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Der Israelit · 1936-06-11 · Heft 24 (11.6.1936) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 24 (11.6.1936)
Date
1936-06-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 24 Der Israelit 11. Juni 1936 Frankreich. Antisemitische Propaganda in Frankreich im Zusammenhang mit der Ernennung Leon Blums zum Ministerpräsidenten, Paris, 5. Juni. Die Ernennung Leon Blums zum Ministerpräsidenten wird von den antisemitischen Gruppen in Frankreich zum Anlaß einer heftigen antisemitischen Kampagne genommen. Die royaiisiische „Action Francaise" hat unter der Ueberschrift „Frankreich unter einem Juden" einen Artikel •veröff entlicht, in dem der Ministerpräsident auf das heftigste angegriffen wird. Dem Kabinett Blum gehört eine Jüdin, Frau Brunschvig, als Unterstaatssekretärin für Erziehungswesen an. Der Generalsekretär im Ministerratspräsidium, Julas Moch, ist ebenfalls Jude, der Unterrichtsiminister Jean Zay jüdischer Abstammung. -Im Generalrat des Sejmdepartements hat der antisemitische Rat Darquier de Pellepoix den Antrag eingebracht, alle Einbürgerunigen seit dem Waffenstillstand zu widerrufen und den Juden das aktive und passive Wahlrecht, sowie die Amtsfähigkeit für öffentliche Aemter zu nehmen. (Siehe Wochenrundschau.) Spanien. * Sephardische Familien in Griechenland erhalten die spanische Staatsangehörigkeit. Madrid, 5. Juni. Amtlich wird -bekannt gegeben, daß 114 in Griechenland ansässige sephardische Familien die spanische Staatsangehörigkeit erhalten haben. Die Zuerkennung der Staatsangehörigkeit erfolgte auf Grund des Artikels 23 der spanischen Verfassung vom 9. Dezember 1931, in dem die Einbürgerung ausländischer Sephardim vorgesehen ist. England. Palästinensisch-arabisches Propagandabüro in London. London, 7. Juni. Die palästinensischen Araber haben in London eine Propagandazentrale unter der Leitung des Sekretärs der Mufti-Partei und Redakteurs der Zeitung „El Liwaa", E. A. Ghory, eröffnet, tun in England Sympathien für den Kampf gegen weitere jüdische Einwanderung nach Palästina zu werben. Das Propagandabüro überschwemmt die englischen Redaktionen täglich mit Zuschriften, in denen behauptet wird, die Juden hätten Tausende von Arabern enteignet und die Araber stünden in einem Kampf um ihre Existenz. In einem Interview, das er dem „Sunday Observer" gewährt hat, erklärt Ghory, die Protestbewegung sei nicht auf Palästina allein beschränkt, sondern auch in Syrien, dem Irak/ Aegypten und Transjordanien herrsehe tiefe Erregung. Die ganze Tnohammedanische Welt sei aufgewühlt. Das sei eine sehr bedeutsame Tatsache für England. Im englischen Reich gebe es etwa hundert Millionen Araber und Mohammedanfj}. Die Palästinafrage sei ein schwere® Hindernis für die arabische Freundschaft zu England. Solange die jüdische Einwanderung nach Palästina nicht eingestellt sei, seien gute Beziehungen zwischen diesen hundert Millionen Arabern und Mohammedanern lind England nicht möglich. Palästina. Die ersten Zertifikate aus dem neuen Schedule ausgegeben. Jerusalem, 3. Juni. Die Palästina-Regierung hat von dem neuen Schedule der Jewdsh Agency 2000 Zertifikate ausgefolgt. Nach den Weisungen der Palästinaregierung sind von diesen Zertifikaten 1500 für Chaluzim, 300 für Angehörige von Palästanaeinwohnern, 125 für Facharbeiter und 75 für Handwerker bestimmt. Da von der Palästinaregieruing 500 Zertifikate bekanntlich für die Legalisierung de® Aufenthalts illegaler Einwanderer zurückbehalten werden, bleiben von dem neuen Schedule noch 2000 Zertifikate übrig. Die Ausgabe dieser Zertifikate soll nicht vor Mitte Juli erfolgen. »Blau-weißer Tag" auf der Levante-Messe. Tel.Awiw, 3. Juni. Im Rahmen der Levante-Messe wurde ©in „Blau-weißer Tag" abgehalten, bei dem unter anderen Rednern auch der aschkenasische