Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1936-06-25 · Heft 26 (25.6.1936) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 26 (25.6.1936)
Date
1936-06-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450909-2450934--82208-2540148
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

25J5 Juni 1936 Der Israelit Nr. 26 Seite. 13 Die Palästinadebatte im Unterhause. .: y L o ndo n, 21. Juni. Einleitende Erklärung des Kölonienministers. Die erwartete große Debatte im ü n t e r h a u & e fand , am Freitag, den 19. Juni, statt. ••, Das . gewaltige Interesse , zeigte sich in der starken Besetzung der Ministerbänke, der Abgeordnetenreihen und .der Galerien. Eingeleitet wurde die Debatte mit einer Er» klär ün'g d e s 'Kp 1 o nien<mi n.i s t ers Or'msby-Gore, in derer sein Bedauern über die Ereignisse in Palastina ausdrückte und.die Redner, auch die der Opposition, bat, in ihren Äeußeraingen alles?ü vermeiden, was die Gegensätze zwischen den ^v'.^- stämmen noch verschärfen könnte. Er ga\ noch Mitteilungen über .die Stärke der englischen Militär* macht in Palästina und 'über die neuen Vollmachten : für die! Palästira-Rsgierung, besonders -auch über das neue -Gesetz, nach dem Angriffe aüf. Militär und lebenswichtige Verkehrsin&titüte mit, dem Tode oder lebenslänglichem Zuchthause bestraft werden. Haifa sei vom Streik unberührt geblieben. Der High Commissioner habe sich durch sein Verhalten von neuem das Vertrauen der Regierung erworben und den Jude n Palast i n a s müsse . Dank und Aner^ kennung. ausgesprochen werden für ihre Zurückhaltung all den Provokationen gegenüber. Die Zahl der T"o d/e s opfer gab der' Minister mit 42 an, von denen 2 8 Juden .seien. (Die Zahl der jüdischen Todesopfer hat .sich inzwischen auf 34 erhöht.;) Ferner zähleman bis jetzt 109 Schwerverletzte und 275 Leichtverletzte. 1823 Araber urid 418 Juden würden abgeurteilt. Von den Juden wurde nur ein einziger unter Polizeiaufsicht gestellt. Der Minister erklärte noch einmal, daß sich die Regierung von der Gewalt' nicht werde: b e ei n fl üss einlassen und wie* wieder auf die in Aussicht ges nommene Entsendung . einer. Un t er suchungsk o m m i s s i o n hin. Noch hofft der Minister, daß ■die Freunidschaft zwischen England' und dem arabischen Volke erhalten bleiben könne,^^ freiMcfi nur auf der Basis .' der Erkenntnis, daß,.der Anspruch d e r J u;d e n der g a n-z e n.. W el.t> a uf :e irn Z e n.■-> trttm in P a 1 äs ti n a b e r e ch t i g t -se i. Die Regierung habe eine ihrer doppelten Verpflichtung entsprechende Lösung zu finden. Die jetzigen Forde-, rungeh der Araber sind einf a ch unatnehm-' bar. ■■ 1 ■'■ ■ - Die Debatte. Als erster Redner der Opposition erklärte* der Abgeordnete Tom Wi 1 Ii am«, düß die Opposition weder antinoch prbjüdisch sei, sie habe nur die Interessen Palästinas dm Auge. Er fragt, .warum man gegen den Großmufti und die Führer des arabischen Komitees, die den rein p p Ii fis che n Streik organisiert hätten, nicht vorgegangen sei, als es. noch Zeit war. Palästina habe bei ^guter Zusammenarbeit Raum genüg für beide Völker, wofür Haifa den besten Beweis liefere. Der Standpunkt des Kolonienministers