Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1936)
- Date
- 1936-06-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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18. ai 1936* D I s Ii t Nr. 25 Seite 3 Das Erwtächen zu nfeuer Jugend. tr? . •" ■ .; . . , _ (Fortsetzung .von Sf$te 1.) ... .' Sollen wir G'tt $ur das große und grausame " Erwachen ein Dankfest feiern, das wir erlebten? Wir sind durch fremde Gewalt erwacht und verjüngt. Wir haben im uns so fremd g wordenen Heiligen Lande junge und jugendliche Siedlungen erstellt. Die Sünden der Ueberalte irung sind in diesen gewiß nicht schon heimisch. Ob die Sünden der europäischen Scheinjugend lichkeit sich dort eingeschlichen haben, darüber zu urteilen sind nur solche Thorabef olger be fugt, die mit ihrer Lebenskraft an diesem Neuaufbau jüdischen Lebens unter Opfern an altgewohnter Bequemlichkeit mitgeschafft haben, j Nein! Ein solches Dankfest wird nicht von;. uns erwartet Wir finden in der. Thora auch keine Andeutung des Datums jener Kämpfe, die wohl /die erste Erweckung Israels durch. unsere Schrecken war. Feiern sollen wir vielmehr den ■;Tag der. ♦von innen gekommenen Verjüngung Is- |raels, den Tag, an welchem die scheinbar aus * entronnenen Sklaven bestehende Nachkommenschaft Abrahams sich aus freiem Antriebe durch das Bekenntnis: ,;,^ar (wollen tun und hören!". in den Dienst des^G'ttes der Väter stellte. Auch von Abrahams äußerer Sonderung aus seinem Heimatvolke,/ seiner Errettung, aus dem Feuer, mit dem ihn Ninirod hatte vernichten wollen, hören wir in der Thora nur in sehr zarten Andeutungen; ausführlich berichtet uns die Thora nur von seinem Zuge auf G'ttes Geheiß ins heilige Land. ' Fredlich und ganz gewiß ist der durch die Schrecken de£ Zeit erst Erwachte nicht dem aus eigenem Eifer Thoräbef lissenen gleichzubewerten. Doch der Geringste unter den Renschen ist der, den auch'Jdie Schrecken der Welt nicht zu G'ttes Lehre ■ heimzurufeh vermögen. So haben denn gerade in 'rurchtbärsten Zeiten immer die' Weisen Israels sich zu den innersten Bezirken der G'ttnähe vorgewagt. Nicht zufällig Waren die Jahrzehnte der Kreuzzüge, die so vieles jüdisches Blut fließen sahen, zugleich Jahrzehnte der Hochblüte der internen Ueberlieferungslehre der Juden Deutschlands. Auch der Blick der Hei- ' ligsten war in ruhigeren Zeiten noch! von einem Schlummer umhüllt, deii erst furchterregende1 Zeiten entfernten. Jedem Refidim folgte ein Wiederholt sich das Gleiche nicht in unseren Tagen? Wir sprechen hier nicht von der Sucht nach Exotischem .und Wuriderlichem, die in sehr müder und fader > Nachkriegsmode eine ganze 'Li-'. I terattir und Laterätenschaft mystizierenden The- * mas hervorgebracht hatte; den Mystizismus dieser; Art ihaben wir hoffentlich durch den Emst unseres jetzigen" JLebens ebenso gründlich überwunden wie die vorherige, echt greisenhafte Kälte gegen alles Heilige. Beides, neunmalkluge Abweisung »alles Unterirdischen wie .auch sakrales Getue^ ^kjonnte uns in den .Noten der Gegenwart keinen jiHalt bieten. Nach dem Wasserndes Lebens durstet; uns, iind d'a^''^köhnien aus ' den Quellen des - Horeb uns nur Leut'e reichen, die' echte Jünger dös Marines G'ttes sind, in ihrem Leben söi^ut wie in ihrer Benfe. ' ' ^I v Die jüdenheit deutscher;;•La^€'^,gefet!''