Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1936)
- Date
- 1936-07-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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5S?SE?5JÄ"SS!5 Seite 4 Nr. 27 -^^^j^^^p^^ j11 «A-WVfo»^ ^^^W^H^ De r Israelit x : Positive Ergebnisse. David Ben.Gorion, der Vorsitzenide der Palästinaexekutive der Jewish A g e n c y erhofft aus den Vorgängen in Erez Jisroel positive Ergebnisse. In einer Pressekonferenz in Warschau, wo er einige Tage weilte, sagte er.* „Es ist unser trauriges jüdisches Schicksal, daß wir erst durch antijüdische Ausschreitungen zu schöpferischer Arbeit kommen. Jedes jüdische Unglück löst eine positive Aktion aus. Nach den Pogromen in Rußland i. J. 1882 wurde der Grundstein zum heutigen Palästinaaufbau gelegt. Nach den Pogromen i. J. 1905 entstand die mächtige jüdische Arbeiterbewegung; nach »dem Massakre in Palästina i. J. 1921 blühte die ganz durch jüdische Aibeiterhände geschaffene erste jüdische Stadt Tel Awiw auf. Das erste Resultat der jetzigen Ereignisse in Palästina war der Entschluß, die Selbstversorgung der Juden mit Gemüse und anderen Nahrungsmitteln in die Wege zu leiten. Der jüdische Schutz wurde verstärkt; 'hunderte jüdische junge Leute treten jetzt in die Palästinapolizei ein,. Das wichtigste Resultat aber ist die Schaffung des ersten jüdischen Hafens in Erez Israel an der Jarkonmündung in Tel Awiw. Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich sage, daß dieser jüdische Hafen vielleicht kein geringeres Ereignis ist als die Verkündung der Balfourdeklaration. Das -jüdische Volk hat nun die Möglichkeit, auch ein Seevolk zu werden." Daß in der jüdischen Geschichte das Leid das Heil gebiet, hat schon ©in ■Früherer und Größerer konstatiert, nämlich J i r m e j a 1h u im iKap. 30, 7 i-uaai apr1? hrn ms njn* (Eine Zeit der Not ist es für Jakob, und aus ihr heraus wird ihm Hilfe.) Wir möchten aber über die Erwartungen Ben Gorions hinaus auch positive Ergebnisse im Geistigen und Religios e n aus der kritischen Situation erhoffen. Möge aus den Wehen, in denen sich Erez Jisroel wieder windet, der Erez Jisroel -Sab bat neugeboren werden, der Wille zur Heimkehr neuentstehen in denen, die sich schon daheim dünkten und doch geistig heimatlos blieben . . . Mit dem Hafen in Tel Awiw wurde der erste Versuch gemacht, den Sabb at in seine Rechte wieder einzusetzen, möge mit der Ruhe, die wir bald für das ganze Land erhoffen, die Sabbatruhe ins jüdische Heim, in die jüdische Amtsstube und Arbeitsstätte einkehren. Es wären dies, so wollte uns scheinen, die positivsten aller positiven Ergebnisse. Exzesse und Festbankettsreden in Litauen. In Kowno in Litauen kam es vor kurzem bei dem Begräbnis eines Arbeiters, der seinen Arbeitgeber, den jüdischen Großindustriellen Camhert, erschossen und dann die Waffe gegen sich salbst gerichtet hatte, zu Bxzessen, die, obwohl kommunistischer Natur, sich zum Teile gegen Juden richteten und auch jüdische Opfer forderten. In der Vorstadt Alexot wurden in der Synagoge während des G'ttesdienstes sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen. Der litauische Staatspräsident Prof. Smetona sagte aber auf einem Festbankett in Janow etwa folgendes; „Litauen ist seit jeher das Vaterland für alle Nationalitäten gewesen, die es bewohnen, und wird es auch in Zukunft bleiben. Der jetzige litauische Staat hält an Litauens alten geschichtlichen Ueberlieferungen fest, die es ihm gebieten, allen Verfolgten Zuflucht zu gewähren. Schon in alter Zeit hat Großlitauen die Juden, die in benachbarten Ländern verfolgt und gequält wurden, gastfrei bei sich aufgenommen. „Auch jetzt," fuhr der Staatspräsident fort, ,,ist die Staatsführung bemüht, die gleichen Beziehungen zu der jüdischen (Minderheit aufrecht zu erhalten. Ich bin überzeugt, daß