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Der Israelit · 1936-06-11 · Heft 24 (11.6.1936) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 24 (11.6.1936)
Date
1936-06-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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11, Jjini 1936 D er Israelit Nr. 24 Seite 13 Kinderecke, Saul und David*). „Wo ist David, wo ist er nur?" Jonathan, desi Kö nigs Sohn, tritt zu seinem Vater. „Er ist im Garten und schnitzt «ich eine Pfeife zurecht, um, wie er mir sagte, „einmal ein anderes Instrument dem Ko nig vorzuspielen. Der König scheint der Harfe über drüssig, und mein Lied stimmt ihn nicht froh!" „Ha, ha, ha, da hat der Hirtenjunge recht. Ein ganz Ueberkluger ist er, er soll nur kommen." „Vater Du führst etwas im Schilde gegen David, tue ,dem Jungen nichts zuleide, er liebt Dich und mein Freund ist er." „Neige Dein Ohr zu mir, Jonathan! Jona than." Der König sieht sich im Gemach um, ob auch niemand ihn belausche, „weil Du ihn liebst, muß ich ihn hassen. Mir will er die Krone entreißen und G'tt scheint ihm zu helfen, denn sonst hätte er den Riesen Goliath nicht erschlagen können, und Dir, als mei nem Erben wird er sie nie geben, sondern er wird sich selbst zum König ausrufen." Nach diesen Wor ten sinkt Saul ganz in sich zusammen, die Augen halb geschlossen, die Arme schlaff über die Lehne hängend, die Bein« weit von sich gestreckt. „Vater, Deinen Worten kann ich nicht glauben, ich kenne David durch und durch, er hat nichts von Falschheit an sich. Entlaß' den Burschen, schick' ihn heim und er wird glücklich sein, wieder die Schafe seines Vaters zu hüten!" „Hier bleibt er," schreit der König Eine Weile vergeht," Saul scheint ruhiger. „Rufe den Burschen, daß er mir auf" meiner neuen Pfeife vorspiele!" Jonathan geht, um David zu holen. Ihm ist so bange um den hübschen frischen Knaben. David sitzt auf dem Treppenabsatz, die Pfeife vor dem Munde und trillert Melodien, die keiner je gehört, die plötzlich in ihm entständen sind. .„Komm' zum Vater, David, spiel ihm vor, Vielleicht gelingt es Dir, ihn abzulenken und aufzuheitern." David eilt leichtfüßig die Treppe hinauf, wartet auf Jonathan, der 'langsam folgt und läßt .ihm den Vortritt ins Zimmer. Saul scheint schlafend. „Vater, David ist da!" Ohne aufzublicken spricht der König: „Er spiele, Du aber kannst gehen." „Laß' mich hier, Vater, auch ich möchte seinem Spiel lauschen." Jonathan nimmt dieses Spiel des Hirtenjungen hur zum Vorwand, er will das Zimmer nicht verlassen, ihm ist so bange ums Herz. David setzt sich dem König gegenüber auf ein ausgebreitete^ Tigerfell, zieht die schmale Pfeife aus dem Gürtel, und 1 beginnt sein Lied. - Merklich hellen sich die Züge des Königs auf. „Der Junge kann was," meint er zu Jonathan, steht auf, geht auf den Jungen zu, klopft ihm auf die Schulter und sagt: „Dein Lied ist rein, wie der Quell an seinem Ursprung, Dein Lied ist klar, wie* ein heller Frühlingstag, aber Dein Denken, Dein Denken und Trachten — ha, ha, ha, fähre fort, Bursche!" Schwer fällt der König in seinen Stuhl zurück. „Spiele weiter, mein Sohn!" ■ . David erhebt sich, nimmt'eine Laute, die er auf der Schulter trägt> vor sich, greift in die Saiten und singt dazu. Plötzlich macht der König eine Wendung, ergreift den Speer und wirft ihn mit aller Wucht nach David. David, schmiegsam ,wie er ist, biegt den Oberkörper zur Seite, der Speer flitzt an ihm vorbei und sitzt hinter ihm