Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1936-06-04 · Heft 23 (4.6.1936) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
77 (1936)
Issue
Heft 23 (4.6.1936)
Date
1936-06-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450909-2450931--82157-2540094
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

4. Juni 1936 Der I s r a efO t Nr. 23 Seite 13 einen eventuellen . Rücktritt dös High Commissioher aus der Luft gegriffen sind. Unter den heutigen Umständen ist'es interessant zu erfahren,: daß im Hpril dieses Jahres die Zahl der Palästina-Einwanderer 3193 betrüg. Im Haf^n von Tel Awiw. \ Tel , Äwiw, Ii Juni.; Ein arabischer Versuch, Boote in Tel Äwiw in Brand zu stecken, wurde abgeschlagen. Äm 28. Mai fand im- Rahmen der Levantemesse ein S e e t a g statt. Es ist ganz unverständlich, daß den jüdischen Dampfern „Tel flwiw", „Ätid" und „Harzion", die an der Feier tdlriehfhen wollten, von" den Behörden die Erlaubnis zum Ankern vor Tel Äwiw versagt wurde. Begründet wurde das Verbot damit, daß die Anlegestelle nur zum Ausladen, nicht aber zur Schaustellung von Schiffen da sei. - ' SprechsaaL Zum Zwischenfall im Kibbuz Chawurat Chofez Chajim. Gedera, 24.. Mai. , Zu unserem Berichte über den Zwischenfall in Gedera wird uns aus Chawurath Chofez Chajim u. a. geschrieben: „Wahr 'ist, daß der „Kibbuz Metichad", der sich neben uns befindet, am Sabbat igefahren ist. Er ist aber keinesfalls über unser Gebiet gefahren, sondern auf der öff entlichen Straße. Wir glauben, daß das dem Ereignis schon ein 'ganz 'anderes Gesicht gibt. Wahr ist, daß der Kibbuz einen. Wagen gefahren hat — aber völlig aus der Luft gegriffen ist, daß er mit einem Traktor gefahren sei. Es stimmt auch nicht, daß sie zur Arbeit gefahren wären, sie sind gefahren, um ihren entfernten Chawerim Essen zu bringen. Was an 'diesem Zwischenfall besonders war, was ihn von jedem anderen. Chillul Sabbat unterschieden hat, der allwöchentlich im ganzen Land verübt wird, ist die Tatsache, daß der Kibbuz uns versprochen hatte, diese Straße, die an uns vorbeiführt, am Säbbat nicht zu benutzen, um unsere Gefühle nicht zu verletzen. Dieses Versprechen wurde eineinhalb Jahre auch eingehalten, und ist auch bisher nicht gebrochen worden. Nur bei 'dieser Gelegenheit wurde dieses Versprechen mit Gewalt gebrochen und es kam zu einer Schlägerei. Unter dem Druck eines Einwohners' der Moschawä versprachen sie uns, den Wagen bis zum Abend auf der Straße, stehen zu lassen, aber nach einigen Stunden kamen sie und holten den Wagen mit Gewalt, und dabei kam es abermals zu einer Schlägerei. Auch bei dieser Gelegenheit fuhren sie nicht bei uns vorbei, sondern in ihr Lager zurück. Wir verhandeln nun seit; dieser Zeit mit den Leuten von „Kibbuz Meucbad", daß' sie uns die Einhaltung ihres früher gegebenen Versprechens garantieren, aber die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen." ' (Wenn, in dieser Zuschrift der Sachverhalt im Ganzen zugegeben wird, so ist uns 'die „Berichtigung" nicht ganz verständlich. Macht es einen großen Unterschied, ob man' mit Wagen oder Traktor, zu diesem oder jenem Zwecke am Sabbat fährt? Red.). Personalien. Der Wischriitzer Rebbe gestorben.""' ■' ' Oradea, 2. Juni.7 In der Nacht' ztr Samstag hauchte hier der Wis ch ni t zer R eb b e , der Senior der Chassi dimrabb is von :T*anssylvanien, Rabbi Is r a e l Hager seine Seele aus.. Er entstammte der jangese,- henen Rabbidynastie der Wischnitzer und erfreute sich einer unvergleichlichen. Verehrung und Beliebtheit im ganzen Lande, Seihe Anhänger zählten nach vielen Zehhtausenden. Das thoratreue Judentum chassddischer Richtung steht verwaist an der Bahre eines seiner großen Führer 9">t- Prof, Dr, Isaac Heinemann 60 Jahre. , . / k Breslau/: ,29. Mai. Der Dozent am Breslauer jüdisch-theologisch eh Seminar und Herausgeber der dm 80. Jahrgang stehenden „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", Prof. Dr. Isaac Heine.