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Der Israelit · 1936-06-11 · Heft 24 (11.6.1936) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 24 (11.6.1936)
Date
1936-06-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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p^^p^^^^^^^^^^p^^^^^jpl^^i^^pf^^^^ Seite 10 Nr. 24 D e r 1 s r a e 1 i t 11. Juni 1936 „Goodwill Trio", da® soeben von einer zweimonatigen Reise durch alle Teile der Vereinigten Staaten nach Philadelphia zurückgekehrt ist, berichtet, daß überall in den Vereinigten Staaten, mit Ausnahme der pazi fischen Küste, wo der Antisemitismus zunimmt, die Beziehungen zwischen Juden und Christen besser werden. Die drei Herren haben auf ihrer Reise in einer Unzahl öffentlicher Versammlungen gespro chen, sowie in Universitäten und anderen Kulturstät ten Komitees zur Besserung der Beziehungen zwischen Christen und Juden organisiert. Alle diese Veranstaltungen standen unter der Leitung der National Con ferenz of Jews und Christians. (ITA.) Personalien. Rabbi Jeruchan Lewowitz V»St- Mir, 9. Juni. Eine Depesche aus Mir bringt uns die erschütternde Kunde vom Ableben des wetlbekannten Leitens und Maschgiach der Mirer Jeschiwa, Rabbi J eruchan Lewowitz. Was diesre Name der Jeschiwajugend in Litauen bedeutet, ist heute, nachdem auch Söhne deutscher Familien den Weg nach den litauischen Jeschiwoth finden, auch hier wohlbekannt. Rabbi Jeruchan Lewowitz, ein Gaon der Thora und des M u s s a r, der früher an der Seite des Chofez Chajim gewirkt und später buchstäblich die S*e e 1 e de r Mirer Jeschiwa war, hat die neue Rabbinergeneration nicht nur in Litauen zum großen Teile erzogen. E r formte die Menschen, auf die wir heute so große Hoffnungen setzen. Sein zündendes Wort drang in die jungen Herzen ud blieb drinnen, befruchtend und weiterstrahlend. Er hatte jeden seiner Jünger im Auge und in der Hand. Keine Störung ihres Seelen- und Gemütslebens konnte ihm entgehen und für manch Einen war er die Höhensonne, in der alle seelischen Gebrechen ausheilen konnten. So ging da® Tag für Tag, Jahr für Jahr, viele Jahrzehnte lang. Wir müssen eine ausführliche Würdigung dieses großen Menschen Anderen überlassen, wollen hier nur im ersten Schmerze der traurigen Pflicht nachkommen, der jüdischen Welt zu verkünden, daß wieder ein ganz Großer, ein in seiner Art einmaliger Führer und Jugendbildner von uns gegangen ist. * * Herr Rabbiner Dr. J. Weinberg, Rektor des Rabbinerseminars in Berlin, schreibt uns: Den Lesern des „Israelit" wie der Orthdooxie Deutschlands überhaupt wird der Name Rabbi Jeruchams bekannt sein, da viele* Schüler aus. Deutschland in der dortigen Jeschiwa lernen und von der jüngeren Rabbinergeneration zählen manche zu seinen Schülern. Seine Hauptgröße bestand auf dem Gebiete der Mussarlehre, die er als Schüler des Rabbi Simche Sissel Sief in Keime und dessen Sohn Rabbi Nochum Wolf weiter entwickelte und verbreitete. Er sah sein Lebensziel darin, die Jeschiwa jünger im Geiste der Mussarlehre (dessen Schöpfer Rabbi Israel Salanter war) und nach deren pädagogischer Methode zu erziehen. Dank seines Eanflusses und seiner. Wirksamkeit ist die Mussarlehre, die früher in den Jeschiwoth nur gelegentlich und nebensächlich betrieben wurde, zu einem Haupigegenstande im Lehrplan sämtlicher Jeschiwoth Polens erhoben worden. Nach dem Tode de® Rabbi Nathan Zwi Finkel b*sr, der „Alte von Slobodka" genannt, dessen Schüler der Verblichene war, ist Rabbi Jerucham an die Spitze der in der ganzen jüdicshen Welt verbreiteten Mussarbewegung gestellt worden. Fast alle pädagogischen Leiter der polnischen Jeschiwoth sind seine Schüler. Nach dem Tode des Chofez Chajim galt Reb Jerucham. als anerkannteste Autorität in Fragen der; jüdischen, Morallehre