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Der Israelit · 1936-06-25 · Heft 26 (25.6.1936) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 26 (25.6.1936)
Date
1936-06-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 26 Der Israelit ,25. Juni 1936 Agudas Jisr oel - Bewegung. Sonntag Bezirkstagung in Nürnberg. Sonntag, den 28. Juni 1936 (8. Tammus 5696), findet eine Bezirkstagung der Agudas Jisr o e 1 in Nürnberg statt. Das Programm sieht folgende Referate vor: Vormittags 9.30 Uhr dm Hörsaal, Essenweinstr. 7, 2. nur für auswärtige Teilnehmer und Mitglieder der Ortsgruppen Nürnberg und Fürth. Referat: Herr Dozent Julius Ehrentreu, Frankfurt a. M,, Mitglied des Vororts-Vorstandes der Landesorganisation der Agudas Jisroel über „Unsere Organisation und ihre Aufgaben". Herr Gottfried Neuburger, Frankfurt a. M., Leiter des Kenessio-Gedaulo-Büros: „Die dritte Kenessio Gedaulo". Nachm. 2.30 Uhr in der Aula der Israelitischen Volksschule, obere Kanalstr. 25: Oeff entliche Veranstaltung. Vortrag Herr Rabbiner Simon Schwab, Ichenhausen: „Die religiöse Lage in den' Landgemeinden"; Herr Dr. S. Ehrmann, Frankfurt a. M., Vorsitzender der PaIästdna=ZentraIe der Agudas Jisroel: „Der Stand unserer Arbeit in Erez Jisroel". Nach sämltichen Referaten Diskussion. Abends 8.30 Uhr: Große öffentliche Kundgebung in der Turnhalle der Israelitischen Volksschule, obere Kanalstr. 25. Redner: Herr Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt. Thema: „Die Agudas Jisroel in der Weltkrise". Die Einladung der Landesorganisation der Nürnberger und Fürther Ortsgruppe der Agudas Jisroel schließt mit den Worten: „Die Agudas Jisroel ruft alle in ihre Reihen, die den Wunsch haben, daß das religiöse Moment immer stärker in den Mittelpunkt unseres Gemeinschaftslebens gerückt werde, und alle, die von der tiefen Ueberzeugung erfüllt sind, daß Erez Jisroel nur auf religiöser Grundlage aufgebaut werden darf. Auch Sie wollen wir bei uns sehen, nehmen Sie teil an unserer Veranstaltung." Vortrag Dr. Ehrmanns in Berlin. Am 16. Juni sprach hier der Leiter der Palästina1 Zentrale der Agudas Jisroel, Herr Dr. S. E h r m a n n, in einer gemeinsamen Veranstaltung der hiesigen Ortsgruppe und des hiesigen Büros der Palästina- Zentrale der Agudas Jisroel über die Einstellung der Agudas- Jisroel zu den gegenwärtigen Ereignissen, vornehmlich in Erez Jisroel. Herr Dr. Ehrmann wies darauf hin, . daß eine besondere Betrachtung der letzten Ereignisse unter dem Blickwinkel der Agudas Jisroel unangebracht erscheinen mag angesichts der Tatsache, daß die Unruhen in Erez Jisroel wie auch in Polen unterschiedslos dem ganzen jüdischen Volk schwere Opfer und Schädigungen gebracht hätten. Wie aber einerseits leider auch agudiistische Poalim in Erez Jisroel durch Hingabe ihres Lebens ot?n enp» waren und nicht zuletzt die agudistischen Kreise schweren wirtschaftlichen Nöten ausgesetzt sind, so waren andererseits auch großzügige Hilfsaktionen der Agudas Jisroel zum Wohle der Gesamtheit eine Selbstverständlichkeit in dem gemeinsamen Schicksal. Das Bild der gegenseitigen Hilfe werde ergänzt; durch die bei dem Brandunglück in Gederah unseren Chaluzim von ihren nichtagudistischen Nachbarn zuteil gewordene tatkräftige Unterstützung, und die Berufung Rabbi M. Blatts nach London zeige, daß auch in der politischen Stellungnahme eine Einheitsfront bestehe. Wolle Agudas Jisroel dennoch den Dingen eine selbständige Betrachtung widmen, so nicht deshalb, um die Schuldfrage aufzuwerfen und in unjüdischer Weise sich mit dem Hinweis auf die Verfehlungen anderer zu begnügen, sondern um nach dem bewahrten Rat unserer Weisen unser eigenes Verhalten gegenüber