Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1936)
- Date
- 1936-06-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der sonst so kluge, diplomatische Präsident der Zionistischen Organisation, Prof. Chajim Weizmann, hat 1919 den Willen des 'jüdischen Volkes so formuliert: „Palästina muß so. jüdisch werden, wie England englisch ist." Daran möchten heute noch manche nicht rütteln. Das jüdische Volk ist nicht machthungrig, — aber 'es will leben," und das ist seine Sünde. Ich weiß nicht, ob die Araber machthungrig sind, imperialistische Tendenzen haben. Ich glaube es nicht, Aber es ist ihre Sünde, daß sie Andere nicht neben sich an der Sonne dulden wollen. Menschenfreunde versichern immer wieder, daß Palästina Raum für beide Völker habe, daß die jüdische Initiative auch den Arabern zugute komme .und ihren Lebensstandard erhöhe. Das ist alles wahr, aber diese Menschenfreunde vergessen, daß es in der Geschichte noch andere Faktoren gibt, als die „Futterkrippe", so hoch dieser Posten auch zu kalkulieren ist. Es ist ein Unsinn, wenn der Vertreter der Jewish Agency in Genf, Herr Dr. Nahum Goldmann, neulich erklärte, die Juden Palästinas seien gerüstet, und die Araber zitterten vor ihnen. Man darf nicht mit dem Säbel rasseln, wenn man über keinerlei Macht verfügt. Der Selbstschutz der Juden ist ungenügend, und kein Mensch fürchtet sich vor ihm, das 'beweisen Tag für Tag die Terrorakte der Araber. 2. Grenzen der Demokratie. Das jüdisch-arabische Problem in Palästina ist im Grunde durch menschliche Kraft unlösbar. Wenn es tatsächlich eines Tages gelöst werden wird, wird dies durch eine Antwort geschehen, die dem Durchschlagen jenes listig-geschlungenen Knotens durch Alexander gleicht. Wer Alexander sein wird, wissen wir nicht, das ist eine heute noch unbeantwortete Frage. Vorerst aber muß England, der Mandatar des Völkerbundes, versuchen, die momentane Seite des Problems zu lösen. Dazu ist nötig, daß es Farbe bekennt. Es kann nicht beiden Seiten alles Wünschenswerte versprechen, ohne in beiden Lagern die furchtbärste Enttäuschung auszulösen; Man vergißt im Auslande sehr oft, daß Palästina ein diktatorisch regiertes Land ist. Der Wille eines Mannes, des High Commissioners, Sir Arthur Wauchope, ist in Palästina maßgebend. Dieser Diktator hat nun eine für einen Diktator sehr seltsame Leidenschaft, die Demokratie. Er diktiert also demokratisch. Und das ist für Palästina das Unheilvollste. Dieser Demokrat aus Leidenschaft will Juden und Araber in einen .Legislative Council", in einen gesetzgebenden Rat (der allerdings Gesetze nur vorschlagen darf) (hineinzwängen, den weder die einen noch die. anderen wünschen, er will Völker, die » DER ISRAELIT CC das älteste jüdische Blatt Deutschlands, die gehaltvolle und traditionstreue Wochenzeitung gehört in jedes jüdische Haus! entweder im Kriege oder bestenfalls im Waffenstillstand leben, zu gemeinsamen Beratungen über das Wohl des Landes um einen Tisch versammeln und er will bei weitgehendster Redefreiheit, die Ruhe im Lande aufrecht erhalten. Das aber ist unmöglich. So angewandt, werden demokratische Prinzipien zum Verbrechen an beiden Völkern. Sir Arthur gestattet dem Präsidenten des Obersten Moslemitischen Rates, dem Großmufti Husseini, frei im Lande herunvzufahren