Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1936)
- Date
- 1936-06-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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' 25.- Juni 1936 D er 'Ist a e 1 i t Nr. 26 Seite 5 und N ir e da ua zu schick eil) um die Lage der Juden Afoessiniens zu studieren und dort jüdische Gemeinden zu organisieren'. Damit erfüllt sich unsere auf die italienische Regierung gesetzte Erwartung rascher, als wir es ahnen konnten. Es scheint aber, daß sowohl die italienische Regierung wie die italienischen Juden einen Gremzstricih ziehen zwischen Juden und Falaschas in Äbessinien. Denn 'die Delegation ihat „außerdem" den Auftrag, „mit den nördlich vom Tana-See ansässigen Falas chas Beziehungen anzuknüpfen und sich auch Ihrer anzunehmen". Die Zeitungen knüpfen daran folgende Bemerkung an: „Es handelt sich foei den Falaschas um einen; hamatis c h e n Volksstamm, der schon früh eine eigenartige Form des muselmanischen Glaubensbekenntnisses angenommen hat, dem das Alte Testament die Grundlage bietet. Der Talmud ist ihnen unbekannt. Die Falaschas galten wegen dieser Religion als Nachkommen der vom 9. bis 13. Jahrhundert im Lande herrschenden jüdischen Bevölkerung und werden beute noch als die „abessinischen Juden" bezeichnet." Demgegenüber sei an das in unserem Leitartikel angeführte Material noch einmal erinnert, das über die bluts mäßige Zugehörigkeit der Falaschas zum Judentum nicht den geringsten Zweifel läßt. Wenn es auch unter den Falaschas welche geben soll, die vor tausend Jahren von außen kamen und, um der Taufe zu entgehen, den Anschluß an die Falaschagemeinde suchten, so handelt es sich bei diesen um pT£ "HA, wie dies R. David ben S i m r i (T'OTl) zu Beginn des 16. Jahrhunderts in seinem halachischen Gutachten mit absoluter Eindeutigkeit nachgewiesen hat. Es sei ferner auf die Abhandlungen von Rabbiner Dr. Guggenheim in Kolin, die Aufrufe von Esriel Hildesheimer und Samson , Raphael Hirsch im „Jeschurun" von 1865 hingewiesen, die alle die Falaschas als Volljuden legitimieren und unsere Bruderliebe' empfehlen. Es scheint Uns daher ein dringendes Gebot der Stunde, die italienischen Gemeinden mit dieser ganzen Materie, nicht zuletzt mit den Forschungen von Prof. Halevy und Dr. F a i t- 1 o v i t c h vertraut zu machen, was um so weniger schwer fallen dürfte, als sich in Florenz, dem Sitze des Vorsitzenden des 1910 gegründeten Profalascha-Komitees, Oberrabbiner Dr. M a r g o 1 i e s b'^V das ganze Aktenmaterial befindet. Mit diesen Aufklärungen muß den italienischen Juden ans Herz gelegt werden, daß sie keine Grenze ziehen zwischen Brüdern, daß sie bei der Regeneration der jüdischen Gemeinschaft in Äbessinien unter der neuen italienischen Sonne nicht auch ihrerseits, wie es die Amharas, das abessinische Herrenvolk, seit Jahrhunderten tat, die Brüder in den Bergetn zu „Falaschas", d. h. Fremden, degradieren. Der Sabbat im „sicheren Port", Wir hatten oft genug Grund, über die Sabbatentweihungen im neuen Jischuw zu klagen, um so mehr freut es uns, im „Kol Israel" vom 29: Mai aus Tel Awiw zu lesen: „Lobend muß der Beschluß des Hafenkomitees hervorgehoben werden, an S a b bat- und Feiertagen jegliche Arbeit im Hafen einzustellen. Wir sprachen vorige Woche unsere Hoffnung nach dieser Richtung aus und freuen uns nun, daß sie nicht enttäuscht worden ist. In normalen Zeiten hätte es eines solchen Beschlusses gar nicht bedurft und man hätte ihn gewiß nicht erst mit Freude registrieren müssen. Es bedeutet gewiß keinen geistigen Fortschritt, daß wir Vereine . für den Sabbatschutz gründen müssen. Wäre unser Aufbau von echtem jüdischem Geist durchhaucht, die