Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1936)
- Date
- 1936-06-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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^^^^^^^^^^^^^^^^^^^l^^^^^^^^^^^^^^^jf^^^p§P^^^^^^^^^^|?^P^^^S^!?^?^ 3; 11. Jnini'1936" D Israelit Nr. 24 Seite 7 1 richts, Bobkowski, als Vorsitzendem und den Rich- ,.*tern Maliszewsski''und Glowator als Beisitzern. Dern^ jüdischen: - Hauptangeklagten^ Leska, einem t*i 19jährigen'*; - früheren Jeschiwa-Höre^'der in der Schneiderwerkstatt seines Vater®, beschäftigt war, wird zur Last gelegt, wiederholt Schüss© aus einer Repetierpisfole auf einen Haufen von Bauern abgegeben'zühä'ben. Durch einen dieser 'Schüsse soll der /Bauer Stanislaw Wiesizniak - getötet worden sein. .' Der 27ijährige Isaak Friedmann, ehemals Kommandant des Betjar-von Przytik und später Vorsitzender der Ortsgruppe des. Brit Hazohar, wirdbeschuldigt, während des Pogroms Revolverschüsse abgegeben und Bauern mit Stockhieben und Steinwürfen angegriffen zu haben. Israel KerschenzWeig, 22 Jahre alt, Mitglied des Betar, ist angeklagt, mehrere Bauern durch 5 ReVölvefschüsse verwundet ' zu' haben. Das gleiche «• wird seinem' 19jährigen Bruder Elieser zur Last ge- .s; legt. Der 18jährige Getreadehändler Jacob Boyenstein; wird beschuldigt, Pistol'enschjüss.e' abgefeuert zu ha- :. ben, durch die jedoch niemand verletzt wurde. Der „ 46jährige Schuhmacher Abraham Jacob Haberberg ist angeklagt, am 9. ,März, an einem Angriff auf Bauern mit Stöcken und Steinwürfen teilgenommen zu haben. Wegen eines solchen Angriffs tat sich auch der 36jährige Bäcker Jacob Leib Zeide zu verantworten. Der 2Öjährige Schneider Raphael Honig und der 30jährige . Fischhändler Isaak Banda sind ebenfalls wegen, eines Angriffs auf Bauern angeklagt. Dieselbe Beschuldigung richtet sich gegen den 30jährigen Lederhändler Moses Chaim Cuker, den 41jährigen Saul Krengel und den 65jährigen Klempner Elieser Feldr berg, ein früheres Mitglied des Vorstand® der Jüdischen Gemeinde. Sein Schwiegersohn, der 27jährige Leib Lenga, Mitbesitzer der einzigen jüdischen Mühle in Przytyk, wird beschuldigt, an einem gemeinschaftlichen Angriff auf Bauern auf dem Marktplatz und in der Warszawskastraße teilgenommen zu haben. Schließlich ist noch der 37jährige Schuhmacher und ehemalige Kriegsteimehmer Moses Ferszt wegen eines Angriffs auf polnische Bauern angeklagt. Die nichtjüdischen Hauptangeklagten sind: Antony , Fronczkiewicz, Stanislaw Fronczkiewicz, Gustav Iwoiiski( Franciszek Kwietniewsld,. .die .beschuldigt , werden, das Ehepaar Joseph und Chaja Minkowski ermordet zu haben. Die übrigen 39,nicht jüdischen An-; geklagten haben «ich wegen Beteiligung an Angriffen auf jüdische Einwohner, unter Verwendung von. Steinen, Stöcken, Eisenstangen und anderen. Gegenstän- ,. den, wegen Zertrümmerung von Wohnungseinrichtungen, und. Verletzung zahlreicher Personen zu verant- Worten. .. . Zu dem Prozeß sind nicht weniger als 400 Zeugen; geladen; der jüngste .unter, ihnen ist;der sechsjährige) Sohn des ermordeten Ehepaars Minkowski. Der von ... beiden . Seiten nach Verlesung...des .Anklageaktes; ^.e--1 stellte Antrag auf Vernehmung weiterer Zeugen ist von dem Gericht abgelehnt worden. » Warschau, 3. Juni.; In dem Prozeß vor dem Radomer Kreisigerdchtwegen-der blutigen Exzesse in Przytyk' im März d. J. 1 würäe' mit' dein" Verhör der Aögeklagt'en b'e'göiinen.j Die 1 nicht jüdischen Angeklagten verweigerten' zu- 1'-nächst jede1 Aussage. Daraufhin Haben die jüdischen' Angeklagten es -abgelehnt, Fragen der'1 Verteidiger der ändchtjüdäscheii? -Angeklagten zu'- beantworten. Der jüdische. Häuptangeklagte, Scholens Les k a , gestand, aus einem Fenster im Hause'keines Vaters' Schüsse abgegeben zu haben. Er erklärte jedoch, er habe keineswegs in die Menge geschossen, sondern nur Schreck- und Alarmschüsse in die Luft abgegeben. '-Nachdem ' er drei Schüsse abgegeben hatte,: habe er .die Waffe;ni'cht 'mehr "benutzt, sondern, sie.; später in den Fluß geworfen. Die übrigen jüdischenj Angeklagten erklärten, sie hätten unter den Angrif-, fen der Antisemiten schwer zu..leiden -gehabt und; in Notwehr gehandelt. . 