sei zu billigen,'aber, eine energische Haltung zu verlangen. Redner weist darauf hin, daß die Araber noch etwa 6 Millionen Acres Boden in Palästina besitzen, während die . Juden höchstens 300 000, Acres ihr eigen nennen, ergo könnten/, die .Jjiäen. /nicht _'sqT. viele Araber /»landlos'.! gemacht habeni:: Wfcnn die, jüdischen Aecker fruchtbarer sind als diel änderen; so sollten die Araber daraus' lernen und nicht die Aecker in Brand,".'setzen, Bei einer Bemerkung des Redners über die Zusammensetzung-der Pälästinabe~j; völkerung unterbricht der KolöniennMnistepj:miti'Idei'i' Berichtigung,; daß nach den letzten amtlichen 'Zahlen in Palästina 759 000 Mohammedaner und 32 0 0 00 Juden leben, zu denen noch 103 000 Christen kommen. Zusammen mit den nomadisierenden Beduinen, die etwa 6000 Köpfe zählen, beträgt die Gesamt1 be völkerung'Palästinas ein e M i 1 Ii o n'u n'd 200 000. ■ Abg. Williams weist weiter nach, daß die; jüdische Einwanderung' den Arabern sehr genützt hätte. Wären die Verhältnisse für die Araber in Palästina so schlecht, daifn wäre die arabische Einwanderung aus den Nachbarländern nicht so «groß. Je mehr Juden ins Land kommen, um so größer die Aufnahmefähigkeit dejs . Landes, da dadurch der Handel ge-' hojjen 'und neue Industrien geschaffen werden. Niemals {sei dieüwirtschaftliche Lqge der Araber so ge=; festigt/, gewesen, wie heute. Die doppelte Verpflichtung erfülle England am besten durch Unterstützung des jüdischen tNationalheims, da dieses auch den Arabern in hohem Maße zugute komme. Redner hat .auch lebende Worte für den Hafen in Tel Awiw, dem er eine gute Zukunft prophezei. Lord Wi n t e r t o n vermutet, daß wenn Ormsby- Gore schon früher auf dem Platze, den er heute einnimmt, geständen hätte, manche Mißgriffe und ihre Folgen ausgeblieben wären. Unter großer Spannung des; ganzen 'Hauses kommt nun Lloyd George zu Wort. Die Forderung der Araber, sagt er, sei nichts anderes als der Wunsch nach A b s c h. a f f u n g d e s Mandats, das könnten wir aber nicht, wollten wir nicht wortbrüchig werden. Das Mandat könnten wir höchstens dem Völkerbund, von dem es England bekommen hat, wieder in .die Hand legen. Die Araber vergessen, von welcher Not sie die Engländer befreit hätten. Ehrenpflichten müsse England einhalten, allen Widerständen zum Trotz. Zu diesen Ehrenpflichten gehöre aber einmal die Errichtung eines jüdischen Nationalheimes in Palästina. Er erinnerte auch an die Verdienste der Juden für England im Weltkriege, denen mit der Balfour-Deklaration gedankt wurde. Lloyd George legt ein warmes Wort für die jüdische Einwanderung aus Deutschland ein. Von Ueberbevölkerung und Lohndruck könne dort nicht die 'Rede sein. Zu allernächst müsse dort Ruhe geschaffen werden, und zwar durch. Verstärkung» der militärischen Besatzung und Bewaffnung d e r;;j ü d i s c h e n S i e d- •1 e r. Die Lage verlange gebieterisch die Bildung eines Jüdischen Selbstschutzes. Es spricht nun der frühere Kolonialminister Amery. .Auch er verlangt energische Maßnahmen und fragt, warum die Tränengasbomben nicht ange- - wendet,werden. Mit Rücksicht auf, die schwere Lage 'der Juden in..D;eutjs.ph 1 and dürfe;die Einwände* rung nach Palästina'nicht beschränkt werden. Amery schildert auch'die Bedeutung Palästinas für das englische ■Weltreich, von der , auch die Bedeutung der . jüdischen Einwanderung und Kolonisation für- .Eng-*: landf&edingt 'sei.: •.