- mann, feiert am 5, Juni'seinen 60, Geburtstag. Aus diesem Anlaß ward eine von Dr. Albert Le'fkowitz redigierte Festnumm.er der „Monatsschrift für Geschichte; und Wissenschaft des Judentums;"; herausgegeben, an der /Kollegen,. Schüler und Freunde des Jubilars mitgearbeitet haben. , Dr. vHeinemänn ist Frankfurter Kind ünd wirkte bis zu seiner Berufung nach Breslau in Frankfurt, In .der wissenschaftlichen Welt ist Prof.. Heiriemaön vor allemafeFörtsetzer der von Prof, Dr. Leopold. Cohn .begonnenen deutschen Ausgabe der Werke Pfülös von Alexandrien hervorgetreten. Diese Ausgabe steht ^efet vor ihrem Ab- Schluß, Aus (diesen Studien erwuchs auch sein grundlegendes Werk ,/Philons griechische und jüdische Bildung" (1932), Das 1921 erschienene Buch „Zeitfragen im Lichte jüdischer Lebensanschäuung" hat starke' Verbreitung gefunden:'' Prof, Heinemann ist vor Jahren von der Breslaues Universität zum Honorarprofessor ernannt worden, ..... wyiay Hünfeld, 29. Mai. Eine wahrhaft fromme Frau hat am 23. Ijar ihre reine Seele ausgehaucht. Frau Sophie Strauß, die der altjüdischen und vornehmen Familie. Roths.chiL^ in Schlüchtern, ent-.. stammte. Im Sinne ihres eigenen Elternhauses hat sie an der Seite ihres gleichgesihnteh Gatten, den sie vor 16 Jahren verlor, ihre" Kinder, 4. Söhne und 3 Töchter —^ ein Sohn ging leider frühzeitig dahin — zu braven' Jebudim und geachteten Menschen erzogen. Ihre Anspruchslosigkeit, Bescheidenheit und tiefe .n»"i»; waren Vielen ein" Vorbild. Ob es ihre nbsn war, die sie täglich gewissenhaft verrichtete.oder1 das 'in-Gebet war, das sie allabendlich sprach, bevor sie ihr müdes Haupt zur Ruhe legte, all das floß aus ihrer reinen nm1»- Ebenso ihre weitgehende npts-Ausübung, die sich mit einer inbrünstigen pW VmtP' -Liebe schon vor Jahren zu einer herrlichen mx» -Tat vereinte, indem sie Jahre hindurch von ihrer Heimat aus einen bestimmten Jebudi in sehr reichlich unterstützte. — Jetzt stand sie einige Wochen vbr dem' Abschluß ihres 80. Lebensjahres, als sie zu sich nahm. Am 25. Ijar, Sonntag, fand unter großer Beteiligung in Burghaun (Kr. Fulda)i die Iiewaj'o statt, bei der Herr Lehrer O p p en h e i m e r,' Rhina, zugleich als Freund des Hauses warme Worte sprach.? . ' rraxan Hanau, 26. Mai. Am 13. ist David K o s c lila nd als Siebzigjähriger nach schwerem Leiden in die Ewigkeit abberufen worden. Schon in früher Jugend war er alleiniger Ernährer seines ibm teueren Vaterhauses. Er erfüllte damit keine Pflicht menschlicher Pietät, sondern as naa als nisa nwin. Als einem aufrichtigen und thoratreuen Menschen, verlieh ihm sein Schwiegervater, der Hanauer Raw, Dr. Koref h'm, am Hochzeitstage den lan-Titel. Er war nicht nur ein mwin^, sondern, auch ein rtW f Infolge der Wirren des Weltkrieges von Brüssel nach Frankfurt getrieben, schloß er sich natürlich der Frankfurter mwvH79 i>np mit überzeugter und andere überzeugender Anhänglichkeit an. Er war immei; ein kraftvoller Kämpfer, kein Haderer, sondern ein 7i nänba arb- Als er nach siebenjährigem Aufenthalt in Frankfurt aus Gesundheitsgründen nach Hanau übersiedelte, blieb er seiner ihm ans Herz gewachsenen Frankfurter w my Vnp ein überzeugtes und treues Mitglied. Die letzten Jahre seines mit Thorastudmm und Uebung guter Werke erfüllten Lebens verbrachte er infolge eines schweren Leidens als Stin 3wr> wiederum und nur noch mit Thora und Awoda. Er faßte dieses Leiden als g'tÜiche Schickung im Sinne von nans yyv auf. Seine äußere Heiterkeit und innere Zufriedenheit waren ein beredeter Beweis einer währen jüdisch abgeklärten Persönlichkeit. Wer Krankenbesuch bei ihm machte, nahm mit sich einen Teil seines G'ttvertraüens. So war er nicht nur fa-m rnir-i, Sönnern auch Tinea pann- Sein letzter Wunsch war, nach Erez Jisroel überzusiedeln, um seinen Lebensabend ini heiligen Lände zu beenden. Was ihm zu Lebzeiten sein Schöpfer versagte, wird er ihm jetzt im Bereich des mnwn nxis gewähren.