. „Auf, wir wollen sein wie die Völker!" Es ist stets dasselbe, individuell oder gemeinsam. Als ein zerrissenes Volk sind wir nach Erez Jisroel zurückgekehrt, zerrissen schon in der Gola, nur daß erst in Erez Jisroel die fürchterliche Tragweite dieses Risses, seine ungeheuerlichen Konsequenzen auch dem Kurzsichtigsten klar vor die Augen traten. Mühelos schlägt die individuell-liberale Assimilation — die liberaljüdische Immigration aus Deutschland beweist es — in Erez Jisroel in die zionistische Assimilation oim, und wenn die heutige Gola vor dem heutigen Erez Jisroel erschrickt, so erschrickt sie vor ihrem eigenen — Spiegelbild. Geschmackes «ein. Hie und da scheinen aber die Autoren sich sogar die agadische Deutung eines Verses anzueignen und sie als öwa auszugeben. So, um nur ein Beispiel anzuführen, in Jescbajahu 57, Vers 1 p'isn «|0RJ nsnn '3Bä ■>> „Denn vor der Bosheit wird hinweggerafft der Rechtliche", worauf dann die Fortsetzung "Iii Ka1 in dem Sinne zu verstehen ist: „Damit er in Frieden eingehe". Man wird bei der Lektüre an vielem Freude haben, manches weniger angenehm empfinden. Allein da wir schon weit schlimmere Verstöße gegen die traditionelle Bibel* auffassung bei Torczyner erlebt haben (sie sind von uns oft genug gebrandmarkt worden), wird man dieses Buch im Ganzen gut finden. Die vortreffliche Ausstattung wird mithelfen, daß die' Ausgabe das Wort und den Geist der Bibel auch in solche Kreise trägt, denen unsere heiligen Quellen leider verschlossen sind. „Neuhebräische Gespräche". In einer Zeit, da Iwrith in Mode gekommen Ist und daher Konjunkturjäger tagtäglich Lehrbücher wie ■die Pilze nach dem Regen aus dem Boden schießen lassen, wird man ein anmutiges, in Albumform gehaltenes Büchlein willkommen heißen, das sich anspruchslos „Neuhebräische Gespräche" nennt und von Dr. Abraham Rand, Leiter der hebräischen Sprachkurse der zionistischen Vereinigung in Frankfurt und Darmstadt, herausgegeben ist (Verlag Kedem Berlin- Charlottenburg). Dem Büchlein ist ein hebräisch-deuts sches Wörterverzeichnis angehängt. Die Gespräche selbst sind sehr lebendig gehalten, aus der Praxis des Unterrichtsfeetriebes herausgewachsen, ohne Anforderungen an die Denkkraft des Lesers zu stellen, Nr. 27 Seite 5 Erez Jisroel hat im jüdischen Volk keine neuen thorafeindliohen Kräfte entwickelt, sondern hat lediglich den bereits vorhandenen die Möglichkeit zu freierer Entfaltung gegeben. Die Assimilation in der Gola mußte und muß sich damit begnügen, entweder aus dem jüdischen Volke herauszuführen, ein Se'lbstvernichtungsprojzeß, der an der Aufnahmefähigkeit oder Aufnahmewilligkeit der Wirtsvölker seine natürliche Grenze hat, oder die Idee eines jüdischen Volkes zu propagieren, das «unter Befreiung vom Joch der Thora die nationale Autoemanzipation in sich und an sich vollzieht. Die Gestalt des heutigen Erez Jisroel ist durch die beiden, im jüdischen Volk der Goja vorhandenen Kräfte der Assimilation zureichend bestimmt. Das heutige Erez Jisroel ist die Aktualität der im jüdischen Volk der Gola wirksamen Potentialität. Nur z.u leicht täuschen die in der Gola gegebenen Hemmungen dieser Potentialität über die Größe ihrer Gefahr hinweg. Nicht in der Gola mit all ihren Hemmungen, sondern in Erez Jisroel, im heutigen Erez Jisroel, zeigt das heutige jüdische Volk sein wahres Antlitz, seine w&kliche „Reife" zur -- Erlösung.; Denn dieses heutige Erez Jisroel, das in diesem Augenblick von einer fürchterlichen Krise durchschüttelt wird, gab dem jüdischen Volk eine Chance, wie sie seit dem Untergang des jüdischen Staates nicht mehr bestanden hat. Gewiß, die Mandatsregierung hat in positivem Sinne keineswegs den jüdisch-nationalen «Aufbau hinreichend gefördert und gestützt; aber sie hät andererseits dem jüdischen Volke die denkbar größte Freiheit gelassen, die Inneneinrichtung des Nationalheims mach eigenem Ermessen vorzunehmen. Wenn im jüdischen Volksmund Palästinas der trotzig-schöne Bau der zionistischen Zentralstellen in Jenuscholajim als das jüdische Regierungsgebäude bezeichnet wurde, so lag hierin eine tiefe Berechtigung. Auf dem Gebiete der Kultur und auf dem Gebiete der Wirtschaft bestand eine fast schrankenlose Autonomie. Gerade diese Autonomie aber ist es, die alle im jüdischen Volk der Gegenwart, auch in der Gola, vorhandenen Diesseitsinstinkte — sie sind im Grunde genommen das Wesen der individuellen Und der gemeinsamen Assimilation — ausgelöst und zu einer den Lebensnerv des Thoravolkes treffenden furchtbaren Entladung gebracht hat. Alle der Thora feindlichen Kräfte, insgesamt der Inbegriff der jüdischen Diesseitsinstinkte, wie sie während eines ganzen Jahrhunderts in das jüdische Volk der Gola gesät worden sind, haben sich, die zionistischen wie die liberalen, durch die Fügung des Lenkers der auch ohne auffällige Tendehzmacherei nach Art an* derer neuhebräischer Lehrbücher. Einiges könnte vielleicht zu Mißverständnissen führen: waVnm nVarm Was ist nbi? In der Sprache der Mischna jede Art von Haarfrisur, (pnVaa iVki)» im späteren Sprachgebrauch aber ein spezieller Ausdruck für Rasieren. Soll dam hebräisch sprechenden Schüler damit beigebracht werden, daß das Rasieren eine jüdische Sache ist? Erhärtet wird die Vermutung durch einen anderen Satz auf Seite 39 über die Tätigkeit des Friseurs. ds»i }pT nVaa ison- Vielleicht wäre es angebracht, dem einen anderen guthebräi* sehen Satz entgegenzuhalten, nämlich aus dem Buche der Thora "ui lTasrn «V "wi Gerade weil der sprachliche und unterrichtliche Wert des Büchleins anzuerkennen ist, wirken solche, das religiöse Empfinden verletzende Ausdrücke sehr störend. Die Fehler sind in einer Neuausgabe leicht zu beheben. Wochenkalender. Vom 4. — 11- Juli 1936 / Vom 14. — 21. Tammus 5696 *BV! ip «®W 'i 'n pns pfca Samstag 4 14 *!ö Sonntag 5 15 na Montag Dienstag Juli 6 7 nan 16 17 w TÖ nrnn npy nviv Mittwoch 8 18 na Donnerstag 9 19 ob Freitag 10 20 a r*y Samstag 11 21 a oni's

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