Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1936)
- Date
- 1936-06-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450909-2450934--82207-2540147- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 12 Nr. 26 Der Israelit 25. Juni 1936 besonders aus den Kreisen der neuen deutschen Olim. In der Schule wirken bewährte Lehrer, Erzie her und Jugendführer, unter ihnen D'Jn-v ausschließlich jugendliche Kräfte. In Ergänzung deseigentlichen Unterrichts ken nen die Schüler in den Räumen der Schule nach mittags unter Aufsicht eines erfahrenen Lehrers ihre Schularbeiten anfertigen. (Die gemeinsame Wieder* holung des Talmudstoffes ist unerläßlich). Die meisten Schüler machen von dieser Institution Ge brauch; sie finden im Elternhause oft nicht die er forderliche Ruhe, Aufsicht und Anleitung, vor allem dann nicht, wenn beide Eltern arbeiten. Andererseits bietet sich nachmittags Gelegenheit, sprachlich schwächere Schüler — Unterrichtssprache ist selbst* redend ausschließlich xvnaF — besonders zu fördenif Die Schüllerbibliothek dient zur Ausfüllung der ver bleibenden Freizeit. Die Institution als solche soll zu einem Tagesheim ausgebaut werden; sie'dient and rerseits als Grundlage für eine im Geiste der Schule zu schaffende Jugendbewegung. Die Schule, heute noch Privatschule, wird getra gen von der behördlich anerkannten „Agudath Beth Hasefer Hareali Jawneh". Sie untersteht der Sohulabteilung der Regierung. Deren Vertreter hat die Schule besucht, für den neuen Schultyp großes In teresse gezeigt und die. bisherigen Erfolge anerkannt. Desgleichen haben die Prüfungen in den vtp ->naS> erfreuliche Ergebnisse gezeigt. Eine Zahl von Schülern konnte im Laufe des Schuljahres aufrücken. — Große Schulfeiern wurden noch nicht veranstaltet, hingegen wurden, in den. verschiedenen Klassen die B'ö-po (in n»Vn und Tin) in altüberlieferter Weise gefeiert. Anläßlich na'ian wurde eine interne Schulfeier veranstaltet. Ueberflüsisig zu betonen, daß jeder tri gefeiert, daß durch naxa nton und in flm'P Witna auf die Schüler Einfluß genommen wird; daß matt von den eigenen Gartenerzeugnissen feierlich mnpyai mann absondert; daß man stets versucht, die Beziehung zum eigenen Land und Boden zu pflegen usw. usw. Zurzeit bemüht sich die Verwaltung um einen eigenen Bau, da die bisherigen Räume zu klein werden. Der Schule ist der größte Erfolg auch weiterhin zu wünschen, da sie eine fühlbare Lücke im hiesigen Erziehungswesen ausfüllt. — Für die Eröffnung einer entsprechenden Mädchenschule sind .die Pläne bereits gefaßt worden.' Sephardisch und Aschkenasisch; In streng religiösen Kreisen herrscht keine Meinungsverschiedenheit darüber, ob der aschkehasischen oder der sephardischen Aussprache der Vorzug gebührt, sondern überall ist die Ansicht vorherrschend, daß die aschkenasische Aussprache die Gebetssprache ist. Da aber nur die isephardische Aussprache als Umgangssprache in Palästina dient, ist die Frage zu erörtern: Wie stellen wir uns in der Schule zur Einführung in die beiden Aussprachen? .! ' 'Nachdem ich nun schon einige Jahre in meinem Unterricht in beiden Aussprächen unterrichte, darf ich inir "wohl erlauben, kurz :uber''meifie;:£nahtungen'' hier Mitteilung zu geben. ' t'. , Es wäre unbedingt verkehrt, in den erste'n1' Jähren nur in der sephardischen Aussprache zu'tmterrichten, um dann . später die aschkenasische Aussprache einzuführen. Da. in den Synagogen in der aschkenasischen Aussprache gebetet wird,s so wären die Kinder nicht in der L>ge, dem Vorbeter zu -folgen resp. mitzubeten und der^G'ttesdienst ginge kalt an dem Kinde vorüber. Jede religiöse Einwirkung auf das Gemüt des Kindes wird-.ausgeschaltet. Das. Kind, kommt in einen religiösen Zwiespalt, der G'ttesdienst wird ihm gleichgültig. Wir wollen aber" das Kirid