Erez Jisroel zu überprüfen. Herr Dr. Ehrmann zeichnete sodann in mitreißenden Worten die ideale Einstellung des Thorajuden zu Erez Jisroel anhand einer vom smsa b"^am dem Satze isai msr inmK gegebenen Deutung, deren tiefer Sinn uns erst heute nach Jahrhunderten ganz verständlich werde: „Erez Jisroel bedeutet im Raum, das, was uns der Jaum Kippur in der Zeit bedeutet." Wie wir uns am Jaum Kippur um größte menschliche Vervollkommnung bemühen und doch der Jaum Kippur seiner Bestimmung erst gerecht geworden ist, wenn wir. unser Alltagsleben zu der gleichen sittlichen Höhe erheben und unser ganzes Leben von der Ji8mf> des Jaum Kippur erfüllt wird, so ist uns in Erez Jisroel der Raum gegeben, auf dem wir allen Völkern der Erde das Ideal der von G'tt gewollten Menschengemeinschaft vorleben und durch dieses Beispiel die Gesamtmenschheit zu 'n nm hinführen sollen. Wie es nun keinem gesetzestrueen Juden einfallen würde; den Jaum Kippur etwa deshalb zu vernachlässigen, weil er von einem Teil des jüdischen Volkes nicht in seiner Betsimmung erkannt und sogar mißbraucht wird, sondern unser Bemühen dann erst recht darauf gerichtet sei, durch unser Vorbild andere zum richtigen Verständnis des Jaum Kippur zu erziehen, so darf sich auch niemand der Mitarbeit für Erez, Jis* roel verschließen, weil es bisher seinem großen Idealbild noch nicht entspricht. Suchen wir nach dem Grund für das so oft über das jüdische Volk hereingebrochene Unglück, so sollten wir bedenken, daß in Wirklichkeit auch die anderen Völker noch nicht zu einer wahren Befriedung gelangt sind, daß noch bis heute die Probleme des sozialen und international len Zusammenleben» nicht gelöst sind, weil Reichtum und Macht sich als Grundlagen eii^er dauerhaften Lösung nicht bewährt hätten. Das jüdische Volk aber habe eben von G'tt die Aufgabe erhalten, den Men* sehen den eigentlichen, metaphysischen Sinn ihres Lebens aufzuzeigen, und zur Erfüllung dieser Aufgabe sei uns Erez Jisroel gegeben worden. Nach kurzer Auasprache betonte Herr Dr. Ehrmann nochmals', daß die wahre '"S 2W> mxn frei von egoistischen Motiven erfüllt werden müsse und er die Zeit herbeisehne, wo das gesamte jüdische Volk reif sei, ohne materielle Notlage, und lediglich erfüllt vom Willen zu nwnp mnm das nmipn px aufzubauen. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Jacob L e v y , gab der einmütigen Stimmung der Versammlung Ausdruck, als er Herrn Dr. Ehrmann dankte und" die Ueberzeugung aussprach, daß durch diesen Abend die agudistische Arbeit in Berlin neue Anregungen erhalten habe. Die Bezirkstagung in Mergentheim. Mergentheim, 22. Juni. Es war ein Festtag für die Gemeinde Mergentheim, der letzte Sonntag, als trotz der brütenden Hitze aus allen Gemeinden des weiten Rabbinatsbezirkes Männer, Frauen und Kinder nach dem schönen Kurort wallten, um an einer Kundgebung der Agudas Jisroel teilzunehmen. Schorf lange vor der festgesetzten Zeit am Nachmittag war der große Saal des Hotels Gerstner so überfüllt, daß man sämtliche Neben- und Vorräume, ja sogar die Korridore für das andrängende Publikum zur Verfügung stellen mußte, Herr Bezirksrabbiner Dr. C a h n eröffnete die Versammlung mit einer Begrüßung der Redner und der Gäste und mit einem belehrenden Hinweis auf Wesen und Wirken der Agudas Jisroel und die Bedeutung der Kenessio Gedaulo, wie er sie selbst in Wien erlebt hat. Darauf ergriff der erste Redner, Herr Redakteur Schachnowitz, Frankfurt a. M., das Wort zu seinem Referate über „Das Gebot der Stunde". Redner sprach in Anknüpfung an einen bekannten Bibelsatz von dem dreifachen Gebot der Stunde: Kraft in uns, als Lebensforderung an jeden Einzelnen, Einfluß auf die