Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1936)
- Date
- 1936-06-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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18. jjuni 1936__ Nutzen'ides Besitzek von 'dem Gegenstand, <ver-< liert .feich der öebmuchswertr verliert sich der Besitz (siehe Hefkeß);. 'Nach dieser Bestimmung können wir Iden RaschBo> erklären. Denn auch der Tote kann besitzen, sofern er nämlich die Sache gebraucht, sofeniües seine eigene Ehre gefordert: (f. s., Grab, 'SteribekleiderJ —:. oder um seinen :Kmde:rn; zu vererben 7^- dem?., das. ist sei n Nutzen, — oder. um seiner Schuld zu bezahlen,.;^ auch das ist sein Nutzen — aber der Verkauf ist nicht.s>ein Nutzen,: sondern der...des Fremden, deshalb kann ein < Toter nicht verkaufen, (s. Baba Bathra 136: KJpKI 7\"1 'Ölfl und 159.) Dieses kurze Beispiel möge genügen, die Eigenart des Telscher ,,Dereoh" zu zeigen. Dieser Lernmethode 'ist die große Lebhaftigkeit und .Beweglichkeit des Geistes in der mTW.) zuzuschreiben. Es [, lebt j das Bewußtsein des eigenen Schaffens, des eigenen Erlebens des geschriebenen Wortes, des Ausdrucks;0de,r natP3 beim Lernen^— und gibt es etwas lebendigeres als die nöiyj? Man,braucht nur .einmal in einen Telscher. Schiur zu kommen, um zu sehen, was Leben ist: ntllfl ^E^D'VT» Denn die Thora ist die D'TJ flTlIV das Herz und, Tor zu allen Zweigen des Lebens, durph; sie und in ihr finde; ich die Beziehung zu jeder; Lebenslage. Denn sie ist Leben, die Ach»©;'.der, ^elt. feto DX «III $5fl03 .'a* Das ist Telscher ,,',Derech'!. . 3. Wie verhält .sich im Telscher „Derech'' Lernen zu Mussar? . , Korrespondenzen. Deutsches Reich. Judengesetzgebung und Amnestie. , Berlin, 12.' Juni. - Das Landgericht, München hat dem- Antrag eines Juden, der wegen', formaler Beleidigung angeklagt worden war, auf Grund der Verordnung : vom 6. Oktober, 1931 das . Verfahren wegen Geringfügigkeit. einzustellen, entsprochen, in dem Beschluß heißt es, daß Juden vor dem .Gesetz .Ariern; gleich sind^ soweit, das Gesetz nicht Ausnahmen festgesetzt hat. Solche Äusnahmen sind aber weder im § 185 ides Strafgesetzbuches (Beleidigung)''noch'in der angeführten Verordnung zu Ungunsten der Juden oder zugunsten der Arier vorgesehen worden. Die Ansicht des Privatklägers, daß es zur Zeit des Erlasses der'in Betracht kommenden gesetzlichen Bestimirmingem noch keine Judengesetzgebumg ' geigeben habe, und daher die seit dieser Zeit erlassene Jaideragesetzgebung heranzuziehen sei, hat das Gericht als unrichtig zurückgewiesen. ■•• .- "": " . '.;if i'.: ,; ■ ■----— >.■.. : •'. •:; .•!,!;■ , Der Rückgang der jüdischen Kleitigemeinden. v: in Deutschland; hn: i ' '■ ■'• '-'v : ' Berli^'J 14;-'Juni! Die JHusumer 'Nachrichten'' ' melden 'unter der T' -';"'-' ■ - ' ' J-ii 1 : ■ ' " ''/'.?'! 'I Ueberschrift „Immer weniger Juden''; aiis Friedrichr stadt, Krei«! Schi«swig! Ain 'Freitag' starb' der" -Kaute' mann Moses Behrend, der jüdischen Gemeinde angehörend, im Alter von 75 Jahren. Während noch vor: fünfzig Jahren über 500 Juden, bei 2500 Einwohnerzahl, hier lebten, ist die Israelitische Gemeinde jetzt " / - LL«: ,*!!..,- •: . V'J-'i.: ■ l -; . « i * ♦ * * .«. f' Li I 1 '1') f' I , i nur noch 25 Personen stärk, also von 20 v. H.auf 1 € Tr . „ V-- - Ü ••> - -.; ,ifl-': .• . : v. n.}(zuruökge.gangen, ...; ' Ferner ."wpä f aiis W es, t e r 1 ä nd' den „Hu-; sumer' INacHricite'n4' gemeldet; daß der Hortige, Burgermeister IHr. ' Schuldt als Vorsitzender des Verkehrsvereins' einen o f f en t li eh en Ap p e 11-; an die Vermieter und 'Oeschäftsinhäber nüV der Äüfforderung igeriohtet hat, die 3cMäer '„Judpn^ unerwünscht 'oder ^Deutsches' Geschäft" in deutlich - 1 . .Jj .. y : . "i-■>■ .