zu einem religiösen, aufrichtigen Juden erziehen, der im Gebet. Erbauung und Belehrung finden soll. Da kann es uns nicht gleichgültig sein, obrsich das Gotteshaus uns helfend zur Seite stellt oder nicht. Und dann bedenke man, daß das Kind später wieder um* lernen müßte von Sephardisch-zu Aschkenasisch. Eine, andere Ansicht ist,; in den ■ ers.ten Schuljahren nur die .aschkenasische Aussprache zu lehren. und dann nach einigen Jahren die Kinder in die sephardische Aussprache einzuführen. Die Nachteile dieser Methode sind ja bekannt und ich will heute nicht darauf eingehen. Und nun eine dritte Art der Einführung in beide Aussprachen, für die ich mich heute einsetzen möchte, nämlich die Methode, die Kinder vom Beginn des ersten Schuljahres an in beiden Aussprachen zu unterrichten. Der Lehrer - beginnt den hebräischen Leseunterricht in der aschkenasischen Aussprache und zu gleicher Zeit den hebräischen Sprachunterricht in der sephardischen" Aussprache. Nach einem Vierteljahr ungefähr, nachdem die Kinder einen kleinen Wortschatz in der sephardischen Aussprache besitzen, beginnt auch-das Lesen in dieser Aussprache. Und nun lesen wir alles, was .wir in der hebräischen Lesefibel lesen, in beiden Aussprachen, nur die vorkommenden Brochaus in der aschkenasischen Aussprache, Dagegen sprechen wir nur in Sephardisch. * ■! Den Kindern macht diese Art des Unterrichtes keinerlei Schwierigkeit, dagegen große Freude^ Schon nach kurzer Zeit sind sie in beiden Aussprachen vollkommen sicher. Leichte hebräische Lieder und Gedichte tragen dazu bei, den Unterricht zu beleben und 'den Wortschatz zu bereichern. Wenn wir in dieser Weise de^ hebräischen Unterricht ' gestalten stets der kindlichen Psyche Rechnung tragend, dann wird der Erfolg nicht ausbleiben. D. Katz, Frankfurt a. M. Israelitische Volksschule. Genealogie und jüdische Schule. Genealogie ist heute Pflichtfach in der Schule> Es existieren viele Schriften, die sich sowohl mit der fachlichen als auch mit der didaktisch-methodischen Seite dieser Frage auseinandersetzen. Von jüdischer Seite existieren bis nun noch keine Spezialuntersuchungen. In der jüdischen Schule muß die Genealogie natürlich mit einer dpeziel 1 e n Note versehen werden. Wir müssien in der jüdischen Schule jüdische Genealogie treiben. Das ist klar. Hingegen walten noch viele Zweifel und Unklar? heiten über die Durchführung diese© Unterrichts ob. So seien einige Anregungen dazu an dieser Stelle gegeben. ' . Voraussetzung wäre selbstverständlich g eso n d e r t e Anleitung zur Beschäftigung mit Genealogie Das könnte am besten innerhalb des Geschichtsunterrichts geschehen. Es käme dann darauf, an, im jüdischen Religionsunterricht Anregungen zur Beschäftigung mit genealogischen Fragen zu geben. Bei der Bespre chuhg des Lebens großer jüdischer Denker wären deren verwandtschaftliche Beziehungen soweit wie möglich zu erforschen. - {- In der Schule können naturgemäß aus Zeit gründen nur A n r e g ün g en und Anleitungen zur Anfertigung genealogischer Tafeln gegeben werden, können Untersuchungen und Zusammenstellungen seitens der Jugend und ihrer Eltern nur besprochen, verbessert und gesammelt werden. Dies insbesondere dort, wo es sich um die Untersuchung i der- Familienzusammenhänge der einzelnen Sc h üle<r und Schülerinnen handelt. Das wäre -Voraussetzung zu umfassender genealogischer Arbeit in der Schule und durch die Schule* dürfte niemals Zielpunkt sein. Ueber die eigene jüdische Familie hinaus wäre die jüdische Gesamtheit nicht aus den Augen zu verlieren. Genealogie ohne jüdische Quellenforschung ist undenkbar. So sollte auch unsere jüdische .Jugend bei ihren vielen und erfreulichen Wanderungen. und Aüsflügen dazu angehalten werden, Material aus unserer jüdischen; Vergangenheit1 zu b e s i ch t i g e n , zu'j&a'm oire 1 Ii und d,anninv der ..jüdisch-genealogischen Arbeit zu:y e r we r t e n. Dann wird unsere jüdische Jugend erst die rechte Freude an der Fämüienftfrschung bekommen, was sich auf den ganzeh "Sehulbetrieb erfreulich auszuwirken vermag. > . / - 4 .