nächste Umgebung und Anschluß an die kleine wie große Gemeinschaft. Er sprach von der Wichtigkeit der Kindererziehung zum Thorajudentum und schilderte dann Not und Niedergang der Kleingemeinden, 'die ihre Rettung einzig im Anschluß an die kleine und große Gemeinschaft finden können. Eine Betrachtung über Erez I s r a e 1 als Mittelpunkt der Agudaarbeit gab Anlaß,, auch auf die neuesten Ereignisse in Palästina einzugehen, Dem ungemein lebhaften Beifall des Publikums gab der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Cahn, noch beredten Ausdruck. Es folgte ein Referat des Leiters des Kenessio Gedaulo-Bürosi, Herrn Gottfried Neuburg er, das sich nicht allein auf die Kenessio Gedaulo beschränkte, sondern den ganzen Komplex der brennenden jüdischen «Probleme aufrollte und überzeugend die Wege zeigte, wie diese im agudistischen, d, h., im gut= und altjüdischen Sinne, im Sinne von Thora und Mizwoth, restlos gelöst werden können. Der warme Appell zur Gründung einer A gu d a Ji sroel Ortsgruppe und zur Erwerbung des Ke nessio-Sela zeitigten einen guten Erfolg, nachdem sich ein Teil der einheimischen jungen Menschen in den Dienst der Sammelaktion gestellt hatten. « < In einer kurzen Diskussion stellte Herr Lehrer K is s in g e r einige Fragen und Herr Herz, Schwäbisch-HalT, richtete einen kräftigen und waranen Appell an alle, mitzuarbeiten, an der Lösung der Agudaprobleme. Den Abschluß der Tagung bildete ein Referat, des Herrn Fredi Lustig vom Noar Agudati; über die Arbeit und.'Bestrebungen der Noar Agudati=Jugend im großen Rahmen des Aguda-Arbeitspro1 grammes. Ein ausgezeichneter ^Chor, gebildet von den anwesenden Lehrern der umliegenden Gemeinden, leitete die Tagung mit einem an "\bv ein und schloß sie mit hebräischen Erez Israel-Gesängen.. Man darf hoffen, daß in Mergentheim und Umgegend sich der anregungsreiche Tag ■ noch^ weiter segensreich auswirken wird.;.. Di^£ ^Referenten, und Gäste gingen aberi.,mit-„4em* ßindmck' von, dänhen, daß in diesem württembergisichen Bezirke npcii' ein goldener. Boden für jüdische Saaten vorhanden ist, der hur ausgiebig bearbeitet werden muß., '. s Würzburg, 21. Jüni. Die Leitung der hiesigen Noar Agudati-Gruppe hatte den Bundesleiter, Fredi L us t i g/ Frankfurt a. M., eingeladen, noch vor der Mergeritheimer. Tagung eine Aussprache mit den Agudaführern. :und einen Oneg für die Jüngeren zu veranstalten; : In seinem Referat vor '■ den Führern und Aelteren am mv nachmittag schilderte Herr Lustig £urz die Gründe für die Entstehung des Noär Agudati, seihe Ideologie und die durch neue Situationen sich verändernden Aufgaben. Er schloß seine mit Wärme vor-, getragenen und mit großem Interesse von der zahlreichen Zuhörerschaft aufgenommenen Ausführungen mit dem Appell; daß es heute mehr denn je Pflicht jedes jungen orthodoxen Juden sei, dem Noar Agudati, beizutreten und die geforderte Hachscharah. ruchanith wegufanith zu absolvieren. Anschließend wurde ein Oneg veranstaltet, an dem «ich auch die Jüngeren beteiligten. Auch hier stand ein längere® Referat Fredi Lustigs im Mittelpunkt, das den Sinn des Sabbat nach der Hirsch1 Breuer'schen Auffassung zum Thema hatte. Ein gemeinsam gesungenes Lied bildete den Abschluß vder Veranstaltung, 'die ein Beweis war 'für den Arbeitswillen und die rege Tätigkeit des Würzburger N, A. Belh Jakob-Schule in Bratislava. " Bratislava, *10. Juni. Die Landesorganisationder Agudas Jisroel in .der blovakei und PKR mit dem Sitz in Bratislava, erließ diseer Tage einen für die orthodoxe Judenheit unseres Landes sehr bedeutenden Aufruf, dem wir folgende Stellen entnehmen: „Brüder und Schwestern! Seit Jahr und Tag bildet die Frage der Erziehung