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Der Israelit · 1936-06-18 · Heft 25 (18.6.1936) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 25 (18.6.1936)
Date
1936-06-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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18. Juni 1936 De r i s r a e 1 i t Nr. 25 Seite 9 Neue Interpellation wegen der Palästina-Unruhen im Unterhause, London, 16. Juni, Bei der Debatte im-Unterhause am 15. Juni lehnte es der Minister für die Kolonien, Ormsby; Gore, wie der ab, mit klaren, Worten auf die S c h u1 d f r a g e einzugehen. Er sagfe auf Anfragen, die Ursachen, der Unruhen werde die geplante Königliche Kommission festzustellen haben. Die Mehrkosten für die Entsen* dung von Truppen nach Palästina werde die Paläst i h a r egi er u ng zu tragen' haben. Solange nicht in Palästina die vollständige Ruhe wieder hergestellt ist, 'kennen die Kommissionen nicht abge; sau dt werden. Auf weitere Anfragen stellte der Mi nister wiederum fest, daß der Großmufti kein englischer Beamter sei und von England nicht bezahlt'werde. Es könnte zu ernsten Wirren im ganzen Mohammedanertum führen, wenn die Mär verbreitet werde, daß das Oberhaupt der religiösen Gemeinschaft in Palästina von der englischen Regierung bezahlt werde. Auf weitere Anfragen berief er sich wieder auf die in Aussicht genommene Untersuchungskommission, Palästinadebatte in der Near and Middle East Association. London, 11. Juni. Die Near and Middle East Association veranstaltete am 10. Juni in London unter dem Vorsitz von General Sir George M a c M u n in eine Aussprache über die Lage in Palästina. Der Sekretär der Mufti-Partei und Leiter des arabischen Propagandabüros in London, . Emil G h o r y , eröffnete die Diskussion und erklärte, die Araber hätten die. BalfouHDeklaration seit 1918 bekämpft, da sie dm Widerspruch stehe au den Versprechungen der englischen (Regierung., Er erläuterte noch weiter den Standpunkt der Araber. Redner richtete Angriffe gegen die Palästinaregierung, weil sie das Hule-Gebiet den Juden gegeben habe, statt es selbst trocken zu legen. Für «die arabischen Forderungen" setzten sich dann noch Miß Frances Newton und Lord- La m i n g t o n ein. D e n ij ü d i s c h e n Standpunkt vertraten Israel Cohen und L. Bakstamsky. General Sir George M a cM u n n erklärte zum Schluß, die Balfour-Deklaration sei an die Juden erlassen worden, und es gebe keine Abkehr von ihr. Es müsse eine beiden Teilen gerecht werdende Lösung gefunden werden. Nachdem er sein Mitgefühl für die jüdischen Einwanderer aus Deutschland aus* gesprochen hatte, erklärte der Redner, man stehe mitten in einer bewaffneten Rebellion und müsse auf die Regierung einwirken, daß sie eine beiden Seiten sympathische feste Linie einhalte. Wir haben die Balfour-Deklaration erlassen, schloß der Redner, und haben, keime andere Wahl, als sie anzunehmen. 612.575 Pfund bisher in England für Council for German Jewry aufgebracht, •v London, 15. Juni. Der Council for German Jewry hat 'die achte Spendenliste bei seiner Aktion zur Aufbringung von einer Million Pfund für die Hilfsaktion, zugunsten der Juden aus Deutschland veröffentlicht. Die Sammlungen haben einschließlich der in dieser Liste ausgewiesenen Beträge die Höhe von 612,575 Pfund erreicht. Die achte Spendenliste setzt sich aus 35 Beiträgen und Zeichnungen zusammen. Die drei größten Beiträge leisteten Oberstleutnant Claude Bedding* ton (4500 Pfund), Louis Thurner (1290 Pfund) und Ernest M. Cohen (1000 Pfund). Die übrigen Zeichnungen bewegen sich zwischen 140 und 90 Pfund. In die Liste ist auch ein Betrag von 340 Pfund als Kassenbestand des früheren Öberkommissariats für Auswandererfürsorge aufgenommen. : Verband d«r Völkerbundsligen fordert Erleichterung der Einwanderung von Juden nach Palästina. Glasgow, 12. Juni. Der , 20. Kongreß des Internationalen. Verbandes der Völkerburidlsligen- .hat.in seiner am 