Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1936)
- Date
- 1936-06-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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25. Juni 1936 L» e r Israelit Nr. 26^ Seite 7 . Herute muß jeder Jude, der aus Deutschland auswandert, sich für das Schicksal der jüdischen , Gesamtheitverantwortlich fühlen, und schon deshalb muß er-sich in dieim Lande, das ihm zur neuen Heimat'wer den soll, so bewähren, daß die Regierung des Staates ihn und seinesgleichen ■i, als erwünschte Staats erhaltende Bürger betrachtet; Ehe. er nicht in jahrelanger Ansässigkeit eine intime Kenntnis des Landes und seiner BeWoh- ,.ner erworben hat, ehe er nicht tiefinnerlich in der neuen Heimat verwurzelt ist, besitzt der Einwanderer auch-nacht die Grundlage für eine politische Urteildbdldung und sollte sich darauf konzentrieren, durch seine wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen und seine untadelige Lebensführung erst 'einmal die sittlichen Voraussetzungen für eine Betätigung im öffentlichen Leben zu schaffen. Neben dieser äußersten Zurückhaltung in der politischen Betätigung; und der gewiss enhaften Erfüllung; all er staatsbürgerlichen Pflichten ist ständiger Takt, ständige Rücksicht und Hochachtung auch, gegenüber den Sitten und Gebräuchen im Einwanderungslande dringend zu - empfehlen. Auf diese Art wird der Einwanderer nicht nur sich selbst nützen, sondern vor allem auch den Namen der jüdisch eh Gesamtheit zu Ehren bringen. 2. Nicht niiiider wichtig für die jüdische Gemeinschaft ist eine zweite" Forderung. Die jüdische Auswanderung aus Deutschland hat sich bisher aüf 'etwa 40 überseeischen Ländern verteilt, und es besteht die große Gefahr, daß un-: sere Menschen bei dieser Zerstreuung in höchster Potenz der jüdischen Gemeinschaft vielfach verloren gehen. In den meisten Ländern, in die deutsche Juden heute einwandern, bestehen aber schon jüdische Gemeinschaften, und es ist S a c h e d e s Ein w a nd e r e rs , ,s i ch d i e - s e n G e m e i n d e n m ö g 1 i C'hs t b a 1 d anzuschließen und sie mit seiner Mitarbeit, seinen Kenntnissen und Erfahrungen zu stärken. Mit Recht ist es den jüdischen Auswanderern aus Deutschland häufig verdacht worden, daß sie sich der jüdischen Gemeinden und sonstigen Organisationen erst erinnerten, wenn sie in Not; geraten waren und Hilfe brauchten. Der Jude aus Deutschland, der im Einwanderungslande sofort jüdischen Gemeinsinn und jüdisches Zusammengehörigkeitsbewußtsein zeigt, sich den Arbeiten der-Gemeinden und der Wohlfahrtsorganisatiomen willig zur Verfügung stellt, wirbt zugleich Achtung und Sympathie für die Andern, die nach ihm kommen wollen, und legt lebendiges . Zeugnis ab von der Verbundenheit unserer Menschen mit den Juden des Auslandes, denen wir heute so vieles zu verdanken haben. Angesichts der unermüdlichen Hilfe, »die heute fast das gesamte ausländische Judentum für die deutschen Juden durch seine großen Organisationen leistet, angesichts der oft aufopferndsten Bemühungen vieler Tausender von einzelnen Juden zu Gunsten ihrer deutschen Glaubensbrüder, ist es die Pflicht jedes Einzelnen, der heute hinausgeht/ aucn 'seinerseits zur Stärkung der. jüdischen Gemeinschaft beizutragen und, sobald es ihm seine materielle Lage auch nur einigermaßen gestattet, auch an der Aufbringung der Lasten für!Neuemwanderör sich zu beteiligen. Vor allem'soll sidh aber der'Einwanderer,'der aus Deutschland kommt, immer dessen bewußt sein, daß'er; auch ohne wirtschaftliche Mittel, nicht nur als Nehmender kommt, sondern daß das oft besonders hohe Bildungsniveau der deutschen Juden, ihre Kenntnisse und Erfahrungen und organisatorischen 'Fähigkeiten, sie häufig zu eirienr bedeutenden Beitrag zum, jüdischen Gemeinschaftsleben in den neuen Ländern berufen. Auf der anderen Seite darf freilich das Bewußtsein einer besonderen, wertvollen historischen Eigenart des deutschen Juden keinesfalls zu einer