■äl^jo^:iiri ' ahrer an£iede\iteten neuen: Rich'tuhg li^-lSn&erMetiH Ueberzeugung hin, nur den Weg ihrer Väter, den Weg ganz Israels^ von* Refidim zum Sinaj. Aber hierbei wird eine Manraüng zu befolgen sein, die isere Väter uns vorgelebt haben: Sie haben tuch in den Schriften' internster 'Üeberlieferuhg;1 iemals von deri Weisen"$er vorangegangenen' _lüdkliche|ren Epoche gesagt; diese seien'Rationälisten gewesen.' Solche Einseitigkeiten lagen ihnen: " itm gerade den echten Kahbaiisten erkannte : man an seiner hohen Verehrung vor der Persönlichkeit lind : der ehrlichen Problemstellung des'<M'aamonides, Man hat wenige Jahrzehnte nach Rambams5 Ableben seinen Worten ebenso 'eifrig Geheimnisse abgelauscht wie den Worten der- PrHpheteri 1 selber' und der Tannaim; Man: sollte auch in unseren Tagen getrost einmal die seelenkundlichen Geheimnisse etwa der Symbolik des Altmeisters unserer Orthodoxie zu erlauschen versuchen. Dann wird man vielleicht * erkennen, daß auch im strengsten Gesetzesforscherkreise, ja daß gerade > in diesem. Kreise unerschlossene Welten der G'ttnähe sich öffnen und daß gerade von dort ungeahnte Kräfte strömen, die unserem Thoraleben neue Jugend verleihen können. Die Aufgabe des Propheten Elia als des Vorboten der Erlösung sehen wir in der Versöhnung zwischen Alter und Jugend.Wir möchten hinzufügen: zwischen altersgemäßem und jugendlichem Denken. Es wäre ein ewiges und sinnloses Hin und Her in unserer Geistesgeschiohte, wollte man immer wieder mit philologischer Genauigkeit 'die Gedankenbereiche der internen Ueberlieferurig von denen der rationalen Forschung völlig trennen. Uferloses Phantasieren und Imaginieren hat es im Gesetzesbefolgerkreise eben so wenig rjemals gegeben wie unbeschränktes Erklären nach Vernunftprinzipien des Alltagsmenschen,. Jedwede Geistestätigkeit unserer Größen orientierte sich allezeit an den Fakten des Gesetzes. Und so herrschte tatsächlich in den Grundfragen der Lebensführung und der Weltanschauung volle Harmonie zwischen allen diesen Denkrichtungen der gesetzestreuen Jüdenheit. Und diese Einigkeit verhinderte jedwede Einseitigkeit. Sie allein hat erst den Tag des Juden, auch das Jahr des Juden, ja seine Welt und seinen Charakter geschaffen. So haben äußerlich an uns glückliche und: uri{£ glückliche Zeiten, innerlich an uns Epochen' geruhsamen Philosophierens so gut wie solche verklärten G'ttschauens gewirk't, Refidim und Sinaj. Und zwischen Refidim und Sinaj sind wir immer, wenn es notwendig war, zu neuer Jugend erwacht, haben wir aus dem düsteren Grau des Alltages hinaufsehen und unser Herz hinauflenken gelernt zu Ihm; der, wie das „Lied der Herrlichkeit" singt, „alt ist am Tage des Rechtes und jung am Tage des Kampfes", der gleich dem erbarmenden Vater am Tage der Gesetzgebung sich» offenbarte und dem jugendfrisches- Helden gleich am Tage des Streites gegen die G'ttesfeinde- So geht auch in diesen Zeitläuften unser Sehnen dahin, daß überall, wohin das Schicksal uns und unsere Kinder verschlagen mag, ein Teil des hierzulande durch Forschen und auch durch hartes Geschick erlangten richtigen Blickes für die Werte dieser Welt die Wandernden begleite. Wie die Vertriebenen der Kreuzzugsjahrzehnte in Osteuropa, wie die Vertriebenen Spaniens im Orient und im Norden, so mögen auch die Unsrigen in der neuen Heimat einen neuen Weg von der Errettung zur Erleuchtung, von Refidim zum Sinai finden. Und im Lichte dieses Sinäigipfels mögen sie die kleinen Alltagsnöte;und -kämpfe der 'bisherigen Galuthheimat vergessen, desto inniger aber der Forschung, U eberlief erung und lebenden G'ttinnigkeit dieser Heimat stetig und tätig gedenken. Wochenrundschau- Das ^Schlagwort" vpii! arabisch-jüdiscli^ti F*||r* Wir. sahen in der arabischejpli schaft niemals ein Sahlagwort, jw m Freund-. iftae lange lachen Geeinte; weil wir- Glanzperiode der maurischen .und schichte Zeugnis davon ablegt, vif* same kulturelle, soziale und-'* arabisch-jüdische Arbeit, ohne 'Soh| tionale und religiöse Kultur;?