Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 77 (1936)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1936)
- Date
- 1936-06-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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g^^pj^^^^^^^^^^^^^^S^^Sjg^g^^y^i^^^^^pj U.?Jum 1936 Der 1 s r a c 1 i t Nr. 24 Sedte 3 Thora und Mussar im Osten. {Fortsetzung von Seite 1,) ' . •Der 'Mangel .an Mussar erziehung bei der jungen Generation macht sich auf allen Gebieten bemerkbar. Und wo es am und im Einzelnen fehlt, kann auch der Gesamtbau des Klall nicht gedeihen, Stände unsere Jugend auf der Höhe der Mussarlehre oder befände sie sich nur auf dem Wege dahin* dann könnte es nicht vorkommen, daß «iah jeder noch so (kleine organisatorische- Fehler zu einer allgemeinen- Krisis auswachst. Die Neigung zum Sprechen oder Anhören von Bösrede; die Führung einer Politik des .„doppelten Bodens", wobei das Herz nicht an jdem beteiligt ist, was der Mund spricht; die Gewohnheit, Freunde und Kollegen zu verdächtigen und alles bei ihnen nain "p1? zu beurteilen; die Neigung, Anderer Arbeit zu ironisieren und bagatellisieren, sei es aus Spott- und Verkleinerungssucht oder aus Neid und verstecktem Haß, — all 'diese bösen Eigenschaften der Straße finden leider auch Eingang in einen Teil unserer Jugend, und nicht zuletzt sind diese die Ursache all der organisatorischen Mängel in unserer Bewegung. Die beste Medizin zur Heilung dieser Uebel wäre ,,T h o r a und M u s .- s a r", die zum Zentralpunkt im Leben unserer Organisation werden undr auch: die. Basis «rge&en. muß für die bislang abseits stellenden geistig undsittlich Hochstehenden in unserer Bewegung, sich in unserer Mitte zum Segen für die kommende Generation zu .betätigen. Es erübrigt sich noch zu sagen, daß die Mussarbewegung in. jedem Lande 'die von den Orts Verhältnissen gegebenen Formen annehmen muß, grundsätzlich ist aber zu konstatieren, daß diese in Deutschland entstandene Bewegung auch für uns in Polen, und vielleicht gerade für uns,- ei n_e Lebensnotwendig k e i t i s t! Wochennindschäü; Leon Blum an der Spitze der französischen Regierung. Leon Blum hat in der Kamm er sein Programm verkündet und die Mehrheit der Deputierten für sich bekommen^ Seit Beaconsfield in England \ steht zum ersten Males wieder ein Jude an der Spitze der Regierung;, einejr; europäischen Großmacht. Das erweckt Hoffnungen und Aengste, * 11 Von der Rechte n bekam Leon Blum schon beim ersten Auftreten am Samstag zu hören, :woh^..,er ikpmme., Der Deputierte M ajljla.t ^begründete seine Opposition zur Regierung' damit, daß ndieses galloromanische Land zum ersten .Maleu^^ zog sich damit einen Ordnungsruf des Kammerpräsidentenzu. Aber die Mehrheit der Kammer ] scheint für den Ahnenpaß des neuen Ministerpräsidenten gar kein Interesse rzu .haben> wenn auch andererseits von jüdiscner und' judenfreundlicher Seite die Sorge nicht ganzsunterr, drückt wird, daß bei einem Mißlingen des Blum1echen Programms >&ßiKe,cntsr^ eine Niederlage der „jüdischen Regierung"' machen könnten.; E>en; Vorwurf, daß er sich'etwa iah ,die; Macht herangedrängt hätte, wird man Leon Blum •von :k ein e r. Seite;machen ^önn«n.,, Seine Minist; r terpräsidentschaft ergab sich aus den letzten Wahlen fast automatisch. Nachdem er einmal Führer der Sozialdemokratie in Frankreich seit Jahrzehnten ist, muß er auf seinem Posten an der Spitze der Partei auch dann bleiben, wenn diese Partei von den Wählern an die Macht gehöben wird; ' ■ '[ 1 " < Was den j üdis eben Charakter Blums betrifft, so weiß man nur, daß er, im Gegensatz zu Beaconsfield,; nicht getauft ist und mancherlei Bindungen /zur jüdischen Gemeinde und Gemeinschaft gefühlsmäßig unterhält. Dem Aufbau Palästinas hat er durch