und der; religiösen Pädagogik. Alle Rabbiner Polnisch-Litauens holten seinen Rat dort ein, wo, es sich um die Gründung von Jeschiwoth oder um die Neubesetzung von Rabbinern handelte. Die chassidische Sitte, daß man zu den hohen Feiertagen den Rebben besucht, ist von den Anhängern, der Mussar-B ewegunig übernoinine11 worden. Nach dem Tode des ,;Alten von Slobodka" ist Rabbi Jerucham der sogenannte „misnagdisiche Rebbe" geworden. Sein Tod bedeutet für die Mussar-Bewegung als auch für die Jeschiwa-Welt einen unersetzlichen Verlust. ..y-'i Der Wischnitzer Rebbe ^"ST4 Oradea, 8. Juni. Wie wir bereits kurz berichtet haben, ist der Senior der Wischnitzer Chassidim-Dynastie, Rabbi Israel Hager, - nach kurzer Krankheit dem ungeheuer großen Kreis seiner Freunde und Jünger entrissen worden, Nur zwei Wochen war er krank, und es schien so, als wollte und konnte seine große Seele sich nicht von dem Erdenkreis loslösen. Noch am Sabbat rrana stand der Rabbi ,vor dem Vorbeterpult und trug das Rosch Cho.desch-Benschen mit einer Inbrunst vor, als fühlte er, daß es der letzte Neumond in seinem Leben war. Als sich wenige Tage später sein Zustand verschlimmerte, zog man die größten Aerzte herbei, die aber nicht viel Hoffnung gaben. Zu Tausenden strömten die Chassidim aus allen Gegenden nach Oradea, der letzten Residenz des Rabbifürsten aus dem Wischnitzer Hause. Am Freitag Nwa p"Vy sah man, daß es zu Ende ging. Trotz überhandnehmender Schwäche, verrichtete der Rabbi sein Morgengebet mit lauter Stimme und riß noch einmal mit seiner Andacht die Versammelten zu lichten Höhen empor. Er wiederholte manche Gebete einige Male, dann ließ er sich eine Thorarolle ausheben und den kommenden Wochenabschnitt vorlesen, fing dann an, das Hallel zu singen, und bei den Worten nin '5»an 'aiSBK wurde man an die Erzählung vom letzten Ringen von Moschehs mit dem Todesboten erinnert. Hunderte von Menschen, die Türen und Fenster belagert hielten, beteten mit. Die Aerzte sagten, es sei ihnen wissenschaftlich unerfindlich, woher ein schwacher Mensch in seinen letzten Zügen diese geistige und körperliche Kraft hernehme. Nachmittag mehrten sich die Pilger aus den um liegenden Städten nach dem Hause des Rabbi. Mit seinem gewohnten freundlichen Lächeln bot er noch jedem Fremden den Scholaum-Gruß. Eine Stunde später begann der letzte Kampf. Man verrichtete im Nebenraum die Freitagabendgebete und glaubte zu merken, daß der Rabbi mitbetete. Man stimmte Maariw an, und just im Momente, als man in beson derer Inbrunst das „Schema Jisroel" rief, hauchte der Rabbi seine Seele aus. Mit dem Schema von vielen Hunderten stieg die große Seele zu ihrem himmlischen Vater hinauf, Chasidim, die dabei waren, beteuern, daß die große Uhr, die an der Wand hing, in diesem Momente stehen blieb, und fügen hinzu, daß das Gleiche auch beim Hinscheiden des Baal-Schern Tow geschah. Die Stimmung am Sabbat in der Stadt und b sonders in der Wischnitzer Schul kann mit Worten nicht geschildert werden. Man dachte daran, mit Rücksicht auf 'die vielen Menschen, idie aus der wei testen Umgebung zu erwarten waren, die Bestattung auf Sonntag zu verlegen, Doch wiesen die Nächst stehenden darauf hin, daß auch der Vater des- Rabbi am Freitag Abend seine Seele ausgehaucht hatte und in der Nacht nach Sabbatausgang zur letzten Ruhe gekommen war. So wurde auch "jetzt die Bestattung auf 1 Uhr nachts festgelegt. Trotz der kurzen Zeit und der späten Stunde waren Zehntausende anwesend. Die Taharoh und die anderen Vorbereitungen, an der sich nur die Nächsten nach den vorgeschriebenen Reinigungen beteiligen durften, zogen sich viele Stunden hin. Die Bahre wurde aus dem Tisch angefertigt,' an dem der Rabbi die vielen Jahrzehnte gelehrt und ge lernt hatte. So