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Der Israelit · 1936-06-25 · Heft 26 (25.6.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 26 (25.6.1936)
Date
1936-06-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 26 Der Israelit 25. Juni 1936 tel der Führung unmöglich zu machen. Dem Gedanken der Rechtssicherheit und der von Reichsminister Frank in Rom betonten Vollendung und Abgeschlossenheit der Judengesetzgebung sei dadurch Rechnung getragen worden, daß sonstige Anforderungen an die Reinheit des Blutes, die über die Nürnberger Gesetze hinausgehen, nur mit Zustimmung des Reichsministers des Innern und des Stellvertreters des Führers gestellt werden dürfen und bestehende Anforderungen, sofern sie nicht ausdrücklich zugelassen werden, fortfallen. Das gelte u. a. für die Deutsche Arbeitsfront und für die Aerzteschaft. Die weitgefaßten Begriffe Arier und Nichtarier verschwinden, soweit es sich um schon approbierte Aerzt« handelt, aus der ärztlichen Berufsordnung, die in dieser Beziehung nur noch die Unterscheidung zwischen jüdischen und nichtjüdischen Aerzten kennt. Beiratssitzung der Jewish Agency für Deutschland. Berlin, 16. Juni. Eine Beiratssitzung der Jewish Agency für Deutschland fand am Montag, den 15. Juni, im Berliner Logenhaus statt. Referate hielten da® Mitglied der Exekutive, Dr. Werner Senator, Jerusalem und der Vizepräsident de® deutschen Keren Hajessod, Dr. Michael T r a u b. Letzterer referierte über die Finanzlage der Agency für Deutschland. Es wurde beschlossen, einen Aufruf an die Judenheit Deutschlands zu verstärkter Palästinaarbeit zu erlassen. Der Beirat, heißt es im Aufruf, sei der Ueberzeugung, daß ein Weg gefnuden werden soll, um in dieser Stunde 'die Gesamtheit der Juden in Deutsch» land zu verstärkter Mitwirkung am Palästinaaufbau zu gewinnen. Die Antwort der Juden in Deutschland auf die Ereignisse in Erez Israel müsse in aktiver Teilnahme an der Festigung und dem Aufbau der jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina bestehen. Sitzung des Landesverbandes der Z. V. 1. D. Berlin, 16. Juni. Am Sonntag, den 14. Juni, trat der <auf dem XXV. Delegiertentage der V. f. D. gewählt« Lau de® vor* stand in Berlin zu seiner ersten Sitzung zusammen. Die Sitzung wurde vom Vorsitzenden Dr. Siegfried Moses mit einer längeren Ansprache und einer Gedenkrede auf Nahum S o k o 1 o w eröffnet. Dr. Werner Senator erstattete einen Bericht über die Ereignisse in Palästina. Er erklärte gegenüber anderslautenden Ansichten, daß eine planmäßige Vorbereitung der Unruhen durch die politischen Führer der arabischen Bewegung nicht anzunehmen sei, da diese im Augenblick der geplanten Entsendung einer Delegation nach London durch die Exzesse in Jaffa nur diskreditiert werden konnten; hingegen seien sie spä5 terhin, nachdem die Bewegung ins Rollen gekommen und der Plan einer Delegation nach London undurchführbar geworden war, entschlossen auf die Seite der radikalen Jugendverbände geschwenkt, aus deren Reihen die TerrorrVtengruppen sich rekrutieren und die in von Woche zu Woche in steigendem Grad die politische Führung des Streiks an sich gerissen haben. Die britische Mandatsregierung habe anfänglich den Ernst der Lage nicht erkannt, so daß ihr der Vorwurf nicht erspart werden könne, nach dem ersten Uniruhetage in Jaffa die nötigen Vorkehrungen zur Unterbindung weiterer Aufruhrversuche unterlassen zu haben. Er rühmt die Leistungen der zionistischen Stellen, denen es gelungen sei, in einem größeren Umfang die Aushebung jüdischer Hilfspolizisten, die Verlegung des größten Teils der iDistriktsbehörden von Jaffa nach Tel Awiw, die Genehmigung zum Bau des Hafens in Tel Awiw, sowie vor allem die Erteilung des Labour Schedules für das Sommerhalbjahr zu erwirken. Polen. Der Radomer Pogromprozeß. Radom, 23. Juni. Im weiteren Verlauf des Prozesses wegen des Pogroms in P r z y t i k lehnte es der Vorsitzende ab, Die Woche. Berlin. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden teilt mit, daß nunmehr auch die Landesgemeinde der Jüdischen Religionsgesellschaft im Landesteil O 1 d e n= ■bürg -Birkenfeld und die zur Landesgemeinde gehörigen Synagogengemeinden den Anschluß an den Preußischen Landesverband vollzogen haben. — Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden teilt mit, daß er auch in diesem Jahre die Ver-\ mittlung von Vor beterstellen an den hohen Feiertagen übernommen hat. Geeignete Bewerber wie die Gemeindevorstände werden aufgefordert, sich beim Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, Berlin=Charlottenburg 2, Kantstr. 158, zu melden. — Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Zu der von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland herausgegebenen Liste der jüdischen Badeärzte und Kuranstalten ist eine Berichtigung erschienen, die auf Anforderung von der Reichs Vertretung der Juden in Deutschland, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158, geliefert wird. Breslau. Die „Jüdische Zeitung" in Breslau teilt die Namen von insgesamt zehn Personen mit, die seit Beginn des Jahres in Breslau aus dem Judentum bezw. aus der Synagogengemeinde ausgetreten sind. Hannover. Die Spinoza=Straße in Hannover ist in Nietzsche-Straße umbenannt worden. Wilhelmshaven. Nach Meldung des „Wilhelmshavener Kuriers" ist die Heine-Straße in Rüstringen in R u - s e 1 e r - S t r a ß e umbenannt worden. Die Schule Heine=Straße heißt jetzt Ruseler- , Schule. Wien. Bei den Musterungen nach dem neuen österreichischen Gesetz . über die Buttdesdienstpflicht wurde als erster der Jude Adolf Ab el es „tauglich" befunden. Die Wiener Zeitungen veröffentlichten das Bild des ersten österreichischen Soldaten der Nachkriegszeit, der in Erfüllung seiner Bürgerpflicht in das neue Volksheer eintritt. Bukarest, Cuzistische Studenten haben den leitenden Redakteur der Tageszeitung „Dimineata", Blumenfeld-Scrut a t o r, nachts überfallen und ihn durch Sehläge mit einer Eisemstange auf den Kopf schwer verletzt. Am folgenden Tage über¬ Helen fünf Unbekannte ein zweites führen* des Mitglied der Dimineata^Redaktion, Constantin G r a u r. Blumenfeld und Graur sind in rechtspolitischen Kreisen als Juden und Demokraten besonders verhaßt. Am selben Tag wurde ein ähnliches Attentat auf den Beamten Bergmann verübt. — In Bukarest ist es am 21. Juni zu schweren Exzessen antisemitischer Studenten gekommen. Bei den Unruhen wurde ein Beteiligter getötet und acht schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Rom. Im Alter von 63 Jahren ist in Rom Senator Ugo A n c o n a , der während des Krieges italienischer Verkehrsminister war, gestorben. Senator Ancona entstammt einer angesehenen alten jüdischen Familie aus. F e r r a r a. Talinn (Reval). Nach der neuesten Statistik leben in Estland 4381 Juden, die 0,4 Proz. der Gesamtbevölkerung ausmachen, 59,5 Proz. der jüdischen Bevölkerung sind Männer, 50,5 Proz. Frauen. Die estnische Staatsangehörigkeit besitzen 98,8 Proz. der Juden. Zu 97 Proz. leben sie in den Städten. Dem Berufe nach sind 31 Proz. Kaufleute, 24 Proz. Angehörige der freien Berufe, 14,5 Proz. Handwerker und 14 Proz. Arbeiter. Paris. Im Generalrat des Seine* Departements fand eine Debatte über den von dem Ratsmitglied Darquier de Pellepoix vor kurzem eingebrachten Antrag auf Widerruf aller seit dem Waffenstillstand Juden bewilligten Einbürgerungen, die Einschränkung des Stimmrechts der Juden und ihrer Zulassung zu öffentlichen Aemtern statt. Gegen diesen antisemitischen Antrag nahm das jüdische Ratsmitglied Hirsch scharf