die Vertreter der jüdischen Öffentlichkeit ihren Gefühlen aufrichtig Ausdruck gegeben haben, als sie ihre Liebe zu Litauen und seinem Führer bekundeten, und daß sie ebenso patriotisch gesinnt sind, wie die Staatsangehörigen litauischen Volkstums. Darum hoffe ich, daß die schwere, verantwortungsvolle Arbeit des Staates in voller Brüderlichkeit zwischen Litauern und Juden geführt werden wird." Schließlich äußerte sich der Staatspräsident über seine Auffassung der Begriffe „litauisches Volk" und „litauische Nation". Der litauischen Nation gehören seiner Auffassung nach alle Bürger ohne Unterschied von Nationalität und Glaubensbekenntnis an. Allen Angehörigen dieser litauischen Nation, die die gleichen ihnen vom Staat auferlegten Pflichten zu tragen haben, kämen daher auch alle Rechte und Privilegien zu» auf die jedes loyale Mitglied der litauischen Staastgemeinschaft Anspruch hat. Es ist anzuerkennen, daß auch bei den genannten Exzessen die Polizei eine Energie entfaltet hat, die zeigt, daß die Behörden gewillt sind, im Geiste ihres Oberhauptes im Regierungspalaste zu handeln. Erez Jisroel - Briefe. Von Dr. Isaac Breuer. Ende Siwan 5696. Ausstellung in Tel Das gewaltige Am- Sabbatausgang b's Vorige Woche ist die Awiw geschlossen worden, phitheatron füllte sich bei zum letzten Platz mit festlich gestimmten Menschen, die aufmerksam den Schlußreden lauschten und dem S tadtob erhaupt Dizengoff eine begeisterte Huldigung bereiteten. In allen Reden kam zum Ausdruck, daß die Ausstellung selbstverständlich unter den . furchtbaren Zuständen des Landes gelitten habe, daß sie aber gleichwohl als ein Erfolg gebucht werden könne, und daß sie vor allem in der Unbeirrbarkeit ihrer Eröffnung und Durchführung gewissermaßen symbolisch . dem arabischen Volk wie der ganzen Welt den felsenfesten, durch keine Tat der Gewalt einzuschüchternden Willen des jüdischen Volkes vorführe, im Heiligen Lande das jüdische Nationalheim bis zur Vollendung aufzubauen. In der Tat war die Ausstellung eine imponierende Leistung. Zwischen Yarkon und Tel Awiw schmiegte sie sich ans Meer. Sie bot einen überwältigend schönen Anblick. Vor ihr das Meer, das das Heilige Land mit der ganzen Welt verknüpft. Dicht bei ihr der erste Ansatz zum Hafen von Tel Awiw. Im Hintergrund die Kolonien, die jüdische Arbeit dem Boden abrang. Daneben Tel Awiw: die Illusion einer jüdischen Weltstadt. Dadrüben friedlich, deutlich sichtbar, in nächster Nachbarschaft, der Ort finsterster Leidenschaft, wie eine Wolke des Hasses, der Vernichtung, wie ein Hauch aus der Wüste, der Antizivilisation: Jaffa. Gibt es noch einen Ort der Welt, der solch unermeßliche Gegensätze auf engstem Raum zusammenzufassen vermag? Jüdisches Schicksal ... Es war der Leitung gelungen, eine große Zahl führender Kulturnatinen izur Beteiligung an der Ausstellung zu bewegen. Neben der zionistischen Fahne als Fahne des gastgebenden Volkes flatterten die Fahnen der meisten Völker, die die fts Mussarpostulate. Aus einer Rede des großen Mussarlehrers Rabbi Simche Süssel aus Keim V'xt- Seit langer Zeit befasse ich mich mit dem Problem, und ich kann nicht verstehen, warum die Taten der Menschen nicht übereinstimmen mit ihren Ansichten. Selbst Menschen mit reicher "iDin ^Bildung erreichen nicht die Stufe unserer Alten b"i deren Gedanken und Handlungsweise eins waren und die darum in ährer Arbeit Erfolg und Gelängen sahen. Worin liegt der Unterschied zwischen ihnen und uns begründet? Es steht (t rbap) -d'^t niaa»n ivpi mm En«n~fls d^kh n»y "ipr Die übliche Uebersetzung: „G'tt schuf die Menschen rechtschaffen und sie suchten viele Berechnungen." Um den Satz zu verstehen, müssen wir vorausschicken, daß es in der Natur des Menschen liegt, daß er sich von einer Gewohnheit nur schwer trennen kann. Diese Erkenntnisi ist vom erzieherischen