- ..-:■; Colone!1 Gleftoh Br. o/wxi wirbt um Verständnis für die arabische Lage. /Er wünscht .die Festsetzungeiner Grenze für die jüdische Einwände rung.'. Er■•wisse,', daß der Kolonienminister Sympathien für die Juden habe, aber er vertraue auf seihe Ritterlichkeit, daß' . er: auf die Herstellung des richtigen Gleichgewichtes > zwischen Juden und. ■ Arabern , bedacht, setm;iWerde, Commander Oliver Locker Lampson spricht sehr warm für das Jüdische ^ationalheim. Palästina sei d i e' i e/t;:z ,t/e', H/p f >f u/ix/g;.! dt.e>r ^o/d e n;und "England, habe die.. Verpflichtung^ das>, jüä&eh.e;.,Natipf... nalheim auszubauen, sowohl im Interesse [id^ri ^ude-n," als auch, zur S<i c h e rü n g d'ess'-S-u'fezk'an a 1 s. Ein jüdischer' Träumer, D i s r a e 1 i ,; h!abe// die Bedeutung des Kanals für die britis che ' Weltmacht erkannt, und, die: jüdischen. R o t.h.s c h i Ji-d s-;bätten. das Geld - gegeben, um diesen gewaltigen Stützpunkt für / England zu erwerben. ' "L ' ';.. "/"•' •" ' "]'. James de Rothschild verlangt in einer Jättf-; geren Ansprache den Ausbau und die ständige Er*' hältung des Hafens in Tel Awiw. Aüjch er'■ erkennt: an, daß mit dem Amtsantritt, dies neuen Kolonien*iinisters eine feste Hand in der: .Palästina-Poli-.; tik gezeigt nwurde. < Im'Namen der L a b o u r- P ä'r't y verspricht der Abg. Herbert M o rr is.o n der Regierung yplle Uriterstützung .bei der Wiederherstellung der Ordnung, in Palästina, Er selber habe, in Palästina geweilt -und;; gesehen; welch wertvolles Mehschenmaterial di« jü'- ' dische Einwanderung ins Land gebracht habe. Der Palästina auf bau sei eine der wunderbarsten Erscheinungen der Welt. Für die Untersuchungskommission könne er sich nicht; begeistern/ Gegen die Kommission; spricht/ »äudh1 der Abg., A. V.,, J on es. , Der einzige Köm m u n ist im Unterhause, G a 1-; lachet, polemisdert,;;gegen Lloyd George und seine Freunde!;und':sueht,: die, Unruhen im .kömmunistisc.heh . i-•'' . . -. .;. . -! .•: Sinne zu deuten. , . , . In einem längeren, Schluß wo rte geht. der Kolonienminister auch - aüf dieste kommunistischen Ergüsse ein. Die Dritte Internationale habe stets große Feind5 Schaft gegen den Zionismus.,gezeigt.\ Der von arabi-/ scher Seiteiherg-estellte, V ertr a g zwischen F.-ei» , sei und W ei z mann sei echt. Es bleibe dabei, daß die Regierung fest entschlossen sei, den Kampf auch unter Anwendung schärfster Maßnahmen siegreich zu beenden. Dann solle eine Politik der Befriedung beginnen, darauf berechnet., die "Verpflichtungen Englands gegenüber beiden Nationen zu erfüllen. Polen. Jüdische Sejmabgeordnete stimmen gegen Ermächtigungsgesetz, Warschau. 