Oberrabbiner von Tel Awiw, Rabbi Avigdor A m i e 1, eine Ansprache hielt, in der er die Araber warnte, den Bogen nicht zu überspannen. Der jüdischen Presse wurde verboten, Berichte über 'die Rede Rabbi Amieis zu bringen. Dieses Verbot hat besonders in den religiösen Kreisen Tel Awiws Verstimmung hervorgerufen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Veröffentlichung selbst der heftigsten Reden des Großmufti nicht verboten worden ist. Sämtliche Redner bei dem „Blauweißen Tag" wunden am folgenden Morgen zum Distriktsbeamten berufen, um sich wegen unerlaubter Teilnahme an einer Versammlung zu verantworten. Aus der orthodoxen Arbeiterbewegung in Erez Israel. Tel Awiw, 28. Mai. Aus dem neuesten Bulletin der Poale Agudas Ji s r o e 1 in Erez Israel ist zu ersehen, daß die Verhandlungen der Agudaarbeiter mit dem A. C. des P o e 1 Hamdsrachi zur Gründung einer einheitlichen Histada-uth religiöser Arbeiter auf wirtschaftlichem Gebiete Fortschritte machen. Es wird in dem Blatt das ganze Protokoll der Verhandlungen zwischen den Vertretern der Aguda- und Misrachi-Arbeitern vom 21. Ijar d, J. veröffentlicht. An den Verhandlungen nahmen von der Aguda teil: Dr. Isaac Breuer, Jacob Landau, S. Fischer-Stein und B. Münz. In der orthodoxen Kolonie M a c h a n e h J i s - roel ist bis jetzt alles ruhig geblieben. Es werden *n der Nähe zuweilen 'Schüsse gewechselt. Der Polizeiposten bewacht die Siedlung. Die Ernte hat dort begonnen und es wird bereits der Boden für das Wintergetreide locker gemacht. Die Zukunft der Kolonie hängt von der Ernte ab und diese vom Regen, der noch nicht ausgiebig genug gefallen ist. Die Siedler müssen dauernd auf der Hut sein, da Feldbrände in der Umgebung tägliche Erscheinungen sind. In Rechoboth wurde ein gemeinsamer Aufruf von P. A. J. und Poale Misrachi erlassen zur Stärkung der A w o d a i w r i t h. In der Synagoge und den Bethäusern wurden die Beter auch in Vorträgen an ihre Pflicht g&g&nden jüdischen Arbeiter erinnert. Vom regen geistigen Lebern im Käbbuz „Chofez Chajim" wie im „Chuig S. iR. Hirsch", trotz der gespannten politischen Lage, zeugen die in diesem Blatte angezeigten Vorträge über alle denkbaren Themen, die über der Not und Sorge des Tages stehen. Ein Aufruf an die Bnoth Israel. Tel Awiw, 18. Mai. In einem Aufruf der Schülerinnen der B e t h Jakob-Schule von Tel Awiw, der in seiner Aufmachung sehr wirksam ist, wird an die Bnoth Agudas Jisroel appelliert, aus den blutigen Ereignissen neue Kräfte zu schöpfen, zu lernen und zu arbeiten. „In uns wollen wir gehen," heißt es in diesem Rundschreiben. „Viele sind vom gnaden jüdischen Wege gewichen, diese wollen wir zurückbringen zu unseren Idealen, zu der moralischen und sittlichen Höhe, die das Ziel der Agudas Jisroel, der Bnoth t Bewegung und der Beth Jakob-Schulen ausmacht." Jerusalemer Brief. Streik größter Ausdauer. — Die Stadtverwaltungen und Dr. Kalidi__Englische Nachsicht. — Die Helden von „Lifta". Jerusalem, 5. Juni. Nun zählen wir bald acht Wochen seit Ausbruch der Unruhen, und eine Besserung der Lage ist leider noch nicht zu verzeichnen. Die entfesselte Bestie kommt nicht zur Ruhe. Dreißig jüdische Todesopfer sind zu beklagen. Die kleinen Zwischen- und Ueberfälle in Stadt und Land zählt man nicht mehr. Die Schießereien in dem Straßen sind so sehr zur täglichen Erscheinung geworden, daß man sie kaum noch hört. Dreißig jüdische junge Menschen, die -am. Jischuw mitbauten und im Judentum etwas galten, haben ihr Leben gelassen. Das bedeutet den Untergang von dreißig jüdischen Familien, denn sie waren fast alle verheiratet, Familienväter oder hatten für ihre alten (Eltern zu sorgen. Sie sind nicht einmal im Kampfe gefallen, die aneisten traf die tödliche Kugel, als sie auf dem Wege zur Arbeit oder aus dem G'tteshaus zu ihren Familien waren. Was wird die