war es bereits heller Tag, als die Gemeinde vom Friedhof wie verwaist heimkehrte. Reden durften nicht gehalten werden. Der Wischnitzer Rabbi hat vier Söhne hinterlas sen, von denen der Aelteste, der „Wischawer Raw", zur Zeit in Amerika weilt. Die anderen drei Söhne; amtierten bis jetzt als Rabbiner in Wilchowicz, Wasohnitz und Sered. Welcher von ihnen auf den' Sitz des Vaters gehoben wird, ist noch nicht bekannt. yn. Bertha Pappenheim jy'jf. Frankfurt a. M., 7. Juni. Ueber das Ableben von Bertha Pappen heim haben wir im lokalen Teile unseres Blattes in der vorigen Woche berichtet. Aus einer Würdigung von Cora. Berliner, einer Mitarbeiterin Bertha Pappenheims, entnehmen wir zur Ergänzung folgende Stelleo: Der Jüdische Frauenbund betrauert, den Verlust seiner Schöpferin und langjährigen Führeriri; Das ganze Judentum verliert eine Persönlichkeit von einzigartigem Gepräge. Aus begütertem, streng orthodoxem bürgerlichen Hause stammend, wuchs sie in Wien als „höhere Tochter" auf. Aber schon 22jährig übersiedelte sie nach F r ank fu rt a, M. und trat in die jüdische soziale" Arbeit; ein. Dort und im benachbarten Neu-Isenburg schuf sie sich die Instrumente' für ihr leidenschaftliches Bemühen um den Sdhutz von Kindern, Mädchen und Frauen. ' Z:wölf Jahre war sie Hausmutter im jüdischen Mädchenwaisenhaüs. Der J ü d i® c h e M ä d c h e n k l ü b , der Frauenverein „Weibliche F ü r s ö r g e " . und schließlich das Is e n b u r g e r Heim für, gefährdete Mädchen, Säuglinge, Kleinkinder und Schulkinder; sind von ihr begründet, jahrelang geleitet, und immer wieder, - von ihrer Kraft befruchtet. worden. Aber | ihr Wirken reichte weit über diesen Kreishinauf. 19Ö4 schuf sie den Jüdischen Frauenbund, um besonders die Frauen bürgerlicher Schichten zur sozialen Verantwortung und jüdisch-geistigen Mitarbeit zu gewinnen. - Den jüdischen Massen des Ostens fühlte sie sich auf das tiefste verbunden. Studienreisen nach Galizien, Rußland,und Polen, vertieften die Erkennt-; nis . von der.. Notwendigkeit, :die jüdischen Mädchen und Frauen dieser Länder 'durch eine ihren besonder ren: Aufgaben angepaßte Erziehung für den modernen Lebenskampf auszurüsten, ohne, sie der; Kultur ihrer jüdischen Tradition zu entfremden. Bis ihr letztes Lebensjahr reicht diese Arbeit. Noch. im. November vorigen Jahres war sie in Polen, um die Gründung .einer sozialpädagogischen AusbiMungs statte,, für! "jüdische Mädchen;.in die Wege..zu leiten. j; Bertha Pappenheim war eine unermüdliche Kämpfern! für den. Gedanken der sozialen Verantwortung, unerbittlich in ihren Förderungen 'gegen andere, aber auch gegen ©ich selbst. Von puritanischer -Einfachheit und Strenge, unbedingt bis an die Grenze der Ungerechtigkeit. Aber 'diese Härte ist nur die eine Seite ihres Wesens. Den Säuglingen und Kleinkindern des Isenburger Heim® begegnete sie mit Liebe und Zärtlichkeit; ' aufgeschlossen, freundlich, und ganz ernst nahm sie die Sorgen und Nöte junger Menschen auf; unermüdlich war ihre Treue und Fürsorge -für ihre Schutzbefohlenen und den engen -Kreis ihrer wirklichen Mitarbeiterinnen. Zur Farbigkeit diese®, Lebens gehört noch viel mehr! Voll Charme, Geist und Humor war diese Frau, in jungen Jahren nicht ohne Sinn für weibliche Eleganz, immer aufgeschlossen allem Schönen und kulturell Wertvollen^ Briefe und Schriften zeugen von einer ganz seltenen Ausdruckskraft der Sprache. In sorgloseren Zeiten sammelte sie Spitzen und kostbare Gläser, bis zuletzt knüpften ihre nie ruhenden Hände 'die schönsten Ketten. Die Welt wird ärmer durch den Tod dieser Frau. Zwingemberg a. d. B., 7. Juni. Am naiaa na» waren es 25 Jahre, daß Herr Bernhard Mainzer Vorsteher unserer Gemeinde ist. Unermüdlich hat er in dieser Zeit für das Wohl der Gemeinde mit