*. n"asjn- Darmstadt, 25. Mai. Eine überaus große Trauergemeinde' hatte sich am 23. Ijar auf dem Friedhofe unserer ReHgionsgesellschaft eingefunden, um unserem an einem Herzschlag verschiedenen ersten Vorsitzenden, Josef F r e i i a g , die letzte Ehre zu erweisen. In einer großangelegten Rede schilderte Herr Rabbiner Dr. M e r z b a c h die vielen Vorzüge des Heimgegangenen, indem er ihn als treuen Führer seiner ^Gempinde, als' 'fürsorgenden Gatten und Vater, sowie als! friedliebenden::und redlichen Menschen bezeichnete. Das älteste Mitglied der Verwaltung unserer Religionsgesellschaft entbot ihm den letzten :älVw -Gruß, brachte in ^kurzer Rede zum Ausdruck, was er unserer Gemeinde gewesen ist und rief ihm Worte des!*Dankes/'und steten Gedenkens-' für seine der Reiigidpsgesellschaft geleisteten . Dienste nach. 'Ein Mann von großer' Beliebtheit, der auch im Vorstande verschiedener jüdischer Vereine war und sich voll und ganz für deren Belange einsetzte, ist dahingegangen. Möge n*3j?n.... der. Witwe und.ihrem Sohne,, sowie vielen, die seinen Heimgang beklagen, Trost spenden und unsere Kehiloh vor weiteren Schicksalsschlägeh bewahren. .^mxan E. Gailingen, 29. , -Mai, , Es stärb im hiesigen Altersheim. Frl.. Zerline B a m b e r g e r, 68 Jahre alt, ein. Sproß jeher weitverzweigten, über die v Landesgrenzen hinaus bekannten deutschen Räbbinerfamilie. Enkelin, des- .'berühmten, hochgelehrten Würzburger, : Töchter'' des Senhheimer Raws. Sennheim im Elsaß, das während jdes -Weltkrieges.jUnversehens mitten in die Frontliniie zu liegen kam. Da® Dorf lag unter schwerstem Feuer das Dorf brannte an allen Ecken. Der "Raw aber mußte mit Gewalt fast vom Omed, aus seiner SchulJ hinweggeholt■ werden. Als letzter seiner Gemeinde,' die heiligen- Thorarollen in den, Armen, verließ, er das brennende .Dorf, die Stätte seines Wirkens. Die Tochter aber, auch 'sie'ein Opfer des Krieges, hatte sich in jenen Schreckenstagen ein Leiden zugezogen, das sie Zeit ihres Lebens nicht mehr verlassen sollte. Zwanzig lange Jahre, eine vorbildlich ergebene, g'tterfüllte Dulderin, war sie an ihr Zimmer .gefesselt. Dieser stille Raum aber ward heimlicher Mittelpunkt der ganzen, großen Familie. Hier sammelten sich die Briefe von überallher, von den Bambergers, von den Unnas und erzählten von Trauungen, von ,Bar Mizwahs, von Geburten und vom Sterben.: Und als in den letzten Jahren immer mehr ihrer Lieben Erez Jisroel als nunmehrige und endgültige Heimat angeben konnten, da erfüllte dieses Bewußtsein ihr Leben mit Stolz und mit einer gewissen Weihe. Kein Zweifel, ihr Hinscheiden hinterläßt eine Lücke, auch im Heim, auch in der Gemeinde, die ihr zur zweiten Heimat geworden, H. n-asan Hamburg, 26. Mai. Aus Borken i. W. erreicht uns die tierbetrübliche Kunde, daß ein Frommer und Edler die Augen zur ewigen Ruhe geschlossen: Moses H a a s ist im 74. Lebensjahre zu seinen Vätern eingegangen. Hier, nahe der niederländischen Grenze, haben,zwei Brüder, Jonas und Moses Haas, vereint in g'ttesfürchtiger Gesinnung und in gebefreudiger Opferwilligkeit dem. gläubigen, überlieferungstreuen Judentum eine Stätte zu schaffen ihr ganzes von Erfolg und G'ttessegen gekröntes Leben lang sich bemüht. Ihre Firma, die Holzgroßhandlung der Gebr. Haas, war