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Der Israelit · 1936-06-25 · Heft 26 (25.6.1936) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 26 (25.6.1936)
Date
1936-06-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 26 Der I s r a e 1 i t 25. Juni 1936 sollen sich paaren mit dem ehrlichen und tatbereiten Willen, dem armen Bruder zu helfen in seiner geistigen und körperlichen Not. Die soziale Liebestat äst das beste, lebendigste Wort im Ringen um den Bruder, aber auch — im Kampf um die eigene Selbstvervollkommnung. Der Ruf nach Selbstvervollkommnung, von Jugend und Alter zugleich erhoben, — das soll einmal hier gesagt werden — steht nicht nur in keinem Gegensatz zu den Forderungen der sozialen Gemeinschaft, sondern es ist Pflicht eines jeden, der ehrlich gewillt ist, tPSW J!3tyn zu halten, die Ueberprüfung seines Ichlebens auch auf die Beziehungen auszudehnen, die den Einzelnen mit seiner Volksgemeinschaft verknüpft. Die Forderungen zu erfüllen, die der von ütPfl gegründete bbs an ihn stellt, ist eine der wichtigsten Aufgaben des jüdischen Gericht über sich haltenden jungen wie alten Menschen. Die nrDa ^OSD wird, s. G. w., im Monat Aw stattfinden. Sie soll die Wege der Organisation bis zur n^HÄ ''033 vorbereiten und bestimmen. Nürnbergs Agudohtreffen ist die letzte große Station davor. Es komme, wer die Interessen der jüdischen Gemeinschaft über seine eigenen stellt. Ein Jeder kann zum Gelingen des großen Werkes, der Schaffung der thoratreuen Volksbewegung, seinen Teil beitragen. (Das Programm und weitere Agudaberichte siehe auf Seite 10.) Um den „Council f or German Jewry". In der in London erscheinenden ,,Jüdischen Wochenzeitung" finden wir eine recht interessante Darstellung von offenbar gut unterrichteter Seite, die Auskunft gibt über die etwas mysteriösen Umstände, unter denen der „Council for German Jewry" entstand und zugleich auch die im allgemeinen jüdischen Interesse unabweisbare Reformbedürftigkeit dieser für die Zukunft des deutschen Judentums höchst wichtigen Zentralstelle zeigt. Der Artikel trägt die Ueberschrift: ,,Das Geheimnis des 1 Millionen-Pfund- Appeals. Ein Wort an Sir Herbert Samuel" und lautet in seinen wichtigsten Teilen wie folgt: „Der Council for German Jewry" hat «ich eine schwierige Aufgabe gesetzt, eine Aufgabe, die ohne Vorbild ist in der jüdischen Geschichte: nicht weniger als die Sammlung von einer Million Pfund. Aber das Problem, das der Council zu lösen wünscht, ist ebenfalls ohne geschichtliche Vorgänger: die Ret* tung der jüdischen Gemeinschaft eines ganzen Landes. Män muß Sir Herbert Samuel und seinen Kollegen dankbar sein für die aufopfernde Art und Weise, in der sie sich dieser wenig beneidenswerten Aufgabe unterzogen haben. Man kann ihnen nur dazu gratulieren, daß sie, wie es scheint, finanziell das hohe Ziel bereits in erreichbarer Nähe vor sich sehen. Aber ohne Vorbild ist auch die Art und Weise, in der der Council an die Lösung seiner Aufgab« herangegangen ist. Entstanden in einer Atmosphäre vollkommenen Geheimnisses, hat der Council und haben seine Führer, Sir Herbert Samuel und (seine Kollegen, nichts davon offenbart, was mit all dem Geld, das gesammelt worden ist, geschehen soll und wie es verwaltet werden soll. Gewiß: es ist der Welt gesagt worden, es sei beabsichtigt, die deutsche jüdische Jugend zu „evakuieren". Wir wagen in der Tat die Weisheit dieses Vorhabens zu bezweifeln und ebenso auch die Möglichkeit seiner Realisierung. Wir wissen nur, daß als Folge der Ankündigung schon andere Länder angeregt haben, daß die „überschüssige" jüdische Bevölkerung ebenfalls evakuiert werden solle. Aber dasi Geheimnis ist: wer hat den Council ernannt? Wem sind seine Mitglie der verantwortlich? Und warum hat man auch bei dieser Gelegenheit das Fifty-fifty-Prinzip von Zionisten und >Nichtzionisten zu verewigen gesucht? Das Joint Foreign Committee wurde niemals zu Rate gezogen, dem Board of Depuites wurde kein Wort verraten. Obgleich eine sehr beträchtliche Summe schon gesammelt worden ist, wird die beabsichtigte Aktion weder der Presse, noch dem Publikum zur Kenntnis gebracht. Es wird ferner von jedermann anerkannt werden, daß das ungeheure Unternehmen, das der Council vor hat und die Größe der Aufgabe, die ohne