-• : Ernst L e w y. ungen. ttP*nTfölfo'^ü&' tdkÜu>AWßkß Einivhning in das He- -.' nbräisiebe'von M. Abrah am und- J. B. Le.vy [ < unteVs Mitarbeit* von Dr. H. Bio r o dia nsJc i, ,to Erster Teil (vollständige Neubearbeitung von 'ns?B? erster. Teil.,)! Frank fürt a. M. 1936. rM.ii e:VrH^'r g€f ü;.:'Co, -Mit" Recht -wird heute immer wieder gefordert, daß schon, der Anfangsunterricht im . Hebräischen 'jSprechunterricht sei, nicht nur in die Sprache des T'nach und Tefilloh, sondern auch das lebende Iwrith einführe. Dieser Forderung sucht das genannte Buch in' geschickter Weise gerecht zu werden, m ungezwungener Weise wechselnTexte aus dem Bereich des Religiösen und des Profanen. Leider müssen gegen die Art der Darbietung einiger' Tefillohtexte schwere Bedenken'geäußert werden: :; '"' '* Auf Seite 14 wird die erste Brochoh von ptan wia bis non oViyV abgedruckt. Kinder; in,, diesem .Alter Werden häufig noch nicht weiter beten,;,aber ich halte es nicht für richtig, sofort den Schluß der Brochöh' tori nR ]in folgen zu' lassen, das erschwert nur für später die Erlernung des: richtigen Textes, da1 das Kind nun die, vorher erlernte Wortfolge wieder , aus; seinem Gedächtnis tilgen muß. Seite 24: Nach deutschem Minhag lautet die Brochoh über die Chanukohlichter rmnbv 13 p'innV, (mnbv in einem Wort), nicht fiDin bv in zwei Worten. Zur Einführung der Zahlen benutzt, der Verfasser das Lied snv 'a /ms Textänderuhgensind immer eine gewagte Sache, besonder® aber bei bekanntem Textender jedem Kinde in der ursprünglichen Form leicht zugänglich ist.'' Glaubt man aus pädagogischen Gründen die Strophen 8 und 9; nicht bringen zu können* so lasse, man sie ganz weg, verändere sie aber nicht willkürlich. Warum' aber mußte' die sechste Strophe geändert werden? Lagen auch hier pädagogische Bedenken vor? Warum mußte unbedingt fiaoa nno rwv gestrichen werden? Soll schon in zartestem Kindesalter systema-, tisch die Ansicht gelehrt werden, daß . die mündliche Lehre nicht mehr maßgebend sei? Ungestraft rührt man nicht ah überkommene Texte; gerade bei diesen Aehderungen sind dem Verfasser Fehler unterlaufen: Es heißt nicht swH»n »w» JWW sondern n»»an '»»» iigfg nicht nsan »a^'ruaw sondern nisn vj' niaer- •' "Ji V; Zum Schlüsse noch einige Sprachfehler: S. 17: Datum nicht. ^033 y (auf SL 27 richtig); Bali spielen* "wvxx ^j?nfe,' (ptif im bp heißt lachen). S. 18 anb im, Resser onw.'S. 25 Geschöpf — nna (nicht asna ±= Schöpfung, Natur;)»,' Vorderfuß t» Hinterfuß bn, die Jm Buch gebrauchten: Ausdrücke manp ü->bii;bezw. irnm» o^ai sind;Germanismen schlimmster Art. —r, nnOl^l nllK von Ch. Mandelbaum und K Rothschild. Leipzig. 1 93 6, Verlag M. W. Kaufmann. 6. Auflage. Selbstanzeige; Mit der neuen Auflage feiert die Fibel ÖRAH W'SIMCHAH ihr iOjäniiges Erscheinen. Während dieser 10 Jahre hat sie an ihrem Teil für den Gedanken des. hebräischen Sprechens von der ersten Schulstunde an geworben. Die Zeit hat das ihrige dazu getan, dem Gedanken zum Sieg zu verhelfen, daß zur jüdischen Bildung die Sprache, die Trägerin der jüdischen Kultur, notwendig hinzugehört; Die:> Anerkenntnis dieser Forderung hat in den letzten Jahren eine Reihe yon Sprachlehrbüchern auf den Markt gebracht. Aber' der Schulanfänger bedarf ganz anderer Hilfsmittel. Es wäre nichts verhängnisvoller als die Ansicht, die ich gelegentlich von Kollegen hören konnte, daß' durch die neuen hebräischen Lehrbücher die Sprachfibel überflüssig geworden. sei. Ein philologischer Lernbetrieb mit Grammatikregeln! und