Standpunkte besonder® bedeutungsvoll', da man schon beim Kind anfangen kann, es an einen guten Lebenswandel zu gewöhnen: min na^a vaR *mV tevv piavi „Ein Kind, das schon sprechen kann, soll der Vater Tauroh lehren." Was von der Tauroh? "tti rmn iaV ms min Wenn das Kind für die Erziehung empfänglich wird, ist der Vater verpflichtet, es an die Pflichten zu gewöhnen, damit sie ihm zur' Natur werden («nipa»i SDVJ). Wir sehen sogar, daß ein dem Gesetz untreu gewordener Mensch sich zunächst schwer von der Ausübung meiner Pflicht trennt, da er von Jugend an daran gewöhnt war. Jedoch haben wir die Regel, daß es auf dieser Welt nichts gibt, was vollkommen gut ist und nur a"nw eine Welt "bw alöf die sehr gut ist, sein kann. So ist -es auch in diesem Fall mit der Gewöhnung durch die "Erziehung. Sie hat ihre großen Nachteil«. Ihr wißt (so spricht R. Simche S. zu seinen Schülern;) warum ich mich immer dagegen gewehrt halbe, daß Menschen mit kleiner Auffassungsgabe in unser Lehrhaus aufgenommen werden, (in Keim war die Auswahl der Schüler sehr strengi)f, wohingegen doch Mischle sagt: l'Vsaa ait> Man b&- Wir gingen aber von der Erkenntnis au®, daß solchem Menschen mit geringerem Verständnis großer Schaden aus der frühzeitigen Aufnahme erwachsen kann; denn wenn er selbst später mehr Verständnis für die Feinheiten unserer Disziplinen bekommt, so werden sie keinen Eindruck mehr auf ihn machen, weil er sich immer wieder auf seine ersten Eindrücke, die nun schon zur Gewohnheit geworden sind, beziehen und besinnen wird. So sehen war auch, daß Erkenntnissie, die uns schon von früh an anerzogen sind, wie z, B. die Einzigkeit G'ttes und sein Walten über die Geschöpfe, der Auszug aus Aegypten, das Fallen des Manna, die Ges setzgebung am Sinai, der Segensfluch Bileams usw. auf uns keinen sonderlichen Eindruck mehr machen, obwohl es Geschehnisse waren, über die man ganz ungeheuer begeistert sein sollte, nachdem sie doch so außergewöhnlich übernatürliche Ereignisse darstellen. Der Grund liegt einfach darin, daß diese Dinge von uns mit noch unreifem Verstände und unvollkommener Vorstellung erfaßt wurden, deren wir uns auch noch jetzt bedienen, nachdem wir daran gewöhnt sind. Nur durch große Mühe und Denkarbeit können wir diesen Dingen etwas Neues abgewinnen, wenn wir imstande sind, die naturhaft gewordene Vorstellung in uns zu. verdrängen. Wir verstehen jetzt dasi Gebot des Schma: ovt\ "px» 'a« Iii», wozu unsere Weisen erklären: Q'Bnna T?,ya vrp on av ^3« Die Worte der min seien jeden Tag wie neu in deinen Augen, d. h. nach unseren Ausführungen, daß man jedesmal neu nachdenken soll über die h"i*a, ihnen etwas Neues, einen neuen Sinn, eine tiefere Erklärung abzugewinnen. Beides gemeinsam. nur, die Gewöhnung unserer Jugend an die Gebote und ihre tägliche Neuerwerbung in unserer Gedankenwelt, bieten erst die Gewähr für das richtige tiefere Verständnis und die korrekte Erfüllung der fiiw- In diesem Sinne erklären wir nun obengenannten Satz aus Koheleth: "w\ a*mn ns 'p^n npy -ups« G'tt schuf den Mensch rechtschaffen, d. h; mit echten, edlen Kräften, aber tra-i miarn wpa nan, sie e r fordern viel Berechnung, d. h. viel neue Gedanken und neues Verständnis, um sie auf dieser gesunden Grundlage weiter zu entwickeln. IM« Erfahrung bestätigt unsere Annahme; denn wir sehen, dafl viele Worte auf unsi keinen Eindruck mehr machen, wenn wir sie hebräisch sprechen. Uebersetzen wir diese Worte aber, so hinterlassen sie eine ungleich stärkere Wirkung. Die Worte unserer Weisen: a»aianw uwi kVk srsp -jrfran vyr\ bx sind unter diesem Gesichtspunkt besser zu verstehen, »ap bedeutet eine Gewohnheit von jeher, das ist keine nVsn. Erst das stetig Neuartige, da® stets, verändert hervorbrechende Gefühl, npaianni a»an*i/ schafft den Charakter einer echten n^wiam. ••.tf-i*f