bestem Erfolge gesorgt. Obwohl sein Geschäft seine Zeit voll in Anspruch nahm, war er dennoch, wenn es galt, für das Wohl der Gemeinde zu sorgen, stets am Platze, Die Pflichten, 'die ihm sein Amt auferlegte/ erledigte er prompt und egwissenhaft und scheute weder Mühe noch Arbeit, noch Anstrengung, um diesen nachzukommen. Obgleich die Gemeinde nur klein und leistungsschwach ist, wußte er es immer so einzurichten, daß die Mittel für die nötigen Leistungen zu jeder Zeit vorhanden waren. Reichten nicht die eigenen Mittel, verstand er es immer, von auswärts Zuschüsse zu erhalten. Daher war es ihm möglich, 'die Synagoge vor einiger Zeit neu herrichten zu lassen, so daß sie einem kleinen Schmuckkästchen gleicht. Nur schade, daß wir sie nicht regelmäßig benutzen können, da es uns. an Werktagen ah Pia Fehlt. An tava »m und Haan dv fungiert er als Vorbeter. Ihm treu zur Seite steht der zweite Vorsteher, Herr Julius Davi d, der mit seiner trefflichen Stimme als }tn fungiert. In einer längeren Rede würdigte er die Verdienste des Herrn Mainzer und sprach ihm den Dank .der Gemeinde aus. Möge es Herrn Mainzer vergönnt sein, noch viele Jahre das Amt eines Parnes versehen zu können. P'Siay Mannheim, 4. Juni. Am 30. ds. Mts. begeht Hermann Zimmern, Oberlehrer i. R. in Mannheim, B 7, 12 in körperlicher und geistiger Frische seinen 8 0. Geburtstag. Der Jubilar, geboren 1856;n Walldüren, war 45 Jahre im badischen Volksschuldienst, davon 40 Jahre in Kippenheim bei Lahr, zuletzt als Schulleiter. 1922 wurde er in den wohlverdienten Ruhestand versetzt und wohnt seit 1926 bei seiner Tochter in. Mannheim. Wir wünschen dem Jubilar, der sich ob seines heiteren, gütigen Wesens allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung erfreut, einen schönen gesegneten Lebensabend! Vermischtes/ Berlin, 2. Juni. Die PresseaMedlung der Reichs - Vertretung-der Juden in .Deutschland teilt mit:. Wie uns die Leitung des jüdischen Auswandererlehrgutes Groß-Breesen, mitteilt, besteht die Möglichkeit, zunächst noch einige Schüler im Alter von 15—16 Jahren, auch Mädchen von 14- Jahren ab aufzunehmen. Fragebogen können unter Beifügung von Freiporto bei der Verwaltung Groß-Breesen, Post Obernigk in Schlesien, angefordert werden. . Berlin, 5. Juni. Das Patenschäftskomitee für das Adaß Schulwerk, Berlin veranstaltet am Sonntag, den 14. Juni ds. Js., vorm. 9 Uhr in der Aula, Siegmundshöf 11- 'eine :Verlosung wertvoller 'R:eisvenund S a ch wert e zugunsten seiner;;Un^ Unter anderem spendeten der'] Lloyd? Triestinö' eine Seereise Triest—Haifa und zurück, Pension 'Weiß- Abbazia, Hotel Flörsheim-Bad Nauheim, Hotel Strauß-;: Brückenau, Jüdisches Kinderheim-Celerina, F.: Grünbaums; Kuranstalt; Gräfenberg-Hotel1 :de: la Piaix-InJ; terlaken,! Hotel iNational-Marie^^ B ellaria^Möran), Pension Gerstner-Meilgentheim - Hotel Belmönt-Montreux, . Pension >E.' Söberski-Neuen-: ahr, Hotel Victoria-Schuls, Hotel Bristol-Spiridler-' mühle, Ritters Hotel-Wiesbaden, Hotel und Restaurant Seelig-Bad Kissingen, ein- bis vierwöchentliche unentgeltliche Aufnahmen in ihrem Hause. Elberfeld, 4. Jupi. ^Am Montag, den L Juni,; (sprach Herr Kurt L/y p o 1 d, Emden in.. der Gründungsversammlung der Agudas Jisroel-Ortsgnippe:.Wuppertal über das Thema „Tätigkeit „und Ziel der Agudas Jisroel". Sein Referat fand allgemein großen Beifall und konnten deshalb auch .einige neue Mitglieder geworben werden. Die Ortsgruppe zählt - 22' j^tglieder,'^ was für hiesige Verhältnisse eine, schon ganz ansehn-;, liehe Zahl bedeutet, zumal. . Wuppertal .'zu deh'4iberäl,r^ sten Großgemeinden Deutschlands zählt. - Wir hoffen zuversichtlich, daß unsere Arbeit auch weiterhiß von Erfolg gekrönt sein wird. ■ ■ ' - S. L.

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