4. Juni in Glasgow abgehaltenen Vollversammlung eine Resos Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisröel. (Nach Palnews.) Haifa. Der palästinensische Transithandel, der im Jahre 1935 eine starke Stei* gerung infolge des stärkeren Transitverkehrs nach dem Irak erfahren hatte, bewegte sich im Januar und Februar 1936 rückläufig, und stellte sich wertmäßig auf LP 43.564 gegenüber LP 52.430 in der entsprechenden Zeit des vorigen Jahres. Tel Awiw. Wie wir erfahren, steht eine Emission zum Zwecke des Hafenbaues in Tel Awiw bevor, die von einem Vertrauenskomitee her* ausgegeben wird, das1 die zu bildende Hafengesellschaft vertritt. Das Komitee setzt sich aus 14 Persönlichkeiten zusammen, an seiner Spitze steht Bürgermeister Dizengoff als Ehrenpräsident, Präsident des Komitees ist Herr Höofien (Anglo-Pälestine Bank), Schatzmeister Herr Gredinger (Chairman der Asfarai Bank), Sekretär Herr Riklis. Die Anglo-Palestine Bank fungiert als Trusteebänk des Komitees:. Die Emission ist vor- I erst käpitalmäßig nicht limitiert. Zeichnun= •gen sollen von der Anglo-Palestine Bank, Ashrai Bank, Kupat-Am Bank, Misrachi Bank und der Bankfirma Japhet entgegen= I genommen werden. Haifa: Die zu Beginn des Jahres 1932 von Herrn E. Wilbtishevich! gegenüber dem Haifaer Bahnhof gegründete erste Nägelfabrik im vorderen Orient mußte in Anbetracht des damals gänzlich unzulänglichen Zollschutzes den Betrieb einstellen und wurde nach Austritt des Herrn E. Wilbushevich von den übrigen Teilhalbem an die Firma Karaman verkauft. Kurz darauf würde seitens des Herrn Wilbushevich auf dem alten Platz mit neueren modernen Maschinen mit Hilfe eines Neueinwanderers, des Herrn Seidel aus Duisburg; ein neues Unternehmen gegründet, das jetzt unter der Firma „Haifa Wire Works Co." arbeitet und allmählich den Bezirk Nordpalästina als Abnehmer gewonnen hat und jetzt auch nach Syrien exportiert. Die Lage der Nas gelindustrie ist inzwischen erleichtert worden. Der Zollschutz für Baünägel wurde auf LP 4% pro Tonne, derjenige für kleine Nägel auf LP iy2 erhöht. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, daß diese Zollerhöhung noch nicht ausreicht, einen sicheren Schutz und ruhige Fabrikation zu gewährleisten. T e 1 Awiw. Der Import Palästinas an Rohstoffen hat im Jahre 1935 die Höhe von LP VU Millionen überschritten, wobei bearbeiteter Marmor und Citruskistenholz, die von der Handelsstatistik unter Fertigwaren aufgeführt werden, Speiseöle und Tabakwie Tombakblätter, die handelsstatistisch unter . 'Nahrungsmittel, Getränke, Tabak rubriziert sind, miteingerechnet sind. Diese bearbeiteten Produkte ersetzen nur den im Lande fehlenden (Rohstoff und haben daher im wesentlichen Rohstoffcharakter. Unter den importierten Rohstoffen spielt der Import von Bauholz, Citruakisten u. a. Holz die bei -weitem wichtigste Rolle und macht mit annähernd LP 1 Million mehr als die Hälfte der gesamten Rohstoffeinfuhr aus. Daneben fällt idie Einfuhr von Oelsaaten, Rohöl und Speiseöl mit LP 300—350.000, die das Prodüktionsdefizit an pflanzlichen Oelen im Lande ersetzt, stark ins Gewicht. Der Kohlenimport nähert sich der Höhe von LP 100.000 an, auf beträchtlicher Höhe bewegt sich ferner der Asphaltimport wie vor allemder Import von Tabak und Tombakblättern. Auch der Import von unbearbeitetem und bearbeitetem Marmor wie derjenige von Sand und Steinen bewegt sich auf einer Höhe von rund LP 20.000. Jerusalem. Auf Beschluß des Committees ,on Agricultural Economic« and Marketing wurde im letzten Jahre ein Unterausschuß zum Studium der Geflügel= und Eierwirtschaft und der Frage einer Prüfung des Geflügel- und Eierzolles eingesetzt, der nunmehr seine Untersuchungen abgeschlossen hat, die zum ersten Male zu außerordentlich interessant ten statistischen Angaben über 'die palästi^ nerisische Eierproduktion geführt haben. Bisher lagen keinerlei 'zuverlässige Eierprodüktionsschätzungen vor. T e 1 A wi w. Die