368, Zeugen, von . denen SO rJuden sind,..wurden gruppenweise, vereidigt. .... , Der Anklageschrift, ist. u, ,a. zu entnehmen: Das Städtchen Przytyk mit einer Bevölkerung, vonu, etwai 3000 Seelen, davon 90 Proz. Juden, war seit langem,: besonders an Markttagen, der Schauplatz antijüdi-j «✓eher . Auftritte; die Nationaldemokratisohe Partei| führte eine scharfe Boykottaktion durch. Nicht nur <üe( jüdischen Händler, sondern auch die christlichen Käufer würden mißhandelt, jüdisch)© Warenbestände ver: ni'chtet,"' diei'Fenster-in; jüdischen Wohnungen -wiederholt zertrümmert. Am 9. März, dem Tage der Ausschreitungen, war in Przytyk Jahnmarkt. 600 Fuhrwerke und etwa 2000 Menschen waren aus der Umgebung eingetroffen. Es wurde eine heftige antijüdische Boykottaktion igeführt. Als 'die Polizei ver- Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez jisroel. (Nach Palnews.) Tel Awiw. Obwohl .der arabische Streik an und für sich den jüdischen Wirtschaftssektor kaum berührt und auch die anfänglichen Schwierigkeiten, die sich aus dem Jaffaer Hafenstreik ergäben, überwunden werden, übt die von Woche zu Woche sich verschärfende Unsicherheit und Terrorisierung des Landes durch Brandstiftungen,. Ueberfälle, Mord und Verkehrssabotäge auf die Dauer einen lähmenden Einfluß auf das' Wirtschaftsleben aus. Vor allem wirkt, die Passivität der Regierung gegenüber dem Terror außerordentlich deprimierend und muß den Eindruck hervorrufen, daß die Regierung entweder nicht willens öder nicht in der Lage ist, dem Terror ein Ende zu machen. Die täglichen Berichte der Weltpresse über den um sich greifenden Terror diskreditieren Palästina in den Augen des Auslandes und stören die internationalen Wiftschaftsverbinduhgen Palästinas. Dazu tragen nicht zuletzt auch Zählungsverweigerungen arabischer Importeure bei. Die Einstellung der Zahlungen durch die arabischen Kaufleute, die Verluste, die .die Verkehrsunternehmungen auf die Dauer erleiden und sich auf weitere Zweige der Wirtschaft fortpflanzen, de* Umsatzrückgang infolge der . allgemeinen Unsicherheit im Lande drohen, - zu ernsthaften Wirtschaftsstockungen zu führen. Es muß erwartet werden, daß sich die Regierung der wirtschaftlichen Rückwirkungen der Situation bewußt wird und sie nicht länger ignoriert. Ein begrüßanswertes Symptom in dieser ' Richtung stellt die von der Regierung erteilte Erlaubnis zur Güterabladung an der Jarkonmündung in Tel Awiw dar, mit der bereits in diesen Tagen begonnen werden konnte. Die Ladungsarbeiten befinden sich bereits in vollem Gange. Jerusalem.. Der britische Handelsagent und Ver- , treter des Department of Överseas Trade in Palästina, Mr. C, Empson, teilt uns mit,, daß 'der palästinensische Export 'nach Ehgland sich im.;Jähre 1935 nach der englischen Statistik auf Lst. 2,71 Millionen, nach der palästinensischen auf LP 2,55 Millionen beläuft. Der englische Export ' 'und Reexport v nachWRadästina stellt -Isach ' nach - derenglischen Statistik auf Lst. 2,64, ..nach der palästinensischen auf LP 3,21 Millionen. Nach der englischen Statistik' 'ist die Handelsbilanz zwischen beiden Ländern also bis . auf eine geringfügige Differenz von Lst. 72.107 zugunsten Palästinas ausgeglichen, nach der palästinensischen Statistik ergibt sich dagegen zugunsten Englands" ein Ueberschuß . von LP . 658,392. Die, Differenz dürfte sich hauptsächlich aus Fracht- und Versicherungsspesen erklären; um die der palästi-' nensische Export nach ■ England in der pa- .j lästinensischen Statistik erniedrigt, der Import aus England aber erhöht in Erscheinung tritt. Tel Awiw. Obwohl der Import des Jahres 1935 im ganzen weit über denjenigen des vorhergehenden Jahres gestiegen ist, hat sich der Textilwarenimport nur unwesentlich erhöht und stellt sich auf insgesamt LP ' 1,73 Millionen (gegenüber LP 1,61 Millionen im Jahre 1934). Der Import von Bekleidungsgegenständen weist dagegen eine Steigerung um fast 25 Pr-öz. auf