und den Gläubigen den „heiligen Krieg" gegen die Juden zu predigen, er verhindert es nicht, daß arabische Nationalisten wie Nashashibi, im Lande umherreisen und allerorten zu Streik und aktivem und passivem Widerstand gegen die jüdische Kolonisation aufrufen. Wenn nun die verhetzten Massen losschlagen und einige Dutzend Juden totschlagen, in Stadt und Land sengen und brennen, dann läßt die Regierung auf die Aufständigen schießen. Das macht zwar die toten Juden nicht mehr lebendig, aber die lebendigen Araber tot. Tote hüben und drüben, verwüstete Felder und Haine, zerstörte Häuser und Weinberge sind das Ergebnis dieser demokratischen Freiheiten. Wenn die Regierung sich nicht entschließt, die Drahtzieher in eine Art Konzentrationslager zu sperren — Redeverbot genügt hier nicht — ist der Schutz von Leben und Eigentum in Palästina nicht zu gewährleisten. Wir sagten es schon eingangs — das Problem selbst ist dadurch nicht gelöst, aber ein einigermaßen erträglicher Status quo ist nur auf diese Weise zu schaffen. Wenn nicht die wirklich Schuldigen, die intellektuellen Urheber aller Morde und Gewalttaten, die Palästina zu einem der unsichersten Länder der Erde machten, abschreckend bestraft werden, bleibt den Juden keine andere Hilfe, als zu rüsten, zu rüsten, zu rüsten, mit oder ohne behördliche Erlaubnis. Man wird jüdische Fonds, nach Art des Nationalfonds, der dem Bodenerwerb in Palästina dient, schaffen müssen, dessen Gelder einzig Rüsfcungszwecken dienen. Man kann von keinem Volk^ verlangen, daß es sich widerstandslos hinschlachten läßt — nur um in allen Punkten loyal geblieben zu sein. Das Beispiel Abessiniens, dessen unglücklicher Kaiser gerade Palästina verlassen hat, hat den schwachen Nationen den letzten Glauben an die das Recht wahrende Genfer Institution geraubt. Auch Israel vertraut nicht mehr auf den „Auftraggeber" seines englischen Mandatars. Es kämpft in Palästina um seine allerletzte Hoffnung. * Noch kann England die Dinge in Palästina regulieren. Wenn es, wie im aethiopischen Konflikt, die letzte Minute verstreichen läßt, so wird der englische „Pazifismus" in Palästina eine Katastrophe mitverschulden, die der abessinischen kaum nachsteht. (Nachbemerkung der Redaktion. Wir ließen unseren Mitarbeiter, der seit einigen Jahren in Erez Jisroel lebt, zu Worte kommen, obwohl wir uns mit seinen Ansichten, was die Möglichkeiten eines friedlichen Zusammenarbeitens mit den Arabern und die jüdische Rüstung betrifft, nicht einverstanden wissen. Wenn wir schon auf die Mandatarmacht nicht vertrauen können, so noch viel weniger auf unsere Selbsthilfe; dann •Dwaw Iran sVk pwrrt» itf> p«) „Senge, Meere, habt ihr überwunden, Kontinente überfliegt ihr leicht; Aber habt ihr euch auch selbst gefunden Und euch brüderlich die Hand gereicht?!" Könnt*. ihr denn nie die Zeichen G'ttes sehn, Selbst wenn sie auf dem Tische vor euch steh'n? Der komplette Kizzur. Ein stattlicher Band in hartem, schönem Deckel mit Goldprägung liegt vor uns, der jüngste Bruder seiner zwei Vorgänger. Denn, die drei Bände zusammen Stellen nichts Geringeres dar, als den kompletten Kizzur Schulen am Aruch von Schlomoh Gamzfried (Verlag A. J. Hof mann, Frankfurt a. M.), mit punktiertem hebräischen Text und klarer wörtlicher deutscher Uebersetzung. Ein