hochmütigen Zurückhaltung gegenüber den aus anderen Landern, insbesondere aus Osteuropa stammenden Juden,' führen, sondern der deutsche Jude; muß ' sich bewußt sein, daß gerade &L diesen' Menschen die jüdische Substanz' noch-viel ungebrochener und lebendiger ist, als Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Pälaews.) ' Jerusalem. Der E r n t e b e r i c h t für Mai teilt mit, daß nach dem Stand von Ende April im Süddistrikt später Weizen durch heiße Winde im April in der Küstcnzone in Mitleidenschaft gezogen wurde, so •daß mit einer verringerten Ernte zu rechnen ist. In Beerehebadistrikt fällt die Ernte erheblich unter dem Durchschnitt aus, im Bezirk Gaza-Majdal liegt die Weizen* und Hülsenfruchternte 40 Proz., die Gerstenernte 50 Proz. unter dem Durchschnitt. Im Bezirk Jaffa-Ramie wird die Weizen- und Gerstenernte im ganzen gut ausfallen, die Hülsenfruchternte dagegen 50—70 Proz. unter dem Durchschnitt. Im Süddistrikt litt unbewässertes Gemüse unter heißen Winden, so daß die Gurken» und Tomatenerträge sich wesentlich erniedrigten, die Minderung wird aber; durch die erweiterte Anbaufläche ausgeglichen. Der Sesamanbau ist gegenüber dem Vorjahr um 55 Proz. eingeschränkt die Durrafläche um 10—15 Proz. erweitert. Im Norddistrikt werden im allgemeinen gute Ernteerträge erwartet, besonders im Gebirge. Später Weizen und Hülsenfrüchte litten teilweise unter Hamsinwinden. Im Emek und in der Küstenebene hat'die Heuernte ausgezeichnete Resultate ergeben. Im Jerusalemsdistrikt wird im ganzen von der Westseite der Gebirgshänge eine gute Ernte erwartet, auf der Ostseite fällt sie noch ungünstiger als bisher erwartet aus. Der Gemüsebau auf unbewässertem Boden erlitt durch die Aprdihamsine großen Schaden. In den Ebenen wurde der Gurkenanbau stark ausgedehnt. Die Weide-Verhältnisse haben sich durch die 1 Hamsine ebenfalls ungünstig, . entwickelt, in den Ebenen trocknete die Vegetation, das. Vieh weidet in den Stoppel? feidern, auf der Ostseite „der Gebirge ist keine Weide vorhanden, auf der Westseite reicht sie noch für £weä Monate. Haifa. Die steuerpflichtigen Zweigeder palästinensischen Industrieproduktion haben im Jahre 1935 erhebliche Produktionssteigerungen erfahren. Die gesamte Produktion von alkoholischen Getränken erhöhte sich von 3,48 Millionen Liter im Jahre 1934 auf 4,22 Millionen Liter im Jahre 1935, sie verteilt sich auf die verschiedenen . alkoholischen Getränke. Der Inlandsverbrauch an alkoholisehen Getränken erhöht sich von Jahr zu Jahr, während der Export zurückgeht. Die | Bierprpduktipn? wurde bekanntlich erst zu I ■' ■Ende'des Jahres 1935 \ufgenömmen.' Die Methylalkoholerzeugüng hat sdchrl935 auf , 5593.307 kg erhöht, dm Jähre 1934; stellte isie 'sich auf 493.712 kg^ 1933 -auf 342:156 kg. ■ Die Salzerzeugung von Athlit und am Toten Meer -stieg .1935. auf r 10.376 To. gegenüber 9389 To. im vorhergehenden Jahre und 8404 To. im Jahre 1933. Ebenfalls, ist die' Streichholzerzeugiung , stark ■■>■ angewachsen^ Sie belauft sich 1935 auf 221.275 Groß Schachteln gegenüber 175.758 im vörherge* henden und 127.761 im Jahre 1933: Die T ia b a k p r o d u k t i o n ist von 747.645 kg im Jahre 1934 auf 909.684 kg. gestiegen.,, | Die Produktion alkoholischer: Getränke, von Methylalkohol, Salz, Streichhölzern und Ta- bak ist also in fast völhger^Uebereinstimmung im Jahre- 1935 um etwas mehr als 20; Proz. gestiegen. J e r u -s a 1 e m. Die , Einwandemngsbewegung schwächte sich im April mit, 3524 registrierten Einwanderern (gegenüber-März mit 4195 Einwanderern} etwas ab, die Kapitalisteneinwanderung stellt sich auf 470 Personen (mit 410 Ange- hörigen), die Arbeitereinwanderung auf 790 . Personen (mit 480 Angehörigen), außerdem wänderteri 1015 Angehörige palästinensischer Einwohner ein: Im ersten Jahresdrittel 1936 entfallen auf einen eingewanderten Kapitalisten rund 1,3 Arbeitereinwanderer. Die bei weitem stärkste Einwandererkategorie stellen die Angehörigen