<e|nw$ zum Segen für beide Völker.ausj^ ferner wissen, daß bis zum Aüit^ip^n^^ies^ber spitzten Panarabismus sich auch in Palästina.•.eh»?. Nebeneinander von^ Juden und Arabern ungestört ermöglichen ließ; <'c|aß bis zuletzt unzählige!; Araber Juden gute Dienste leisteten und bei den Juden das tägliche Brot für ihre Familien yer^effiten. in; einem Artik^! der jüngsten Nummer! von „Great Britain and the East" wird aber < die1 arabisch^jüdisCihe Freundschaft ein Schlag-' w ort igehannt, das heute von den Verh'ältttis- ' seh endgültig! widerlegt 1 'sei. Eine Versöhnung l!zwischerif Juden und'Araber^, nieiint die Zöituh^, sei ein leerer Wahn. England dürfe sich fernerhin keinen; Illusionen hingeben, seinen Man datsverpfSehtungen Juden und Arabern in Palästina, in gleichem Maße nachzukommen. Daß auch die •gemeinsamen Wirtsohaftsintefess en »die beiden; Völker nicht zusammenführen könnten,' schließt das Blatt* aus der > Tatsache, daß mitte^f||^|!dic Prosperität die Unruhen eanibräohen.1 Ali^jirfilfniunlgei» auf eine Versöhnung seien1' en.tt^.u|sBht Wörden. Man könne „nationalen Geis^jiMfcht* durch Gewalt besiegen.;Der Araber E^öo^ng richte sich ebenso, gegen diejenigen, ■ „che!) ihre Herren r »zu! werden drohen", wie gegen' Ehland, das, nach11 'Meinung der Araiber, die* neüen;[|riroberer schütze. Das Blatt erhebt weiter Klage über die „bedauernswerten „Debatten in 'beiden Parlamente n , über den geplanten Legis l ata v e Council und über die Bewilligung der neuesten E i n w a n id e r u in g s s c h e d u 1 e , womit sieh „England zum Erbfeind aller arabischen lländer gemacht" hätte. Wolle man eine Königliche Prüfungskommission nach Palästina schikkehj so sorge man für; eine ruhigere Atmosphäre, die durch eine Errichtung eines „jüdischen Wehfkorps" zum Schutze .für das jüdische Nationalhedm gewiß nicht erreicht werden könne. „Great Brftain and the East" verlangt eine klare Führuhg-jder englischen Palästinapolitik. >f Atif wessen Kosten die klare politische Linie gehen soll, darüber läßt der Tenor des Artikels keinen Zweifel. Tief bedauerlich ist es, daß zur gleichen Zeit auch die angesehene konservative Zeitschrift „Spectator" eine „vorläufige Einstellun^idier Einwanderung" und „Rücknahme , der Jletzteiöi Schedule" als rBasis für neue Unterhand- >^ng^n' Jzw4s6hen En/gland und dein Arabern emp-.;'fi|Mti!-Freilich dürfe man sich solche Konzes-;; isidne'n nicht mit Bomben und Granaten abtrotzen 4fcssen. Zuerst müßten idie Araber iRuhe geben und inrersSiTif'dazu., beitrageny daß ^die Ba'hn zur Verhandlung und Verständigung (zwischen England und Arabien) frei werde. — War wollen nicht im Geringstenglauben, daß diese Presseäußerungen irgendwie an den Erklärungen der Regierung über die Einhaltung des Balfourwortes und den Schutz des jüdischen Nationalheimes rütteln könnten. Wir glauben auch : sonst nicht} daß maßgebende Stellen dn England | die Prämissen und Voraussetzungen, von denen das erstere Blatt ausgeht, für richtig finden könnten. Wie schon gesagt, war die Freundschaft zwischen Juden und Arabern niemals ein Schlagwort, sondern eine historische Tatsache, eine - Lebensöqtwehdigkei^ und eine Hoffnung: für die Zuku^t#Die yom Blatte beanr standeten Debatten in::Ke^en^ .rarlamejiten samt den Minisjfererklärungen ^luohten nur 'die Wege zur Befriedung^Palästma|fä und; enthielten kein Wort, da^' die jLebendr^hte der Araber verletzen wollte.! l^äs" fe'fiier den Legislative' Council betrifft, scr' jvurde er gerade von den :Judenji|e!Tnim,üti'^: und entschieden i ab g e 1 elh'ih t. Den'; Councilplah als . eine Begünsti^jjiig der Juden hinzustellen, bedeutet