dreifacher Band von insgesamt 1134 Seiten. Mian darf die Beendigung des Werkes, was das Verdienst des Uebersetzers, Rabb. Dr. Selig B a m b e r g e r, Hamburg, ist, als ein großes Ereignis in der jüdisch-religiösen, populär halachischen Literatur begrüßen, Schlomoh Ganzfried' hat zu seiner Zeit mit dem „Kizzur" den Schulchan Aruch unter das kleine Volk gebracht.. Die heilige Sprache damals, da Iwrith noch kein eigenes Lehrfach und kein Sport war, war die Sprache des Hauses, die Sprache des Beshamidrasch, die Sprache, deren siph der Kaufmann bei seiner Buchführung und der F*eund in seiner Korrespondenz bediente. Selbst der kleinste Mann .aus den Niederungen des Volkes konnte so viel Hebräisch, um ein wenig „Kizzur" zu lernen oder zu hören. Im Westen setzte aber eine Entwicklung ein, die der jüdischen Masse auch dieses Minimum an Kenntnis der Quellen nahm. Man behalf sich, WO man das Gesetz dennoch suchte, mit Hilfsibücbern in europäischen Sprachen. Autor und Verlag des nun beendeten Werkes haben die Arbeit. Ganzfrieds vervollständigt. Nun kann Jedermann, auch wenn ihm der Urtext nicht ganz zugänglich ist, seinen „Kizzur" in die Hand nehmen und lernen, kann an die Quelle gehen und schöpfen ... Aber man glaube etwa nicht, daß das nur ein Buch für Ungelehrte sei. Auch der Gelehrte und im rabbinischen Hebräisch Bewanderte wird seine größte Freude haben an diesem geläuterten, punktierten Text auf gutem Papier und in lichtem Drucke. Die Funktion erleichtert die Lektüre und schafft manche Mißverständnisse aus dem "Wege. Junge Menschen, die heute Hebräisch tnpn r-nno,by r lernen, werden auch nicht geringen sprachlichen Gewinn aus dem Texte ziehen. Die meisten aus der Reihe derer, die in der Jugend den vollen Anschluß an die jüdischen Wtesensquellen versäumt haben, werden den hebräischen und deutschen Text in gleichem Maße und mit gleicher Freude benutzen, die Uebersetzung als Hilfsmittel und Wegweiser zur Quelle gebrauchen und aus beiden Texten das gewinnen, was aller religiösen Lektüre letztes Ziel ist: Kenntnis des Gesetzes, die Kunst des von heiligen Vorschriften und Bräuchen eingehegten jüdischen Lebens vom Aufstehen bis zum Zubettegehen. Wir zweifeln nicht, daß in kurzer Zeit dieser dreibändige übersetzte Kizzur in keinem gutjüdischen Hause fehlen wird. —tz. Briefkasten. Guter Freund. 1. Es^ist nichts dabei, wenn in modernen Erzählungen die hebräischen Ausdrücke in aephardische-r Aussprach© ^gebraucht Werden. S. Wir suchen in der Regel die von Ihnen beanstandete Bezeichnung zu vermeiden. 3. Wir finden nichts dabei, wenn' der Laienvorbeter am Jahrzeitstage das Käppchem in der Synagoge aufsetzt. 4. jvx heißt eigentlich Zeichen. Auf dem Zionsberge ragte das Zeichen des Bundes zwischen G'tt und Israel. 5. Das Wort ist mit Punkt auszusprechen. L. W. und Andere in Zürich und Luzern. Ein Bericht war uns bereits zugegangen. Dank und Gruß! F. B. in E. Die nisö *n findet « rona statt. Wochenkalender. Vom 13. - 20. Juni 1936 / Vom 23. - 30. Siwan 5696 »Hl»!p 13 Jiwia» Samstag 23 13 Sonntag 14 24 na Montag 15 25 na Dienstag Juni 16 26 13 Mittwoch 17 Jl'D 27 T3 Donnerstag 18 28 ns Freitag 19 29 133 Samstag 20 30 b "i 'n p*is "f?—\bv Vitra T>3iaa Neumond: Freitag nachm. 5 Ubr 33»/l8 Min. ]BJ> *>1D3 Dl» n*n'« '3 'r pis mp \