ein Wirtschaftsunternehmen großen Stils, das auch der Stadt ihrer Heimat unendlichen Nutzen brachte und Vielen Beschäftigung und Brot gab. Obwohl ihr Unternehmen bald den engen Grenzen der Geburtsstadt entwuchs und in der Großstadt eine Finale gegründet werden mußte, Hieben die beiden Begründer des Geschäfts der Stadt ihrer Väter treu, und hier wurden sie die Träger der jüdischen Gemeinde und des ganzen jüdischen Lebens. Keine Mühe und kein Opfer war ihnen zu groß, um die Synagoge zu einer würdigen Stätte des Gebetes auszubauen und eine jüdische Schule für die Jugend zu schaffen. Es war auch ihr sehnlichster Wunsch, nach Borken ein R a b b i n a t zu legen, denn beider Herz hing sehr an der Thora, und beide standen stets, in innigster Verbindung mit den frommen Rabbinen ihrer näheren und ferneren Umgebung. Dieser Plan ließ sich aber nicht verwirklichen. Nun hat der eine dieses einzigartigen Bruderpaares von, uns Abschied genommen. Ein Leben von reichster Fülle des Leistens und Wirkens findet damit seinen Abschluß. Als Mitglied des Kuratoriums des Waisenhauses in Dinslaken hat er sich freudig zur Förderung dieses Instituts und zur persönlichen Betreuung der Waisenkinder zur Verfügung gestellt. Für die vielen Armen und besonders für Flüchtlinge und Auswandernde, die eine neue Zukunft in Holland suchten, ' stand sein Hau® offen und seine helfende Tatkraft immer zu Gebote. In Anerkennung seiner großen Verdienste und seiner echten Frömmigkeit wurde ihm anläßlich seines 70. Geburtstages " von mehreren Rabbinen der C h o w e r t i t e 1 verliehen. Die letzte große Freude seines Lebens war sein 50jähriges Dienstjubiläum am 17. April ds. Js., wo ihm von Juden und Nichtjuden in gleicher Verehrung Anerkennung und Glückwunsch dargebracht wurden. Sein Familienleben war von herrlichster Harmonie, und es mag seiner ihm stets in Treue verbundenen Gattin wie all seinen Kindern und Enkeln zum Trost gereichen, daß bis zuletzt dem Greise seine Gesundheit treu blieb, und sein wacher, frischer Geist voll innerer Anteilnahme allen Interessen des Judentums sich widmen konnte. Sein Andenken wird stets als das eines besonders frommen und bescheidenen, 'sittlich hochstehenden Menschen zum Segen sein! Seine Bestattung, die kurz vor Beginn des Sabbats am 15. Mai stattfand,' machte es leider unmöglich, daß auswärtige Rabbinen ihm die letzte Ehre erweisen konnten. An seinem Grabe gab der Lehrer von Borken, Herr L o c k e r, dem tiefen Dank der Angehörigen und der Jüdischen Gemeinde bewegtet^ Ausdruck, — In unserer. Mittrauer mit Familie und Gemeinde haben wir nur; das eine Gebet, daß die Hand G'ttes schützend über dem verehrten Bruder des Dahingeschiedenen walten möge,- damit er noch lange Jahre der jüdischen Gesamtheit erhalten bleibe, und daß das Verdienst des Verstorbenen all den Seinen als Ansporn und Schutz für immer beistehen möge. C. .Tasin Vermischtes. Berlin, 26.'Mai. Das,Patenschaftskomitee für das Adaß Schulw.erk, Berlin veranstaltet am Sonntag, den 14. Juni ds. Js., vorm. 9 Uhr in der Aula, Siegmundshof 11, eine Verlosung wertvoller Reisen und Sachwerte zugunsten seiner Unterstützungsfonds, insbesondere der Unterhaltung seines Ferienheimes. Unter anderem spendeten der Lloyd Triestino eine Seereise Tniest—Haifa .und zurück, Pension Weiß-Abbazia, Hotel Flörsheim-Bad Nauheim, Hotel Strauß- Brückenau, Jüdisdhes Kinderheim-Celerina (Engadin), F. Grünbaums Kuranstalt^Gräfenberg, Hotel de lä Paix-Interlaken, Hotel National-Marienbad, Bermanns Hotel -Bellaria-Meran, Pension Gerstner-Mergentheim, Hotel Belmont-Monireux,, Pension E. $6berski-Neuenahr^ Hotel Victoria-Schuls, Hotel Bristol-Spindler-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.