Unterstützung der zionistischen Instanzen seine Sympathie gezeigt,; ohne sich 'dabei sonderlich hervorzutun. Im übrigen: liegen seine diplomatische Kunst und politische Beideutung asat anderem Gebiete. Die Liebe seines Herzens gehört Frankreich und der Verbesserung der Lage der Arbeiter im Sinne des Sozialismus, und es wird auch außerhalb Frankreichs anerkannt, daß sein Programm sich von Radikalismus fernhält und den Willen zur Befriedung Europas bekundet. ' Inzwischen versäumen natürlich die französischen Antisemiten nicht, den Aufstieg Leon Blums zu einer neuen antijüdischen Propaganda weidlich auszunutzen. Die aufgelöste Gruppe der royalistischen „Action francaise" und die „Fr ontpopulaire" stehen an der Spitze der Kampagne. Im Elsaß wurden und werden Flugblätter gegen Juden verteilt, und beschmierte oder beschädigte Wände von jüdischen Kultusgebäuden sind dort keine seltene Erscheinung mehr. Die antijüdisohe Propaganda findet einen guten Boden besonders in Algier, wo bekanntermaßen pogromartige Vorfälle früher schon vorgekommen sind. In Paris kam es auf einer Versammlung der rechtsradikalen Jugend zu Schlägereien mit jüdischen und auch nichtjüdischen, andersgesinnten Teilnehmern. Das sind Zwischenfälle, die vielleicht nur im Lichte der neuen politischen Entwicklung Manchen als symptomatisch erscheinen, aber immerhin auch uns allen zu denken geben. AUFRUF! An unsere jüdischen Brüder. Die Palästina.TCetttral& der Agudas Jisroel wendet sich unter dem Eindruck der letzten Ereignisse in ernster, schicksalschwerer Stunde an alle diejenigen, denen das heilige Land zu jeder Zeit das nationale Heim des Volkes der Bibel war, und die auch heute noch in der bewußten Pflege des religiösen Lebens auf dem Boden Erez Jisroels die Vorbedingung für das dauernde Gelingen des nationalen Aufbauwerkes erblicken. Mit frevelhafter Hand (haben irregeleitete arabische Mitbürger Palästinas jüdisches Blut auf dem heiligen Boden vergossen, jüdischen Besitz, in dem der Schweiß jähre- und jahrzehntelanger Arbeit hängt, im weitesten Umfange zerstört, so daß der materielle Schaden weit größer ist als bei den Pogromen im Jahre 1929. Darüber hinaus ist dem ganzen Aufbauwerke durch die seihwere Erschütterung des Wirtschaftslebens unermeßlicher Schaden erwachsen, der nur durch verzehnfachte Anstrengung des ganzen jüdischen Volkes wieder gut gemacht werden kann. Auch den vom Keren Hajischuw betrauten Institutionen, insbesondere unserer in hoffnungsvoller Entwicklung begriffenen religiösen Arbeiterorganisation Poale Agudas Jisroel und unseren Kibbuzim — Gedera, Kfar Saba, Maöhane Jisroel, letzteres im äußersten Norden an der gefährdetsten Stelle des Jisohuw mitten in arabischer Umgebung — ist nach den uns zugehenden Berichten beträchtlicher Schaden erwachsen. Es herrscht Arbeitslosigkeit, Not und Hunger, die uns zur sofortigen Hilfeleistung verpflichten. Helft uns, dieser menschlichjüdisöhen Pflicht nachzukommen! Auf die Akte der rohen Gewalt, mit denen unsere Feinide -unser heiliges Werk der religiösen Wiedergeburt des jüdischen Volkes auf dem Boden seiner Väter gefährden wollen, gibt es nur eine einzige würdige, wahrhaft g'ttgefällige Antwort: Verzehnfachte Anstrengung und verzehnfachte materielle Opfer der ganzen Gola für den Aufbau eines wahrhaft jüdischen Erez Jisroels! Ii Zuwendungen nehmen alle Vertrauensleute der Palästina-Centrale der Agudas Jisroel entgegen. Palästina-Centrale der Agudas Jisroel Frankfurt am Main : - : Schwanenstraße 12 Postscheckkonto des Keren HaJischuw; Frankfurt-M. 13802 Bankkonto: Mitteldeutsche Creditbank. I. A. : Dr. S. Ehrmann. Landesorganisationder Agudas Jisroel in Deutschland Rabbiner J. Horovitz. ' ■ __ Agüdistische Frduengruppen in Deutschland! Meta Posen-Prinz