in der Wand, „Vater, Vater,..was tust Du?" schreit Jonathan. David ist mit einem .Satz zum Gemach hinaus. Kaum ist die Türe ins Schloß gefallen, fängt der König. an zu weinen. Hilflos in isich zusammengekauert, bleibt er in seinem Stuhle. Jonathan müht sich um den Vater, aber sein Denken eilt zu David. Als Saul ruhiger geworden, verläßt Jonathan das Zimmer und begibt sich auf die Suche nach David. Er findet ihn in den Ställen bei den Tieren. „Rede nichts, : Jonathan," empfängt David des Königs Sohn, „ich weiß, ich fühle, es>,, daß nur die Krankheit Deinen Vater zu dieser Handlung trieb. Dein Vater, Jonathan, ist mein König, der König von; Israel, ich, fe|in sein und -seines Sohnes Diener!" „Nein, mein D,i.er ner: bist Du nicht!! Du.rbist mein Freund, ein,wahrer, auf richtiger Freund, dessen Leben ich schützen will und .muß.":, , . >; . '. Jonathan . drückt D^vid die Hand, küßt ihn auf die.' Wang©,/'dann geht er hinaus, die' Sorge um den Vater..läßt ihn hinauf eilen. ' \ ■ *) Aus den demnächst erscheinenden weiteren Bänden des Buches „Eine Mutter erzählt ihren Kindern die Bibel" von Alice Oppenheimer. Aus der Agudabewegung. Jugendtagung der Schweizerischen Agudas Jisroel Luzern, 7. Juni. An den Pfingstfeiertagen fand in Luzern eine von mehreren Hunderten Jugendlichen besuchte J u gendtagung der Schweizzerischen Agudas Jisroel sttat. Die Jüdische Gemeinde in Lu zern hatte alles getan, um der von überall herbei eilenden Jugend Annehmlichkeiten zu bieten. In dem Kongreßhaus wickelte sich das sorgfältige Programm pünktlich ab. Herr Dr. Robert Guggenheim, Präsident der Agudas Jisroel in der Schweiz, begrüßte die erschienenen Gäste und sprach von den vielfachen Arbeiten und Leistungen, die die Agudas Jisroel zu bewerkstelligen habe. Hierauf begrüßte auch Herr Rabbiner Brom mit freudigen Worten die Tagung. Der unermüdliche Jugendleiter, Herr Moses Herz, brachte sodann in humorvoller Weise seine Zufriedenheit zum Ausdruck, daß seit vielen Jahren zum ersten Male wieder die Jugend der Agudas Jisroel den Weg zu einer gemeinschaftlichen Beratung gefunden habe. Das Mittagessen wurde gemeinsam im Gemeind'ehause eingenommen. — Nachmittags hielt Frl. Mirjam Botschko, Montreux, ein Referat vor den Mädchen über die „Aufgaben der Frau", während zur gleichen Zeit Herr Moses Botschko den Jungens einen Schiur gab. Frl. Botschko hatte besonderen Beifall und wirkliche Anerkennung, die sich später auch bei einer Resolution für Beth Jakob kundtat. Anschließend versammelte man sich dann wieder in dem großen Saal zu dem Jugendreferat des Herrn Josef H e i d i n g s f e 1 d , Montreux. „Der Appell an die Jugend", mit feuriger Begeisterung und jugendlichem Temperament vorgetragen, beschäftigte sich mit dem Kattowitzer Programm und seinen Hauptforderungen zur Verbreitung des Thorawissens und der Lösung der jeweiligen Aufgaben des thoratreuen Judentums. In anschaulicher Weise schilderte der Redner die hervorragende Jeschiwoh in Montreux, die noch viel mehr unterstützt werden müsse. Herr David Grünwald trat sodann in ausführlicher Rede für das Mus sarlernen ein. Hierauf schritt man zu den Kommissionsberatungen. Freunden u. Verwandten leisten Sie einen guten Dienst, wenn Sie sie mit dem „ISRAELIT" bekannt machen. Nennen Sie uns, bitte, die Interessenten, damit wir ihnen Probenummern zusenden können. Bei dem gutbesuchten offiziellen Abend, der von Herrn Moses Herz geleitet wurde, sprach Herr Rabbiner Dr. S