palästinensischer Einwohner mit mehr als 1h der gesamten Einwanderungsziffern einschließlich aller Angehörigen dar. Gegenüber der entsprechenden Zeit des Vorjahres ist die Ein- Wanderung ••um ca. "40 Proz. zurückgegangen. Dieser;. Rückgang;;' entfällt fast vollständig •lauf-.die reduzierte Arbeitereinwanderung. ~rr vor allem der Angehörigen der Arbeiter, die sich im Vorjahr fast auf 5500 Personen' stellte, im J^ahre,; 193'6 . aber auf nur 1451 ' Personen zurückgegangen ist. Die Einwan- ' derung -von. ^Kapitalisten und Angehörigen paläsfänens-ischer Einwohner hat sich gegen«' über dem Vorjahr wenig verringert. in den meistens so weitgehend assimilierten deutschen Juden, und daß in der Regel der Jude aus Deutschland von den ausländischen Juden mindestens ebensoviel zu lernen hat, wie er sie lehren kann. Wird diese Pflicht des Einwanderers gegen seine neue jüdische Gemeinschaft wirklich ernst genommen und erfüllt, so kann die Auswanderung aus Deutschland vielfach statt zum Verlust tausender von wertvollen Menschen, zu einer Stärkung und Bereicherung des jüdischen Gemeinschaftslebens in den Einwanderungsländern führen. 3. Drücken die beiden genannten Forderungen nur allgemeine Ansprüche der jüdischen Gemeinschaft an den einzelnen Juden aus, so will der Hilfsverein endlich auch eine eigene Forderung an die Menschen, die mit seiner Hilfe ausgewandert sind, erheben. Der Hilfsverein kann selbst nur helfen, wenn ihm immer wieder geholfen wird; und die wichtigsten Helfer sind die früheren Auswanderer mit ihren neu erworbenen Kenntnissen und Erfahrungen. Der Hilfsverein bittet deshalb hiermit auf das einrdinglichste alle Auswanderer, besonders aber diejenigen, die in bisher weniger bekannte Länder gehen, ausführlich über ihre Erfahrungen und Eindrücke zu berichten, und zwar nicht nur in den ersten Wochen und< Monaten ihrer, Einwanderung — wo ihre Berichterstattung naturgemäß wenig Wert besitzt — sondern vor allem auch nach längerer Ansässigkeit im Lande, wenn sie die Unterlagen zu einem begründeten Urteil gewonnen haben. Darüber hinaus ist es vor allem auch wichtig, daß sich der jüdische Einwanderer aus Deutschland möglichst bald, d. h. sogleich nachdem er selbst keiner Hilfe mehr bedarf, auch der Bildung von Einwanderer-Hilfskomitees annimmt, oder den sich schon existierenden Ehrenamtlich zur Verfügung stellt. 3-e-Aem einzigen Juden m u ß z u m Bewußtsein kommen, d aß er helfen m u ß , wie ihm geholfen wurde, und daß er sich nur so als ein Glied der lebendigen Kette der jüdischen Gemeinschaft bewähren kann. Korrespondenzen. i.—•— Deutsches Reich. Zu den Nürnberger Gesetzen. B e r 1 i n, 19. Juni. In der Zeitschrift „Reich und Länder" schreibt Prof. Koellreüter im Verlaufe einer Stellungnahme zum Reichsbürgergesetz, daß für.jden heutigen Uebergangszustand die gesetzliche Regelung an die bisherige konkrete Situation anknüpfen mußte. Daher sind als vorläufige Reichsbürger die Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes und die Staatsangehörigen jüdischen Mischlinge erklärt worden, die beim Inkrafttreten des Reichsbürgergesetzes das Reichstagswahlrecht besessen haben; das Gesetz vom 7. März 1936 habe dann das politische Stimmrecht auf die gleiche Kategorie von Personen ausgedehnt, die am 29. März 20 Jahre alt waren. Die in Reichsgesetzen und Anordnungen der NSDAP, und ihrer Gliederungen gestellten Anforderungen an die Bluts« reinheit sind ausdrücklich aufrecht, erhalten worden. Aber auch für die traditionellen Mittel der staatlichen Führung, für das Berufsbeamtentum und die Wehrmacht, mußten nach der Machtübernahme ähns liehe Bestimmungen getroffen werden. Und diese weitergehende . Regelung ergriff auch die Berufe, deren . Angehörige wichtige öffentliche Aufgaben erfüllen, wie Schriftleiter, Rechtsanwälte und Aerzte. So sind neben den Anordnungen der NSDAP 41 Reichsgesetze in Kraft geblieben, um jeden Wiederbeginn einer blutsmäßigen Ueberfremdung der Ml?-