Sabbatheiligung, wenigstens in den öffentlichen Institutionen, wäre eine glatteSelbstverständ- 1 i c h k e i t. Heute aber, da viele, den Sabbat und die Lehre Israels auch im öffentlichen Leben verleugnen, und große Unternehmen, die von der Gesamtheit getragen werden, den Sabbat nicht kennen, in dieser Lage haben wir allen Grund, den Beschluß des Hafenkomitees als einen Sieg des jüdischen Geistes, als einen Sieg des jüdischen Sabbat mit Jubel zu begrüßen. Wir erachten es aber für richtig, darauf hinzuweisen, daß dieser Beschluß auch hundertp r o z e n t i g a u s g e f ü h r t wird. Die Sorge ist nicht von der Hand zu weisen, daß sich moderne „Dezisoren" finden könnten, die durch ein Hintertürchen diese oder jene „Erleichterung" hineinzuschmuggeln suchen werden. Eine eindrucksvollere Heiligung des g'ttliehen Namens (DVU Wnp) vor aller Welt, wie sie die absolute S a b b a t r u h e im ersten und einzigen jüdischen Hafen von Tel Awiw demonstrieren würde, kann man sich schlechthin nicht denken." Erez Jisroel - Briefe. Von Dr. Isaac Breuer. IV. Im Siwan 5696. Wie kurz und flüchtig ist das Fest der Thora im Heiligen Lande. Man wäre versucht, jede der enteilenden Stunden festzuhalten, der Sonne zu gebieten, in Gibeon still zu stehen, dem Mond, im Tale Ajalon. Als nach durchwachter Nacht der Himmel über Jeruscholajim sich purpurn färbte, die Sonne sich genau hinter dem Zionsberg erhob, begann . schon die Stimmung wehmutvollen Scheidens, und zu einer Zeit, da in Frankfurt der erste der beiden Festtage noch in hellstem Lichte strahlte, war hier bereits alles vorbei. Der Druck des Ausnahmezustandes, der Morde, der Zerstörungen, der allgemeinen Unsicherheit, der wirtschaftlichen Not machte sich auch am Festtage geltend. Die Westmauer sah diesesmal keine flutende Menge, in deren Herzen sich vertrauende Freude und zehrende Sehnsucht mischt. Einsam stand diesesmal die Westmauer, vom Blut der Erschlagenen umwittert. Denn die Mörder gehen auch am Tage um. Mitten in der Altstadt suchten sie sich ihre Opfer aus. Immer verlassener von Juden wird der Umkreis der Westmauer. Tief versunken liegt die eigentliche G'ttesstadt. Hunderte jüdischer Familien, ehedem in ihr seßhaft, suchen Wohnung und Nahrung. Die Mordbuben unterscheiden nicht zwischen altem und neuem Jischuw, zwischen Thoratreuen und Thorafremden, zwischen Zionisten, Misrachisten und Agudisten, zwischen Sozialisten, Revisionisten und Arbeitern der Thora. Die Gefahr umdroht sie alle. Und allen gemeinsam ist auch der Entschluß zum Standhalten, der Mut zur Abwehr, die Hoffnung auf die Zukunft. In dieser Stunde haben Vertreter der Jewish Agency, des Waad Leumi und der Agudath Jißrael sich zusammengefunden, um eine zeitweilige, zweckgebotene Einheitsfront der Verteidigung zu bilden, die den gesamten jüdischen Jischuw verbindet. „Kol Jißrael" registriert ohne ein Wort des Vorbehalts — seltsam in der Tat, die Reden, die selbst in der Kleines Feuilleton. R. Elia ben Möschen Loans (Aschkenasi). Zu seinem 300. Todestage am 21. Tammus. Eines an Wissen und Lebenswandel vorbildlichen Rabbiners sei hier in wenigen Worten gedacht, nach= " dem 300 Jahre seit seinem Tode vorübergegangen sind. - Der in der Ueberschrift genannte R. Elia Loans war 1564 in Frankfurt a. M. geboren, hatte dort bei R. Akiba Frankfurter und außerdem beim Mahiaral an Prag gelernt und war hierauf in Fulda, Hanau, Friedberg, Mainz und zweimal in Worms Rabbiner, von 1600—1604' und später von 1621 bis zu seinem 1636 erfolgten Tode. Er war ein Mann, dem Gelehrsamkeit lag, dessen Gefühlsseite aber auch stark ausgeprägt war, so daß er einmal für Gesang und Dichtungen viel Interesse hatte, und