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Der Israelit · 1936-06-18 · Heft 25 (18.6.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 25 (18.6.1936)
Date
1936-06-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 25 Der Israelit 18. Juni 1936 Vorsitzenden Elijahu Masur, vorstellig war, versprach die Ergreifung schärfster Maßnahmen gegen •die Ruhestörer. Gegen 20 Pogromleute in Odrzywol wurde nun der Prozeß durchgeführt. Zwei Angeklagte wurden zu 1% Jahren Zuchthaus, 15 Angeklagte zu sechs Monaten bis einem Jalhre Gefängnis verurteilt. In Lemberg wurde Freitag nachmittag Schlomo Rosen.mann, der am 29. Mai überfallen wurde und nun seinen Verletzungen erlegen ist, beigesetzt. Während der Beerdigung blieben, sämtliche jüdische Geschäfte geschlossen. Unter den vielen Tausenden, die zur Beerdigung kamen, sah man den Vater und den Bruder des Ermordeten, die aus Palästina zur Beisetzung gekommen waren. Die Lern1 berger Rabbiner hielten herzzerreißende Hespedim. Im Dorfe Zielouka bei Warschau wurde ein Ueberfall auf eine jüdische Kind e r f eri en k o 1 on i e verübt. Sämtliche Fensterscheiben im Gebäude der Kolonie wurden zertrümmert, die Kinder konnte man rechtzeitig in Sicherheit bringen. Weitere kleinere und größere Ueberfälle auf einzelne jüdische Personen wie auf jüdische Klubhäuser werden aus allen Teilen des Landes 'gemeldet. Neuwahl der jüdischen Gemeindevertretungen in Polen. Warschau, 15. Juni. Das Amtsblatt der Regierung enthält eine Verord* nung über die Ausschreibung von Neuwahlen der jüdischen Gemeindevertretungen im ganzen Land. In den kleineren Gemeinden findet die Wahl am 3 0. August, in Warschau und den übrigen Großgemeinden am 6. September statt. Vor dem Abschluß der Zeugenvernehmung im Pogromprozeß. R a d o m, 14. Juni. In dem Prozeß wegen des Pogroms in Przy t i k wurden am Sonnabend weitere Entlastungszeugen für die nichtjüdischen Angeklagten vernommen. Die Zeugen behaupteten, die Angeklagten seien wohl während des Pogroms in Przytik gewesen, hätten sich aber an der Mißhandlung von Juden nicht beteiligt. In einem Falle mußte einem Reuigen, der darauf bestand, sein Freund habe keine Juden geschlagen, vorgehalten werden, daß der Angeklagte dies selbst gestanden habe. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum gerade an dem Tage der Unruhen so viele Bauern nach Przytik gekommen seien, wußten die Zeugen nichts zu antworten. Dagegen behauptete einer von ihnen, daß Juden vorher gedroht hätten, am 9. Mai werde der Boykott gebrochen und „Kopf für Kopf" gefordert werden. Die Fenster in den jüdischen Häusern, behaupteten die Zeugen weiter, seien nur von Schulkindern aus Mutwillen eingeworfen worden. R a d o m , 15. Juni. Die Vernehmung des Chefs des Sicherheitsdepartments bei der Radomer Kreisverwaltung, L i c k e , am 15. Juni brachte bezeichnende Aufschlüsse über die Vorbereitung des Pogroms in Przytik durch planmäßige (Propaganda der Nationaldemokraten. Der Zeuge erklärte, diese Propaganda, die in heftigster und erbittertster Weise (getrieben wurde, habe zu einer weitgehenden Verhetzung der polnischen Bevölkerung der Gegend «geführt. Die Juden befanden sich in sehr gedrückter Stimmung. Nach den bekannten Exzessen in Odrywol, bei denen Polizei auf die Bauernmassen feuern mußte, die das jüdische Städtchen umzingelt hatten, weil das Gerücht verbreitet worden war, Juden hätten katholische Priester gefoltert, hatten Nationaldemokraten den Bauern eingeredet, nicht Polizisten hätten die tödlichen Schüsse auf die Bauern abgegeben, sondern als Polizisten verkleidete Juden. Diese böswillig in Umlauf ge» setzten Gerüchte hätten bei den Juden von Przytik eine PanikstimmtHig erzeugt. Die von den Nationaldemokraten aufgehetzten Bauern dagegen hätten sich sehr aggressiv und