Zukunft bringen? Das Wunder aller Wunder ist, daß die Araber seit bald 8. Wochen müßig herumgehen und dennoch durchhalten. Das führt natürlich zu der allgemeinen Annahme, daß sie von bestimmten Fonds reichlich unterstützt werden. Wer diese Fonds füllt, ist wiederum das große Rätselraten. Man nennt den einen Staat und den anderen, ohne aber Beweise dafür in Händen zu haben. Wahrscheinlich fließt auch Geld aus arabischen Nachbarstaaten zu. So oder so, die Tatsache bleibt bestehen, daß die Gelder, mit denen der Streik und 'die Unruhen finanziert werden, zunächst unerschöpflich sind, und darin liegt die Gefahr und die Tragik des Ganzen. Man sucht vergeblich nach einem Präzedenzflale in Europa, in dem Arbeiter eine Arbeitseinstellung in diesem Ausmaße monatelang so durchführen konnten. Indes wir in unserem bekannten Optimismus uns an den Fingern abzählen, wie lange der Streik noch andauern kann, erleben wir, daß er immer verstärktere Formen annimmt und sich nun auch auf die Stadtverwaltungen ausdehnt. Freilich ließ sich der Streik der Beamten nicht lückenlos durchführen. Die Bürgermeister planen aber, für die nächsten Tage eine vollkommene Arbeitsstockung in den Stadtverwaltungen eintreten zu lassen. In dieser Beziehung tut sich besonders der Bürgermeister der zu 80 Proz. jüdischen Stadt Jerusalem, der bekannte Dr. Hussein Kalidi, hervor. Er stellte ein Ultimatum an den High Commissioner und drohte mit dem Streik des Jerusalemer Magistrats, obwohl er wissen muß, daß Jerusalem nicht Nablus O'der Hebron ist und daß Juden seine Arbeit im Stadtrate gerade so gut machen können. Inzwischen ist Dr. Kalidi plötzlich nach London abgereist, um dort für die Sache der Araber tätig zu sein. Man darf hoffen, daß die Regierung sich beeilen wird, den jüdischen Vizebürgermeister an die Spitze der Verwaltung zu setzen und den Apparat weiter in Funktion zu erhalten. Ueber die Stellung der Regierung gehen die Meinungen weit auseinander. Das energische Eingreifen der letzten Tage muß anerkannt werden, doch fragt man sich, warum erst jetzt? Vielen erscheinen auch jetzt noch die Maßnahmen nicht durchgreifend genug. Kenner der Araber wissen, daß ihre Angriffslust sich nur gegen Wehrlose austobt. Das beweisen , auch die vielen Ueberfälle aus dem Hinterhalte. In einen offenen Krieg mit den englischen Truppen werden sie sich nicht einlassen. Also fragt man, warum zögern die Polizei- und Militärbehörden? Die Bewilligung der Schedule und des „kleinen Hafens" in Tel Awiw haben den jüdischen Jischuw etwas ermutigt,, aber man weiß, daß, solange die Hetzer und Rädelsführer nicht dingfest gemacht und nicht „in die Wüste" geschickt werden (am Rande der Sinai-Wüste ist ein Konzentrationslager eingerichtet), es keine Ruhe im Lande geben wird. In der Nähe von Jerusalem befindet sich das kleine arabische Dorf Lifta, das so mancherlei Beziehungen mit Juden pflegt und sich daher bisher an den Ausschreitungen gar nicht beteiligte. Am letzten Freitag, als 'die Bewohner des Dorfe® die Omar- Moschee besuchen wollten, fanden sie verschlossene Türen. Wächter standen an den Türen, die den Auftrag hatten, die „Verräter" von Lifta nicht in die Moschee zu lassen. Es scheint, daß die Liftaer sich die Sache sehr zu Herzen nahmen, denn schon am folgenden Sonntag wurden zwei Juden, der eine in Giweath Schani lind der andere in einem Autobus auf der Landstraße, ermordet, und es ist zweifelsfrei erwiesen, daß die Mörder aus dem Dorf Lifta kamen. Also haben sich die Guten ihre Eintrittskarte in die Omar-Moschee für den nächsten Freitag gesichert ... Leider hat man noch nicht gehört, daß die Verwaltung oder die Wächter der Omar-Moschee für diese direkte Aufreizung zum Mord und für die Anwendung solcher Druckmittel zur Rechenschaft gezogen wor-

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