Vokabellemen, wie er auf der Mittelstufe nptwendig wird, ist auf der Unterstufe unmöglich. Der 6- und 7-jährige hat. nicht die;Reife, sich über die Sprache zu stellen und sie als Objekt zu betrachten. Die Sprache ist ihm ein subjektiv erfaßtes und un« mittelbar gebrauchsfähiges Werkzeug zur Aeußerung seiner Gedanken. So und nicht anders muß ihm auch die hebräische Sprache entgegentreten. Alle Aenderungen und Verbesserungen, die wir auf Grund der Unterrichtserfahrung bei der Neuauflage angebracht haben, sind getragen von dem Bestreben, alle Textenoch enger an das Fibelbild anzuschließen, alles so zu formen, daß es im Sprechen 'angewandt werden kann, um so die natürliche Vorbereitung des Lesensim ungezwungenen Sprechen zu erleichtern. Auch das Ueben und Befestigen des .Neuerlernten muß ebenso natürlich und lustbetont seih wie die Neudurchnahme. Der neuen Auflage sind drei weitere Seiten zü lebendigem, spielendem Ueben hinzü^eMfit worden. Eine Seite ist als Bilderlotto zum Ausschneiden gesondert beigefügt und wird besonders zur stillen Beschäftigung willkommen »ein. Zwei der neuen Seiten sind zu einem anregenden Beschäftigungsspiel ausgestaltet worden. Anscheinend^ wahllos zusammengestellte Bilder und Wörter, ein; „Kuddelmuddel", wie die Kinder sagen, enträtselt sich sinnvoll durch eiri der Fibel beigegeberies Deckblatt, aus dem sechs Quadrate ausgestanzt sind. Beim Auflegen erscheinen in den ausgestanzten Quadraten sechs Bilder und Wörter in einem sinnvollen Zusammenhang. Je nachdem" wie man das Deckblatt auflegt, -geht das in acht vesrehiedenen Weisen. Dies „Zaubern" löst hellen Jubel .aus. Die Begeisterung!; kommt der /beabsichtigten Uebung zugute. Wir hoffen, daß die kleinen Verbesserungen die* ser „Jubiläumsäuflage" Lust und Freude erwecken, und damit ihren Zweck erfüllen, O^DSIP S'i ISO' c*n Schiur-Büch für die Hand des Lehrenden und Lernenden :in Gemeinde und Familie. II. Teil. Von Nathan Adler. N.'ütä*-, be.rg. 19 3 6. Verlag J. Kauffmann,,. Frankfurt a. M, Nachdem der erste Teil dieses bekannten Schiur- Buches sich einer sehr günstigen Aufnahme beim?' interessierten Publikum erfreuen konnte, haben sich Verfasser und Verleger entschlossen, die zweite Folge . jetzt erscheinen zu lassen, so daß dsa Werk nun-, mehr vollständig vorliegt. Im vorliegenden Band sind*. ,,nöc'h' herrlichere Perlen aus dem unerschöpflichen-'' .Schatz der klassischen Meister des ^Midrasch ans Tageslicht gehoben und gefaßt worden" als im ersten;; Teil, so daß so wohl d^er belehrende , als ,auch erbau* , liehe und nicht zuletzt apologetische Zweck dieser. Broschüre in ausgezeichneter WeiseM! zur Wirkung"' gelangen, Der Vorzug dieser kurzen Abhandlungen' jtu sämtlichen . Wochenabschnitten des Jahres besteht in der sachlichen, phrasenlosen, doch klaren, und ein-; prägsamen Art der Belehrung auf Grund eines geschickt ausgewählten, interessanten Midrasch-Textes. Nie wirken diese Betrachtungen banal oder geküh* stelt, vielmehr durchwegs anregend und aufklärend. Die bewußte Knappheit des Ausdrucks gibt dem Lehrenden gleichwohl ausreichende Motive, um in freier Selbständigkeit '-weiterbauen zu können. Auch diese-' deutlich erkennbare Zurückhaltung erscheint uns somit als ein weiterer Vorzug dieser neuen Darstel*:,: lungskunst. Der Verfasser schöpft seine: MidraschT.;. Auslegungen hauptsächlich aus den klassischen Quelt!en des fi'J»' des »ay 'hmö und' -des er*aV»'!-rEfteses Buch/5' gehört zu; den immer noch sehr vereinzelten, wi'rkit'i lieh brauchbaren Schiurim=Büch'ern^ Es wird darün».^ ganz besonders der weite Kreis der Lehrerschaft .der Landgemeinden, der auf beständige Anregung angewiesen ist;, sein, 'welcher dem Verfasser und denk"' Verleger für diese wertvolle Neuerscheinung reichen;' Dank wissen wird, ."; . - . E, M> .^ ,