kampflustig gezeigt. Kein Jude habe gewagt, sich in den Straßen von Przytik zu zeigen. Die 'Existenz einer jüdischen Selbst wehr stellte der Zeuge in Abrede. Die Woche. Frankfurt a, M. Nach dem „GeneraUAnzeiger" hat der Polizeipräsident auf Vorschlag des Oberbürgermeisters eine Reihe von Straßenumbenennungen vorgenommen. Die Simonstraße in Preungesheim heißt jetzt Mevissen-Straße, die Paul Heyse= Straße in Ginnheim wurde in Chamisso- Straße umbenannt. Berlin. Zu der Mitteilung über handwerkliche Ausbildung in Palästina" teilt die Jüdische Jugendhilfe ergänzend, mit, daß an der Schaffung der Ludwig Tietz-Lehrwerkstätte in Jagur auch der Central*Verein der Juden in Deutschland beteiligt ist. — Wie die „Frankfurter Zeitung" meldet, dürfen nach einem Erlaß des Reichserziehungsministers Anträgen auf zeitweilige Befreiung von Kindern vom Schulunterricht Zeugnisse jüdischer Aerzte (außer bei jüdischen Schülern) nicht beige2 fügt werden, da sie keine 'geeignete Unterlage für Befreiung vom Schulunterricht oder einzelnen Fächern oder für 'die Entschuldigung von Sdhulversäumnissen bilden könnten. — Um seiner Verbundenheit mit der heranwachsenden Jugend besonderen Ausdruck zu geben, hat der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden beschlossen, '• künftig jedem Barmizwa=iKnaben in den ihm angeschlossenen Mittel- und Kleingemeinden ein Buchgeschenk zu überreichen. Hamburg. Nach einem Berichte des „Hamburger Fremdenblattes" wurde dort ein Jude, der . französischer Staatsbürger dst> wegen Vergehens gegen das Blutschutzgesetz zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Reichsjustiz- und Reichsinneh m i n i s t e r i u m , dessen Genehmigung bei Bestrafung von Ausländern in solchen Fällen notwendig ist, hat die Einwilligung zu dieser Strafe erteilt. Wien. In der Zeit vom 27. Juni bis 4. Juli 1936 wird in Wien der Zweite Weltkongreß jüdis scher Frontkämpfer stattfinden. Der Kongreß ist von dem Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs einberufen. Warschau. In einem Dorf bei Mlawa starb im Alter von llOJahren der Landwirt Mendel Bialkä, der älteste Jude und überhaupt der älteste Mensch in Polen. Er war bis zum letzten Tage seines Lebens! rüstig und bei voller Geisteskraft und hat alle seine Kinder überlebt. Vor zwanzig Jahren, als Neunzigjähriger, "ging er zum viertenmal eine Ehe ein. Sein ganzes Leben verbrachte er in seinem Heimatdorf, ein einziges Mal kam er nach Mlawa, die übrige Welt hat er nicht gesehen. — In der letzten Woche ist aus Warschau ein Transport von 200 Palästinaauswanderern, dem sich in Lemberg eine weitere Gruppe angeschlossen hat, nach Palästina abgegangen. Kowno. Die litauische Regierung hat eine Verordnung erlassen, demzufolge jüdische Kinder nur hebräische oder jiddische Schulen besuchen dürfen. Prag. In der letzten Sitzung des Ministerrats wurde der Gesetzentwurf über die Ergänzung der Organisation der Jüdischen ReHgionsgemeinde in den Ländern Böhmen,- Mähren und Schlesien von der tschechoslovakischen Regierung bestätigt.; Paris. .Der französische Staat hat ein Gemälde des bekannten Berliner jüdischen Malers Eugen Spiro erworben. Da®Bild, ein Porträt Gerhard Hauptmanns, wird in das Staatliche Museum für ausländische Kunst eingereiht. — Die faschistische Vereinigung „Feuerkreuz" (Croix de feu) kündigt für nächsten Sonntag eine Gedenkfeier für die gefallenen jüdischen Frontkämpier an. In der Ein* ladung zu dieser Gedenkfeier heißt es: „Die Vereinigung „Feuerkreuz" bekräftigt auf diese Weise ihre Achtung aller religiösen Bekenntnisse". Brüssel. Der Vorsitzende des Council for German Jewry, Sir . Herbert Samuel, ist von König Leopold III. von Belgien empfangen worden. Es verlautet, daß Sir Herbert dem König über 'die Lage der Juden aus-Deutschland und das - Hilfswerk . für Auswanderer Bericht erstattet hat, New York. Bei einer Feier zum Andenken an die jüdischen Kriegsgefallenen Amerikas teilte das Mitglied des Kongresses, D. W. Harter, mit, daß mehr als 200.000 Juden Amerikas sich freiwillig zu . den Fronten im Weltkriege gemeldet häs ben; 16Ö0 Juden fielen, 28.000 wurden verwundet. Mehr als 1100 jüdische Offiziere : und Soldaten wurden ausgezeichnet. M^BHäM^MMMMtaMMMteM^MHI In gleichem Sinne sagte auch ein Polizeibeamter, aus Przytik aus. Auf Verlangen der Verteidigung der jüdischen •Angeklagten wurden die Quittungen über neun Tele-, fongespräche der Juden von Przytik mit den Behörden in Radom und Kielce den Akten beigelegt. Drei Tage vor dem Pogrom hatte der Vorstand der Jüdisehen Gemeinde an den Gouverneur in Kielce ein Telegramm geschickt, in dem darauf hingewiesen wurde, daß von den 'Nationaldemokraten für den nächsten Markttag ein Pogrom geplant werde. Auch an den Pfarrer von Przytik hatten die Juden sich mit der Bitte gewandt, beruhigend auf die Bauernschaft einzuwirken. Es wurden am Montag insgesamt 35 Zeugen, davon fünf Juden, vernommen. Am Dienstag wird die Zeugenvernehmung abgeschlossen. Estland. Ergebnis der Wählen in die Repräsentanz der jüdischen Kulturautonomie in Estland. Talinn (Reval), 15. Juni. Die für eine vierjährige Amtsperiode vorgenommene Neuwahl der R ep rä sehit ähz d er j üd isch-en Kulturantonomie in. Estland brachte den Zionisten 21, dein Jiddischisten 4, den Sozialisten und . der Wirtschaftsgruppe je ein Mandat. Die Zionisten haben ein Mandat gewonnen, die Sozialisten eines verloren. Rumänien. Dr. Wilhelm Filderman beim Industrieminister Dr. Costinescu. Bukarest, 15. Juni. Der Präsident des Zentralrates der rumänischen Juden, Dr. Wilhelm Filderman, wurde vom Industries und Handelsminister Dr. J. Costinescu in Audienz empfangen, Dr. Filderman überreichte dem Minister ein (Memorandum betreffend 'die Durchführung des Gesetzes über die Beschäftigung rumänischen Personals in den Industrie- und Handelsunternehmungen. Bekanntlich wird das Gesetz über die prozentuelle Beschäftigung rumänischen Personals von den ausführenden Organen nicht im staatsbürgerlichen, sondern im ethnischen Sinne gehandhabt, was den Absichten der Gesetzgebung direkt widersprichf. Vielfach wurden 'große und kleine Unternehmungen, auch solche, die, von Juden geleitet sind, aüf Grund .dieser falschen Auslegung des Gesetzes gezwungen, ihre jüdischen Angestellten zu entlassen, obwohl diese rumänische Staatsbürger sind/ und an ihre Stelle christliche Rumänen aufzunehmen. England. Ormsby Gore weist Anschuldigungen gegen die palästinensischen Truppen zurück. London, 12. Juni. In der Unterhaussitzung vom 11. Juni wies der Minister für die Kolonien, Ormsby Gore, Anschuldigungen gegen die palästinensische Polizei und die englischen Truppen An Palästina, die von dem einzigen kommunistischen Mitglied des Hausesi, dem Abgeordneten Gallacher, erhoben worden waren, zurück. Abg. Gallacher hatte behauptet, daß englisches Militär am 27. Mai eine Anzahl arabischer Häuser in Kfar Misr niedergebrannt 'halbe und daß ein arabischer Polizist in Kak/un bei Tulkerem von einem englischen Polizisten erschossen worden sei> weil er sich geweigert habe, ein arabisches Haus zu durchsuchen, dessen Bewohner gerade 'beim Morgengebet war. Der Abgeordnete fragte auch, was unternommen worden sei, um den durch diesen Vorfall her* vorgerufenen Streik der arabischen Polizei in Tulkerem und Jaffa beizulegen). Minister Ormsby-Gore erklärte, es sei ihm-weder von einem Streik der arabischen Polizei, noch von den von dem Abgeordneten behaupteten Vorfällen etwas bekannt. Er wende vom High Commissioner Informationen über die angeblichen Vorfälle verlangen. (ITA.)

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