•' >1 . -> •/; sichtbarer Form an;den Häusern anzubriiiigeii; DerJ, Bürgermeister " be'tont, daß unter keinen' Umständen Westerland wieder nach und nach in «rheblichem; Lf e r 1 s i a e I i t n Antwort: Im allgemeinen ist man gewillt, zu sagen, Lernen ist das Gebiet des Verstandes, des Kopfes, Mussar die Region des Gemütes, des Herzens. In Telsohi.sagt man, (weder ist Lernen mit dem Kopf allein zu erfassen,, wenn nicht auch das Herz mitfühlt, noch steht Müssar unter der Alleinherrschaft des Gefühls, sondern muß durch den Verstand kontrolliert werden. Aus dem Zusammenwirken beider Geistesquellen», von 'Kopf und Herz, « vom dem ganzen Menschen muß und kann die 'heilige Wahrheit, die Thora gelernt werden. Das ist das große Vermächtnis von1 Reb Joseph Löb b"XT' Deshalb ist auch die Einstellung des Lernens nicht einseitig orientiert, der> ganze, ■ fühlende und deutende Mensch wird in den Dienst des Lernens gestellt, ist bei dem Mussärgrübeln tätig. Deshalb .kann ein klarer, in den seelischen Bezirken verankerter Erkenntnisgang gewonnen werden nur in den Eigenschaften, auf denen sich die Gesetze der Thora gründen, oder vielmehr, die selbst die Gesetze der Thora zum Vorbild haben: Daher lebt der Telscher im Lernen, daher lernt er leben, denn der Mensch «fcd all seine Interessen werden durch das Lernen erschlossen, entwickelt und — auf ihren Platz gestellt;. Telscher „Defech^, das ist die Lehre des Lebens. C. Umfange von jüdischen Gästen besucht werden darf, weil dies dem Gesamtinteresse des Bades nicht dienlich ist. ' Arische Hausangestellte in jüdischen Haushaltungen. Berlin, 15. Juni. Nach «inem Bericht© 'des ,^Berliner Tageblattes" Verurteilte das H a m m e r .,Schöffengericht einen 71jährigen jüdischen Kaufmann >zu sechs Wochen Gefängnis und einer. Geldstrafe von 100 Mark, weil er, gegen die Nürnberger Gesetze, ein« arische Hausangestellte beschäftigte. Der Angeklagte, wie die 22jährige Zeugin waren deri Ansicht, daß letztere nicht im Haushalte des Juden, sondern v in dem ,von ihm betriebenen Mittagstisch angestellt, sei. .Die ■ Bestrafumg mußte aber .erfolgen, ,weil es im^Sjnnje des Gesetzes nur darauf ankommt, ob die Hausangestellte . . —^ 't.. - " , - ü/i^9fcf5/flj*: •' - K ' in die "H a us g e m e i ns ch ä f t' aufgenommen sei, «nWas^hier ider ' Fall war. ... _ ,; . ,j; ^| \\\ - -In. Kar Ls r'U h e, t.wume' 'ein |:üdis^^^Arztzu 300 Mark verurteilt, weil er ein arisches Mädchen Be- : schäftigte, unter der- Aagßih%'.\jsfe;{;hj#e,gnvs\der r Praxis, während nachgeiwiesen war, daß sie auch in ■ den zur Wohnung» 'gehörenden! .''Hätunifen' ßPuizarbeiten verrichtete, Freistaat Danzig. : Klage gegen Verbreiter allgemeiner antijüdiseker; Boykottpropaganda in Danzig nicht möglich. — ] Eine Entscheidung des Obergerichts, i "; '■ "■■ :';TDanzig, 14. Juni. } i Di© Taigespresse' berichtet über eine Entscheidung i des Danziger Obergerichts, durch die festgestellt wird, f daßeinzelne jüdische Kaufleute nicht die AktiV- »Legitimation zur Klage gegen: die. Träger einer Prd*. |p.a^^dld'''De^t2en;^die 'üfch 'gfegen die jüdiseihe G!eloaththeit richtet; . : .- . ... Im August 1935 waren in den Scbalterräuinen der Allgemeinen Ortskrankenkasse in 'Danzig Klebezettel mit der Karrikatur eines Juden und der Aufschrift;„Wer bei Juden .kauft, ist ein Volksverräter" an- 1 gebrächt worden.'1 Das Ländgericht in Danzig hatte [der' rvlage jüdischer Geschäftsinhaber auf Unt erlas-;|sünig stättgegenen'; Gegen dieses Urteil legten'.die bp .