c h ö n f e 1 d aus London. In meisterhafter Rede zeichnete der junge Rabbiner den Weg der Führerschaft und geißelte in schärfsten Worten die unberufenen Führergestalten. Nur die die Verbindlichkeit der Thora anerkennenden Menschen seien zur Führerschaft berufen. Als zweiter Redner sprach Herr Dr. E h r m a n n , Frankfurt a. M. mit ungeheurer Chibbas Hoorez über Probleme des Heiligen Landes. Der in der Schweiz bekannte und beliebte Agudaführer , fand größten Beifall. Der Möntagmorgen . war ganz den Berichten und Beratungen gewidmet. Nachmittags um 2 Uhr referierte Herr Rabbiner Bohr e r, Gailingen, über Arewuth" und forderte Ägudaar.beit auf .breiterer Basis. Die sich anschließende Generaldebatte bewies die eifrige Arbeit der Arbeitsgemeinschaften, da sehr , viele . Resolutionen zur Abstimmung kamen. Der Hauptteil der Debatte war der Verbreitung des Thoralernens gewidmet. — In einem Schlußworte bat Herr Rabbiner Brom, daß man die guten Vorsätze mit in das Leben hinausnehme, damit die Tagung nicht ihr Ende erreiche, sondern in Wahrheit erst beginne. Herr S c h'wa r z dankte dann im,,Namen der Tagungsteilnehmer den Luzernern für ihre aufopfernde Arbeit, und Herr Moses-H e r z schloß die harmonisch und schön verlaufene Tagung. , Mit Freude konnte man feststellen, daß wieder jugendliche Kräfte an der Arbeit sind. , Berlin, 9. Juni. Am Dienstag, den 2. Juni, fand ein Vortragsabend der Berliner Agudas J i s r o e 1 -'; Ortsgruppen statt. ,an dem Herr Rabbiner Dr. Hermann Klein über „Die neuen . Wege" sprach. Während die Haupttätigkeit der Ortsgruppe während der letzten Monate' im Tiergartenivertel geleistet wurde, fand dieser Abend im Zentrum statt, um die h-ier'.• tfoteaeti&ea.:.•thbratreuen Kreise zu erfassen. In der Tat zeigte sich am Gepräge des Abends ein Vorherrschen des ostjüdischen Publikums, das mit besonderem Verständnis den mit zahlreichen Talmud- und Midraschzitaten geschmückten temperamentvollen Ausführungen des Referenten folgte. Im Anschluß an die einleitenden Worte des Vorsitzenden Jacob Levy ging der Redner von den schmerzlichen Ereignissen in Erez Jisroel aus, deren Opfer er tief beklagte. Grade solche Schicksalsschläge sollten für das jüdische Volk ein Anlaß sein, Situation und Forderung der Gegenwart zu begreifen. Als im vorigen Jahrhundert die Emanzipation erfolgte, suchte die befreite jüdische Bevölkerung nach neuen Wegen, um die Gefahren eines Judenhasses in Zukunft zus bannen. Der erste dieser neuen Wege war die Assimilation, die durch Aufgehen in der umgebenden Bevölkerung einen sicheren Schutz gegen ein Neuaufkommen des Judenhasses zu schaffen wähnte. Die Geschichte ist über diese Versuche einer Selbstaufgabe hinweggegangen, die grade dem Judenhaß neue Nahrung bot. Es ist das Verdienst des Zionismus, daß er diese Schwäche der Assimilation und des Liberalismus erkannte. Er wies neue Wege, um durch Selbstbesinnung auf eigene nationale Werte dem Antisemitismus den Boden zu entziehen. Auch diese Wege können nicht zur Lösung des Judenproblems führen, weil der wesentliche Bestandteil jüdischer Volkskultur — die mm — als unverbindliche Privatangelegenheit betrachtet wird. So sähe keine wahre „Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland" aus-. Die Tendenz der bewußten Ausschaltung der mw aus den Grundelementen jüdischen Volkslebens konnte Referent durch Zitate aus den Schriften Achad Haams belegen. Die Anerkennung der Verdienste des Zionismus zur