Parallele ist, im Laufe der Geschichte der letzten Jahr5 hunderte, notwendigerweise Fragen aufwerfen muß, von der größten Wichtigkeit in religiöser Hinsicht, Fragen, die für die künftige geistige Wohlfahrt Tausender deutscher Juden von lebenswichtiger Bedeutung sind. Das Problem der Wiederansiedhing der Evakuierten kann unmöglich, ganz allein auf ökonomischer Grundlage ohne Berücksichtigung der moraiischen und religiösen Momente gelöst werden. Wir erfahren, daß Anstrengungen, die aus diesem Grunde gemacht worden sind, um die Einbeziehung religiöser Kreise in den Council of German Jewry zu erwirken, vollkommen scheiterten, weil man ihnen den Vorwand entgegenhielt, der Council sei ohne Repräsentation irgend einer Organisation gebildet worden. Der Chief rabbi soll, wie wir hören, k o n s u I - t i e r t werden, sobald „religiöse Fragen" zur Diskussdon kommen. Die Versendung von Kindern aus orthodoxen jüdischen Familien Deutschlands in atheistische Kwuzos in Palästina, über welche der Chiefrabbi so bitter geklagt hat, wird vermutlich nicht als eine „religiöse Angelegenheit" angesehen, während die Erhaltung orthodoxer Schulen für die Kinder deutscher Emigranten in Palästina unzweifelhaft ebenfalls als eine weltliche Angelegenheit betrachtet und eben so wenig berücksichtigt werden wird, wie der größte Teil der sonstigen Anforderungen aus religiösen Kreisen." „Wir bedauern," so schließt das Londoner Blatt seine Ausführungen, „diese Haltung aufs tiefste. Die orthodoxe Judenheit hat ein Recht, von einem großen liberalen Staatsmann, wie Sir Robert Samuel, und von jenem hervorragenden jüdischen Führer Sir Osmond D'Avigdor Goldsmid zu fordern, daß der Council zu einer wirklichen Repräsentanz der verschiedenen herrschenden Geistesrichtiungen innerhalb der jüdi- | sehen Gemeinschaftausgestaltet werde." Soweit das Londoner Blatt. Es ist interessant, daß auch in Amerika die' ganze, etwas autokratische Methode, die man bei der Zusammensetzung des Council for German Jewry .anzuwenden für gut fand, starke Kritik und entschiedenen Widerstand, gefunden hat. Infolgedessen mußte der ursprüngliche Plan eines einheitlichen Zusammenwirkens mit dem „Joint" aufgegeben werden, der seinerseits die in Aussicht genommenen Sammlungen vollständig getrennt vornimmt und auch selbständig über die Verwendung der eingegangenen Mittel verfügen wird. An und für sich ist diese Spaltung der Kräfte bei einem epochalen Unternehmen, wie es der ursprünglich geplante 3 Millionen-Pfund-drive zweifellos darstellt, aufs höchste zu bedauern. Aber wir können von unserem Standpunkte nicht umhin, darin die natürliche Vergeltung für ein System zu erblicken, das von vornherein innerhalb der Judenheit nur Zionisten und Nichtzionisten kennt und sich so verhalt, als sei der eigentliche Wesensgrund der jüdischen Existenz, die j üdische''Religio n nämlich, bereits eines sanften Todes verblichen. Die orthodoxe Judenheit scheint für die Gründer des „Council for German Jewry" nicht" zu existieren. Es ist im höchsten Grade erstaunlich, daß hiergegen nicht viel schärfere Proteste sich in England selbst geltend gemacht haben, als es bisher geschehen ist. Die nachteiligen Folgen dieser vorurteilsvollen Einseitigkeit können auch auf praktischem Gebiete natürlich nicht ausbleiben. Juden und Falaschas in Abessinien. Wir schlössen unseren Leitartikel über „Unsere Interessen in Abessinien; die Falaschas am Scheideweg" in Nr. 21 mit der Hoffnung, daß bei der Konsolidierung der Dinge in Abessinien Italien, das stets lebhaftes Verständnis für die Interessen der Juden gezeigt hat, mithelfen werde, von sich aus alle Wege zu ebnen, auf denen sich unsere Falaschabrüder zu uns, zum Judentum der Thora, finden. Diese Hoffnung war nicht zu hoch gespannt, denn schon meldet ein Bericht aus Rom, daß unter dem Vorsitz des Kolonienministers" und unter Beteiligung von Vertretern der jüdischen Gemeinden dort eine Sitzung stattfand, im der die Lage der in Abessinien geborenen oder eingewanderten Juden besprochen wurde. Es wurde der Beschluß gefaßt, Delegierte der jüdischen Gemeinden Italiens nach A d d i s A b e b a Zum Wochenabschnitt. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Ein bedeutsamer inhaltsreicher Abschnitt liegt in der dieswöchentlichen Sidrah vor uns aufgerollt, wechselvoll in seinen Bildern, die da an uns vorüberziehen, und immer wieder die Frage nach dem Wie und nach dem Warum über unsere Lippe drängend. Rätselvoll, wie ein Geheimnis, mutet uns zu» nächst die üot« ms nens an, jenes Gesetz, das eine echte ftp"' ein Schulbeispiel für das ist/ was G'ttes heiliger Wille von uns unverbrüchlich fordert, auch wenn wir Sinn und Wesen und Ziel des g'ttlichen Gebotes nicht zu 'ergründen vermögen. Wir werden bis an die Grenze menschlichen Denkens und Verstehens geführt, um schließlich zu bekennen, was der Weisen Weisester hat aussprechen müssen: „Wie fern ist mir doch da das wahre Wissen!" G'tt fordert, und wir haben uns zu fügen und in Demut uns zu beugen vor der Allweishedt des, der gesprochen: •■»ms» bv -ixasb »Rtn nm 'ki wjm mrai inppn npn „Ich bin es, der .Grenzen ziehe und Forderungen stelle, und dir steht es niemals an, meinen Willen zu verleugnen." Das ist im letzten der Schlüssel zum Verständnis des Gesetzes der Gesetzlosigkeit, das da zur Norm erhebt, daß derelbe Stoff •D'nnen m Ratsai ö'kböd m ">n»a . den Unreinen von den Banden seiner Unreinheit löst, den Reinen aber zum Unreinen stempelt. Wir werden nimmer das tiefe Geheimnis, das hier verborgen liegt, enthüllen, weil unserm Denken und For- , sehen Grenzen gesteckt sind. Das zu erkennen ist so bedeutsam und von so unendlichem Werte für den thoratreuen Juden, daß der Geist unseres Kapitels wie ritten 'B wirkt, reinigend, befreiend und erlösend. Natürlich sind es auch Kemgedanken unseres Judentums, die da unser Kapitel vermittelt, wenn es uns lehrt: /^nua nm> 'j dir mwn mt „Das ist die Lehre — ihre Blüte und Krone — der- Mensch nur, das der Erde Entnommene stirbt und zerfällt." Esi ist eine scharfe Absage an die materialistische Weltanschauung, wenn die Berührung mit dem entseelten Körper als verunreinigend gekündet wird. Besser, eindringlicher kann die Lehre von der Seele und ihrer Ewigkeit nicht verkündet werden, als es eben in unserm .heiligen Schriftworte geschieht. Vermögen wir G'ttes heiligen Wallen nicht zu ergründen, so vermögen wir ihn auch nacht da zu meistern, wo er in unser Leben und Daseinsglück eingreift. Warum sterben Mirjam und Ahron und später 'Mosche, gerade an der Grenze des Landes, sie, die ihres Volkes Leuchten sind, die alles daran gesetzt, um Israel über alle Fährnisse der Wüstenwanderung glücklich hinwegzuleiten? Mirjam stirbt in Kadesch, wo Israel nun hofft, bald am Ziele zu sein. Offenbar ist ihre Sendung erfüllt, aber schwer trägt das Volk an diesem jähen Verlust, der ihm den Segensquell jüdischer' Frauentreue und Hingabe versiegen läßt? Und nicht mehr begreiflich ist es> für uns, daß Ahron und Mosche, durch das Hadern des Volkes in Erregung gebracht, für eine Weile irren — und das eigentlich nur Mosche — und dieses Fehlen mit dem Tode in der Wüste büßen. Auch da müssen wir uns bescheiden und voller Demut unsere menschliche Unzulänglichkeit einsehen und uns belehren lassen: Im Heiligen und Unerforsch* Hohen ist G'ttes Weg. o»pnxn Q9 pipm n*apn G'tt nimmt es besonders genau mit den Frommen ... Das ist aber für unsere Führer der Glanz, der ewig ihr Haupt umstrahlt, daß die Frage nach dem Warum, die bei ihrem Hinscheiden ertönte, forthallt und uns auch einen Tropfen lindernden Balsams ins wunde Herz träufelt, wo wir bei jähen Ereignissen nicht die Fassung verlieren. Wir alle sind wie. vom Schmerze und von Trauer gebannt ob der gewaltigen Stürme, die wieder einmal wie an vielen Stellen der Gola so im heiligen Lande über Israel himwegbraiusen. Wenn wir doch alle in diesen neuen trübseligen Erlebnissen: die Hand G'ttes finden wollten, dem wir nicht sagen können: „Was tust du, unser Vater im Himmel!'* Dieses gläubige Vertrauen sollte dann uns aber zur rechten Einkehr führen, daß wir unser Ziel erken-. nen und unsere Bestimmung erfassen, 'daß wir endlich alle sprechen: "jVs "|V»n "pT „Wir wollen den Weg unseres Königs gehen" — Dann würden wir den Segensborn der G'tteshilfe rauschen sehen und singen* mit Israel in der Wüste: onwpaa ppnaa wn »ana nvo on«? rmsti }«a „Bist ja Brunnen, von Fürsten gegraben, gehöhlt von ' den Edlen des Volkes, mit dem GesetzesgrilfeJ aa ihren Stäben." vi .

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