der weiblichen Jugend eine der vornehmsten Sorgen aller Führer und rabbinischen Autoritäten des orthodoxen Judentums. Ist doch die Heranbildung der weiblichen Jugend im Geiste der Thora und Ueberlieferung — wie unsere Weisen sagen und die Erfahrung uns tausendfach lehrt — die erste Bürgschaft dafür, daß auch die nächste Generation in der Lehre G'ttes wandeln, die Tradition ihrer Väter, für die unsere Vorfahren Scheiterhaufen bestiegen haben, fortsetzen wird. Andererseits ist gerade das Gebiet der Erziehung der weiblichen Jugend arg vernachlässigt. Diesen Erwägungen verdankt die B e t h Jakob-Bewegung ihre Entstehung, die heute G. s. D. über dem ganzen Erdenrund verbreitet ist und über ein Schulnetz von mehr als 400 Schulen mit rund 250.000 Schülerinnen verfügt. Diesen Erwägungen verdanken aber auch .die m. G. H. in unserem Lande gegründeten Beth Jakob=Schulen ihre Existenz, die sich der Förderung und Unterstützung seitens der ehrwürdigen Herren Rabbiner erfreuen. Hundertfach schon ist der Forderung nacheiner Fortbildungsschule für die schulentwachsene weibliche jüdische Jugend Ausdruck .gegeben worden. Nach iängeren Bemühungen hat nunmehr die Landesorganisation der Agudas Jisroel beschlossen, diesem allseits gehegten Bedürfnis Rechnung zu tragen und eine Beth Jakob-Fortbildungsschule in Bratislava zu errichten. Diese Fortbildungsschule, für die bereits bestbewähr,te Lehrkräfte gewonnen wurden, soll den erwachsenen jüdischen Mädchen (vom 14. Lebensjahr an) jenes Maß jüdischen Wissens1 vermitteln, welches sie befähigt, zu opf erbereiten jüdischen Frauen, zu treuen jüdischen Müttern und zu glauben/streuen Erzieherinnen der nächsten Generation zu werden. Die Beth Jakob=FortbildungsS'chule soll, wenn möglich, mit halbem oder ganzem Internat verbunden werden. Eine endgültige Regelung wird jedoch erst möglich sein, wenn eine Uebersicht über die Zahl und Zahlungsfähigkeit 'der in Betracht kommenden Schülerinnen gewonnen worden ist." Es wird zum Schluß zu Anmeldungen bis zum 22. Juni (2. Tammus) 1. J. im Büro der Landesorganisation der Agudas Jisroel, Bratislava, Republikplatz 37, aufgefordert. Vermischtes; Großlangheim (Unterfrankein), 22. Juni. Das „Würzburger Volksblatt" brachte in seiner Nr. 141 vom Samstag, den 20, Juni, folgendes: „Hoch klingt d a >s L i e d von e i n e r b r a v e n Frau! Das Kind des Arbeiters Mauckner von hier lief in Abwesenheit seiner Mutter auf die Straße, gerade, als zwei Autos heranfuhren. Da® Kind wurde von den Fahrern wohl nicht bemerkt. In dem Augenblick, als ein Unglück unabwendbar schien, warf sich die Landwirtswitwe C. W. e i k e r s h e i m e r, die gerade von der Feldarbeit kam, zwischen die Fahrzeuge und rettete unter Einsatz ihres , eigenen Lebens das;Kind. Der eine Autolenker, der, um 'die Frau nicht zu überfahren, stoppen mußte, entstieg seinem Wagen und warf der braven und tapferen Frau eine Partie Grobheitenan den Kopf. Ist das der Lohn für die mutige Tat?" Wir möchten unsererseits hinzufügen, daß es sich um die Witwe des vor einigen Wochen verstorbenen Leo W e i k e r sh. e i m e r s. A. handelt. Er hatte bei seiner großen Oekonomie bis; zuletzt 3—4 Chaluzim, war Teilnehmer des Weltkrieges mit Auszeichnui)-!?getf-üncl-. wurde^üttgst .unter großer, ehrenvoller Beteiligung nach R'ö d e 1 s e e bei Kitzdngen zu Grabe getragen. . * . ' . ': '. ■ ■ Briefkasten, J. L, E, in K. Wir sind sowohl von Gederah aus wie der P. C. in Frankfurt a; M. gebeten worden, Aufrufe von privater Seite nicht* zu bringen. Besten Dank! •'. " Rabb. Dr. G. in Fr. Die Notiz über; die Seelenzahl in H '. . . ging durch die ITA. .

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