Werbung für '"K und den Aufbau des Landes darf uns nicht verleiten, die Grundidee des Zionismus als Irrweg zu verkennen. Auch die Anerkennung des edlen Strebens misrac h i s t i s c h e r Kreise für die mvi und die Hochachtung vor einzelnen führenden Persönlichkeiten darf unser Auge über den Irrtum eines neuen Weges, wie der Misrachi ihn anbahnen will, nicht hinwegsehen lassen. Die rrvin verträgt es nicht, in den Winkel einer Fraktion innerhalb eines religiös-neutralen jüdischen Volkskörpers hineingezwängt zu werden. Die n*vin muß herrschen. Der wahre neue Weg zur Lösung des Judenproblems kann nur mit dem historischen alten Weg identisch sein, mit der kompromißlosen Rückkehr zum Volljudentum. Das ist der Weg der Agudas Jisroel. — Zu erwähnen wären noch die an den Wänden des Vortragssaals angebrachten graphischen Darstellungen über die Entwicklung der agudistischen Arbeit in Erez Jisroel. Diese gelungenen Zeichnungen sind das Ergebnis des vor einigen Monaten von dem Berliner Palästina-Büro der A. J. veranstalteten Schüler- Preisausschreibens. Hachscharah in Siegburg. Siegburg, 8. Juni. Vor einiger Zeit zeigten wir einige Bilder der Siegburger Hachscharah. Nun können wir von diesem Zentrum des N.-A. wieder einiges berichten: Kurz,vor Schwuaus mußten wir unsere Wohnung wechseln und fanden ein neues Heim in der Holzgasse 47. Da das Haus erst neu hergerichtet werden mußte, war es selbstverständlich, daß die erforderlichen Arbeiten von den Chawerim ausgeHi<nrt wurden. — Am Sonntag vor Schwuaus konnten wir Chinnuch Habajith feiern. Unserer Einladung sind die Vorsteher der Gemeinde und eine Anzahl der Gemeindemitglieder gefolgt. Zu diesen gesellten sich einige Damen des Kölner Hilfskomitees mit Herrn Dr. S. Stein an der Spitze. Siegfried Heckscher begrüßte namens der Hachscharah die Gäste und dankte der Gemeinde für das bisher erwiesene Entgegenkommen. Ferner sprach er seinen Dank dem Kölner Hilfskomitee aus, welches uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite steht und uns aiym jetzt den Umzug ermöglichte. — Nunmehr waren es unsere Gäste, die uns mit einigen Worten der Begrüßung und Ermahnung erfreuten. Als erster sprach Rabb. Dr. R o s e n b e r g, dem Herr Dr, Stein folgte. Herr Dr. Stein verstand es mit der ihm eigenen Begabung, die Zuhörer zu fesseln. Fer-. ner sprachen noch die Herren Levinsohn, der erste Vorsitzende der Gemeinde und die Herren Lehrer Selig .und Moritz Hemyann. — Die Feier war umrahmt von Gesängen, die die Chawerim der Hachscharah vortrugen. Durch die Hilfsbereitschaft der Siegburger und Kölner war es möglich, die Feier würdevoll zu begehen. Wir wollen hoffen, daß die Hachscharah in ihrem neuen Heim sich genau so behaglich fühlen wird wie bisher und es gelingen möge, den jungen Menschen, die bei uns sind, die Stärkung zu verleihen, die es ihnen ermöglicht, in Erez Jisroel als wahre Jehudim zu leben. Bezirksversammlung der Agudas Jisroel in Bad Mergentheim. Am Sonntag, den 21. Juni, ,16 Uhr, findet in Bad M e r g e n t h e i m eine Bezirksversammlung der Agudas> Jisroel statt. Herr Redakteur S. Schach« nowitz wird „Zur Lage in Erez Jisroel" sprechen. Als Vertreter der Palästinazentrale der Agudas Jisroel .wird Herr David Uli mann über „Die Tä* tigkeit des Keren Hajischuw" referieren. Herr Fredi Lustig von der Leitung des Noar A'gudati wird über „Die Aufgaben der agudistischen Jugend" sprechen.

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