seit etwa 6 Wochen infolge des arabischen Streikes stilliegende Zigarettenfabrik Maspero in Jaffa beabsichtigt, nach Tel Awiw ZÜ: übersiedeln; Wie wir erfahren, verhandelt das Unternehmen mit der Messe» leitüng über die Mietung eines geeigneten Pavillons, in dein 'die Zigaretteriproduktion fortgeführt ^werden kann. lution angenommen, in der der Kongreß England als die Mandatarmacht für Palästina auffordert, die E i n- Wanderung von Juden aus Deutschland in das Jüdische Nationalheim in dem größten Ausmaß, das mit den Verpflichtungen des Mandats vereinbar ist, zu erleichtern. Der Delegierte der palästinensischen Völkerbundsliga, Dr. Nathan Feinberg, sprach über die gegenwärtigen Unruhen in Palästina. Gewalttaten und Vandalismus, erklärte er, würden die Entschlossenheit des jüdischen Volkes, sein Nationalheim wieder aufzubauen, nicht herabmindern. Palästina sei für die Jud'en die letzte Zufluchtsstätte, an deJ sie ihre Befreiung zu verwirklichen hoffen. (ITA.) Die Lage in Palästina. Neue Angriffe und neue Opfer, — Todesstrafe für Terroristen. Jerusalem, 16. Juni. Um mit den letzten Ereingissen zu beginnen, sei »gesagt, daß wir wieder einen recht unruhigen Sabbat und Sonntag in Palästina verlebten. Am Sonntag aliein wurden fünf Juden verletzt, von denen einer, der 30jährige Jakob Gerson, sehr schwer. Drei Juden, Arbeiter an den Kalkwerken beim Toten Meere, und zwar Mosche Kraut, Schmuel Janowski und M. Stein, wurden angegriffen, als sie sich im Autobus auf dem Wege zu ihrer Arbeitsstätte befanden. In den letzten Gefechten zwischen englischen Pos lizisten und Militärtruppen und Arabern sollen die Araber große Verluste erlitten haben, Sie geben die Zahl ihrer Toten nicht an und nehmen sie bei der Flucht zumeist mit. ' iNach „Haboker" bekamen 'die arabischen Kaufleute und Hafenarbeiter in Jaffa unter Androhung schwerer Strafen den Befehl, binnen drei Tagen die Arbeit wieder aufzunehmen. Am Freitag und Samstag waren Kf ar Jechesk e 1, Tel Jossef und (En Charod die Ziel* scheibe schwerer Angriffe. Die Siedler setzten sich kräftig und tapfer zur Wehr, bis englisches Militär hinzukam und teilweise mit Hilfe der Luftwaffe die Angreifer verjagte. Nach dem am Sonnabend veröffentlichten neuen Gesetz werden diejenigen, die auf Militär oder auf Polizei schießen, Bomben werfen oder Telegraphen- und Telefqnlinien unterbrechen, mit dem Tode oder lebenslänglichem Zuchthaus bestraft. Dieselbe Strafe trifft diejenigen, die Eisenbahnlinien beschädigen oder auf andere Art die Aktion des Militärs stören. Häuser, aus denen Schüsse gegen Militär oder Polizei fallen, werden beschlagnahmt oder zerstört. Ein jüdischer Wächter in Chedera wurde von einer Patrouille angeschossen und schwer verletzt, weil er angeblich auf einen Zuruf nicht reagiert hätte. Man schätzt den bisher durch die Unruhen entstandenen Schaden auf drei Millionen Pfund, an dem die Juden gut zur Hälfte beteiligt sind. Die Palästina- Regierung hat bis jetzt eine halbe Million an Steuern und Zollgebühren eingebüßt. Die 'jüdische Hilfspolizei beträgt zur Zeit 800 Mann, die auf das ganze Land verteilt sind. Und trotzdem weitere Einwanderung! Am Dienstag kamen mit dem Dampfer „Galiläa" 120 jüdische Einwanderer in Haifa an und konnten ungestört landen. Zu den Sachbeschädigungen der letzten Tage gehört auch eine Brandstiftung im B a 1 f o u rw a 1 d, durch die 1000 Bäume vernichtet wurden. Die Zahl der Verhafteten ist auf 1313 Araber und . 182 Juden angestiegen. 754 Araber und 104 Juden wurden verurteilt, letztere zumeist nur wegen Ueber* tretung 'der Polizeistunde. Auf den stellvertretenden Polizeikommandanten Allan S i g r i s t wurde ein Attentat verübt. Sigrist wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus verbracht; als Attentäter wurde ein arabischer Lehrer an einer staatlichen Schule festgestellt. Auch er wurde schwer verletzt.

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