Stellung. Es kam zu einem heftigen Zusammenstoß ■ mit dem Antragsteller. Die Auseinandersetzung artete in Tätlichkeiten aus. Jerusalem. Der Ausschuß der Börse in Kairo hat den Handel in Aktien und Schuldverschreibungen der , General Mortgage Bank of Palsetine Ltd. an der Kairoer Börse zugelassen. Seit einigen Monaten bereits herrschte für diese Wertpapiere in ' ägyptischen Finanzkreisen .ein großes Interesse. eine von den Verteidigern der nichtjüdischen Anges klagten angeregte Diskussion über den Talmud und den Ju deneid zuzulassen. Die vernommenen Polizei - kommissare sagen alle zu Gunsten der Juden aus. Nie sei früher eine Beschwerde gegen idie Juden einge- \ laufen, bis die Ausbrüche, von langer Hand vorbereitet, kamen. Um so überraschender wirkte aber die Erklärung des Staatsanwaltes, Dr, Ratkiewdc'z, in seinem Plädoyer, die Juden hätten auf die Bauern geschossen und damit den Pogrom selbst heraufbeschworen. Er mußte freilich dann zugeben, daß - die Juden in Przytik durch den Boykott und die wilde nationaldemokratische Hetze sehr gereizt waren. Die Ursachen de® Pogromes lägen wohl tiefer, aber den unmittelbaren Anlaß habe die jüdische S el bs.t - wehr gegeben. Der PoHzeischutz hätte vollkommen ausgereicht. Er möchte die Bauern nicht von aller Schuld reinwaschen, die Morde, 'die sie an un schuldigen Juden begingen, waren bestialisch genug. Gegen mehrere Juden ließ der Staatsanwalt die Anklage fallen, dagegen hält er sie aufrecht ges gen den jüdischen Kaufmann Fel4berg, der mit einer Axt die jüdische Selbstwehr angeführt und den jüdischen Angeklagten Lesko, der einen Bauern getötet haben soll. Der Verteidiger der Juden, Rechtsanwalt Fenigstein, bezeichnet die Annahme, daß die Juden selbst den Pogrom vesrchuldet hätten, als absurd. Der von den Juden angerufene Polizeischutz wurde nicht genügend gewährt. Er erhebe keine 'Anklage gegen das polnische Volk, sondern gegen die Mörder, die die Ehre de® polnischen Volkes herabgesetzt hätten. Ihm antworteten die antisemitischen Verteidiger der nicht jüdischen Angeklagten mit so wilden politischen Hetzreden, daß sie der Vorsitzende wiederholt ermahnen mußte, zur Sache zu sprechen. Einer forderte, idaß man die Juden aus den polnischen Städten vertreibe. Litauen. Keine jüdischen Vertreter im litauischen Sejm. Kowno, 17. Juni. Bei den Wahlen zum neuen litauischen Parlament ist kein Jude durchgedrungen, obwohl die Regierung zwei. Vertreter der jüdischen Bevölkerung auf ihre Liste gesetzt hatte. Die meisten nichtjüdischen Wähler hatten vor Abgabe der Stimmliste die Namen der jüdischen Kandidaten gestrichen. England. -Antisemitische Provokationen im Londoner East End, London, 16. Juni. Die antisemitischen Provokationen von Mitgliedern faschistischer Vereinigungen in dem von Juden dicht bevölkerten Londoner East End bildeten am 16. Juni abermals den Gegenstand einer Anfrage im Unterhaus. Der Unterstaatssekretär im Innenministerium, Geoffrey Lloyd, gab die Versicherung ab, daß man entsprechende Maßnahmen gegen solche Vorfälle treffen werde. Innenminister Simon habe ein persönliches Interesse .an dieser Frage bekundet •und werde gewiß weitere Schritte erwägen, wenn er entsprechende Informationen erhalte. Es seien von dem Polizeikommissar der Metropol« besondere Maßnahmen gegen jeden Versuch, Juden zu beschimpfen oder zu belästigen, getroffen worden. Der Kommissar habe mitgeteilt, daß in 'diesem Jahr nur eine faschistische Versammlung in Stepney abgebalten wurde und daß bei dieser für ausreichende polizeiliche Bewachung gesorgt war. Auf weitere Anfragen erinnerte der Unterstaats? sekretär an die vom Innenminister Sigmjn seinerzeit abgegebene Erklärung. (Weitere Korrepondenzen siehe Seite 13.)

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