ferner durch die bezaubernde Kraft seines Wesens und seines Redens in den Ruf eines Wundermannes kam, von dem Erzählungen und Legenden so sehr umgingen, daß man ihn schließlich auch Elia Baalschem nannte. Er betätigte sich auch literarisch in ganz bestimmter Sphäre. Leichte. Lektüre und leichte Kommentare lagen ihm nicht. In dem melodischen, aber deshalb dem Verstände nicht leicht erschließbaren Schir Haschirim forschte er und schrieb .dazu ©inen Kommentar nach kabbalistischer Art, ja nach .dem Vorbild des Sohar und nannte seine Schrift Rinnath dodim"; sie ist zweimal in Basel gedruckt worden (1606 und 1612). So ging er auch den Gedankengängen des Koheleth nach und schrieb dazu in gleicher Art einen Kommentar in seinen letzten Lebensjahren, j erlebte aber den Druck dieser Schrift Michlal jofi nicht, denn sie wurde erstmalig in Amsterdam 1695 und später noch einmal in Berlin 1775 gedruckt. Er erklärte schwere Stellen in Bachja ibn Pakudas' „Choboth halewachoth". Auch schrieb er unter dem Titel Maagle zedek einen Kommentar zum Chumischkoinmentar des R. Bechaj. Zum Sohar und zu dem Tiks kune hasohar schrieb er-ebenfalls Erklärungen unter dem Namen Aderet Elijahu und Zophnath paneach. Das ist eine Seite seiner literarischen Tätigkeit. Aber er war ja vielseitiger. Er verfaßte Techinnoth, religiöse Lieder und gab sie zusammen mit den gleich* namigen Liedern seines Lehrers Akiba Frankfurter und noch anderen Liedern für Sabbat=Ein- und Ausgang heraus; er hatte das Glück, Druck und Verbreitung seiner Schriften zu erleben. Am .bekanntesten ist sein Streitgedicht „Wikuach hajajin im hamapm"-Streit zwischen Wasser und Wein; in diesem Gedicht beweisen beide Getränke ihre Vorzüge durch Stellen aus der Bibel. Es wurde zuerst 1582 nur im hebräischen Text gedruckt, erschien 1757 in Amsterdam in deutscher Uebersetzung und enthielt dabei idie. Bemerkung, daß es nach der Melodie des „Dietrich von Bern" zu singen sei. Er stammte aus der Familie Raschis und war ein Nachkomme des großen um .die deutschen Juden wohlverdienten R. Joselmann von Rosheim, so rühmte seine Grabinschrift, deren Text nicht gut leserlich ist, da der Stein durchgebrochen ist, seine Lehrtätigkeit und seine publizistische Betätigung, während das Wormser Memorbuch von ihm'mit den Sprüchen der Väter sagt: der Geist der Menschen fand seinen Ge* fallen an ihm. Ein würdiges Grab am Rabbinerplatz des Wormser Friedhofes ist es, zu dem wir am 300. Todestage unsere Blicke richten. P. Thorarolle und Thoraladenvorhäng der jüdischen Legion. Rabbi L. A. Falk aus Sidney, der vor kurzem der Studentenkorporation „El AI" die Fahne der Jüdischen Legion überreicht hat, hat nunmehr auch die Thorarolle und den Vorhang der Thora- Iade, die von dem jüdischen Regiment im Weltkrieg an der Palästinafront mitgeführt, wurden, der Jüdi* sehen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem übergeben. Die Thorarolle war seinerzeit dem 38. Bataillon der kgl. Füsiliere (die Bataillons 38 bis 40 bildeten das jüdische Regiment) in Southampton von Hauptmann Israel Freedman aus London überreicht worden. Die Thorarolle begleitete die jüdische Legion nach Es Salt in Transjordanien und auf ihren weiteren Zügen. Der Thoraladenvorhang wurde für die Legion während ihres Aufenthaltes in Aegypten von Maurice Gatigaan. aus Kairo gestiftet. Der rote Samt des Vorhanges ist schon etwas abgenutzt, von den ornamentalen Silberbuchstaben fehlen einige. Wochenkalender. 14. Tammus 5696 •»nr» sjn nwra» Samstag 27 7 "x 'i pQ nprr Sonntag 28 8 Montag Juni 29 1113t) 9 rsb Dienstag 30 10 » »"TDD tvwn "»sn Mittwoch Juli 1 11 Kö Donnerstag 2 12 a» Freitag 3 13 an Samstag 4 14 Tö 'i 'n pis pbi