19. Juni. Der Sejm hat einem Ermächtigungsgesetz zugestimmt, durch das der Staatspräsident die Möglichkeit erhält, bis zur nächsten ordentlichen Sitzung des Parlaments Notverordnungen mit. Gesetzeskraft in finanziellen, wirtschaftlichen und die Landesverteis digung betreffenden Angelegenheiten zu erlassen. Die drei Abgeordneten des Jüdischen Parlamentsklubs stimmten gegen die Annahme des Gesetzes. Der agudistisohe Abgeordnete Minzberg nahm darauf Bezug, daß die1 Aeußerungen des Minister» Präsidenten Skladkowski über den antijüdischen Boykott verschieden ausgelegt werden. Abg. Minzberg sagte, er glaube nicht, daß der Ministei^räsldent sich einem Boykott geneigt zeige und er forderte' die , Regierung auf, entgegenstehende Auffassungen richtigzustellen. Redner befaßte sich weiter mit den Vorfällen von Przytik und den Ausschreitungen' an anderen Orten, die als Ergebnis der antijüdischen Agitation 'zu 'bewerten seien. Er schilderte zum Schluß seiner Rede die wirtschaftlichen Verhältnisse unter der jüdischen Bevölkerung, wobei er insbesondere die große Armut breiter jüdischer Massen hervorhob. 1 Türkei«!: Wahl eines neuen Oberrabbiners der. Türkei,1 < I s t a m b u 1, 18. Juni. Der in Paris lebende Professor Ve-ntoura ^si -zum O b e r r ab bin er de r Türkei als Nachfolger des verstorbenen Gfoßrabbiners Chäim Bedje-i ] rano : ernannt worden. Prof. Ventoura ist türkischer j Staatsangehöriger., t, '; Palästina. , I :.) . ... Die Lage in Palästina. '/ : / J er us a 1 em, 23. Juni, 'Noch keine Ruhe. -— Neue Todesopfer, und neue jFeuerfiberfälle. _ Der Schwerste Kampf. — Der Abbruch der Jaffaer Altstadt und der alte, Schammes. |—Beratungen des zionistischen A. C, und Hilfsaktion des Jischuw. — Der neue Haifaer Stadtrat.. | jPe^siniisiien sahen in fLer Beruhigung, die ZU Anfang. der vorigen Woche eintrat und über die wir an;der-Spitze--unseres -Blattes berichteten, die Ruhe' :vdJr dem Sturm.' Von einem eigentlichen „Sturm** [kann G. s.D. nicht gesprochen werden, aber auch;die Rühe hielt nicht-an. Es sind leider einige schwere .Fälle wieder vorgekommen, die beweisen, daß auch die neuesten scharfen Maßnahmen der Regierung' sich noeb .nicht, voll ausgewirkt haben. Am Donnerstag wurde ein- Bomb ein.-an schlag auf-' einen Autobus,' der sich auf dem Wege" von Rischon le Ziön nach Tel Awiw befancl, verübt, wobei Josef S c h ,e f t e x aus Wien so schwer verletzt wurde, daß er/tags .darauf im Hadassahspital zu Tel Awiw s t a f b. Sechs jüdische Passagiere wurden leichter Verletzt. Scherte?, 28 Jahre alt, .'war Leiter : einer Gerberei in Rischon. Am gleichen Tage starb der 46jährige Abraham ben Jehuda, der Fahrer eines Milchautos der Molkereigesellschaft „Tenuwa'', der einige Tage vorher von Arabern durch Schüsse aus dem Hinterhalt schwer verwundet wurde. In den .Pflanzungen .bei Kfa r S a b a wurde der aus. Deutschland 'eingewanderte Elieser Lisser, wie es heißt, durch Zufall : (verirrte englische Kugel?) er* schössen. Heute Dienstag, den 23. Juni, wurde bei einem Ueberfall auf einen Transport zwischen Rosch Pina und Tiberias der'28jährigevAbraham M i z r a c h i aus Sa<fed, Vater von" drei Kijidern, erschossen. Daniit erhöht sichldie Zahl der jüdischen Todesopfer auf 34.!• - ■ . .. ' . , . Am 19. Juni wurde in Kfar Saba der jüdische Wächter Elimelech Nat haus o n ernstlich verwundet,...als er. seine Wachrunde machte. Auf dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.