LP 3U Millionen auf. Insgesamt stellt sich der Import von Textilwaren und Bekleidungsgegenständen im' Jahre 1935 auf LP 2l/2 Millionen.. »■., wobei der Schneider Mosche Dalmann bis zur Bewußtlosigkeit mißhandelt' wurde.. Auch unter den fremden ^Bauern - entstand eine Panik, sie liefen durch die ' Straßen zu ihren Wagen, wurden dabei von Juden angegriffen und setzten sich zur Wehr. Es entstand eine .Schwer© Schlagerei. Die von der Menge umzingelte Polizei konnte nicht einschreiten. Infolge des Gerüchtes, daß von Juden geschossen worden sei, sammelte sich die Menge unter Führung von Stephan Zarybta zu einem systematischen Angriff auf die jüdische Bevölkerung. Zuerst begnügte sich die Menge damit, die Fenster der jüdischen Häuser einzuwerfen, als aber der 53jährige Stanislaw Wieszniak durch einen Revolverschuß tödlich getroffen wurde, stürmte die Menge die .geschlossenen jüdischen Läden und Wohnungen, so daß die Polizei die Uebersicht über die Ereignisse' völlig. ,verlor. 20 Juden wurden schwer verletzt. Zum Schluß schildert .die Anklageschrift sehr eingehend die Ermordung des Ehepaares Minkowski und die schwere Mißhandlung seiner Kinder. Belgien. Rabbi Samuel Brodt als Nachfolger von Oberrabbiner Amiel gewählt. Antwerpen, 3. Juni. In der zur Neuwahl des Oberrabbiners einberufenen Wahlversammlung ist der ehemalige Abgeordnete des polnischen Sejm und Führer des Misrachi, Rabbi Samuel Brodt aus Tomaszow, fast einmütig zum Nachfolger des nach Tel Awiw berufenen Rabbi Atniel gewählt worden. Rabbi Brodt gedenkt, sein Amt im September d. J. anzutreten. Schweden. Die nordischen Staaten und die Regelung des Auswandererproblems, Stockholm, 3. Juni. In Schweden gibt sich starkes Interesse für eine Auswandererhilfskonferenz kund, die am 13. und 14. Juni in Paris stattfinden soll. Es wurde eine Anzahl von Komitees gebildet, die sich mit dem Studium der einschlägigen Fragen befassen. Zahlreiche ^hervorragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, unter ihnen auch der frühere Justiz- und Außenminister Oesten Unden, haben beschlossen, sich an der Konferenz zu beteiligen. Eine besondere Arbeitsgemeinschaft wurde gebildet, um die spezifisch schwedischen Gesichtspunkte bei dem Auswandererproblem zu bearbeiten und eine zufriedenstellende Lösung auf internationaler Basis vorzubereiten. Aus Norwegen wird gemeldet, daß auch die dortige Arbeiterpartei und der Gewerkshcaftsbund an der Konferenz teilnehmen werden. suchte, einen';Böykött-Terroristen festzunehmen; rottete sich eine1 Menge zusammen, die diö'*Polizei um-, zingelte. Es entstand eine Panik, die jüdischen Händ-, ler schlössen die Läden. Unter der Führung eines! gewissen Felix Bugaiczlk demolierte die Menge zunächst die Marktstände der jüdischen Schneider, - Dänemark. . Der Völkerbundsoberkommissar für Auswandererfürsorge in Dänemark und Holland. . Kopenhagen, 5. Juni. Der Völkerbundsoberkommissar für Auswandererfürsorge, -General.Sir Nei 11 M a Ic o^ui, hat in Begleitung des Sekretärs der politischen Abteilung des Völkerbunds Tevfik Erim (Türkei) in Kopenhagen geweilt, wo er eine Besprechung mit dem dänischen Außenminister Münch abgehalten hat. Vertretern der Presse erklärte der -Öberkommisskr, der Zweck seiner Reise sei :ausschli.eß.lich. ein! informatorischer. Die Aufgabe, den in der ersten Zeit Ausgewanderten festen Boden unter den Füßen zu schaffen, sei nicht leicht, glücklicherweise aber habe der Zustrom neuer Auswanderer in die europäischen Länder jetzt fast aufgehört. Die genaue Zahl der Ausgewanderten sei nicht»-festzustellen. Für diejenigen jüdischen Auswanderer, die sich zur Landarbeit eignen, seien in Palästina, wo es noch genug Raum gebe, reiche Möglichkeiten vorhanden. Abgesehen von den gegenwärtigen Unruhen — die Wiederherstellung der Ordnung sef bloß eine Frage der Zeit —, seien die Verhältnisse dort ausgezeichnet, und die Juden, die sich in Palästina der Landwirtschaft gewidmet haben, hät-< ten es gut; sie seien aber auch tüchtige und fleißige] Menschen. (ITA.) ■■„+:iii£ttiimäai&>im'