■ klagteri Vorsfändsmitglied'er der ' Ällgemeinen Örts- •kfankenkässe, Berufung ein. In dem Prozeß spielte, [wie die' Zeitungen weiter berichten, die seirierzeiti^e :|Entsph' ei dunig ' des Kairoer'' Gerächt es eine Rolle. Das ^Öbergericlit' enfechied, id!aß' einzelne ijüdische 'f Kauf- Fleute nicht fiir di& Gesamtheit' klagen' können. Anders [wäre es gewesen, wenn die Kläger' auf deri! Klebe1' ' Xzettein 'geriianüt worden wären öder wenn* sich aus - dem Inhalt, ergeben hätte, .daß gerade nur diese -Klä- ___Nr. 25 Seite 7„ ger boykottiert weredn sollten. Eine Anfechtung de'r Entscheidimg des Obergerichts ist nach Danziger Gesetzen nicht möglich. Polen; Polnische Regierung gegen antijüdischen Boykott. — Eine offizielle Erklärung des Außenamtes. Warschau', 12. Juni. Dem politischen Sekretär der Weltorganisation Agudas Jisroel, H. A. Goodman, wurde'im polnischen Außenamt erklärt, die Regierung mißbillige den von 'der natioxiaidemokratiscilen Partei organisierten antijüdisehen Boykott. Es sei bestimmt nicht die Absicht des Ministerpräsidenten General Sklad» kowsky gewesen, die Ermutigung dieser Aktion zu empfehlen, als er seine Rede am 4. Juni im Sejm hielt (die Aeußerung des Ministerpräsidenten in dieser Rede: „Wirtschaftlicher Kampf, bitte sehr — aber Exzesse werden nicht geduldet werden" war vielfach dahin ausgelegt worden, daß der Ministerpräsi» dent den Judenboykott für zulässig halte, und hat in jüdischen Kreisen tiefe Beunruhigung hervorgerufen.) Herr Goodman brachte weiter die tiefe Besorgnis der englischen Judenheit über die andauernden Zwischenfälle in Polen zum Ausdruck, durch die eine an sich schon verzweifelte Situation noch verschärft werde; dies bringe die1 an dem Wohlergehen der polnischen Judenheit interessierten ausländischen' Organisationen in eine äußerst schwierige Lage. Es wurde Herrn Gooidman die Versicherung gegeben, daß die Regierung das Versprechen des Minister* Präsidenten, derartige von allen verantwortlichen Kreisen bedauerte Ausschreitungen zu unterdrücken, erfüllen werde. Ministerpräsident Skladkowski für wirtschaftliche Gleichberechtigung aller Bürger in Polen. W arschaüj 9. Juni. Ministerpräs'ident General Slavoj-Skladk o w s k i hat eine Abordnung des Jüdischen Klein» händlerverbandes empfangen, die ihm ein ausführliches Memorandum über die Notlage der jüdischen Kleinhändler überreichte und insbesondere auf die einschränkenden Maßnahmen von Behörden in den Provinzen Posen und Pomerellen und auf die Ver-; legung der Markttage auf Sonnabende hinwies. Der Ministerpräsident sagt, er stehe auf dem Standpunkt,. daß alle Bürger, die durch den Erwerb von Lizenzen und 'die Zahlung von Steuern ihr Teil an den Lasten für den Staat tragen, auch das Recht auf freie Ausübung ihre® Gewerbes haben. Einschränkungen gegen sie seien unzulässig. Er werde nach dem Studium., der Denkschrift entsprechend« , Weisungen erteilen. Auch die Forderungen, nach ' K r e d i t h i 1 f e würden berücksichtigt werden, ins«v! besondere bei den Einzel- und Kleinhändlern derjenigen Ortschaften, die unter den letzten Ereignis* sen Züi.leiden,.hatten. Die Pogromwelle in Polen- Warschau, 16. Juni.!,Die jüdische Bevölkerung im. Städtchen Wolon i n erlebte, einen kleinen Pogrom mit allem Zube* hör, wie Mißhandlungen,,' Schändungen,. Zerstörung ■ von jüdischen Häusern und Grabsteinen auf dem Friedhof. . - Bei schweren Ausschreitungen in W i 1 n a wurden; der jüdische Student Abba G.o r d'o n, der 65jährige Salman K» c-h-n e r und ein (jüdischer Arbeiter schwer verletzt. Als einige Huligans zu zwei und fünf ■ Jahf ren Kerker verurteilt wurden, veranstalteten ihre Freunde neue Exzesse im Wilnaer Jüdenviertel. „ Die ■ Untersuchung über -die Ausschreitungen in' Minsk--Masowieck> nehmen ifarefls Fortgang.; Geleitet: wurden sie von < einer" aus 60 Personen beistehenden :-Bände!'' unter•: Füihrung eines bekannten; Mitgliedes eine's: Verbotenett' natdonalradikälen Ju» fgendlalgers. Alle Ekzedenten und Brandstifter wurden Jfestgestellti;! Die Äückkeihrä. der geflüchteten Juden iaus'" MinSk-Miazowieck, ietwa 400 Personen, ist im jvolleh Gange. Der „Joint" igewährte die erste nötige biilfe. - ■-. , <■ i Der Wojwode von Warschau, bei dem eine jüdische Abordnung, unter Beteiligung des Gemeinde»